Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Dienstag, 29. November 2011

Laub fegen im Wald

Bei meinem heutigen Fotospaziergang begegnete ich einem Waldarbeiter, der das Laub von den Wegen fegte – und das mitten im Wald. Er bemerkte mein Kopfschütteln und mein fragendes Gesicht und meinte schmunzelnd: "Fragen Sie mich ruhig." Ich habe ihn darauf hin natürlich gefragt, warum er im Wald Laub fege. Und er erklärte mir, dass dies nur auf den Wegen geschehe, die angelegt worden und nicht befestigt seien. Wenn dort das Laub nicht entfernt, sondern liegen bleiben würde, würde sich im Laufe mehrerer Jahre eine Humusschicht bilden, die den darunter liegenden Weg so aufweichen würde, das dort Pflanzen wachsen und Wurzeln den Boden durchbrechen würden. Dann wären diese Wege nicht mehr begehbar. Das leuchtet mir ein.

Dennoch bin ich nach wie vor verdutzt, weil ich schon viele Jahrzehnte durch Wälder gehe und es noch nie erlebt habe, dass auf irgendeinem Waldweg Laub von den Wegen gefegt wurde. Unbefestigte Waldwege, auf denen Wurzeln aus dem Boden wachsen, habe ich immerhin schon einige begangen.

Sonniger Herbst

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Montag, 28. November 2011

Ein langer Weg . . .


Als ich 1990 erstmals arbeitslos wurde, ahnte ich noch nicht, dass ich über 20 Jahre später immer noch - mit Unterbrechungen - arbeitslos sein würde. Irgendwann habe ich es aufgegeben, die Absagen zu zählen - sie liegen im vierstelligen Bereich. In all diesen Jahren habe ich nie aufgegeben, wieder ins Berufsleben zu kommen. Doch immer wieder bekam ich Nacken- und Tiefschläge. Ich habe sehr viele Initiativbewerbungen geschrieben, die seltsamerweise immer wieder am schnellsten als Absage zurück kamen. Ich war sehr oft niedergeschlagen und hoffnungslos, konnte jedoch nicht aufgeben. Aufgeben musste ich erst Anfang 2011 nach einer langen und schmerzhaften Erfahrung, die ich bis heute nicht verarbeitet habe.

Es waren und sind sehr schmerzliche seelische, geistige und körperliche Erfahrungen, die mich stark geprägt haben. Sie hängen mir "in den Knochen" und sind weder weg zu diskutieren noch weg zu therapieren. Viel aufgezwungene Zeit zu haben, ist nicht gleichbedeutend mit Urlaub, denn für Urlaub braucht man Geld und Urlaub ist Erholung - als Langzeitarbeitsloser habe ich diese Erholung nicht und Geld noch sehr viel weniger.

Das hat dann auch zur Folge, dass ich auch sozial und zwischenmenschlich ausgegrenzt bin und werde, weil ich so gut wie keine Möglichkeiten habe, mit anderen Menschen etwas zu unternehmen, weil "unternehmen" mit Geld ausgeben zu tun hat. Und mich immer mit "durchziehen" will mich auch niemand - verständlich und ein Teufelskreis zugleich. Zu meinen schmerzhaften beruflichen kommen dann noch diese schmerzhaften zwischenmenschlichen Erfahrungen. 

Schon oft habe ich überlegt, ob ich mich von den Menschen genauso so zurück ziehen sollte wie von meiner Suche nach einem Wiedereinstieg ins Berufsleben. In Rente gehe ich ohnehin in fünf Jahren, aber mein Leben wird hoffentlich noch einige Jahrzehnte darüber hinaus gehen. Und daher werde ich meine Überlegung, mich auch von den Menschen zurück zu ziehen, wohl nie in die Tat umsetzen, umsetzen wollen und auch nicht umsetzen können. 

Dennoch wird das Problem meiner sozialen Ausgrenzung und mein möglichst Menschen würdiger Umgang damit bestehen bleiben. 

Donnerstag, 24. November 2011

Wie Hartz IV-Betroffene "gefördert" werden


Fordern und Fördern - unter diesem Leitsatz wurde seinerzeit die zynische und Menschen verachtende Hartz-Gesetzgebung ins Leben gestampft. Gefordert wurden die Betroffenen von Anfang an. Doch das Fördern hakte von Anfang an gewollt hinterher. Gefordert wird bis heute uneingeschränkt, aber nicht von Bundesregierung, Parteien, DGB, Industrie-, Wirtschafts- und Bankenmanagern, sondern von den Betroffenen. Gefördert werden nach wie vor die, die schon immer genug hatten und die auch verantwortlich sind für die brutalen Hartz-Gesetze.

