Montag, 1. August 2016

Versuch einer Halbzeitbilanz meines Lebens


Mittlerweile bin ich 65 Jahre jung und habe bestimmt schon meine rechnerische Lebensmitte überschritten. Darum möchte ich gerne mal versuchen, eine Art Halbzeitbilanz zu erstellen. Da menschliches Leben weitaus mehr ist als nur Chemie, Zahlen und Biologie, ist das nicht so ganz einfach. Gelebtes Leben, "gute" wie "schlechte" Erfahrungen und Schlussfolgerungen lassen sich nicht einheitlich einordnen. Und sie zu bewerten ist meines Erachtens mehr als grenzwertig.

Im Großen und Ganzen habe ich meine Jugend als die schönste Zeit meines Lebens in Erinnerung. Doch bewerte ich hier nicht schon? Dann wäre nämlich mein Leben, das ich seit meiner Jugend lebe, nicht mehr so schön. War es das wirklich? Das ließe sich meines Erachtens nur vergleichen, wenn ich stehen geblieben wäre. Aber ich habe mich weiter entwickelt, sehe so manches anders und auch gründlicher und umfangreicher. In meiner Jugend beispielsweise habe ich gelebt und hatte weder Angst vor dem Heute noch vor dem Morgen. Und heute? Ich versuche, meine Ängste zu sehen, mich aber nicht von ihnen unterkriegen zu lassen - nicht immer eine leichte Aufgabe.

Sollte ich die letzten ca. 20 Jahre meines Lebens als "schlecht" bezeichnen, nur weil ich arbeitslos war und geblieben bin? Sie waren mit Sicherheit nicht angenehm, wenn ich bloß an ca. 2.000 Bewerbungen = ca. 2.000 Absagen denke. Es gibt Menschen, die unter wesentlich mieseren Bedingungen leben müssen und die dennoch ihr Leben so annehmen wie es ist. Da habe ich mir viele Jahre immer wieder selbst ein Bein gestellt. Eigentlich sollte ich sagen "Es ist, wie es ist - mach´ das für dich Beste draus." Das zu sagen, ist noch der einfache Teil . . .

Eine Bilanz ist auf beiden Seiten ausgeglichen. Ich hoffe, ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Oftmals kann es leichter sein, eine Bilanz zu erstellen als das Leben in allen seinen Facetten sinnvoll, aufbauend und mit positiver Lebensenergie zu gestalten. Das Leben hat mehr als zwei Seiten, und nicht alle Seiten können immer ausgeglichen sein. Ich kann mich nur bemühen, alle Bereichen in einem befriedigenden Gleichgewicht zu halten.

Es war ein Versuch, eine Halbzeitbilanz meines Lebens zu erstellen - Versuch "misslungen", weil das Leben jede Bilanz alt aussehen lässt. Oder seht Ihr das anders?

Freitag, 8. Juli 2016

Mein unangenehmer Weg aus der Opferrolle


In meinem Gedankenbuch habe ich mich sehr viel mit meiner langjährigen Arbeitslosigkeit und meinen Versuchen beschäftigt, aus diesem Leben dauerhaft heraus zu kommen. Zu Beginn habe ich für meine vergeblichen Versuche einzig und allein die Arbeitgeber veranwortlich gemacht, weil sie über die Macht verfügen, Arbeit zu gewähren und wieder zu entziehen. Mittlerweile bin ich von dieser Meinung ein Stück abgerückt, weil ich ebenfalls ein Stück dazu beigetragen habe, nicht dauerhaft in Arbeit zu bleiben. Mit diesem Außerachtlassen meiner eigenen Mitverantwortung habe ich bei vielen Menschen den Eindruck erweckt, ich würde mich nur als Opfer darstellen und nichts wirklich Konstruktives für mich tun. Es geht mir hier nicht um die wirtschaftlichen und politischen Hintergründe. Vielmehr sehe ich meine Opferrolle in der Tatsache, dass ich mich durch die lange Arbeitslosigkeit habe runter ziehen lassen und andere damit genervt und von mir weg gestoßen habe.

