Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Dienstag, 30. August 2011

Steuerbetrug nunmehr gesetzlich zugelassen

Die verdi-news, der Infoservice für Aktive der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, setzt sich in seiner aktuellen Ausgabe vom 27. August 2011 mit dem Steuerabkommen zwischen der Bundesregierung und der Schweiz auseinander. Dieses Abkommen wird als "Ablasshandel für Steuersünder" und als "Staatlich legalisierte Geldwäsche" gebrandmarkt. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass dieses Abkommen Steuerbetrügern genügend Zeit und "Schlupflöcher" lässt, "das Geld in andere Oasen zu verschieben".

Der vollständige Bericht und der vollständige Kommentar können an dieser Stelle nachgelesen werden.

Freitag, 26. August 2011

Sparen – ein verharmlosender Begriff

Eine zeitnahe Erfahrung, die mir immer noch in den Knochen hängt, hat mich veranlasst, den Begriff Sparen neu zu überdenken. Bisher habe ich diesen Begriff als etwas Erfreuliches gesehen, weil man durch Sparen Geld für schlechte Zeiten zurück legt. Ich will jetzt nicht näher darauf eingehen, dass Arbeitslosigkeit eine andere Bezeichnung für schlechte Zeiten ist. Das selbe gilt für den im folgenden gebrauchten Begriff Notfall.

Ein armer Mensch – und dazu zählen in der Regel alle Hartz IV-Abhängigen – hat überhaupt kein Geld, das er sparen kann. Sparen heißt doch, von seinen Einnahmen so viel Geld zurück zu legen, dass man Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben zur Verfügung hat. Da ich von dem Hartz IV-Regelsatz, der sich derzeit auf monatlich 364 Euro beläuft, ohnehin nur am Rande des Existenzminimums leben kann (wenn überhaupt), ist jeder Cent, den ich für unvorhergesehene Ausgaben zurück lege, kein gesparter Cent, sondern ein Cent, mit dem ich mein Leben noch stärker einschränken muss als es ohnehin der Fall ist.

All denen, die mich jetzt als Schwarzseher und –maler hinstellen, möchte ich sagen: Ich bin nur einer von Millionen in derselben Situation – nur stehe ich zu meiner durch die lange Arbeitslosigkeit verursachten Armut und den damit verbundenen Folgen. Die meisten Menschen in meiner Situation versuchen, ihre Lage zu verheimlichen, weil sie sich für ihr unverschuldetes Schicksal völlig zu Unrecht schämen.

Mittwoch, 24. August 2011

"Verraten Sie mir Ihr Geheimnis?"

Als ich heute mit dem Zug nach Hause fuhr, bat mich der Zugbegleiter nach dem Vorzeigen meines Bärentickets (eine Monatsfahrkarte, auf die Menschen ab 60 einen Anspruch haben) ebenfalls um meinen Personalausweis. Das ist zwar sehr selten, aber durchaus zulässig. Er gab mir dann beide Ausweise mit der humorvollen Bemerkung zurück: "Tja, das hätte ich nicht geglaubt, dass Sie schon 60 sind. Verraten Sie mir denn Ihr Geheimnis?" Nach kurzem Überlegen habe ich ihm geantwortet: "Bewusst leben – mit allen Höhen und allen Tiefen." Er ließ meine Worte ein wenig sacken und verabschiedete sich mit den Worten: "Mach Sie weiter so."

Jammern auf hohem Niveau

Es wird immer wieder behauptet, dass die Deutschen auf sehr hohem Niveau jammern. Her wird unzulässig verallgemeinert und Äpfel mit Birnen verglichen.

Wenn ein Hartz IV-Betroffener oder ein verarmter Rentner über seine Armut jammert, so beklagt er sich mit vollem Recht, weil ihm so viel genommen wird, dass es für ihn die Regel ist, am Existenzminimum leben zu müssen.

Wenn aber ein Vermögender jammert, so ist das schlichtweg verlogen und hinterhältig, weil sich vermögende Menschen Dinge leisten können, von denen ein armer Mensch nur träumen und ihnen hinter her weinen kann: teuren Urlaub oder sogar mehrere Urlaube im Jahr, ein nicht gerade Billig-Auto, Kultur und Essen-gehen.

