Montag, 22. Dezember 2014

Mein menschlicher Glaube


Als Kind und Jugendlicher war ich ein sehr gläubiger katholischer Mensch. Ich war Messdiener, habe regelmäßig gebeichtet und auch gezählt, wie oft ich "unschamhaft" war im Reden, Denken und Tun. Das war damals für mich vollkommen normal und ich habe daran geglaubt. Ich wollte sogar Priester werden. Doch allmählich verlor ich immer mehr den Glauben an einen Gott im Himmel, der mir hilft und mir zur Seite steht. Mit vierzehn Jahren habe ich mich entschlossen, aus der Kirche auszutreten und habe das auch umgesetzt. Meine Mutter war zwar entsetzt, hat aber nie das Gespräch mit mir über meinen Schritt gesucht.

An wen oder an was glaube ich heute? Keineswegs an den christlichen Gott, der am Kreuz gestorben ist. Ich erinnere mich noch eine Situation, in der es mir sehr dreckig ging und ich "Jesus am Kreuz" angesehen und ihn angeklagt habe: "Wie willst denn du mir helfen, wo du doch selbst in deinem eigenen Elend am Kreuz hängst und nicht einmal dir selber helfen kannst?"

Einen bestimmten Glauben habe ich heute nicht mehr. Vom religiösen Gesichtspunkt aus bin ich Atheist bzw. ein Mensch, der viele Religionen in sich vereint. Auch wenn ich mich nie mit Religionen beschäftigt habe, bin ich doch davon überzeugt, dass letztlich alle Religionen wollen, dass ihre Gläubigen in innerem und äußeren Frieden leben.

Wenn ich Glauben gleichsetze mit neue Energien tanken, so glaube ich je nach meinen Stimmungen an mich, an die Sonne, an aufmerksame und einfühlsame Mitmenschen, an die Natur, an einen erfrischenden Spaziergang oder an verschiedene andere Dinge, die mir jetzt nicht einfallen. Und gelingt mir das nicht, so versuche ich, mein "Unvermögen" anzunehmen und nicht mit ihm zu hadern, um es nicht zu verschlimmern und möglichst bald wieder mit mir in Frieden zu leben.

Uns allen wünsche ich - und das nicht nur zu Weihnachten, sondern ganzjährig - Freiheit von wirtschaftlicher, sozialer, politischer, körperlicher, seelischer, geistiger Gewalt und so viel Frieden wie möglich, wo heute noch Gewalt und Hass herrschen.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Mein Leben auf unserer Mutter Erde


Die BBC hat eine spannende Seite (das Laden der Seite dauert einige Sekunden) geschaffen, in der jeder nach Eingabe seines Geburtsdatums und seines Geschlechts grafisch dargestellt sehen kann, wie man sich selbst in seinem Leben verändert hat, wie die Erde sich im Laufe des eigenen Lebens verändert hat und wie wir die Erde während der eigenen Lebenszeit verändert haben. Die Ergebnisse sind nicht nur spannend, sondern regen auch zum Nachdenken darüber an, dass wir Menschen nur ein kleiner Teil unserer Mutter Erde sind und daher mehr Demut und Achtung vor unseren Mitmenschen haben sollten.

In meinem Leben hat sich sehr vieles verändert - und das finde ich ganz faszinierend. (Leider könnte es sein, dass dieser Link nicht zu meiner persönlichen Auswertung führt. Die Gründe sind mir nicht klar).

Montag, 15. Dezember 2014

Gedanken und Wünsche zum Jahreswechsel


Ist dieses Jahr tatsächlich auch schon wieder zu Ende? Mit zunehmendem Alter empfinde ich die Zeit als immer schneller. Der Beginn meiner Arbeitslosigkeit im Jahr 1990, der Brandanschlag von Solingen im Jahr 1993, der 11. September 2001, die Einführung der Hartz-Gesetze im Jahre 2003 - alle diese Ereignisse fühlen sich für mich wie "erst vor ein paar Monaten" an.

