Freitag, 27. Februar 2015

Das Licht, das mehrmals kam


In dem Augenblick, als sie mit 85 in den Armen ihrer Tochter starb, verabschiedete ein Sonnenstrahl auf ihrem Gesicht sie aus dem Leben. Sekunden, bevor ihr Sarg nach ihrer letzten Messe aus der Friedhofskirche getragen wurde, tauchte die Sonne ihre Ruhestätte in strahlendes Sonnenlicht. Tage später wurde ihre Asche in einer Urne beigesetzt. In genau diesem Augenblick kam die Sonne hinter Wolken hervor und begleitete sie mit ihren Strahlen auf ihrem letzten Weg. Die Sonne begleitete sie sogar bis ins Erdloch hinein.

Und diese Frau hatte in ihrem Leben einen Leitspruch, der zu ihrem sonnigen Abschied (bitte diese Worte nicht missverstehen!) passte: Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Montag, 23. Februar 2015

Gedanken und Gefühle auf eigenen Wegen


Meine Gedanken und Gefühle gehen ohnehin eigene Wege, weil ich mich im Denken nicht einschränken lasse, doch mich im Handeln oft einschränken muss. Es geht mir in diesem Fall nicht um selbstverständliche gegenseitige Rücksichtnahme. Es geht mir um Sachverhalte, in denen ich mein Denken, Fühlen und Handeln nicht in Übereinstimmung bringen kann und darf.

Wenn ich immer wieder mehr als hautnah erleben muss, wie meine materielle Lage mich schon zwei Jahrzehnte zwischenmenschlich und sozial weitgehend vom Leben ausschließt, würde ich am Liebsten "aus der Haut fahren". Daran habe ich meinen Anteil, aber der größte Anteil geht zu Lasten von Leuten (ich vermeide in diesem Zusammenhang bewusst den Begriff Menschen), die diesen Umstand verursacht und mich in ihm mit Gewalt festgehalten haben. Und diesen Leuten gegenüber fühle ich mich derart machtlos, dass ich so manches Mal sehr gerne Dinge tun würde, die ich hier nicht offen aussprechen darf, weil das unsere Demokratie und unsere Meinungsfreiheit verbietet und unter schwere Strafe stellt.

Ähnlich ergeht es mir, wenn deutsche Politiker von Frieden reden - eine eiskalte, Menschen verachtende und zynische Lüge. Deutschland ist schon seit Jahrzehnten weltweit der drittgrößte Waffenlieferant. Die Anklage Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt hat nach wie vor nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Und die Troika von Politik-, Banken- und Industriebossen führen schon seit vielen Jahren einen sozialen und wirtschaftlichen Krieg gegen ihre Bürger und ihre Arbeitnehmer. Dazu gehört Hartz IV ebenso wie Sozialabbau, Verringerung von Krankenkassenleistungen, Privatisierung von öffentlichem Eigentum und der gesetzlichen Vorgabe, dass Empfänger von Sozialleistungen (Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II) von bestehenden Schulden nicht mehr herunter kommen dürfen, weil ihnen jede Einnahme von der entsprechenden Sozialleistung abgezogen wird.

Mein alltäglicher Kampf um meine Menschenwürde wird dadurch fast unmöglich gemacht. In diesem Kampf benötige ich von den wenigen noch verbleibenden Energien sehr viele für dieses im Grunde unnötige Kämpfen. So manches Mal wundere ich mich über mich selbst, dass ich nach zwei Jahrzehnten immer wieder Kräfte mobilisieren kann, um den nächsten, den übernächsten und möglicherweise auch den überübernächsten Schritt zu gehen.

Sonntag, 15. Februar 2015

Darf ich mich selbstbestimmt töten?


Diese Frage kann ich nur mit einem glasklaren Ja beantworten. Und sollte diese Situation mal eintreffen, so haben weder Ethiker, noch Politiker, noch Pfarrer, noch "nahe stehende" Menschen noch die beruflichen Retter von Seelen auch nur das mindeste Recht, mir diese Entscheidung ausreden zu wollen. Im Gegenteil: Sie müssten mir - falls sie es ehrlich meinen mit Ihrer Anteilnahme - helfen, mich selbst zu töten. Doch das wäre dann auch schon meine Tragik: Ich hätte voraussichtlich nicht den Mut, mich alleine zu töten, sondern bräuchte dazu Hilfe. Und ich wage anzuzweifeln, dass ich diese Hilfe auch bekäme.