Doch was ist so schlimm daran, dass ich mich als Opfer dieser Umstände sehe und fühle? Die wirtschaftlichen Umstände kann ich nicht beeinflussen. Und der Kreativität in der Stellensuche waren und sind sehr enge Grenzen gesetzt. Im privaten Bereich kann ich mich insofern in dem Begriff Opferrolle wiederfinden, als dass ich mich nicht mehr auf meine alten Verletzungen und Narben berufen will, die ich zweifelsohne davon getragen habe. Doch leider stoße ich bei meinem Vorhaben, das zu ändern, immer wieder an meine Verletzungen und Narben. Und diese Altlasten langsam ab- und Neues aufzubauen, erschwert es mir oft, zuversichtlich nach vorne zu sehen. Es ist dieser "ideale Kompromiss" zwischen der klaren und sachlichen Sicht auf die Vergangenheit und den Zielen im Jetzt und in der Zukunft, der mir das zielsichere und entspannte Weitergehen oft erschwert.

Wie geht Ihr - sofern Ihr Euch betroffen fühlt - mit Euren "Opferrollen" um?

Dienstag, 10. Mai 2016

Ein wunderbares Vorlesebuch für Senioren


Genau genommen steckt in dem Titel des Vorlesebuchs der Begriff "Demenzkranke". Aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Lesekreis eines Altenheims ist mir nicht nachvollziehbar, warum ältere Menschen, die in Heimen wohnen, so oft als Demenzkranke bezeichnet werden. Ich erlebe beide als sehr aufnahmefähig und kommunikativ, wenn man da auch schon genau beobachten muss. Und ich erlebe die "Geschichten für Demenzkranke" immer wieder als sehr lebendig auch für Menschen jeden Alters ohne Demenz.

Ich bin davon überzeugt, dass Werner Siegert und Ingrid Schumacher in ihrem "Vorlesebuch für Demenzkranke / 45 Geschichten aus der Welt der Erinnerungen" diesen Begriff nicht negativ gemeint haben. Ansonsten würden ihre Geschichten bei "meinen" Oldies (und auch bei mir) nicht auf so viel Teilnahme und Erinnerungen treffen.

Jede der nicht länger als zwei Seiten langen Geschichten beginnt mit Fragen, die das Erinnerungsvermögen älter Menschen anspricht. So erlebe ich es immer wieder, dass bereits nach zwei/drei Sätzen meine Oldies ihre Erinnerungen erzählen. Und das ist auch so von den Autoren gewollt. Es soll nicht stur vorgelesen werden, sondern die Geschichten sind Anstöße für Erinnerungen, die auch sofort erzählt werden sollen. Ich bin beim Vorlesen dieser Geschichten immer wieder begeistert, wie "meine" Oldies direkt von ihrer Mimik her sagen "Das kommt mir doch bekannt vor" und zu erzählen anfangen. Diese Erzählungen und der Austausch darüber sind wesentlich schöner als nur Geschichten vorzulesen.

Aus dem Vorwort der Autoren:
"Andere Geschichten versuchen, mit Humor zu zünden oder mit der Schilderung äußerst bedeutsamer Ereignisse. Oft sind sie mit Erinnerungen an Notlagen verbunden, so wie unsere Eltern nie vergessen konnten, dass sie Kohlrüben und Trockenfisch essen und ekligen Lebertran schlucken mussten."
In ihren Empfehlungen für Vorleser schreiben die Autoren unter anderem:
"Lesen sie aber auch dann langsam und deutlich weiter, wenn keine Reaktion erfolgt. Allein das einfühlsame Vorlesen ist eine Art Therapie."
Und ich möchte gerne aus meinen Erfahrungen ergänzen:
Das einfühlsame Vorlesen gibt "meinen" Odlies Zufriedenheit und Dankbarkeit - Zufriedenheit und Dankbarkeit, die ich auch diesen Menschen gegenüber empfinde.

Dienstag, 3. Mai 2016

So ändern sich die Zeiten


Mein "Gedankenbuch" pflege ich schon seit über acht Jahren. Die ersten Jahre habe ich sehr viel geschrieben - mal mehr und mal weniger. Seit einigen Monaten schreibe ich nur noch sehr selten. Und dennoch ist mein "Gedankenbuch" für mich noch vor meinen Aktivitäten in den sozialen Netzwerken mein "Herzblut" geblieben.

