Samstag, 8. Juli 2017

Schönes aus meiner Schulzeit


Während meiner Jahre am Konrad-Heresbach-Gymnasium in Mettmann gab es hohen Besuch vom damaligen Außenminister Gerhard Schröder. Der Platz vor dem Gymnasium war bis zum etwa 100 m gegenüber liegenden Rathaus übervoll - vorwiegend mit Schülern, die sich auf ihren Außenminister freuten. Und einer dieser Hunderte von Schülern war ich.

Da auch ich Gerhard heiße, hatte ich mir vorgenommen, Gerhard Schröder als Erster zu begrüßen. Und das ist mir sogar gelungen. Kaum war er aus dem Auto gestiegen, habe ich ihm mit den Worten "Ich heiße auch Gerhard" die Hand gegeben. Und er hat mir seine Hand gegeben. Das war´s dann auch schon. Ich war mächtig stolz.

Wenn ich mir meine weitere soziale und politische Entwicklung ansehe, die nicht gerade in die Richtung ging, die Schröder und seine Partei damals vertraten und auch heute noch vertreten, muss ich sehr schmunzeln. Und ich freue mich, dass dieses durchaus schöne Erlebnis eine kurze Nebenhandlung in meinem Leben geblieben ist.

Meine bisherige Entwicklung verläuft zwar in Windungen und um manch eine Ecke, aber sie ist in Bewegung.

Montag, 19. Juni 2017

Wie verändert mich ehrenamtliche Arbeit mit älteren Menschen?


Spontan kommt die Gegenfrage: Verändert mich diese Arbeit überhaupt? Und ich antworte ebenso spontan mit einem klaren Ja. Ich habe es mit Menschen zu tun, die ausnahmslos alle den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit erlebt haben. Diese Menschen sind in aller einfachsten Verhältnissen aufgewachsen. Das Heute ist für sie im Vergleich zur Nachkriegszeit Luxus. Und zu diesem Luxus gehören auch Dinge, die für die meisten von uns heute selbstverständlich sind: eine Wohnung mit fließend kalt und warm Wasser, ein gefüllter Kühlschrank, Geschäfte mit einem Überangebot von Waren und Lebensmitteln, ein Auto, reisen können usw. Im Hinterkopf sind mir diese Tatsachen alle klar, aber sie von den älteren Menschen erzählt zu bekommen und ihre Mimik und Gestik mit zu bekommen - das lässt mich schon bewusster über mein Leben nachdenken. Selbst meine Abhängigkeit von staatlichen Leistungen ist immer noch mehr, als die Nachkriegsmenschen zur Verfügung hatten. Das ermahnt mich immer wieder an meine oft überhöhten Ansprüche und daran, bescheidener und zufriedener zu sein mit dem, was ich heute habe.

Die Nachkriegsgeneration musste bescheidene Mittel und sehr viel Kreativität einsetzen, um zu überleben und viele auch, um überhaupt wieder auf die Beine zu kommen. Diese Menschen erzählen viel über ihre Kriegs- und Nachkriegserfahrungen, weil diese wesentlichen Lebensinhalte in ihnen immer noch leben. Und es ist für mich - auch das muss ich mir immer wieder vor Augen halten - ein großes Geschenk, dass ich seit über 60 Jahren in Frieden leben darf.

Diese Menschen bestätigen mir immer wieder, wie ausgesprochen wichtig es ihnen ist, Erinnerungen wach zu rufen. Diese Erinnerungen sind nicht immer angenehm, aber diese Generation hat trotz Krieg und Nachkriegszeit auch sehr viel Schönes erlebt. Und dieses Wecken von Erinnerungen spreche ich bei ihnen offensichtlich gut an.

Der Umgang mit oft an Demenz erkrankten Menschen ist immer wieder eine Herausforderung an meine Empathie, meine Beobachtungsgabe und meine Kreativität. Im Grund ist das von allen Anforderungen an meine Arbeit mit diesen Menschen die größte und beständigste Herausforderung - eine Herausforderung, mit der ich mich auch literaturmäßig und im Gespräch mit anderen weiter entwickeln will und werde.