Vorstellen könnte ich mir schon Lebensumstände, die mich an den Punkt brächten, mich selbst zu töten: Zum Beispiel könnte mein über zwanzigjähriges Leben unterhalb der Armutsgrenze mit den dazu gehörigen menschlichen und sozialen Benachteiligungen dazu führen, dass mir jegliche Kraft und jeglicher Ansporn zum weiteren Leben verloren geht. Zum Beispiel könnte ich so schlimm krank werden, dass ich von meinem ohnehin nicht gerade erfreulichen Leben die Schnauze vollends voll hätte. Zum Beispiel könnte ich Augenzeuge und Betroffener eines Terroranschlags werden und mit den Folgen ganz und gar nicht klar kommen (zumal ich ohnehin unter Wasser gebaut bin). Zum Beispiel, zum Beispiel, zum Beispiel . . . Es gibt vielfältige Erlebnisse, die das eigene Leben an den äußersten Rand der Sinnhaftigkeit drängen könne.

Mittwoch, 4. Februar 2015

So können die Notfallpraxen gerettet werden


Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) will aus vorgeschobenen finanziellen Gründen etwa die Hälfte ihrer Notfallpraxen schließen. Das ist aus meiner Sicht Heuchelei pur. Gerade im Gesundheitswesen werden sehr viele Gelder fehl investiert und die einfachen Kassenpatienten müssen immer mehr unter diesen Einschränkungen leiden. Und dennoch werden immer wieder finanzielle Gründe vorgeschoben nach dem Motto Die Armen sollen sehen, wo sie bleiben. Nur die Reichen sind Menschen, die Gesundheit verdient haben.

Dabei gibt es eine Lösung, die so gut wie nie in den Medien erwähnt wird: die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenzen, die es Reichen ermöglicht, sich für wenige Prozente in eine gesetzliche Krankenversicherung einzukaufen. Wie skandalös und Menschen verachtend diese Grenzen sind, habe ich bereits in diesem früheren Artikel dargelegt.

In unserer Zeit wachsender Armut gilt diese Forderung mehr denn je. Solange dieses Thema in allen Medien tabuisiert wird, wird sich nichts ändern - im Gegenteil: Wir brauchen hier eine Massenbewegung, die wir nicht einmal bei Hartz IV haben. Leider!

Wenn hier auch Journalisten mitlesen, würde ich mich sehr freuen, wenn der ein oder andere dieses Thema Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenzen in seinem Medium thematisieren würde.


Mittwoch, 28. Januar 2015

Menschen ohne Zeit


Habe ich wirklich früher mal in einem anderen Leben gelebt? In einem Leben, in dem Menschen noch Zeit füreinander fanden? In einem Leben, in dem Menschen keine Gründe vorgeschoben haben, um sich nicht mit mir zu treffen? Einige wenige hatten den Mut, mir offen zu sagen, dass sie keinen Kontakt mit mir wünschen. Ich schätze offene und ehrliche Menschen!

In meinem heutigen Leben haben die Menschen - zumindest die, die mir wichtig sind - sehr wenig Zeit für mich. Und alle haben ihre Gründe: Beruf, Familie, Gesundheit, Stress jedweder Art. Das mag ja auch alles stimmen. Doch es stimmt nicht mehr, wenn ich diese Kontakte dann einseitig von mir aus pflegen muss, weil von dem Gegenüber keine Initiative kommt. Ich versuche dann grundsätzlich, den Kontakt von mir aus zu pflegen. Aber diese Mühe kann ich mir in fast allen Kontakten sparen. Das zeigen auch meine Entscheidungen, solche Kontakte einschlafen zu lassen.

Ich mache diesen Menschen keine Vorwürfe - wie könnte ich auch. Doch es sind unangenehme Abhängigkeiten, wenn ich warten muss, ob ein anderer Mensch Zeit für mich hat. Manches Mal traue ich mich schon gar nicht mehr, nach einem Treffen zu fragen, weil ich ohnehin mit einer Absage rechnen muss (ist leider auch die Regel). Ich habe keine Schwierigkeiten, Kontakte zu pflegen. Aber ich möchte auch nicht hinter anderen Menschen "herlaufen".

Montag, 26. Januar 2015

Das eigene Kind


Ich war noch im Vorschulalter, als meine Mutter aufgeregt nach Hause kam. Aus meiner gefühlten Erinnerung heraus konnte sie mehr mit anderen leiden als mit sich selbst - ein nicht gerade immer  gesundes Verhalten. Oben auf unserer Straße - so erzählte sie - sei wohl etwas Schlimmes geschehen, weil dort Krankenwagen und Polizei mit Blaulicht die Straße gesperrt hätten.