Persönlich gibt es für mich in diesem Jahr zwei einschneidende Ereignisse: Die Trennung der Zwillinge von mir und der Beginn meiner Altersrente am 1. Juli. Die Trennung war für mich schmerzlich, die Altersrente macht mich finanziell ein Stück unabhängiger - bei gleich gebliebenem monatlichen Einkommen. Schöne Ereignisse in meinem Leben des letzten Jahres - lasst mich überlegen: Mir fallen leider keine ein. Ich hatte bestimmt welche, aber sie sind in den Hintergrund getreten.

Ich wünsche Euch ruhige Weihnachtstage und einen guten Wechsel ins neue Jahr. Fürs neue Jahr 2015 wünsche ich Euch eine sichere Existenz, Gesundheit und achtsame Menschen.

Meine wichtigsten Wünsche sind Gesundheit sowie innnere und äußere Ruhe.

Samstag, 13. Dezember 2014

Ein fast tödliches Jugenderlebnis


In meiner Jugend war ich mit einem Bauernsohn befreundet, den ich oft auf dem Bauernhof besucht habe. Am meisten in Erinnerung geblieben sind mir die vielen Fliegen in den Wohnräumen. Doch das hier nur am Rande.

Irgendwann waren wir mal auf dem Heuschober und haben dort die Gänge erkundet. Es war schon verhältnismäßig dunkel. Das hat unsere Erkundungstour noch spannender und ein Stück unheimlich gemacht. Gegen Ende unserer Erkundung habe ich das Ende eines Ganges übersehen und bin einige Meter tief gestürzt und mit dem Rücken auf einem Strohballen unverletzt angekommen. Da habe ich ganz schön Glück gehabt.

Zwei Tage später erzählte mir der Freund, dass er noch einmal im Heuschober war und festgestellt hatte, dass in dem Strohballen, auf den ich gefallen war, eine Heugabel gesteckt hatte - mit den Zinken nach oben. Verdammt viel Glück gehabt. Da muss mein Schutzengel ja sehr gut auf mich aufgepasst haben. Danke schön, Schutzengel.

Freitag, 12. Dezember 2014

Ärzte mit Netz und doppeltem Boden


Bei meiner aktuellen Zahnwurzelbehandlung ist mir wieder einmal unangenehm aufgestoßen, dass ich eine Einwilligungserklärung unterschreiben musste. In der Regel geht einer solchen Erklärung ein Arzt-Patienten-Gespräch voraus. In jeder dieser Erklärungen steht sinngemäß, dass ich alles verstanden habe, der Arzt mich eingehend und umfassend aufgeklärt hat und ich alles verstanden habe. Das kann ich als Patient und medizinischer Laie doch gar nicht wissen und beurteilen. Denn wüsste ich es, bräuchte ich kein "Aufklärungsgespräch". Hiermit sichert sich der Arzt - und davon bin ich überzeugt - gegen Regressansprüche seitens des Patienten ab. Das wäre überhaupt nicht nötig, weil einem Arzt kraft seines Status in der Gesellschaft und in der Rechtsprechung menschliche und fachliche Qualifikationen zugestanden werden, die er oft gar nicht hat. Mal abgesehen davon, dass ich (wahrscheinlich stehe ich damit nicht alleine) weder die nervliche noch die finanzielle Kraft hätte, einen Klageprozess durchzustehen. Zudem wird mir ein derartiger Prozess schon dadurch unmöglich gemacht, weil ich als Patient den Behandlungsfehler nachweisen muss und nicht der Arzt beweisen muss, dass er keinen Behandlungsfehler begangen hat. Leider habe ich versäumt, meinen Arzt zu fragen, ob er mich auch behandeln würde, wenn ich die Einwilligungserklärung nicht unterschreibe.