Auch wenn ich nicht mehr soviel über diese Thematik schreiben will, so muss ich es hin und wieder doch tun, weil ich als Betroffener tagtäglich mit den Folgen von Fordern und Fördern konfrontiert bin. Die vorsätzliche Benachteiligung von Langzeitarbeitslosen wird in diesem Medienbericht dankenswerterweise klar ausgesprochen. "Denk ich an Deutschland (nicht nur) in der Nacht, . . ."

Mittwoch, 23. November 2011

Leseratte

Schon seit meiner Schulzeit, seitdem ich Lesen und Schreiben gelernt habe, bin ich eine Leseratte. Das geschriebene und das gesprochene Wort haben mich schon immer begeistert. Und so habe ich in meiner Kindheit und Jugend jede Menge Bücher verschlungen. Die Vielfalt von sprachlichen Erzählungen, Darstellungen und Inhalten haben meine Freude an und mein Spielen mit der Sprache stark geprägt. Ein Leben ohne Bücher kann ich mir genau so wenig vorstellen wie ein Leben ohne Schreiben. Der einzige Nachteil meiner Lesefreude war meine Jugend, weil ich erst mit vierzehn Jahren ein Stück von meinen Büchern losließ und unter Menschen ging.

Beim Lesen tauche ich in andere Welten ein, leide und freue mich mit den Guten und Bösen, ärgere mich und weine auch mit ihnen. Doch taucht in den letzten Monaten auch noch Schatten auf, der mir nicht so recht gefällt, der aber aus meinen Erfahrungen heraus fast schon logisch und sogar zwangsläufig ist: Ich versinke nicht nur aus Genuss am Lesen in andere Welten, sondern ich fliehe auch in diese Welten, weil ich mein tägliches Alltagsleben oft nur mit Müh´ und Not aushalten und leben kann.

Montag, 21. November 2011

Die Welt in 55 Jahren

Als ich heute in Düsseldorf die Rheinuferpromenade entlang spazierte und mir die Sonne ins Gesicht strahlen ließ, fragte ich mich beim Anblick eines etwa fünfjährigen, spielenden Jungen unwillkürlich: "Wie wir unsere Welt aussehen, wenn Du – in etwa 55 Jahren – so alt sein wirst wie ich heute?"
Wird die soziale Kälte noch eisiger geworden sein?
Werden wir unsere zwischenmenschlichen Beziehungen nur noch nach den kaufmännischen Vorschriften von Gewinn und Verlust einordnen?
Oder werden wir wieder eine zwischenmenschliche Herzenswärme erkämpft und erarbeitet haben, die unser Leben wieder lebenswert machen?
Werden wir in einer Arbeitswelt leben und arbeiten, in der wir wieder gerne arbeiten und wir für unsere Arbeit so entlohnt werden, dass Leben auch finanziell wieder lebenswert ist?
Wird es wieder mehr und ehrliche Seelenfreundschaften geben?

Ich weiß es nicht, Und das unabhängig davon, dass in 55 Jahren mein Körper wohl schon zu Staub verfallen sein wird.

Das Thema, wie die Welt in einigen Jahrzehnten sein wird, berührt mein Leben nur am Rande. Aber wäre ich Vater, wäre ich aus meiner väterlichen Verantwortung heraus gezwungen, mich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Sonntag, 20. November 2011

Tote in Erinnerung behalten


Ich bin eben auf eine nachdenkenswerte und für mich gefühlsmäßig schöne und in Europa leider ausgestorbene Kultur aufmerksam geworden: das Fotografieren von Toten - als Erinnerung und als Hilfe, mit dem Tod des verstorbenen nahe stehenden Menschen umgehen zu können.

Über dieses Thema hat die Lokalzeit Münster des Westdeutschen Rundfunks dieses einfühlsame und berührende Video ins Netz gestellt.

Samstag, 19. November 2011

Stillstand

Zur Zeit ist in meinem Gedankenbuch so ziemlich tote Hose. Das ist aber nur in meinem Gedankenbuch so. In meinem Kopf schwirren die Gedanken und in meiner Seele die Gefühle. Meine Jahresrückschau ist zwar erst in vier Wochen geplant, aber ich kann jetzt schon sagen, dass 2011 in meinem Leben sowohl beruflich wie privat sehr viel geschehen ist, aber nicht nach vorne, sondern auf demselben Fleck. Irgendwie geht es einfach nicht vorwärts. Und wenn es vorwärts geht, dann nach dem Motto Zwei Schritte vor und wenig später wieder zwei Schritte zurück.