Die Fähigkeiten, die ich in dieser Arbeit erlerne, kommen mir auch in meinem Leben insgesamt zugute. Die älteren Menschen sind dankbar für mein Arbeiten mit ihnen, und ich bin ihnen dankbar für die Anregungen, die ich aus den Gesprächen und dem Umgang mit ihnen mitnehmen darf. Und diese gegenseitige Dankbarkeit behalten wir nicht für uns, sondern wir sprechen sie auch aus.

Montag, 12. Juni 2017

Materielle und immaterielle Zufriedenheit


Schon immer hat es mich gestört, das Leben nur unter materiellen Gesichtspunkten zu sehen. Und trotz dieses Wissens habe ich in wesentlichen Bereichen nicht danach gelebt.

Beispiel Arbeitslosigkeit: "Arbeit" habe ich immer nach dem Gesichtspunkt gesehen, dass sie auch mit Geldverdienen verbunden sein muss. Erst mit Beginn meines Ehrenamtes vor über einem Jahr - dem einige Überzeugungsgespräche voraus gingen - betrachte ich "Arbeit" auch unter immateriellen, menschlichen Gesichtspunkten wie Verantwortung übernehmen, einfühlsamer Umgang mit Menschen, Freude, ein Stück mehr innere Ruhe - Werte, die mir keinen Cent in Geld mehr bringen, aber sehr viele "Euros" an inneren Werten.

Beispiel Haushaltsbuch: Jahrelang war ein Haushaltsbuch für mich sinnlos, weil es mir ja "nur dabei helfen würde" zu sehen, wo ich mich noch weiter einschränken müsse als ich es ohnehin schon muss. Mit meinem sorgfältig geführten Haushaltsbuch habe ich auch keinen Cent mehr zur Verfügung, aber dafür einen Überblick über meine Finanzen - ich weiß konkret, wofür ich mein Geld ausgebe und sehe auch, wenn ich mal über meinem wöchentlichen bzw. monatlichen Soll liege. Ich muss zwar immer wieder schlucken, wenn ich hin und wieder sehe, dass ich mich einschränken muss, aber ich weiß dann wenigstens genau, um welche Ausgaben es sich handelt.

Beispiel Innerer Frieden: Mit meinem langsamen Abschied von dem Suchen nach rein materieller Zufriedenheit, verbunden mit dem verstärkten Suchen nach inneren Werten, finde ich Schritt für Schritt immaterielle Zufriedenheit - oder mit anderen Worten: ein stetiges Mehr an innerem Frieden.

Diese Entwicklung geht einher mit vielen Gesprächen - vor allem mit meiner Freundin. Die Änderung meiner Einstellungen geht nicht von heute auf morgen, sondern ist auch mit inneren Widerständen verbunden und dem Mut, meine Einstellungen auch immer wieder zu hinterfragen als Grundlage für meine beständige Weiterentwicklung hin zu einem inneren und stabilen Frieden.

Dienstag, 25. April 2017

Mein Gästebuch


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich habe jetzt dieses Gästebuch in mein Gedankenbuch eingebunden und freue mich auf Eure Anregungen, Eure Kritik und Eure Gedankenanstöße in den Kommentaren.

Ich freue mich über jeden Eintrag und sage
an dieser Stelle danke schön dafür
Gerhard

Montag, 24. April 2017

Warum Blog-Kommentare so wichtig sind


Wir alle unterhalten uns tagtäglich - sei es privat, beruflich, in der Freizeit, im öffentlichen Raum - und betrachten unsere Unterhaltungen zu Recht als ganz selbstverständlich. Der sprachliche Austausch ist eine unabdingbare Grundlage für ein gelungenes, friedliches und konstruktives Zusammenleben. Und unsere Sprache ist äußerst vielfältig: Blindensprache, Körpersprache, Gestik, Mimik, das gesprochene Wort, das geschriebene Wort.

Das geschriebene Wort versuche ich in meinem Gedankenbuch lebendig, schöpferisch und so klar wie möglich auszudrücken. Das will ich auch mit der Unterzeile meines Gedankenbuches "Meine Gedanken zu den verschiedensten Themen des Lebens - zum Lesen, zum Nachdenken, zum Anregen und sehr gerne auch zum Kommentieren" zum Ausdruck bringen. Und es ist zugleich eine Bitte an meine Leserinnen und Leser, meine Einträge zu kommentieren, zu hinterfragen, zu ergänzen, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen.