Ärzte haben offensichtlich in der Politik eine Lobby, die es ihnen möglich macht - ob da wohl auch Korruption im Spiel ist?!? - Gesetze gegen den Patienten zu erreichen. Letztlich steckt in einer solchen Einwilligungserklärung auch meine Einwilligung als Patient, dass ich in die Behandlungsfehler des behandelnden Arztes einwillige. Denn welchen Sinn sollte eine solche Erklärung sonst haben! Eine formaljuristische Absicherung? Dafür würden wesentlich kürzere Text von und ganz reichen.

Wie steht Ihr dazu? Machen Euch solche Unterschriften kein Kopfzerbrechen? Wie weit vertraut Ihr Euren Ärzten?

Montag, 8. Dezember 2014

Das Turbo-Abitur und meine Schulzeit


Nicht nur während meiner häufigen Umschulungs- und Fortbildungsmaßnahmen habe ich immer wieder mitbekommen, wie viel Druck heutzutage auf die Jugendlichen ausgeübt wird. Und vermutlich auch auf die Kinder. Hier werden aus meiner Sicht willfährige Arbeitnehmer heran gezogen, die es gewohnt sind, im Berufsleben das zu tun, was ihnen vorgeschrieben wird. Und die so ziemlich jedem Druck stand halten können. Und wenn nicht, werden sie entsorgt. Möglicherweise sehen die Jugendlichen das anders, weil sie ein verhältnismäßig druck freies und entspanntes Leben und Lernen gar nicht erst kennen lernen dürfen.

Da ich erinnere ich mich doch mit Freuden an meine Gymnasialzeit (1962 bis 1973) zurück: Wir konnten verhältnismäßig und fast ohne Druck lernen. Wir hatten spätestens um 13:05 Uhr Schulschluss. Dann begann unsere Freizeit. Kennen das die heutigen Schüler überhaupt noch. Wie oft habe ich im Bus schon mitbekommen, dass die Schüler nachmittags noch jede Menge Hausaufgaben machen müssen, zum Sport, zum Musikunterricht oder zu sonstigen "Verpflichtungen" müssen. Solche Menschen sind es doch im Berufsleben schon mehr als gewohnt, jede freie Minute für den Job verfügbar zu sein - bis dass sie daran zu Grunde gehen, seelische Dauerschäden davon tragen oder gesundheitsbedingt in Frührente gehen müssen.

Und mir sage keiner, dass meine Generation schlechtere Arbeitnehmer und schlechtere Menschen heran gebildet hat als die heutige Generation. Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass meine Generation noch mehr politisches Bewusstsein und Handlungsfähigkeit hatte als die heutigen jungen Menschen.

Samstag, 29. November 2014

Mein Lebenslauf in eigenen Worten


23. Dezember 1950: An diesem Tag erblickte ich nicht ganz freiwillig das Licht der Welt. Ursprünglich sollte mein Leben schon am 11. Dezember beginnen, aber die Nabelschnur hatte sich um meinen Hals gewickelt. Und da für mich schon fast "Matthei am Letzten" war, wurde ich ungefragt mit einem Kaiserschnitt in dieses Leben befördert.

1958 bis 1962: Meine Jahre an der Volksschule Wülfrath. Damals war ich noch einer der besten Schüler. Ich musste dafür nicht einmal etwas tun, es flog mich "einfach so" an. Lang, lang ist´s her.

1962 bis 1973: Diese Jahre waren - das kann ich auch mit guten Gefühlen noch nach Jahrzehnten sagen - die schönsten Jahre meines Lebens. Es waren meine Jahre am Konrad-Herebach-Gymnasium in Mettmann. Ich war sozial eingebunden. Ich hatte viele Kontakte.Ich fühlte mich wohl unter all den Menschen - meinen Klassenkameraden und auch den Lehrern. Es waren Jahre voller geistiger und gefühlsmäßiger Anregungen, Jahre gefüllt mit wunderbarem Leben.

Als ich noch motorisiert war, habe ich mein altes Gymnasium alle ein bis zwei Jahre besucht, bin durch die Flure gegangen, sah die alten Wandmalereien und habe mich jedes Mal wie zu Hause gefühlt. Diese Jahre haben in mir sehr tiefe Spuren hinterlassen - Spuren, an die ich mich sehr gerne erinnere und die ich sehr gerne in mir weiter leben lasse.