Was sie im Vorbeigehen nicht mitbekommen hatte: Einer ihrer Söhne (mein Bruder) war dort verunglückt. Glücklicherweise war es nicht so schlimm wie es schien, weil mein Bruder sich "nur" ein Bein gebrochen hatte. Als die Polizei zu uns kam und Mutti darüber informierte, nahm sie das verhältnismäßig gelassen auf in dem beruhigten Gefühl, dass es "nur" ein Beinbruch war.

Ich glaube, so war es besser. Hätte sie meinen Bruder im Vorbeigehen erkannt, hätte sie möglicherweise nicht so ruhig bleiben können.

Samstag, 24. Januar 2015

Die Verwirrnis des Lebens


Manchmal möchte ich mich nur noch in eine Höhle verkriechen - ganz weit hinten, wo ich meine Ruhe habe zumindest vor äußeren Ereignissen. Allein schon all die politischen Ereignisse, von denen die Welt voll ist, überfordern mich geistig und seelisch. Da ich politisch sozialisiert bin, kann ich davor auch nicht meine Gedanken verschließen, obwohl ich es manches Mal so gerne würde. Es ist so vieles, das ich gerne verstehen würde und doch nie verstehen könnte. So stelle ich mir immer mal wieder vor, ich würde meinen Kopf so hart vor eine Wand schleudern, dass er platzt und alle überflüssigen Gedanken heraus geschleudert würden. Doch das ist nur eine hilflose Ersatzvorstellung ohne jegliche gelebte Auswirkung.

Zu diesen äußeren Einwirkungen kommen dann noch meine ureigenen persönlichen Probleme. Mit ihnen allein hätte ich schon genug zu tun. Doch auch sie überfordern mich oft und ich möchte nur noch weg laufen. Wohin? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich möchte ich einfach nur laufen, laufen, laufen . . . - solange, bis dass ich irgendwann einmal tief hinten in meiner Höhle vollends übermüdet einschlafen und für die Stunden des Schlafs "vergessen könnte".

Doch mit dem Vergessen ist es wie mit Urlaub: Sie lösen die Probleme nicht, sondern geben ihnen nur einen Aufschub.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Wie meine Eltern den Krieg erlebt haben


In meiner Kindheit und Jugend war ich immer daran interessiert, von meinen Eltern zu erfahren, wie sie mit ihren ureigenen Gedanken und Gefühlen den 2. Weltkrieg erlebt haben. Doch viel habe ich ihnen nicht entlocken können. Ich glaube, dass beide ihre Kriegserlebnisse nie richtig verarbeitet haben - wie verarbeitet man Kriegserlebnisse "richtig"? - und der Auffassung waren, es wäre besser, alles für sich zu behalten und die Kinder damit nicht zu belasten. Für mich wäre es ganz und gar keine Belastung gewesen, sondern eine Bereicherung meines Lebens. Erzählte Kriegserfahrungen und Erfahrungen überhaupt sind für mich wesentlich eindrucksvoller und authentischer als noch so viele geschriebene Worte.

Von meinem Vater weiß ich nur, dass er weit in Russland war und den Kessel von Stalingrad oder einen anderen Kessel nur überlebt hat, weil er wegen eines abgefrorenen Fingers zurück durfte. Meine Mutter hat mir immer wieder geantwortet, sie habe vom Krieg nicht viel mit bekommen, weil sie überwiegend in Luftschutzbunkern gelebt habe. Für mich war das nicht stimmig, aber sei´s drum.

Im Rückblick bedauere ich, dass ich nie die Geduld hatte, dieses Thema bei meinen Eltern immer wieder geduldig anzusprechen. Vielleicht waren es ja maßgeblich ihre Kriegserlebnisse, die sowohl meinen Vater wie meine Mutter mehr oder weniger dazu gezwungen haben, über Gefühle nicht zu sprechen. Aufmerksamkeit und Zuwendung habe ich nicht von ihnen bekommen, was aber mein ureigenes persönliches Empfinden ist, weil meine Schwester und mein Bruder für sich sehr wohl elterliche Aufmerksamkeit und Zuwendung empfunden haben.

Sonntag, 18. Januar 2015

Mein tollster Abend seit Langem


In der Vorweihnachtszeit hat die Stadthalle Wuppertal jeden Tag eine Konzertkarte verlost. Und das Glück war mir hold, weil ich zwei Karten für ein Konzert der Wise Guys gewonnen habe. Gestern Abend war es dann so weit. Und was soll ich Euch sagen: Ich war und bin hell auf begeistert! Die Wise Guys sind eine lebendige und ihrem Publikum zugewandte Live-Gruppe. Ihre einfühlsamen Texte, ihre rhythmische Musik und ihr gekonnter Auftritt rissen das Publikum immer wieder von den Stühlen. Im zweiten Teil standen wir mehr als dass wir saßen. Ich kannte diese Gruppe bisher gar nicht und freue mich, sie kennen gelernt zu haben.