Ich schreibe und pflege mein Gedankenbuch nicht nur seit unmehr zehn Jahren für mich alleine, sondern ich wünsche mir auch Eure Rückmeldungen. Hannes Wader singt in einem seiner Lieder "Und soll mein Denken zu etwas taugen und sich nicht nur im Kreise drehn, will ich versuchen, mit Euren Augen die Wirklichkeit klarer zu sehn." In diesem Sinne wünsche ich mir Eure Kommentare. Vielleicht können wir uns in diesem Sinne gegenseitig dazu anregen, die "Wirklichkeit klarer" zu sehen. Es gibt nicht die Wirklichkeit, die für jeden verbindlich ist, sondern ich meine hier die persönliche Wirklichkeit eines Jeden von uns.


Mittwoch, 29. März 2017

Warum ich mittlerweile ein Haushaltsbuch führe


Jahrelang habe ich mich geweigert, ein Haushaltsbuch zu führen, weil ich der festen Überzeugung war, dass ich mit einem Haushaltsbuch auch nicht mehr Geld zur Verfügung hätte. Das ist zwar richtig, aber leider nur die halbe Wahrheit. Also habe ich mich dazu überreden lassen, auch ein Haushaltsbuch zu führen - nach dem Motto "Kann ja nicht schaden".

Anfangs habe ich es aus Überredung geführt und mittlerweile aus Überzeugung: Zwar habe ich keinen Cent mehr zur Verfügung als vorher. Aber ich weiß jetzt, wofür ich mein Geld ausgebe. Oder genauer formuliert: wofür ich mein Geld bewusst und planmäßig ausgebe. Und den Unterschied spüre ich sehr nachdrücklich, weil ich seitdem schuldenfrei bin und davon überzeugt, dass ich es auch bleiben werde.

Ein ganz dickes Dankeschön dafür geht auf diesem Weg an meine Freundin, die einige Überzeugungsarbeit investieren musste und mir das Haushaltsbuch eingerichtet hat.

Mittwoch, 22. März 2017

Eine Million Rentner ohne Rentenerhöhung


Zum 01. Juli werden die Renten um 1,9% erhöht. Darunter gibt es über eine Million Rentner, die auf Grund ihrer Armut auf ergänzende Grundsicherung angewiesen sind. Auch diese Rentner kommen in den Genuss der Erhöhung - allerdings mit einem sehr bitteren Beigeschmack: Diese Erhöhung wird ihnen in voller Höher von der Grundsicherung abgezogen.

Sofern die Betroffenen nicht das Glück eines Nebenjobs haben, wird ihnen die Höhe ihrer Gesamteinkünfte für Jahre auf demselben Stand eingefroren. Von dem zusätzlichen Verlust der Geldentwertung in dieser Zeit gar nicht zu reden.

Davon wird in den Medien so gut wie gar nicht berichtet. Und die Gewerkschaften haben das auch nicht auf ihrem Radar. Ich habe zwar auch schon im vorletzten Jahr über dieses Thema geschrieben, finde aber sehr wichtig, dass dieses Thema nicht in Vergessenheit gerät.

Montag, 13. Februar 2017

Abschied vom Kämpfen


Es gibt einen Spruch, der sagt "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt". Sehr viele Jahre war auch ich ein Vertreter dieses Spruchs. Doch mittlerweile muss ich mir mehr und mehr eingestehen, dass dieser Spruch sich auch ins Gegenteil verkehren kann. Dann nämlich, wenn man vor lauter Kämpfen das übrige Leben vergisst und Gefahr läuft, langsam und sicher in einen beständigen Kampf-Modus zu verfallen, ohne das zu merken.