1973 bis 1976: In diesen Jahren habe ich an der damaligen Gesamthochschule Wuppertal mein Lehrerstudium für die Sekundarstufe I gemacht - und meinen größten Lebensfehler: Ich habe dieses Studium nach dem ersten und vor dem zweiten Staatsexamen abgebrochen. Das zweite Staatsexamen wäre meine Möglichkeit für den Lehrerberuf gewesen. Dieser Fehler war ein Teil meiner unruhigen Berufsjahre, die dann in über zwanzig Jahren Arbeitslosigkeit geendet sind.

2004 bis 2006: In diesen Jahre habe ich einen erfolgreichen IHK-Abschluss zum Kaufmann im Gesundheitswesen gemacht. Auch das half mir nicht, wieder in den Beruf einzusteigen. Doch nicht nur für mich gab es keinen Wiedereinstieg, weil von meinen 16 Mitschüler(innen) nur eine den Wiedereinstieg geschafft hat.

Auf meine Berufsjahre möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen, weil ich hier in meinem Gedankenbuch schon sehr viel darüber geschrieben habe: Ich habe etwa 2.000 Absagen verarbeiten müssen - die Folgen begleiten mich bis heute. Leider muss ich feststellen, dass Arbeitgeber keine fähigen Mitarbeiter brauchen, sonder Arbeitssklaven. Und Mitdenken ist in der Theorie erwünscht, aber in der Praxis hat man die Schnauze zu halten - erst recht, wenn man fähig ist, in Zusammenhängen zu denken.

Würde ich näher auf meine Berufsjahre eingehen, würde ich auch Namen von Arbeitgebern nennen. Und in unserer wirtschaftsfreundlichen Demokratie würde mir das bestimmt einige Klagen einbringen - Klagen, auf die ich mich weder nervlich noch finanziell einlassen will und kann, Klagen, die ohnehin zugunsten der Arbeitgeber ausgehen würden.


Wenn ich nicht meine wunderbaren Jugendjahre hätte leben dürfen, würde ich heute nicht mehr leben. Erst diese wunderbaren Jahre haben in mir eine Kraft und eine Lebensfreude (ja, die habe ich immer noch, auch wenn es oft nicht so scheint) wachsen lassen, die es mir heute ermöglichen, nicht nur zu über-leben, sondern zu leben - trotz aller materiellen und immateriellen Einschränkungen.

In Rente bin ich erst seit fünf Monaten. Erst mit 65 kann ich unbegrenzt hinzu verdienen. Als Rentner werde ich dann wohl eher Arbeit bekommen als wenn ich arbeitslos wäre (hoffe ich zumindest). Bis dahin werde ich noch über die Runden kommen müssen. Und nach all den Jahren, die ich schon über die Runden gekommen bin, werde ich das auch noch schaffen.


Freitag, 14. November 2014

Es schmerzt dennoch


Vielleicht hat es sich ja schon in größeren Kreisen herum gesprochen, dass es Menschen gibt, für die das Sprichwort "Jeder ist seines Glückes Schmied" heftiger Zynismus ist. In unserer Leistungsgesellschaft bist du leider ziemlich schnell außen vor, wenn Du unterhalb der Armutsgrenze leben musst. Es gibt nun einmal sehr viele Unternehmungen, die ohne Geld nicht machbar sind: Urlaub, Kultur, Reisen, Schön-Essen-Gehen (um nur einige zu nennen). Und es gibt bestimmt den ein oder anderen Leser, der mir zustimmen kann, dass Armut auch Beziehungen erschwert, weil man außerstande ist, schöne Dinge miteinander zu erleben und zu genießen - und aus diesen Gründen von anderen Menschen auf Abstand gehalten wird.

