Donnerstag, 30. April 2015

Das echte Leben hat mich wieder


Ich schreibe dieses Gedankenbuch, weil ich ein großes Mitteilungsbedürfnis habe. Und ich habe immer gehofft, dass ich auf diesem Weg neue Kontakt finden könnte; doch das hat sich nicht erfüllt. Da war ich doch zu blauäugig. Das Leben geht vielfältige und auch sehr spannende Wege. Auch wenn ich hier in meinem Gedankenbuch nicht das gefunden habe, was ich ursprünglich wollte, so bereue ich keine Zeile, die ich hier veröffentlicht habe. Ich kann Euch versichern, dass ich auch weiterhin versuchen werde, meine Gedanken und Gefühle - positive wie negative - hier mit Euch zu teilen.

Oder in anderen Worten: Ich werde hier nicht mehr so häufig schreiben wie die letzten Jahre, weil ich eine Frau gefunden habe, die mir sehr nahe steht und deren Anteilnahme an meinem Leben nicht vorüber gehend ist, sondern beständig. Unser Austausch ist aus der Ferne und aus der Nähe sehr ausgeprägt und fruchtbar. Darum werdet Ihr künftig hier nicht mehr so viel von mir lesen, weil mir mein Gedankenbuch nicht das geben kann, was diese Frau mir gibt.

Montag, 20. April 2015

Am Ende und am Anfang eines langen Weges


Mein bisheriger Lebensweg ist gekennzeichnet von Irrungen, Wirrungen, Erfolgserlebnissen, von Höhen und von Tiefen. Und das sowohl im ganz persönlichen und zwischenmenschlichen Bereich wie auch im beruflichen Bereich. Und obwohl ich mein Leben phasenweise mehr als Überleben denn als Leben empfand, habe ich nie aufgegeben zu kämpfen und vor allem zu hoffen. Vielleicht habe ich so manchen überflüssigen Kampf geführt. Ob vielleicht oder tatsächlich - jeder Kampf gehörte und gehört zu meinem Leben und prägt mich in meinem Heute.

Mein berufliches Kämpfen war in jedem Fall in weiten Teilen absolut überflüssig. Ich habe sehr viele Energien in diese Kämpfe investiert und sie doch letztendlich verloren: Sie führten in meine kleine Rente, die ich mit Sozialhilfe aufbessern muss, um dem Überleben auch noch so viel Leben wie möglich ab zu gewinnen. Und auch unter diesen veränderten Verhältnisse ist selbst die Suche nach einer 450-Euro-Beschäftigung so schwierig wie in meinen arbeitslosen Jahren.

Auch in meinem ganz persönlichen und zwischenmenschlichen Bereich schien es ähnlich angelegt zu sein. Die Suche nach meinem Wieder-Ankommen und mein Hoffen darauf haben sich jedoch gelohnt. Denn zwischenzeitlich musste nicht nur ich, sondern auch mein Glück einen langen und verworrenen Weg gehen, bevor es meine Türe gefunden, angeklopft und um Einlass gebeten hat. Das war vor knapp einem Monat. Und ich habe ein sehr sicheres Gefühl, dass sich auch mein Glück freut, mich endlich gefunden zu haben. Was soll und will ich noch sagen? Ich freue mich auf lebendige und tief greifende Jahre.

Montag, 23. März 2015

Wenn Armut in Deutschland geleugnet wird


Ich war sehr erschrocken, als ich in einem Beitrag von mir sozialen Netzwerken zwei Kommentare las, in denen Armut in Deutschland geleugnet wurde. Obwohl es nur zwei Leugner sind, hat es mir schon den Atem verschlagen. Wie blind muss man veranlagt sein, um die Armut in Deutschland nicht zu sehen bzw. nicht sehen zu wollen? Da hilft es beispielsweise auch gar nicht, auf die Armut in Indien & Co. zu verweisen.

Ich will niemanden davon überzeugen, dass es in Deutschland eine große Armut gibt. Wer vom Gegenteil überzeugt ist, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Es ist ja auch sinnlos und unmöglich, die Leugner des Holocaust davon zu überzeugen, dass es den Holocaust gegeben hat.