Möglicherweise ist es für mich noch nicht zu spät für den Abschied von diesem Kampf-Modus, der mehr zerstört als aufbaut. Doch es gibt auch Situationen, in denen man kämpfen = sich wehren muss. In diesen Situationen ist es wichtig zu erspüren, wann ein Rückzug sinnvoll ist, um sich nicht letztlich selbst fertig zu machen. Hierbei denke ich in erster Linie an berufliche Situationen, lasse aber die privaten zwischenmenschlichen Situationen nicht außen vor - in beiden Situationen stecken viele Zerstörungs- und auch viele Aufbaumöglichkeiten. Meine Mutter sprach oft davon, auch mal "eine Faust in der Tasche zu machen" - war wohl doch einer ihrer besseren Vorschläge 👍.

Diese Faust in der Tasche fehlt mir ebenso wie die Offenheit für Kritik. Leider reagiere ich zu oft mimosenhaft, wenn nahe stehende Menschen bzw. Freunde mich konstruktiv hinterfragen. Mit diesem Verhalten verharre ich zu lange im Stillstand und fordere unausgesprochen sehr viel von diesen Menschen. Das zu wissen ist das Eine - es zu leben oft schwierig, weil das Herausfinden aus lange gelebtem Verhalten nicht gerade einfach ist.

Kennt Ihr ähnliche Verhaltensweisen? Wie geht Ihr damit um?

Donnerstag, 12. Januar 2017

Lesekreis und Rätselrunde


Seit fast einem Jahr arbeite ich ehrenamtlich in einem Solinger Altenheim und veranstalte dort einmal wöchentlich einen Lesekreis und einmal wöchentlich eine Rätselrunde. Ich bin ziemlich schnell in diese Tätigkeiten hinein gewachsen, weil ich offen auf die Oldies (mittlerweile nenne ich sie liebevoll meine Oldies) und das Team zugegangen bin und Oldies und Team ebenso offen auf mich. Fast von Anfang an kann ich sehr selbständig und eigenverantwortlich arbeiten, was mich freut und stolz macht. Vom Team bekomme ich jede nur mögliche Unterstützung.

Bei meinen Oldies hat sich ein fester Stamm heraus gebildet, der sich immer wieder auf mich freut und aktiv und engagiert den Lesekreis und ebenso die Rätselrunde mit gestaltet. Vor allem die Geschichten über die Nachkriegszeit wecken immer wieder viele Erinnerungen. Es war eine Zeit, die den Menschen jener Zeit sehr viel Kreativität abverlangte. Auch das Vertrauen zwischen den Menschen war damals noch verhältnismäßig stark ausgebildet. Und wenn mir am Schluss sowohl von Lesekreis wie auch von Rätselrunde gedankt wird - oft mit Beifall - so geht mir das runter wie Butter.

Was ich in meinem seinerzeitigen Artikel geschrieben habe, hat sich auf der ganzen Linie bestätigt. Es zeichnet sich ab, dass ich möglicherweise ein weiteres Tätigkeitsfeld übernehmen werde.

Ein störendes Element möchte ich an dieser Stelle dennoch erwähnen: Es stört mich von Anfang an, dass Literatur für diese Altersgruppe grundsätzlich unter Demenz zu finden ist. Sachlich betrachtet kann ich das nicht nachvollziehen und moralisch ist es für mich grenzwertig. Aber das wird mich nicht hindern, meine Oldies auch weiterhin als erfahrene und lebenskluge Menschen zu behandeln. Und genau so empfinde ich sie auch.

Dienstag, 10. Januar 2017

Zurück zu Blogger


Vor knapp vier Monaten war ich mit meinem "Gedankenbuch" zu wordpress.com umgezogen. Leider musste ich zwischenzeitlich feststellen, dass wordpress.com einige technische Einschränkungen hat, die mich veranlassen, wieder zu meinem Ursprungsblog hier bei Blogger zurück zu kehren.

Ihr erreicht mich also ab sofort wieder unter meiner alten Blogadresse https://tanzfreude.blogspot.com/.

Meine wordpress-Artikel bleiben auf gerhall.wordpress.com erhalten und sind dort nachzulesen.

Meine Rückkehr zu Blogger habe ich damit verbunden, meine Seitenleiste etwas aufzuräumen.

Ich würde mich freuen, wenn Ihr "Gerhards Gedankenbuch" auch weiterhin treu bleiben würdet.