Und trotz dieses Wissens schmerzt es mich immer wieder, wenn ich offene und ehrliche Antworten bekomme wie diese:
"Ich unternehme viel und dafür braucht man Geld. Ich war dieses Jahr 6x in Urlaub und da kannst Du natürlich nicht mithalten. Schade...."
Das letzte Wort weist darauf hin, dass wir uns gefühlsmäßig zugetan waren. Nichtsdestotrotz wurde hier das Finanzielle über das Gefühlsmäßige gestellt. Ich weiß um das Dilemma, wenn einer Geld hat und der andere hat keins. Wenn sich eine solche Situation in einer langjährigen Beziehung entwickelt ist das immer noch etwas ganz Anderes als wenn man/frau sich gerade erst kennen lernt.

Nachvollziehbar und dennoch schmerzhaft!

Freitag, 7. November 2014

Wenn Arbeitslose streiken würden


Nehmen wir einmal an, dass die Arbeitslosen sich den GDL-Streik zum Vorbild nehmen und streiken würden. Gut - die Arbeitslosen können die Arbeit nicht niederlegen, weil sie keine haben, zumindest keine sozialversicherungspflichtige. Und sie können auch keinen Arbeitgeber finanziell unter Druck setzen. Was jedoch geschehen würde, ist das: Die Arbeitsagenturen bzw. Jobcenter würden ihnen für die Zeit des Streik alle Leistungen kürzen, weil sie in dieser Zeit ja dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stünden. Und sie würden - obwohl sie nicht nur wenige tausende vertreten, sondern Millionen - nur wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Arbeitslose können sich gegen die Gewalt, die ihnen angetan wird, nicht mir Gewalt wehren, sondern nur mit Öffentlichkeit, d.h. Massendemonstrationen. Und diese Demonstrationen dürften nicht mal an einem Tag im Jahr stattfinden, sondern müssten eine Regelmäßigkeit haben. Doch diese Durchhaltefähigkeit fehlt den Arbeitslosen, weil die vielen Erwerbslosenintiativen nicht annähernd so vernetzt sind wie es nötig wäre. Und vor allem fehlt ihnen der Rückhalt durch die (DGB)-Gewerkschaften, die bereits bei Einführung der Hartz-Gesetze jämmerlich versagt haben: Sie haben es versäumt, Millionen arbeitslose und noch arbeitende Kolleginnen und Kollegen zu mobilisieren.

Die Gewerkschaften haben sich mit der Arbeitslosigkeit abgefunden und helfen nur noch, sie zu verwalten. Einstmals waren Gewerkschaften noch Kampforganisationen, heute sind sie nur noch Hunde, die bellen, aber nicht beißen - und auch gar nicht beißen wollen.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Rechtsradikale und Salafisten gegen Demokraten


Heute noch geben Rechtsradikale vor, gegen Salafisten zu kämpfen. Und in nicht allzu ferner Zukunft werden sich Rechtsradikale und Salafisten zusammen tun, um gemeinsam auf brutalst mögliche Art und Weise gegen Demokraten einen offenen Krieg zu führen. Und was tut die Polizei als ausführende Staatsmacht dagegen? Sie hält die Gruppen auseinander - wie großzügig.

"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch." Stimmt dieser Satz denn fast 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch? Nein, tut er nicht. Denn dieser Schoß hat schon jede Menge Braunhemden geboren, die jetzt aufwachsen, "erwachsen" sind und noch "erwachsen" werden.