Wenn ich mir das alles leisten könnte, würde ich nicht jammern, sondern mich riesig darüber freuen, am sozialen und zwischenmenschlichen Leben teilhaben zu können und zu dürfen.

Sonntag, 21. August 2011

Abschied vom "kleinen Luxus"

In einem früheren Blogeintrag habe ich erwähnt, dass ich mich von meinem "kleinen Luxus" nicht verabschieden will, weil die tägliche Kaffee Tasse, ab und zu ein Stück Kuchen, ganz wenig Kultur und meine tägliche warme Mahlzeit in der Cafeteria der örtlichen Arbeitsagentur einfach sein müssen, um noch ein wenig am sozialen Leben teilnehmen zu können und für mich das Gefühl zu haben, noch zu dieser Gesellschaft zu gehören.

Aus aktuellem Anlass jedoch bin ich nunmehr gezwungen, mich von diesem "kleinen Luxus" verabschieden zu müssen. Lediglich das tägliche Mittagessen in der Cafeteria der Arbeitsagentur werde ich mir noch gönnen.

Donnerstag, 18. August 2011

Hartz IV und Freundschaften

Vor einigen Tagen habe ich zum wiederholten Male die folgende Erfahrung gemacht: Ich habe eine Frau kennen gelernt, wir haben angenehme Stunden miteinander verbracht mit ernsten Themen und auch sehr viel über uns und die Welt gelacht. Doch die offene Aussprache gegen Ende der Begegnung zeigte, dass trotz vieler Sympathie füreinander eine gemeinsame Zukunft auf Grund meiner finanziellen Situation abgelehnt wurde, weil gemeinsame Unternehmungen wie Urlaub, Kultur und so manches andere "dank" Hartz IV nicht möglich sind. Und auch "alte" Freundschaften werden dadurch belastet, weil Treffen sehr stark eingeschränkt werden.

Die zynischen und Menschen verachtenden Hartz-Gesetze greifen sehr tiefschürfend und im schlechtesten Sinne nachhaltig in die Seelen der Betroffenen ein, denen Armut aufgezwungen wird und deren Lebensgrundlagen Schritt für Schritt zerstört. Menschliches Glück haben nur die Betroffenen, die durch langjährige Freundschaften aufgefangen werden können und die von diesen Freunden nicht für dieses Schicksal mit Entzug der Freundschaft abgestraft wurden.

Sonntag, 14. August 2011

Einfühlungsvermögen

Es ist immer schwierig, Gefühle in Wort auszudrücken, weil man Gefühle auf diese Weise auch zerreden kann. Doch ich will es dennoch versuchen.

Einfühlungsvermögen ist für mich keine reine Gefühlsangelegenheit, sondern auch der Verstand spielt dabei eine Rolle. Es ist für mich die Fähigkeit eines Menschen, sich sowohl mit seinen Gedanken wie mit seinen Gefühlen in die Lage eines Mitmenschen hinein zu fühlen und zu denken. Doch oft scheitert es daran, dass die meisten Menschen zwar zuhören, aber ausschließlich mit Worten wie "Du musst…", "Mach´ es doch einfach so…" oder Ähnlichem "helfen" wollen. Es wird gar nicht erst hinterfragt, was den anderen denn nun wirklich bedrückt, ob er weiß, wie es dazu gekommen ist, wie er im Augenblick damit umgeht, was er sich wünscht. Und so manches Mal hilft eine Umarmung – sofern man sich entsprechend nahe steht – mehr als alle Worte. Vor vielen Jahren habe ich immer wieder versucht, einer Freunden in schwierigen Lagen mit "klugen Worten" zu helfen, die ihre Lage oftmals nur verschlimmert haben. Und nachgefragt, warum meine Worte ihr nicht helfen konnten, antwortete sie mir: "Am besten hättest Du mir geholfen, wenn Du mich in Deine Arme genommen hättest." Und es ist manches Mal zwar angesagt, seinen Mitmenschen gegenüber seine Wünsche auszusprechen, aber oft ist das auch aus verschiedenen Gründen gar nicht möglich.