Eins ist für mich klar: Mit solchen Leugnern ist für mich kein Austausch möglich, weil uns Welten trennen. Wer meint, in Deutschland gäbe es keine Armut, soll damit glücklich werden und mit seinem Leugnen direkt und indirekt zur weiteren Armut beitragen.

Donnerstag, 12. März 2015

Wie Voruteile sich in Urteile verwandeln


Es ist in der Regel ein schleichender Vorgang, wenn man Menschen in eine Schachtel steckt, aus der sie dann nicht mehr raus kommen. Man hält sie mit Gewalt in dieser Schachtel und entlässt sie auch nicht mehr, weil man dann ja offen dafür sein müsste, dass man sich in diesen Menschen geirrt hat. Dazu das folgende Beispiel:

Ein Negativ-Urteil über mich lautet, ich sei ja nur negativ drauf. Wer mich standhaft so aburteilt, macht sich blind für meine positiven Seiten. Da kann ich noch so sehr argumentieren - für diese Menschen bleibe ich negativ. Und meine positiven Seiten werden außen vor gelassen. So gibt es Zeitgenossinnen und -genossen, die hartnäckig behaupten, in meinem Gedankenbuch würde ich nur Negatives schreiben. Diese Leute kann ich nur fragen: "Mit wie viel blinden Augen und mit welchem Interesse lest ihr denn mein Gedankenbuch? Habt ihr es überhaupt schon mal gelesen oder nur diagonal überflogen?"

Und was bitte schön ist daran so negativ, wenn ich auch meine negativen Meinungen äußere? Ersetzen wir doch mal "negativ" durch "aufmerksam hinterfragend" - klingt doch schon viel positiver, nicht wahr? Jeder Mensch nimmt seine Mitmenschen und die gesellschaftliche Situation - die immer auch die persönliche gesellschaftliche Situation ist - mit seinen Augen wahr, mit seinen Lebenserfahrungen, mit seinen Gedanken, seinen Gefühlen. Wenn wir das nicht täten, wären wir Roboter.

Ich glaube, wir alle haben in der ein oder anderen Weise Negativ- bzw. Vor-Urteile gegenüber anderen Menschen. Gefährlich werden diese Vorurteile dann, wenn sie sich verhärten und man nicht mehr imstande und willens ist, seine eigenen Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen und sie auch zu berichtigen oder gar über den Haufen zu werfen.

Freitag, 6. März 2015

Das tägliche Geldausgeben


Tag für Tag werde ich gezwungen und gebeten, mein Geld anderen zu geben - unabhängig davon, ob die Beträge angemessen oder unangemessen, ob berechtigt oder unberechtigt sind:

Auf Brot und Käse kann ich nicht verzichten. Aber die Preise für diese Grundnahrungsmittel sind derart überhöht, dass mir bei jedem Einkauf dieser Grundnahrungsmittel der Kamm schwillt. Mittlerweile gehen auch immer mehr Zeitungen dazu über, Artikel nur noch gegen Bezahlung online zu stellen. Da schränkt mich zwar in meiner Informationsbeschaffung ein, hält sich aber in einem erträglichen Rahmen. Dann gibt es die Betreiber von Internetseiten, die um eine Spende bitten, aber ihre Inhalte auch ohne Spende zur Verfügung stellen. Und als letztes Beispiel möchte ich die sozialen Initiativen (Friedensinitiativen beispielsweise) nennen, die von privaten Spenden abhängig sind, weil "unser" Staat Friedensarbeit nicht fördert. Und Frieden umfasst auch den sozialen Frieden, der immer weiter untergraben wird.

Konkret und mit kleinen Beträgen unterstütze ich einen Obdachlosen, dem ich fast täglich begegne, mal mit einem Kaffee, einem Brötchen, einem Teilchen. Und ich unterstütze ihn mit einem sehr wertvollen Nahrungsmittel: mit Aufmerksamkeit, Zuwendung und Gedankenaustausch.

