Freitag, 31. Juli 2015

Stille Solidarität mit Netzpolitik.org


Gegen netzpolitik.org ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen angeblichen Landesverrats. Damit werden die Machenschaften der Geheimdienste gedeckt und die Menschen eingeschüchtert, die diese Machenschaften beharrlich an die Öffentlichkeit bringen. Eigentlich ist es ein Skandal, doch leider sind (solche) Skandale im politischen und sozialen Alltag in Deutschland trauriger Alltag.

Liebe Menschen bei netzpolitik.org,

auch wenn ich Euch keine Spende zukommen lassen kann (Rente + Grundsicherung), so gilt Euch im Stillen meine volle politische und menschliche Solidarität. Ich habe Hochachtung vor Eurer Zivilcourage. Gebt nicht auf in Eurem Bemühen, Euren Beitrag zu einer menschlicheren Welt zu leisten.

Mit solidarischem Gruß
Gerhard

Dienstag, 28. Juli 2015

Hilflos in der Arbeitswelt


Seit ziemlich genau einem Jahr bin ich nun Rentner. Und was hat sich an meiner Lage geändert? Im zwischenmenschlichen Bereich sehr viel. Aber in meinem Bemühen, auch materiell wieder ein Stück auf die Beine zu kommen, muss ich nach wie vor nach dem Motto handeln Außer Spesen nichts gewesen. Die Suche nach einer 450-Euro-Stelle gestaltet sich genau so schwierig wie meine seinerzeitige Suche nach einer Vollzeitstelle. Bewerbe ich mich schriftlich, erhalte ich oft gar keine Antwort. Spreche ich persönlich vor, soll ich mich schriftlich bewerben und erhalte kurzfristig eine Absage oder gar keine Antwort. Dasselbe geschieht, wenn ich versuche, mich telefonisch zu bewerben.

Es gibt so viele Seiten im Netz, die Stellen anbieten, dass ich damit meine Wohnung tapezieren könnte. Und so habe ich mir gezielt zwei Seiten heraus gesucht, auf denen ich suche. Ich hatte auch schon längere Telefongespräche mit Arbeitgebern, die letztendlich auch in eine Absage führten. Und ohne einen Zusatzverdienst werde ich irgendwann einmal mit einem schlichten Nichts geht mehr das Handtuch werfen müssen. Und das will ich nicht!!! Ich bin auch schon meine Ausgaben durch gegangen und habe mal wieder gekürzt. Und da bin ich auch am Ende der Fahnenstange. Monatlich 200 Euro zum "Leben" lassen mich nicht gerade entspannt leben.

Mir fällt aber auch gar nichts mehr ein, wie ich einen Arbeitgeber von meiner Mitarbeit überzeugen könnte. Das geht auch gar nicht, weil man sich weder im privaten noch im beruflichen Bereich einem Menschen aufdrängen kann. Wenn die Arbeitgeber mich seit etwa 25 Jahren nicht wollen, dann wollen sie mich nicht - da kann ich noch so viele Kopfstände und Verrenkungen machen. Ab Mai nächsten Jahres kann ich zwar unbegrenzt hinzu verdienen, doch ob das für mich von Vorteil ist, wage ich mal sehr anzuzweifeln.

Und was bleibt mir noch? Mich weiter zu bewerben in der Hoffnung, dass auch ein blindes Huhn mal ein Korn findet. Na, dann mal viel Erfolg!

Donnerstag, 16. Juli 2015

Mein Leben auf den Kopf gestellt


Bisher kannte ich es nur aus Büchern und Filmen, dass ein einzelner ins Leben tritt und so ziemlich das ganze Leben auf den Kopf stellt. Und nun ist es mir selbst auch geschehen oder besser geschieht immer noch.

Da kommt vor drei Monaten eine Frau vorbei und meint, nun sei sie da und würde mal eben mein Leben auf den Kopf stellen. Ich dachte mir, die Frau hat Mut und habe sie neugierig und zweifelnd in mein Leben gelassen. Und nun ist sie da. Und ich habe so ganz und gar nicht vor, sie wieder gehen zu lassen, obwohl es nicht nur spannend, sondern manches Mal auch recht anstrengend zusammen mit uns ist.