Samstag, 25. Oktober 2014

Berufstätige unter sich


Die Gewerkschaften haben mit ihren Tarifkämpfen = Streiks schon längst denselben Weg beschritten wie die Arbeitgeber, weil es ihnen genau so wie den Arbeitgebern absolut egoistisch nur um die eigene materielle Bereicherung geht. Allein für sich betrachtet ist das in Ordnung. Aber die Gewerkschaften haben vergessen, was gelebte Solidarität - und davon lamentieren sie ja immer wieder - überhaupt aktiv bedeutet. Es gibt im Leben nicht nur die materielle Seite, sondern auch noch die menschliche. Wo bleibt die gewerkschaftliche Solidarität mit den Millionen von Arbeitslosen, unter denen in der Regel auch die eigenen ehemaligen Kollegen sind? Wo bleibt die gewerkschaftliche - sprich: gesamtgesellschaftliche - Solidarität, wenn nur mehr Geld oder eigene Vorteile gefordert werden, aber kein Wort gesagt wird und keine Forderung gestellt wird zum Abbau von Armut, von Langzeitarbeitslosigkeit, kein Wort gegen Hartz IV (das die DGB-Gewerkschaften ja seinerzeit aktiv mit ins Leben gerufen haben) und keine Forderung auf Einstellung von Langzeitarbeitslosen? Mit ihren egoistischen Tarifkämpfen unterstützen die Gewerkschaften schon seit vielen Jahren aktiv das Motto von Arbeitgebern und ihren "gewählten" Vertretern in der Politik: "Teile und herrsche!" Die Arbeitgeber freut´s und ich bin davon überzeugt, dass die Gewerkschaftsführer dieses zynische Spiel bewusst mitspielen.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Gewerkschaften einerseits in gewisser Weise die Sprachrohre der Arbeitgeber sind, wenn es darum geht, Arbeitnehmer feindliche Entscheidungen "ihren" Mitgliedern schmackhaft zu machen. Und andererseits machen die Gewerkschaften doch überhaupt keine eigene Politik, sondern re-agieren lediglich auf das, was ihnen die Arbeitgeber vorsetzen. Mal ganz abgesehen davon, dass viele Gewerkschaftsführer in den Parteien Mitglied sind, deren Arbeitnehmer und Bürger feindliche Politik sie dem Gewerkschaftsgedanken nach bekämpfen müssten.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Gelebte Erfahrungen


Möglicherweise habt Ihr auch schon mal diese Erfahrung gemacht: Da versucht jemand (es kann natürlich auch andersherum sein), Euch wiederholt etwas zu erklären, das zwar in Euren Köpfen ankommt, aber von Euch nicht in Taten umgesetzt werden kann, weil Ihr es zwar vom Kopf her verstanden habt, aber nicht von Euren Gefühlen her. So erging es mir beispielsweise viele Jahre, in denen mir immer wieder erklärt wurde, was Nähe und Abstand im Leben bedeuten, ich es verstanden habe, es aber nicht umsetzen konnte - es war nur bis in meinen Kopf vorgedrungen. Dann machte mir mal ein Therapeut das Thema Nähe und Abstand mit einer Übung auch für mein Gefühl klar:

Ich habe mich bis fast auf Körpernähe im gegenüber gesetzt und er fragte mich: "Was siehst du jetzt?" Meine Antwort: "Deine Augen". Dann bat er mich, wieder unseren gewohnten Abstand einzunehmen und fragte mich: "Und was siehst du jetzt?" Meine Antwort: "Deine ganze Person". Ein gesundes Mittelmaß zwischen Nähe und Abstand bekomme ich zwar immer noch nicht hin, aber nicht nur mein Kopf weiß darum, sondern auch mein Gefühl.

Es ist zwar ein krasser Vergleich, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Menschen, die dem Tod schon einmal die lange Nase gezeigt haben, sehr intensiv von dieser Erfahrung geprägt werden. Bei meinen Überlegungen zu diesem Artikel habe ich mich gefragt, welchen Gewinn ich ziehen könnte, wenn ich dem Tod von der Schippe springen würde. Ich könnte mir vorstellen, dass ich anschließend auch gefühlsmäßig "wüsste", dass all meine innere Unruhe überflüssig und schädlich waren und ich in einer echten inneren Ruhe und Ausgeglichenheit ankommen würde.

Dem Tod die lange Nase zu zeigen, ist ein reines Gedankenspiel, das ich nie erleben möchte. Der Wunsch, in innerer Ruhe und Ausgeglichenheit anzukommen, ist echt. Der Weg das Ziel.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Bilder, die mich sprachlos und wütend machen


Ein packender Film über den fast aussichtslosen und dennoch engagiert geführten Kampf gegen Ebola in Liberia. Der Film geht mir sehr stark an meine Nerven. Ich konnte ihn nur mit Pausen ansehen, in denen ich meine Tränen trocknen musste.



