Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Sonntag, 31. Juli 2011

Sparen als Schuldenfalle


In den Leistungen von Arbeitslosengeld II - umgangssprachlich bekannt als Hartz IV - sind in der Regel auch die Mietkosten enthalten. "In der Regel" deshalb, weil die Jobcenter die Mietkosten im Auftrage der Städte auszahlen. Und die Städte legen fest, bis zu welchem Betrag die Kosten für die Miete übernommen werden. Liegen sie über diesem Betrag, muss der Langzeitarbeitslose entweder in eine billigere Wohnung umziehen oder die Mehrkosten selbst tragen. Die Mietkosten beinhalten auch Wasser- und Heizkosten. Kommt es bei der Jahresabrechnung zu einer Nachzahlung, werden die Mehrkosten "in der Regel" vom Jobcenter übernommen.

Hat man jedoch sparsam gelebt und erhält über Wasser- und/oder Heizkosten eine Gutschrift, so steht dieser Betrag dem Jobcenter zu und wird mit den laufenden Zahlungen verrechnet. Das kann einen Betroffenen - in diesem Fall spreche ich von mir - in arge finanzielle und seelische Bedrängnis bringen, weil das Jobcenter die Verrechnung mit der laufenden Leistung ohne Rücksprache vornimmt. Diese Berechnung wird mit einem Änderungsbescheid mitgeteilt. So ergab sich bei mir für das Jahr 2010 eine Gutschrift der Mietkosten von 440 Euro, die das Jobcenter in zwei Raten verrechnen will. Im September würde mir dann bis auf einige Euro nur die Miete ausbezahlt und im Oktober würde der verbleibende Rest vom Arbeitslosengeld II abgezogen. Das würde für mich bedeuten, dass ich im September ganz ohne Geld dastehen würde.

Warum sich das Jobcenter in solchen Fällen nicht mit dem Betroffenen in Verbindung setzt, um eine auch für ihn angemessene Rückzahlungsform abzusprechen, möchte ich an dieser Stelle mal außen vor lassen. Auch im Änderungsbescheid selbst - ich habe es gerade nochmals nachgelesen - fehlt ein entsprechender Hinweis. Ein Widerspruch ist zwar möglich, aber sinnlos, weil er keine aufschiebende Wirkung hat.

Im Vermittlungsbereich eines Jobcenters gibt es persönliche Ansprechpartner, nicht jedoch im Leistungsbereich. So blieb mir nichts anderes übrig, als mein konkretes Rückzahlungsangebot schriftlich niederzulegen und zu hoffen, dass das Jobcenter Solingen meinen Vorschlag annimmt bzw. sich nach Rücksprache mit mir auf eine angemessene Ratenzahlung einigt.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Die gute alte Schneckenpost

"Es war einmal zu einer Zeit,…" – so beginnen viele Märchen. Und fast scheint es mir wie ein Märchen, dass es mal eine Zeit gab, in der man statt einer schnell hingeschriebenen Email sich noch Briefe mit der Hand schrieb. Es begann damit, dass ich (ich verlasse jetzt "man") mir Briefbögen, Briefumschläge, Briefkarten mit ansprechenden Motiven aussuchte und kaufte. Dann setzte ich mich zu Hause in Ruhe hin und überlegte, welchen achtenswerten Menschen ich denn schreibe. Ich nahm einen Stift, schrieb Empfänger und Absender auf den Briefumschlag und legte mir den Briefbogen (Briefkarte) auf den Schreibtisch. Dann habe ich überlegt, was ich dem anderen denn Persönliches schreiben könnte. Manchmal war es sehr persönlich und manchmal "einfach nur" ein lieber Gruß Du bist in meinen Gedanken. Und das alles habe ich mit meiner Hand in meiner Schrift geschrieben und auch Schreib- und Grammatikfehler nicht verschwiegen. Wenn der Brief fertig geschrieben war, habe ich ihn in den Umschlag gesteckt, eine Briefmarke aufgeklebt und ihn in den nächsten Briefkasten geworfen. Der Brief kostete ca. 50 Pfennig und brauchte ein bis zwei Tage zum Empfänger. Und er zeigte dem Empfänger(in), dass er (sie) mit wichtig ist. Was ist dagegen schon eine unpersönliche Email, die man mal eben zwischen zwischen Kaffee in die Tasse schütten und dem ersten Schluck in die Tasten tippen kann.