Nach mehr als zehn Jahren des Alleine-Lebens ist es für mich in manchen Dingen schon eine erhebliche Umstellung, vom Ich wieder zum Wir zu kommen: Sei es meine Wohnung (da war erst mal Eichhörnchen-Arbeit nötig), seien es verlernte Verhaltensweisen, die ich in Bezug auf soziale Kontakte wieder auffrischen oder erlernen muss. Von meinem "wahnsinnig hohen" Fleiß und meiner "außerordentlichen" Leistungsbereitschaft möchte ich hier gar nicht reden.

Leider ist das Leben hier auf Erden nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen und so sind wir auch bemüht, eine friedvolle und achtungsvolle Streitkultur aufzubauen, was nicht gerade zu unseren leichteren Vorhaben gehört. Doch wir sind miteinander sehr verbunden und so bemühen wir uns trotz Rückschlägen und Niederlagen, uns immer weiter aufeinander zuzubewegen. Rückschläge und Niederlagen werden immer weniger und wir nutzen sie, uns immer besser und inniger zu verstehen und tolerant miteinander umzugehen. Das Schlimmste, das wir uns vorstellen können, wäre Stillstand - das wäre der Anfang vom Ende.

Unser gemeinsames Leben, in dem jeder dem anderen seine Persönlichkeit lässt und sie unterstützt, hat gerade erst angefangen. Da wird noch viel geschehen. Es ist und bleibt spannend!

Freitag, 12. Juni 2015

Auf dem Boden der gelebten Wirklichkeit


Nun habe ich schon über sechs Wochen keinen neuen Artikel in meinem Gedankenbuch geschrieben - recht ungewöhnlich für mich. Doch ich habe nicht das Gefühl, zu wenig geschrieben zu haben. Es geht mir damit so, wie ich es schon früher zur Häufigkeit meiner Blogleser geschrieben habe: "Lieber zehn Leser, die sich ernsthaft mit meinen Gedanken beschäftigen als einhundert Leser, die zwei Zeilen lesen und dann wieder weg klicken." Die zehn Leser erreiche ich wenigstens, auch wenn ich es nicht mit bekomme. Die Anzahl meiner Besucher zeigt mir, dass ich noch immer mir zugewandte Leser habe.

Und ich will diesen mir zugewandten Lesern - an dieser Stelle möchte ich meine neuen Leserinnen und Leser herzlich willkommen heißen - nicht "auf Teufel komm raus" alle paar Tage Artikel anbieten mit dem Ziel, möglichst viele Besucher in meiner Statistik zu sehen. Vielmehr bemühe ich mich, meine Gedanken, Gefühle und politische Meinungen in einer Art und Weise mit Euch zu teilen, die Euch nicht langweilt. Ich hoffe, das gelingt mir bei den meisten Artikeln. Zwar würde ich mich sehr über Eure Kommentare freuen, es gäbe mir jedoch auch ein angenehmes Gefühl zu "wissen", dass ich mit meinen Worten anregende und nachdenkliche Spuren in Euch hinterlasse.

Sehr viele meiner Gedanken und Gefühle teile ich mittlerweile mit diesem Menschen in einer Tiefe und Nähe, wie ich sie seit Jahren nicht mehr kenne. Und dieses mein Leben auf dem Boden der gelebten Wirklichkeit zu leben und zu pflegen ist mein höchster Wert. Und einen solchen Wert in Euren Leben wünsche ich auch Euch, meinen geschätzten Leserinnen und Lesern.

Donnerstag, 30. April 2015

Das echte Leben hat mich wieder


Ich schreibe dieses Gedankenbuch, weil ich ein großes Mitteilungsbedürfnis habe. Und ich habe immer gehofft, dass ich auf diesem Weg neue Kontakt finden könnte; doch das hat sich nicht erfüllt. Da war ich doch zu blauäugig. Das Leben geht vielfältige und auch sehr spannende Wege. Auch wenn ich hier in meinem Gedankenbuch nicht das gefunden habe, was ich ursprünglich wollte, so bereue ich keine Zeile, die ich hier veröffentlicht habe. Ich kann Euch versichern, dass ich auch weiterhin versuchen werde, meine Gedanken und Gefühle - positive wie negative - hier mit Euch zu teilen.

Oder in anderen Worten: Ich werde hier nicht mehr so häufig schreiben wie die letzten Jahre, weil ich eine Frau gefunden habe, die mir sehr nahe steht und deren Anteilnahme an meinem Leben nicht vorüber gehend ist, sondern beständig. Unser Austausch ist aus der Ferne und aus der Nähe sehr ausgeprägt und fruchtbar. Darum werdet Ihr künftig hier nicht mehr so viel von mir lesen, weil mir mein Gedankenbuch nicht das geben kann, was diese Frau mir gibt.