Aufmerksam gemacht hat mich dieser WDR-Bericht von Jörg Schieb.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Privatheit, die gar nicht so "privat" ist


In verschiedenen Beiträgen habe ich mich mit dem Thema der Privatheit in meinem öffentlichen Gedankenbuch beschäftigt. Wobei mir so richtig nicht der Unterschied klar ist zwischen "privat" und "persönlich" – ich glaube, beide Begriffe überschneiden sich. Heute bekam ich von einer langjährigen Bekannten eine Mail, die einige Aussagen enthält, die mir nicht so neu sind. Darum möchte ich einige davon zitieren und meine persönlichen Gedanken und Gefühle dazu äußern.
"Es berührt mich tief, dass du immer wieder versuchst, den Kontakt mit mir aufzunehmen."
Es war mir schon immer zu eigen, um Menschen zu kämpfen, die ich schätzen und achten gelernt habe. Inwiefern ich da manches Mal zu sehr kämpfe, das vermag ich gar nicht richtig einzuschätzen. Möglicherweise ist auch der Begriff "kämpfen" überzogen und der Begriff "mich bemühen" wäre angesagter.
". . ., dass ich dir nicht das geben kann, was du von mir erwartest."
Da kommt mir als Antwort spontan die Frage: Was meinst du denn, was ich von dir erwarte? Immer wieder erlebe ich, dass Mitmenschen der Überzeugung sind, sie könnten meine Gedanken lesen und diese Überzeugung für Realität halten. Wir Menschen können uns sprachlich austauschen, Gedanken und Gefühle klären und im Gespräch bleiben. Das ist oft schwieriger als "Gedankenlesen", aber auch weitaus fruchtbarer für das lebendige Miteinander.
"Ich bin ausgelaugt und fühl mich gestresst."
Das ist auch bei mir der Fall. Doch macht es das auch leichter, im Miteinander Stress Stress sein zu lassen, die Probleme humorvoll zu sehen und miteinander entspannt und zufrieden zu sein. Probleme werden geringer, wenn man ihnen nicht mehr so viel Raum gibt. Und möglichst viel Entspannung und Ruhe hilft (zumindest mir), meine Probleme nicht mehr so wichtig und vorrangig zu sehen und zu empfinden.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Tage ohne Fernsehen


Nun hat mein betagter Röhren-Fernseher endgültig seinen Geist aufgegeben, Nachdem in den letzten Monaten immer mal wieder das Bild verschwunden war, aber nach einiger Zeit zurück kam, bleibt das Bild jetzt dauerhaft verschwunden. Und das ist doch irgendwie nicht der Sinn eines Fernsehers. Gerne würde ich jetzt zu einem Flachbildschirm-Fernseher wechseln, kann aber nicht einfach mal eben ein neues Gerät kaufen, weil ich wenig Geld habe, mir diesen Alltags-Luxus zu leisten und daher einen Kompromiss zwischen Geld und Qualität finden muss. Zudem fehlen mir die entsprechenden technischen Grundlagen in Theorie und Praxis. Darum würde ich auch einen Neukauf bevorzugen.

Dennoch habe ich eine Bekannte aus der Sozialberatung angesprochen, ob sie einen Klienten kennt, der ein Fernsehgerät abgeben kann. Doch geht das nur bei Tod oder Wohnungsauflösung und da sind verständlicherweise erst mal die Angehörigen zu fragen. Einige Tage werde ich jetzt warten, ob sich da eine Möglichkeit ergibt, aber ich glaube, es werden nicht allzu viele Tage werden. Auch wenn ich im Augenblick eine intensive Lesephase habe, so tritt da bestimmt auch wieder eine Pause ein. Fehlen werden mir in der Zwischenzeit meine beliebten Krimis und vor allem Naturdokumentationen. Auf mein Laptop könnte ich bestimmt nicht so gut für einige Tage verzichten.