Insofern ist die Überschrift dieses Eintrags auch lediglich eine Momentaufnahme – bezogen auf meine hier veröffentlichten Gedanken und Gefühle. Mir gehen oft Gedanken durch den Kopf, die ich gedanklich nur schwer ordnen und schon gar nicht zu Papier bringen kann. Es braucht dann seine Zeit, bis dass ich den ein oder anderen Gedanken in Worte fassen und auch veröffentlichen will.

Sonntag, 13. November 2011

Ein selten schöner November

Wann hatten wir zuletzt solch einen sonnigen November mit strahlend blauem Himmel? Und es ist ja nicht einfach nur die Sonne, die scheint, sondern wir haben schon fast vierzehn Tage eine stabile Schönwetterlage. Ich erinnere mich an November mit kalten und nassen Tagen und Nebel. Ende November 2005 fiel der erste Schnee, der dann fast vier Monate immer wieder von oben ergänzt wurde und auch solange liegen blieb. Ich weiß das deshalb noch so genau, weil ich einige Tage vorher meine schriftliche Abschlussprüfung Kaufmann im Gesundheitswesen geschrieben habe.

Von mir aus könnte dieses trockene und sonnige Wetter noch einige Monate anhalten – ohne den November- und Winter-Blues und mit viel Sonne fürs Herz und für die Bewegung in der Natur.

Mittwoch, 9. November 2011

Pablo

Der Liedermacher und Sänger Hannes Wader hat 1983 ein Lied über einen Jungen geschrieben, der hilflos und verzweifelt mit ansehen musste, wie Juntasöldner seine Eltern brutal geschlachtet haben. Und er singt auch von der Solidarität von Menschen, die diesem jungen Menschen wieder eine Lebensperspektive gegeben haben.

Dienstag, 8. November 2011

Meine Lebenskämpfe

So richtig klar ist es mir nicht, warum ich schon mein Leben lang eine Kämpfernatur bin. Ich habe nur die Erklärung, dass mein Bruder anderthalb Jahre nach mir geboren wurde und meine Mutter mir dann nicht mehr ihre volle Aufmerksamkeit geben konnte. So habe ich vermutlich Wege für mich gefunden, diese Aufmerksamkeit dennoch zu bekommen. Ob ich damit Erfolg hatte, vermag ich gar nicht zu sagen.

Im weiteren Verlauf meines Lebens war es dann für mich eine normale Angelegenheit, mich für andere Menschen und eine "bessere Welt" einzusetzen. Bedauerlicherweise habe ich dabei den Schwerpunkt aufs Politische gesetzt und so manche zwischenmenschliche Beziehung vernachlässigt. Und zu einer besseren Welt habe ich auch nicht beitragen können. Im Gegenteil – im Vergleich zu meiner Jugend ist unsere heutige Welt herzloser und rücksichtsloser geworden.

Auch im zwischenmenschlichen Bereich habe ich sehr viel gekämpft und dabei so manches Mal meine Menschen dabei aus den Augen verloren. Gerade im zwischenmenschlichen Bereich ist Kämpfen oft gar nicht nötig, weil Gefühle sich nicht erzwingen lassen. Und bei Gefühlen geht es in der Regel mehr um Einfühlungsvermögen als um Kampffähigkeit und Kampfkraft. Doch sind Wissen und dieses Wissen leben zwei Seiten ein- und derselben Münze und häufig nur mit viel Mühe und Einfühlungsvermögen in Einklang miteinander zu bringen.

In der Rückschau muss ich schlichtweg feststellen: Hätte ich schon vor Jahrzehnten gewusst oder geahnt, was ich heute weiß, ich hätte nicht so viel gekämpft, sondern viel mehr auf meine Gefühle gehört und wäre ihnen gefolgt. Doch mein Heute ist mein Heute. Und ich stehe zu einhundert Prozent dazu, unabhängig von meinen vorüber gehenden Wünschen, so manch einen Fehler aus meinem Leben wieder zu löschen. Doch glücklicherweise ist das unmöglich. Ansonsten wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin – mit allen meinen Fehlern, Misserfolgen und vor allem meinen menschlichen Vorzügen.