Mittwoch, 4. März 2015

Was auch immer geschieht


Die folgenden Zeilen (sinngemäß aus einem deutschen Lied) begleiten mich die letzten Wochen immer wieder als Ohrwurm:
Was auch geschieht, es wird gescheh´n,
es gibt so Vieles, was wir nicht versteh´n.
Dabei frage ich mich immer wieder, ob ich in meinem Leben nicht viel zu aktiv war und stattdessen Vieles hätte einfach auf mich zukommen lassen. Im zwischenmenschlichen Bereich würde ich eher mit einem NEIN antworten, weil im zwischenmenschlichen Kontakt die Beziehung grundsätzlich zwei- bzw. mehrseitig ist und ich auch etwas zurück bekomme.

Im beruflichen Bereich antworte ich mit einem klaren JA, weil gefühlte 2.000 Bewerbungen keinen Erfolg gebracht haben und dieser große Misserfolg immer noch in mir lebt. Hätte ich in diesem Bereich nicht jede Möglichkeit der Weiterbildung genutzt, hätte ich die letzten Jahre vor meiner Rente noch arbeiten dürfen.

Ich möchte immer ganz viel verstehen, und ich verstehe auch ganz viel. Hier komme ich schon seit einigen Jahren besser zurecht, weil ich mir angewöhnt habe, loszulassen nach dem Motto "Ich muss (und will) nicht alles verstehen", wenn ich etwas nicht verstehe oder wenn es mir zu schwierig oder gar unmöglich ist, etwas zu verstehen.

All das hat auch zu tun mit LOS-lassen von Dingen und Menschen, die mir nicht gut tun. Und dem EIN-lassen auf Menschen, die mir gut tun.

Freitag, 27. Februar 2015

Das Licht, das mehrmals kam


In dem Augenblick, als sie mit 85 in den Armen ihrer Tochter starb, verabschiedete ein Sonnenstrahl auf ihrem Gesicht sie aus dem Leben. Sekunden, bevor ihr Sarg nach ihrer letzten Messe aus der Friedhofskirche getragen wurde, tauchte die Sonne ihre Ruhestätte in strahlendes Sonnenlicht. Tage später wurde ihre Asche in einer Urne beigesetzt. In genau diesem Augenblick kam die Sonne hinter Wolken hervor und begleitete sie mit ihren Strahlen auf ihrem letzten Weg. Die Sonne begleitete sie sogar bis ins Erdloch hinein.

Und diese Frau hatte in ihrem Leben einen Leitspruch, der zu ihrem sonnigen Abschied (bitte diese Worte nicht missverstehen!) passte: Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Montag, 23. Februar 2015

Gedanken und Gefühle auf eigenen Wegen


Meine Gedanken und Gefühle gehen ohnehin eigene Wege, weil ich mich im Denken nicht einschränken lasse, doch mich im Handeln oft einschränken muss. Es geht mir in diesem Fall nicht um selbstverständliche gegenseitige Rücksichtnahme. Es geht mir um Sachverhalte, in denen ich mein Denken, Fühlen und Handeln nicht in Übereinstimmung bringen kann und darf.

Wenn ich immer wieder mehr als hautnah erleben muss, wie meine materielle Lage mich schon zwei Jahrzehnte zwischenmenschlich und sozial weitgehend vom Leben ausschließt, würde ich am Liebsten "aus der Haut fahren". Daran habe ich meinen Anteil, aber der größte Anteil geht zu Lasten von Leuten (ich vermeide in diesem Zusammenhang bewusst den Begriff Menschen), die diesen Umstand verursacht und mich in ihm mit Gewalt festgehalten haben. Und diesen Leuten gegenüber fühle ich mich derart machtlos, dass ich so manches Mal sehr gerne Dinge tun würde, die ich hier nicht offen aussprechen darf, weil das unsere Demokratie und unsere Meinungsfreiheit verbietet und unter schwere Strafe stellt.

Ähnlich ergeht es mir, wenn deutsche Politiker von Frieden reden - eine eiskalte, Menschen verachtende und zynische Lüge. Deutschland ist schon seit Jahrzehnten weltweit der drittgrößte Waffenlieferant. Die Anklage Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt hat nach wie vor nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Und die Troika von Politik-, Banken- und Industriebossen führen schon seit vielen Jahren einen sozialen und wirtschaftlichen Krieg gegen ihre Bürger und ihre Arbeitnehmer. Dazu gehört Hartz IV ebenso wie Sozialabbau, Verringerung von Krankenkassenleistungen, Privatisierung von öffentlichem Eigentum und der gesetzlichen Vorgabe, dass Empfänger von Sozialleistungen (Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II) von bestehenden Schulden nicht mehr herunter kommen dürfen, weil ihnen jede Einnahme von der entsprechenden Sozialleistung abgezogen wird.