Und ich war und bin hoch erfreut, dass ich seit sehr langer Zeit Kultur wieder einmal  l i v e  erleben durfte. Es war für mich ein erfrischender und aufbauender Abend.

Freitag, 16. Januar 2015

Ein neues Bewertungsportal


Bewertungsportale gibt es schon einige im Internet. Bewertungsportale über Berufsgruppen wie Arbeitgeber und Ärzte, die es gar nicht gerne sehen, wenn ihre fehlerhaften Verhaltensweisen (mal ganz vorsichtig ausgedrückt) in die Öffentlichkeit kommen, weil sie diese lieber unter den Teppich kehren wollen. Bei Lehrern bin ich mit mir uneins, weil Schule im Grunde auch dem Lernen und Üben von Kommunikation dienen sollte - doch auch hier gilt der Widerspruch zwischen Theorie und Praxis.

Mit diesem Artikel will ich ein "Bewertungsportal für mein Gedankenbuch" einrichten und Euch bitten, in den Kommentaren Eure Meinungen zu meinem Gedankenbuch frisch, frech und frei zu äußern. Ich lasse Euch immer wieder sehr gerne an meinen Gedanken teilhaben, möchte aber auch nur zu gerne mal wissen, warum Ihr mein Gedankenbuch lest, was Euch gefällt, was Euch missfällt und alles, was Euch dazu immer wieder oder mal "im Vorbeigehen" einfällt.

Ich freue mich über Eure Meinungen, Gedanken, Wertungen und werde jede Meinung veröffentlichen - ausgenommen reine Beleidigungen und bloßes Herunterputzen.

Das Portal ist eröffnet.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Erlebnisse meiner Kindheit [6]


Ich muss etwa 15 Jahre jung gewesen sein, als der damalige CDU-Außenminister Gerhard Schröder Mettmann besuchte und vor unserem Gymnasium seinen ersten Auftritt hatte. Er stieg nicht direkt vor unserem Gymnasium aus, sondern etwa 100 Meter weiter auf dem Platz vor der Feuerwehr. Es war eine riesige Menschenmenge vor Ort. Irgendwie war es mir wichtig, Gerhard Schröder als einer der ersten zu begrüßen. Wie mir das gelungen ist, weiß ich nicht mehr - jedenfalls ist es mir gelungen. 

Seine Staatskarosse kam an und ich wartete voller Spannung auf "unseren" Außenminister. Als er aus dem Wagen ausstieg, war ich direkt als erster bei ihm, gab ihm die Hand und begrüßte ihn mit Worten: "Guten Tag Herr Schröder, ich heiße auch Gerhard." Das war´s. Und ich war sehr stolz auf mich.

Noch heute und auch jetzt beim Schreiben dieser Erinnerung muss ich über alle Backen schmunzeln.

Montag, 12. Januar 2015

Erlebnisse meiner Kindheit [5]


Da meine Eltern beide arbeiten mussten, um uns fünf Köpfe über die Runden zu bringen, kam ich in einen katholischen Kindergarten, der von Ordensschwestern geführt wurde Dort kam ich erstmals spürbar mit brutaler Strafe in Kontakt. Schon damals habe ich nicht geschwiegen, um meine Ruhe zu haben, sondern meine Kritik und meinen Unmut laut gemacht. Das passte den Ordensschwestern nicht und sie haben mich zur Strafe jedes Mal in einen Treppenverschlag eingesperrt. Es war dort vollkommen dunkel. Allein das hat in mir eine panische Angst erzeugt, die von der Enge dieses Verlieses (anders war dieser Raum nicht zu nennen) noch verstärkt wurde. Mein panisches Schreien ließ die Ordensschwestern kalt. Irgendwann "durfte" ich dann wieder raus kommen in der Hoffnung der Ordensschwestern, dass ich jetzt "geläutert" sei. Krasse Fehleinschätzung: Ich habe mich gegen Unrecht lautstark gewehrt - lautstark und nicht im stillen Kämmerlein. Alle Versuche, mir dieses Verhalten auszutreiben, haben bis heute nicht gefruchtet und werden es wohl auch über meinen Tod hinaus nicht.