In jener fernen Zeit war ich eng mit einer Frau befreundet, die die gute alte persönliche Schneckenpost ebenso mochte wie ich. Und so haben wir uns auch handgeschriebene Briefe geschrieben, obwohl wir uns spätestens alle zwei bis drei Tage sahen. So schnell war unsere Schneckenpost oft nicht. Doch war das ohne Belang, weil es schön war und gut tat, auch auf diesem Weg uns unsere gegenseitige tiefe Verbundenheit zu zeigen.

Auch heute schreibe ich noch ganz wenigen Menschen hin und wieder eine liebe und herzliche Schneckenpost. Ich bedaure immer mehr die Schnelllebigkeit unserer Zeit, die oft so wenig Zeit und Raum füreinander lässt.

Freitag, 22. Juli 2011

Ehrenamt als Alternative zur Arbeitslosigkeit?

Ich habe mich zwanzig Jahre aktiv bemüht, wieder ein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu finden – leider ohne Erfolg. Die verletzendste Erfahrung war ein Arbeitsversprechen, das kaltschnäuzig gebrochen wurde. Diese Wunde ist bis heute nicht geheilt und die Heilung wird sicherlich noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Daraufhin habe ich den Versuch gemacht, bei einer Dienststelle der Stadt Solingen ehrenamtlich zu arbeiten. Nach drei Monaten musste ich feststellen, dass sich dieser Versuch als Selbstbetrug heraus gestellt hat. Im Grunde genommen wusste ich es von Anfang an. Meiner "Chefin" gegenüber habe ich meinen Rückzug wie folgt erklärt:

"Liebe Claudia,
zwanzig lange Jahre habe ich mit viel Engagement und Eigeninitiative darum gekämpft, beruflich wieder Fuß zu fassen. Und ich habe diesen Kampf auf der ganzen Linie verloren. Dabei sind mir sehr viele Energien verloren gegangen, die mir heute fehlen. Mein "Ehren"amt im Bereich Bookcrossing & Co. war der Versuch einer Alternative. Doch in dieser Alternative fühle ich mich nicht wohl, weil es für mich sowohl seelisch wie geistig unzumutbar ist, in einem Betrieb der Stadt Solingen zu arbeiten - einer Stadt, die Arbeitsplatzvernichtung betreibt und zu keiner Zeit bereit war, mich sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen. Diese Stadt akzeptiert es aber gewissenlos, mich als arbeitslosen Menschen bei sich kostenlos arbeiten zu lassen. Damit unterstütze ich letztlich nur den Bestand meiner eigenen Arbeitslosigkeit.
Aus diesem Grunde beende ich ab sofort meine Tätigkeit im Bereich Bookcrossing & Co. und möchte zugleich ausdrücklich betonen, dass meine Entscheidung ganz und gar nichts mit Euch als Menschen und Kolleginnen und Kollegen zu tun hat.
Meine Tätigkeit als Vorlesepate bleibt davon unberührt, weil ich diese Tätigkeit im Grunde nicht als "Ehren"amt sehe, sondern ich mich freue, Kindern etwas geben zu können und von ihnen etwas "zurück" zu erhalten.
Lieben Gruß
Gerhard"

Für einen Langzeitarbeitslosen ist es keine Ehre, bei einem Unternehmen ohne Bezahlung zu arbeiten. Vielmehr sollte es für einen solchen Arbeitgeber eine "Ehre" sein, einen Arbeitslosen zu finden, der sich "freiwillig" ausnutzen lässt.

Dienstag, 19. Juli 2011

Mit dem Zug unterwegs

Mein Vater war Zeit seines Lebens ein überzeugter Eisenbahner. Mittlerweile ist er leider schon über zwölf Jahre tot. Zu seiner Zeit war die Deutsche Bundesbahn noch ein Kunden und Mitarbeiter orientierter Staatsbetrieb. Und so gab es für jedes Familienmitglied zwölf Freifahrten im Jahr in der gesamten Bundesrepublik. Damals konnte ich mit diesen Freifahrten nichts anfangen, weil ich es langweilig fand, mit dem Zug durchs Land zu fahren.

Angeregt durch viele Fersehbeiträge Mit dem Zug durch… empfinde ich meine damalige Einstellung schlichtweg als äußerst kurzsichtig. Heute habe ich zwar keine Freifahrten mehr, aber ich würde sehr gerne viel mit dem Zug verreisen – die Zeit hätte ich, doch meine finanzielle Lage lässt das nicht zu. Wenn mein Vater noch leben würde und seine Gesundheit es zuließe, würde ich mit ihm gemeinsam bestimmt so manch eine Zugreise machen. Meine 87-jährige Mutter ist schon allein aus gesundheitlichen Gründen dazu gar nicht mehr in der Lage.