Montag, 20. April 2015

Am Ende und am Anfang eines langen Weges


Mein bisheriger Lebensweg ist gekennzeichnet von Irrungen, Wirrungen, Erfolgserlebnissen, von Höhen und von Tiefen. Und das sowohl im ganz persönlichen und zwischenmenschlichen Bereich wie auch im beruflichen Bereich. Und obwohl ich mein Leben phasenweise mehr als Überleben denn als Leben empfand, habe ich nie aufgegeben zu kämpfen und vor allem zu hoffen. Vielleicht habe ich so manchen überflüssigen Kampf geführt. Ob vielleicht oder tatsächlich - jeder Kampf gehörte und gehört zu meinem Leben und prägt mich in meinem Heute.

Mein berufliches Kämpfen war in jedem Fall in weiten Teilen absolut überflüssig. Ich habe sehr viele Energien in diese Kämpfe investiert und sie doch letztendlich verloren: Sie führten in meine kleine Rente, die ich mit Sozialhilfe aufbessern muss, um dem Überleben auch noch so viel Leben wie möglich ab zu gewinnen. Und auch unter diesen veränderten Verhältnisse ist selbst die Suche nach einer 450-Euro-Beschäftigung so schwierig wie in meinen arbeitslosen Jahren.

Auch in meinem ganz persönlichen und zwischenmenschlichen Bereich schien es ähnlich angelegt zu sein. Die Suche nach meinem Wieder-Ankommen und mein Hoffen darauf haben sich jedoch gelohnt. Denn zwischenzeitlich musste nicht nur ich, sondern auch mein Glück einen langen und verworrenen Weg gehen, bevor es meine Türe gefunden, angeklopft und um Einlass gebeten hat. Das war vor knapp einem Monat. Und ich habe ein sehr sicheres Gefühl, dass sich auch mein Glück freut, mich endlich gefunden zu haben. Was soll und will ich noch sagen? Ich freue mich auf lebendige und tief greifende Jahre.

Montag, 23. März 2015

Wenn Armut in Deutschland geleugnet wird


Ich war sehr erschrocken, als ich in einem Beitrag von mir sozialen Netzwerken zwei Kommentare las, in denen Armut in Deutschland geleugnet wurde. Obwohl es nur zwei Leugner sind, hat es mir schon den Atem verschlagen. Wie blind muss man veranlagt sein, um die Armut in Deutschland nicht zu sehen bzw. nicht sehen zu wollen? Da hilft es beispielsweise auch gar nicht, auf die Armut in Indien & Co. zu verweisen.

Ich will niemanden davon überzeugen, dass es in Deutschland eine große Armut gibt. Wer vom Gegenteil überzeugt ist, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Es ist ja auch sinnlos und unmöglich, die Leugner des Holocaust davon zu überzeugen, dass es den Holocaust gegeben hat.

Eins ist für mich klar: Mit solchen Leugnern ist für mich kein Austausch möglich, weil uns Welten trennen. Wer meint, in Deutschland gäbe es keine Armut, soll damit glücklich werden und mit seinem Leugnen direkt und indirekt zur weiteren Armut beitragen.

Donnerstag, 12. März 2015

Wie Voruteile sich in Urteile verwandeln


Es ist in der Regel ein schleichender Vorgang, wenn man Menschen in eine Schachtel steckt, aus der sie dann nicht mehr raus kommen. Man hält sie mit Gewalt in dieser Schachtel und entlässt sie auch nicht mehr, weil man dann ja offen dafür sein müsste, dass man sich in diesen Menschen geirrt hat. Dazu das folgende Beispiel:

Ein Negativ-Urteil über mich lautet, ich sei ja nur negativ drauf. Wer mich standhaft so aburteilt, macht sich blind für meine positiven Seiten. Da kann ich noch so sehr argumentieren - für diese Menschen bleibe ich negativ. Und meine positiven Seiten werden außen vor gelassen. So gibt es Zeitgenossinnen und -genossen, die hartnäckig behaupten, in meinem Gedankenbuch würde ich nur Negatives schreiben. Diese Leute kann ich nur fragen: "Mit wie viel blinden Augen und mit welchem Interesse lest ihr denn mein Gedankenbuch? Habt ihr es überhaupt schon mal gelesen oder nur diagonal überflogen?"