Mein alltäglicher Kampf um meine Menschenwürde wird dadurch fast unmöglich gemacht. In diesem Kampf benötige ich von den wenigen noch verbleibenden Energien sehr viele für dieses im Grunde unnötige Kämpfen. So manches Mal wundere ich mich über mich selbst, dass ich nach zwei Jahrzehnten immer wieder Kräfte mobilisieren kann, um den nächsten, den übernächsten und möglicherweise auch den überübernächsten Schritt zu gehen.

Sonntag, 15. Februar 2015

Darf ich mich selbstbestimmt töten?


Diese Frage kann ich nur mit einem glasklaren Ja beantworten. Und sollte diese Situation mal eintreffen, so haben weder Ethiker, noch Politiker, noch Pfarrer, noch "nahe stehende" Menschen noch die beruflichen Retter von Seelen auch nur das mindeste Recht, mir diese Entscheidung ausreden zu wollen. Im Gegenteil: Sie müssten mir - falls sie es ehrlich meinen mit Ihrer Anteilnahme - helfen, mich selbst zu töten. Doch das wäre dann auch schon meine Tragik: Ich hätte voraussichtlich nicht den Mut, mich alleine zu töten, sondern bräuchte dazu Hilfe. Und ich wage anzuzweifeln, dass ich diese Hilfe auch bekäme.

Vorstellen könnte ich mir schon Lebensumstände, die mich an den Punkt brächten, mich selbst zu töten: Zum Beispiel könnte mein über zwanzigjähriges Leben unterhalb der Armutsgrenze mit den dazu gehörigen menschlichen und sozialen Benachteiligungen dazu führen, dass mir jegliche Kraft und jeglicher Ansporn zum weiteren Leben verloren geht. Zum Beispiel könnte ich so schlimm krank werden, dass ich von meinem ohnehin nicht gerade erfreulichen Leben die Schnauze vollends voll hätte. Zum Beispiel könnte ich Augenzeuge und Betroffener eines Terroranschlags werden und mit den Folgen ganz und gar nicht klar kommen (zumal ich ohnehin unter Wasser gebaut bin). Zum Beispiel, zum Beispiel, zum Beispiel . . . Es gibt vielfältige Erlebnisse, die das eigene Leben an den äußersten Rand der Sinnhaftigkeit drängen könne.

Mittwoch, 4. Februar 2015

So können die Notfallpraxen gerettet werden


Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) will aus vorgeschobenen finanziellen Gründen etwa die Hälfte ihrer Notfallpraxen schließen. Das ist aus meiner Sicht Heuchelei pur. Gerade im Gesundheitswesen werden sehr viele Gelder fehl investiert und die einfachen Kassenpatienten müssen immer mehr unter diesen Einschränkungen leiden. Und dennoch werden immer wieder finanzielle Gründe vorgeschoben nach dem Motto Die Armen sollen sehen, wo sie bleiben. Nur die Reichen sind Menschen, die Gesundheit verdient haben.

Dabei gibt es eine Lösung, die so gut wie nie in den Medien erwähnt wird: die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenzen, die es Reichen ermöglicht, sich für wenige Prozente in eine gesetzliche Krankenversicherung einzukaufen. Wie skandalös und Menschen verachtend diese Grenzen sind, habe ich bereits in diesem früheren Artikel dargelegt.

In unserer Zeit wachsender Armut gilt diese Forderung mehr denn je. Solange dieses Thema in allen Medien tabuisiert wird, wird sich nichts ändern - im Gegenteil: Wir brauchen hier eine Massenbewegung, die wir nicht einmal bei Hartz IV haben. Leider!

Wenn hier auch Journalisten mitlesen, würde ich mich sehr freuen, wenn der ein oder andere dieses Thema Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenzen in seinem Medium thematisieren würde.