So bleiben mir Zugreisen nur vor dem Fernsehen. Doch hätte ich gegen einen Gönner – es darf auch eine Gönnerin sein – nichts einzuwenden.

Samstag, 16. Juli 2011

"Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt,..."


Der deutsche Sozialphilosophen Oskar Negt hat 2003 die Arbeitslosigkeit folgendermaßen beschrieben:
"Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt, ein Anschlag auf die körperliche und seelisch/geistige Integrität der davon betroffenen Menschen. Bei langanhaltender Arbeitslosigkeit entwertet sie die sowohl durch Bildungsinstitutionen als auch in der Sozialisation aufwendig erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse."

Aus eigener und oft leidvoller Erfahrung weiß ich das nur zu gut. Und mit dieser Entwertung meiner umfassenden Kenntnisse und Fähigkeiten habe ich mich zu keinem Zeitpunkt abgefunden. Aber es artet oft in einen zermürbenden Überlebenskampf aus, der meinem Geist und meiner Seele nicht gut tut.

In einem anderen Zusammenhang hat Oskar Negt die soziale Rolle der Gewerkschaften umrissen - eine Aussage, die leider immer noch äußerst zeitnah ist:
"Die Gewerkschaft muss ihr politisches Mandat erweitern. Das bedeutet nicht, dass sie zu einer Ersatzpartei werden soll, sondern dass sie sich ihres historischen Auftrages für die gesamte gesellschaftliche Entwicklung bewusst wird. Die Gewerkschaften stehen nicht nur für die lebendige Arbeitswelt, sondern auch für Gestaltungswillen in der Gesellschaft."

Donnerstag, 14. Juli 2011

Was für ein Sommer

Klimamäßig ist dieser Sommer bestimmt nicht außergewöhnlich. Hitze bis zur Erschöpfung und heute Nachmittag nur noch 15 Grad, dass ich mit Hemd unter leichter Sommerjacke ans Zittern kam. Und der Aufenthalt zuhause ist im Augenblick auch nicht gerade berauschend, weil auf Grund der Sanierungsarbeiten an unserem Haus mein Balkon mit einer Plane überzogen ist und mir die herrliche Sicht nimmt, die ich in diesem Beitrag in einigen Fotos festgehalten habe. Dieser Sommer ist ja auch nur für mein Gefühl kein "richtiger" Sommer, weil mir die durchgehenden trockenen und sonnigen Zeiten über mehrere Tagen und Wochen fehlen. Regnen darf´s in solchen Zeiten natürlich auch, aber bitte nur nachts, wenn ich schlafe.

Genau betrachtet bräuchte ich jetzt einen mehrwöchigen Erholungsurlaub mit ganz viel Ruhe und Entschleunigung. Leider fehlen mir dazu die nötigen geldlichen Grundlagen. Und ein Erholungsurlaub sollte schon mehr oder weniger fern von zuhause sein, um eine Luftveränderung in jeder Hinsicht zu bekommen. Und Träume und herrliche Fernsehdokumentationen ersetzen nun mal nicht die Wirklichkeit.

Freitag, 8. Juli 2011

Soziale Netzwerke

Bereits in einem früheren Eintrag habe ich mich kritisch bis ablehnend zu dem Sinn und Wert geäußert, den soziale Netzwerke für mich haben. Im Kern – siehe letzter Satz – stehe ich auch heute noch dazu. Dennoch lasse ich sie nicht außen vor. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen haben soziale Netzwerke einen immer höheren Stellenwert im Internet als Kommunikationsmöglichkeiten. Zudem werden sie meiner Überzeugung nach das Internet der Zukunft noch mehr prägen als sie es im Augenblick schon tun. Zum anderen möchte ich austesten, ob sie nicht dennoch auch für mich Möglichkeiten bieten, Kontakte zu knüpfen und den ein oder anderen Kontakt von der virtuellen in die reale Welt einzubinden.

Meinen ersten Versuch habe ich mit Twitter gemacht und wieder verwerfen müssen. Das lag nicht nur daran, dass mit 140 Zeichen nichts Wesentliches ausgesagt werden kann. Erstaunt und überrascht war ich vielmehr darüber, dass die Zahl der eigenen Abonnenten (Follower) unabhängig davon ist, wie viele Tweets ich schreibe, wie vielen Nutzern ich folge, wie oft ich anderen Nutzern antworte und wie oft ich die Tweets anderer an meine Follower weiter empfehle. Die vier Follower, die ich hatte, waren eigentlich nur drei (eine war mit zwei Konten vertreten) und ich hatte sie schon nach etwa 20 Einträgen, Nach fast 160 Einträgen ohne jegliche Rückmeldung habe ich mich dann von Twitter wieder verabschiedet.