Und was bitte schön ist daran so negativ, wenn ich auch meine negativen Meinungen äußere? Ersetzen wir doch mal "negativ" durch "aufmerksam hinterfragend" - klingt doch schon viel positiver, nicht wahr? Jeder Mensch nimmt seine Mitmenschen und die gesellschaftliche Situation - die immer auch die persönliche gesellschaftliche Situation ist - mit seinen Augen wahr, mit seinen Lebenserfahrungen, mit seinen Gedanken, seinen Gefühlen. Wenn wir das nicht täten, wären wir Roboter.

Ich glaube, wir alle haben in der ein oder anderen Weise Negativ- bzw. Vor-Urteile gegenüber anderen Menschen. Gefährlich werden diese Vorurteile dann, wenn sie sich verhärten und man nicht mehr imstande und willens ist, seine eigenen Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen und sie auch zu berichtigen oder gar über den Haufen zu werfen.

Freitag, 6. März 2015

Das tägliche Geldausgeben


Tag für Tag werde ich gezwungen und gebeten, mein Geld anderen zu geben - unabhängig davon, ob die Beträge angemessen oder unangemessen, ob berechtigt oder unberechtigt sind:

Auf Brot und Käse kann ich nicht verzichten. Aber die Preise für diese Grundnahrungsmittel sind derart überhöht, dass mir bei jedem Einkauf dieser Grundnahrungsmittel der Kamm schwillt. Mittlerweile gehen auch immer mehr Zeitungen dazu über, Artikel nur noch gegen Bezahlung online zu stellen. Da schränkt mich zwar in meiner Informationsbeschaffung ein, hält sich aber in einem erträglichen Rahmen. Dann gibt es die Betreiber von Internetseiten, die um eine Spende bitten, aber ihre Inhalte auch ohne Spende zur Verfügung stellen. Und als letztes Beispiel möchte ich die sozialen Initiativen (Friedensinitiativen beispielsweise) nennen, die von privaten Spenden abhängig sind, weil "unser" Staat Friedensarbeit nicht fördert. Und Frieden umfasst auch den sozialen Frieden, der immer weiter untergraben wird.

Konkret und mit kleinen Beträgen unterstütze ich einen Obdachlosen, dem ich fast täglich begegne, mal mit einem Kaffee, einem Brötchen, einem Teilchen. Und ich unterstütze ihn mit einem sehr wertvollen Nahrungsmittel: mit Aufmerksamkeit, Zuwendung und Gedankenaustausch.

Mittwoch, 4. März 2015

Was auch immer geschieht


Die folgenden Zeilen (sinngemäß aus einem deutschen Lied) begleiten mich die letzten Wochen immer wieder als Ohrwurm:
Was auch geschieht, es wird gescheh´n,
es gibt so Vieles, was wir nicht versteh´n.
Dabei frage ich mich immer wieder, ob ich in meinem Leben nicht viel zu aktiv war und stattdessen Vieles hätte einfach auf mich zukommen lassen. Im zwischenmenschlichen Bereich würde ich eher mit einem NEIN antworten, weil im zwischenmenschlichen Kontakt die Beziehung grundsätzlich zwei- bzw. mehrseitig ist und ich auch etwas zurück bekomme.

Im beruflichen Bereich antworte ich mit einem klaren JA, weil gefühlte 2.000 Bewerbungen keinen Erfolg gebracht haben und dieser große Misserfolg immer noch in mir lebt. Hätte ich in diesem Bereich nicht jede Möglichkeit der Weiterbildung genutzt, hätte ich die letzten Jahre vor meiner Rente noch arbeiten dürfen.

Ich möchte immer ganz viel verstehen, und ich verstehe auch ganz viel. Hier komme ich schon seit einigen Jahren besser zurecht, weil ich mir angewöhnt habe, loszulassen nach dem Motto "Ich muss (und will) nicht alles verstehen", wenn ich etwas nicht verstehe oder wenn es mir zu schwierig oder gar unmöglich ist, etwas zu verstehen.

All das hat auch zu tun mit LOS-lassen von Dingen und Menschen, die mir nicht gut tun. Und dem EIN-lassen auf Menschen, die mir gut tun.