Warum schreibe ich nur noch selten neue Artikel? Zum einen wiederholen sich "meine" Themen, weil es in der Regel Themen sind, die mich durchs Leben begleiten. Und immer wieder dasselbe zu schreiben, finde ich langweilig. Das umschiffe ich oft ein wenig, indem ich alte Artikel in einen aktuellen Zusammenhang stelle. Zum anderen - und das ist der wesentliche Grund - tausche ich mich gerade seit über einem Jahr sehr intensiv über das Leben im Allgemeinen und mein Leben im Besonderen sehr real aus.

Und auch mein Ehrenamt (siehe mein letzter Artikel vom 24. Februar) schafft mir reale Kommunikation: Der Austausch mit meinen Oldies gibt mir sehr viel positive Energien und Ansporn. Ich kann sehr viel von diesen Menschen lernen, weil sie viel erlebt haben, das sie auf sprachliche und nicht sprachliche Weise rüber bringen.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Warum ich mich nicht mehr gegen ehrenamtliche Tätigkeit wehre


Ehrenamtliche Tätigkeit habe ich während all meiner arbeitslosen Jahre abgelehnt, weil ich keine unbezahlte Beschäftigungstherapie wollte, sondern eine Tätigkeit, mit der ich mir auch einige Euros hinzu verdienen könnte. Vorteile habe ich darin keine gesehen - und damit das gemacht, was ich an anderen immer wieder kritisiere: Ich habe in rein finanzieller Kategorie gedacht und mir damit über die Jahre selbst geschadet.

Bereits nach drei Wochen ehrenamtlicher Tätigkeit in einem Altenheim sehe und spüre ich die Vorteile, vor denen ich jahrelang meine Augen und Sinne verschlossen habe:
*   Es baut mich auf, wieder eine verantwortungsvolle Aufgabe zu haben.
*   Die Freude der Oldies motiviert mich und zeigt mir zugleich meine menschlichen Werte.
*   Ich komme wieder in Gespräche mit Menschen und stelle fest, dass mir über die arbeitslosen Jahre doch so einiges an Kommunikationsfähigkeit verloren gegangen ist, dass ich jetzt wieder auffrischen und ausbauen kann.
*   Ich fühle mich in der übrigen Zeit schon etwas ruhiger und gelassener.
*   Mit dem Abschied von meiner krampfhaften Suche nach bezahlter Arbeit und der Annahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit fühle ich mich von einer großen Last befreit.

Im Rückblick denke ich: Wäre ich schon vor Jahren offen für ehrenamtliche Tätigkeit gewesen, hätte sich das möglicherweise auf meine schriftlichen Bewerbungen und meine Vorstellungsgespräche vorteilhaft ausgewirkt.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Ganz kurz erwähnt

Wenn ich alles, was ich im Kopf weiß, auch tatsächlich leben könnte, dann wäre ich ein stark in mir ruhender Mensch. Wenn Leben so einfach wäre . . . – darum ist der Versuch, dieses Wissen in Leben umzusetzen, auch mit vielen Zweifeln, Suchen und Rückschlägen gefüllt.

Dienstag, 26. Januar 2016

Vom Kämpfen loslassen


Bereits vor einigen Jahren hatte ich mich entschlossen, vom Kämpfen los zu lassen, weil die vielen Kämpfe mich ermüdet haben und sie meistens keinen dauerhaften Erfolg zeigten. Wenn einer kämpft, muss auch einer verlieren. Und oftmals war ich es selbst. Doch wie stehe ich heute da? Habe ich aufgehört zu kämpfen? Leider nein.

Lange Zeit dachte ich, ich sei auf diesem Weg ein Stück vorwärts gekommen. Und heute muss ich feststellen, dass mein lebenslanges Kämpfen so in mir verankert ist, dass ich mich nur sehr schwer davon wirklich verabschieden kann. Allein die sich wiederholende Erfahrung, dass ich mir damit immer wieder selbst schade, scheint nicht zu helfen. Es fehlt noch die innere Ruhe und Gelassenheit und das gefühlte Wissen, dass ich mich gegen das Hinterfragen mir nahe stehender Menschen nicht verteidigen muss - und möglicherweise auch grundsätzlich nicht.