Meinen Eltern habe ich von dieser Brutalität erzählt. Doch sie standen auf dem Standpunkt, dass ich diese Strafen verdient hätte, wenn die Ordensschwestern es so bestimmten. Ich meine mich zu erinnern, dass sie auch mal vorgesprochen und nichts erreicht haben. Vermutlich meinten sie es ernst, aber - so denke ich heute - sie hatte ja nie gelernt, "Autoritäten" als autoritär zu erkennen und noch weniger, sich dagegen und gegen Unrecht aufzulehnen.

Samstag, 10. Januar 2015

Erlebnisse meiner Kindheit [4]


Mit vierzehn Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten. Meine Mutter war lediglich entsetzt. Ein Austausch darüber fand nie statt. Nach dem Abitur wollte ich studieren. Meine Mutter hätte es besser gefunden, wenn ich ein solide Ausbildung in der Wirtschaft gemacht hätte. Ich habe mich durchgesetzt. Ein Austausch darüber fand nie statt. Ich habe das meiner Mutter sehr viele Jahre übel genommen. Doch ich bin schon seit langem davon überzeugt, dass meine Mutter viel zu sehr davon ausgelaugt war, ihre fünfköpfige Familie über die Runden zu bringen. Mein Vater war bedauerlicherweise das, was man früher den "abwesenden Vater" genannt hat.

Manch eine(r) von Euch wird jetzt wieder der Meinung sein, gerade mit dieser Reihe Erlebnisse meiner Kindheit würde ich über sehr private und persönliche Erfahrungen berichten, die nicht in die Öffentlichkeit gehören. Doch ich bin davon überzeugt, dass viele von Euch die gleichen und/oder ähnliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben. Und insofern erzähle ich hier gar nichts so Vertrautes und Persönliches.

Meinen Austritt aus der Kirche habe ich nie bereut, die Entscheidung für ein Studium habe ich bereut. Es waren drei verschwendete Jahre, in denen ich mit einer soliden praktischen Ausbildung mehr hätte lernen können. Vielleicht könnte ich mir heute mehr leisten als nur den kleinen Luxus der täglichen Tasse Kaffee und alle paar Tage ein Stück Kuchen.

Freitag, 9. Januar 2015

Erlebnisse meiner Kindheit [3]


Die Jahre an meinem Gymnasium in Mettmann (gefühlsmäßig fühle ich mich dieser Zeit noch sehr nah und verbunden) war die Zeit der 68er. Und wir waren entsprechend politisiert, was sich auch in so manchem Unterrichtsinhalt ausdrückte. In diesen Jahren wurden meine politischen Grundlagen gelegt und gefestigt. Dabei habe ich mich nie blind auf andere verlassen, sondern hatte immer auch meinen eigenen Kopf und meine eigene Zunge.

Auch in Mettmann gab es Demonstrationen gegen jede Art von Krieg und für Frieden. Bei einer dieser Demonstrationen hielt uns ein älterer Mann vor: "Ihr habt überhaupt kein Recht, gegen den Krieg zu sein, weil ihr noch keinen Krieg mit gemacht habt." Das hat uns die Sprache verschlagen. Wir waren erst mal platt. Ob wir mit diesem Mann dann noch diskutiert haben, weiß ich nicht mehr.

Es gibt Lebenssituationen, die man erst wirklich versteht, wenn man sie selbst erlebt und durchlebt habt. Aber ich muss auf gar keinen Fall an einem Krieg teilnehmen, um zu wissen, dass ich gegen jede wie auch immer geartete Art von Krieg bin.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Man kann ja nie wissen . . .


In meinen Anfangsjahren als Autofahrer hatte ich immer einen Werkzeugkasten im Kofferraum, um gegen Pannen gut gerüstet zu sein. Und hatte ich dann mal eine meine glücklicherweise seltenen Pannen, dann wusste ich mit all dem Werkzeug nichts anzufangen und habe den Pannendienst gerufen. Eine Art von Selbstberuhigung und Selbstbetrug - aber man kann ja nie wissen, was Autofahren so alles mit sich bringt . . .

In jener Zeit (mittlerweile kann ich mir seit ziemlich genau acht Jahren dieses teure Hobby nicht mehr leisten) habe ich auch die Bremsbeläge selbst ausgewechselt. Das ging eine ganze Zeit lang gut. Doch eines Tages nach einem Wechsel der Bremsbeläge konnte ich meinen Wagen nicht mehr richtig bremsen. Und seitdem war Schluss mit Lustig und ich habe sicherheitserhebliche Reparaturen nur noch von einer Werkstatt ausführen lassen. Denn Sicherheit beim Auto stand bei mir immer ganz vorne.