Einfühlungsvermögen bedeutet auch, sich aus seiner persönlich Situation vorüber gehend zu lösen und zu versuchen, die Probleme seiner Mitmenschen aus deren Sicht zu durchdenken und zu fühlen. Es müssen nicht immer gleich Lösungen her, weil es viel wichtiger ist, sein Gegenüber ernst zu nehmen und sich mit Ihm/ihr auseinander zu setzen und auszutauschen. Es geht nicht darum, dem anderen die eigenen Denk- und Verhaltensmuster über zu stülpen. Erst mal ist es viel wichtiger und menschlich nachhaltiger, sich miteinander auszutauschen als Lösungen anzubieten, die nur eine Kopie des eigenen Denkens und Verhaltens ist, das auch sehr oft fehlerhaft ist. Mir hilft es mehr, wenn mein Gegenüber mir erzählt, wie er mit einer gleichen oder ähnlichen Situation umgegangen ist oder umgeht. Ein "Du musst…" und ähnliche Sprüche sind so endgültig und lassen ein Gespräch nicht mehr zu. Ein Austausch verhindert Streit, weil man sich ernst genommen fühlt und lässt eigene Wege offen. Und erwähnen möchte ich auch, dass ein fruchtbarer Austausch es ermöglicht, dass sich alle Beteiligten menschlich näher kommen können.

Ganz schlicht ausgedrückt, könnte ich auch sagen: Nicht das Ende der Sackgasse ist das Ziel, sondern der Weg.

Freitag, 12. August 2011

Existenzängste


Für das letzte Jahr ergab sich eine Jahresgutschrift meines Vermieters von 440 Euro. Da mir das Jobcenter Solingen die volle Miete zahlt, will sie ihre Überzahlung zurück haben. So weit - so weit auch in Ordnung.

Doch eine Ratenzahlung wird knallhart abgelehnt. Im September wird die volle Miete einbehalten und im Oktober der Rest. Angeblich bekomme ich nach der Mietzahlung im September (für die ich erst mal in Vorkasse treten muss) den vollen Rückzahlungsbetrag als Darlehen, das mir dann pro Monat mit einem Zehntel des Darlehensbetrages verrechnet wird. Ob diese telefonische Auskunft in dieser Form stimmt, weiß ich nicht. Nächste Woche werde ich versuchen, das Darlehen vorab zu bekommen.

Gegen meine Existenzängste komme ich nicht an, sie versauen mir meine Zeit. Falls mir ein "Vorab"-Darlehen gewährt werden sollte, bliebe es bei meinen Existenzängsten, andernfalls könnte es für mich mehr als nur schwierig werden. Im Augenblick lebe ich "von der Hand in den Mund", weil ich die nächsten Wochen nicht planen kann.

Kommentare zu diesem Beitrag gibt es auch an dieser Stelle.

Donnerstag, 11. August 2011

Wer liest mein Gedankenbuch?


Seit nahezu vier Jahren pflege ich mit sehr viel Herzblut mein Gedankenbuch. Ihr wisst sehr viel über mich - wie ich denke, wie ich fühle, mein beruflicher Werdegang, meine Einstellungen, Gedanken und Gefühle zum Leben im Allgemeinen wie im Besonderen.

Gerne würde ich auch Euch kennen lernen. Wer seid Ihr? Was macht Ihr? Wenn Euch das zu persönlich ist, schreibt über Eure Träume, wo und wie Ihr gerne leben würdet, wenn Ihr es Euch aussuchen könntet. Oder über das, was Ihr gerne von Euch erzählen möchtet.

Wenn Ihr Euch vorstellen möchtet, schreibt einen Kommentar, in dem Ihr selbstverständlich auch anonym bleiben könnt. Ich möchte mich bereits bereits an dieser Stelle bei Euch bedanken und würde mich freuen, möglichst viele von Euch kennen lernen zu dürfen.