Eine sehr gute Freundin erinnerte mich vor kurzem an den Satz "In der Ruhe liegt die Kraft." Diese Erkenntnis ist mir genaus so vertraut wie die Erkenntnis, dass wer kämpft auch verlieren kann. Es sind alte, eingefleischte Verhaltensweisen, deren Veränderung mit so manch einem Rückschlag verbunden sind.

Wie geht Ihr selbst damit um, wenn Ihr alte, eingefleischte Verhaltensweisen verändern wollt?

Mittwoch, 20. Januar 2016

Die Belanglosigkeiten des Alltags


So manches Mal sind es im Zusammenleben nicht die "großen" Dinge, die zu Unmut oder gar Streit führen, sondern die "kleinen" Belanglosigkeiten - eine Mischung aus Gewohnheiten, persönlichen Wichtigkeiten und Kleinkariertheiten. Bei mir sind das beispielsweise:

~ Geschlossene Türen: Ich mag es nicht, wenn in einer Wohnung Türen geschlossen sind. Das gibt mir ein Gefühl von Eingeschlossensein und zugleich Ausgeschlossensein.
~ Fast jedes Verhalten erklären können: Ich habe zum Teil Verhaltensweisen, die ich noch nie hinterfragt habe und manches Mal auch gar nicht hinterfragen möchte.
~ Wenn ich nach Hause komme, fahre ich zuerst (bevor ich meinen Mantel ausziehe) meinen Rechner hoch. Als wenn es nichts Wichtigeres gäbe.

Das sind jetzt nur drei Beispiele und weitere fallen mir gar nicht ein, weil ich mich in dieser Hinsicht für ziemlich entgegen kommend halte. Aber ich kann mich ja auch irren. Das bringt das Leben nun mal so mit sich. Ein weiteres Beispiel, das allerdings nicht auffällt: Ich füge am Ende jeder SMS ein Leerzeichen ein. Warum? Ich kann es nicht erklären.

Was für den einen Belanglosigkeiten sind, können für den anderen durchaus Wichtigkeiten sein. Sind hier nicht viel Verständnis und Toleranz im Miteinander gefragt?

Donnerstag, 7. Januar 2016

Kurz vor dem Endspurt


Ich möchte heute mal ein Geständnis machen. Aber bitte nicht weiter sagen - muss ja nicht jeder wissen: Der Einzug in meine Wohnung vor einer Reihe von Jahren verlief sehr unglücklich, weil ich nicht mehr die Kraft hatte - nach einer dreifachen Trennung -, die Wohnung zu renovieren. Und so staubte sie vor sich hin. Bis dass vor fast einem Jahr eine Frau in mein Leben trat, die mir anbot, mir beim Renovieren meiner Wohnung zu helfen. Ein solches Angebot für aktive Hilfe hatte ich noch nie erlebt (beeindruckt mich heute noch!!!). Und so haben wir an den Wochenenden und in ihren Urlauben meine Wohnung renoviert. Mittlerweile kann ich mich kaum noch daran erinnern, wie meine Wohnung mal aussah. (Es gibt jedoch einige Beweis- bzw. Vergleichsfotos). Ich hatte vor Monaten auch schon mal einen Eintrag mit der Überschrift Eine staubige Geschichte überlegt, aber - ach, lassen wir das.

Am Wochenende geht´s an den Endspurt. Und das Ziel heißt Wohnzimmer. Anschließend ist meine Wohnung dann eine Wohnung. Ich freue mich auf den Einlauf ins Ziel und damit das Ende einer mehrmonaten Fleißarbeit.

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Meine Wünsche für Euch


In wenigen Tagen feiern wir wieder wie jedes Jahr Weihnachten und wieder einige Tage später gehen wir in ein neues Jahr. Mir ist, als wären Weihnachten und Neujahr vom letzten Jahr erst ein paar Wochen her.

Ich wünsche Euch, liebe Leserinnen und Leser, ein friedliches Weihnachtsfest und einen guten Übergang. Möge Euch das neue Jahr sehr viele angenehme und lebenswerte Ereignisse bringen und viele liebenswerte Mitmenschen.