Da ich über mein Gedankenbuch ohnehin schon ein Google-Konto habe, werde ich nach Öffnung von Google+ für alle bzw. nach einer Einladung dieses soziale Netzwerk darauf hin testen, ob es mir einen Mehrwert bringt und/oder es möglich sein wird, virtuelle Kontakte auch in meinem realen Leben zu pflegen. Ich informiere mich zwar schon ausgiebig über Google+, werde es aber erst richtig verstehen und nutzen können, wenn es für mich frei geschaltet ist. Im Augenblick ist es für mich noch sehr viel Theorie, die ich vor meinem geistigen Auge gar nicht umsetzen kann. Ich bin nicht nur gespannt, wie ich mich in Google+ einfinden werde, sondern auch inwiefern Kontakte möglich sein werden – und unter Kontakten verstehe ich den gedanklichen Austausch.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Bilder eines Spaziergangs

Wenn ich Lust auf einen Spaziergang in der Natur habe, aber nicht mit dem Bus raus fahren möchte, gehe ich von meiner Wohnung aus fünfzehn Minuten zu Fuß in einer Landschaft spazieren, die einen weiten Blick über Solingen bietet: Links im Bild sieht man die Höhenlagen von Wuppertal-Elberfeld, dann weiter rechts in der Mitte die höchsten Gebäude der Remscheider Innenstadt und ganz rechts die Innenstadt von Solingen. (Diese Reihenfolge habe ich jedoch hier unberücksichtigt gelassen.) Solche Landschaften mit einem derart weiten Blick sind für mich Genuss für alle Sinne.

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Dienstag, 5. Juli 2011

Drachenläufer


Schon seit Jahren lese ich mit sehr viel Begeisterung historische Romane. Ich lasse mich gerne in diese Zeit des Mittelalters fallen, ärgere mich über die Bösen und freue mich mit den Guten und leide mit ihnen. Diese Bücher sind eine Mischung aus geschichtlichem Hintergrund und erfundener Erzählung. Der geschichtliche Hintergrund lässt mich oft seufzen und traurig den Kopf schütteln, weil die politischen und sozialen Verhältnissen von ihren Mustern her früher und heute gar nicht so unterschiedlich sind - nur die Methoden sind feiner und hinterhältiger geworden. So waren die Kriege früher noch Kämpfe Mann gegen Mann, wohingegen die heutigen Kriege überwiegend vom Computer aus geführt und gesteuert werden. Und die menschlichen Gefühle früher und heute sind auch nicht so unterschiedlich. Allerdings gibt es im sozialen Bereich auch drastische Veränderungen zu Gunsten der Menschen - ich denke da beispielsweise an Hygiene und Gesundheitswesen.

Und weil alle diese Romane vor hunderten von Jahren spielen, habe ich mich immer ein Stück dem Trugbild hingegeben, sie seien meinem heutigen Leben ja nicht so nah. Ein Trugbild aus dem schon Gesagten heraus und weil sie von Menschen geschrieben sind, die in der Gegenwart leben und sich bei aller Feinfühligkeit und der Beschäftigung mit Geschichte aus der Gegenwart heraus schreiben. In jedem Buch - sei es ein Roman oder ein sogenanntes Sachbuch - steckt das Denken und Fühlen des jeweiligen Schriftstellers. Ich kann Bücher nicht konsumieren, sondern setze mich gedanklich und gefühlsmäßig mit dem Stoff auseinander - Wut und Tränen eingeschlossen.

Bücher aus unserer Gegenwart hatte ich schon lange nicht gelesen, obwohl eine gute Bekannte mir vor etwa einem Jahr ein Buch über Afghanistan geliehen hat. An dieses Buch habe ich mich erst vor etwa zwei Wochen "heran gewagt", weil mir meine eigene Lebenswirklichkeit oft schon zu nahe geht und mich überfordert. Nach dem Lesen kann ich nur sagen Hätte ich es doch schon eher gelesen. Diese afghanische Geschichte hat mich sehr berührt.

Dieses erste Buch der Gegenwartsliteratur, das ich seit Jahren gelesen habe, möchte ich an dieser Stelle zum Anlass einer Würdigung und zugleich Empfehlung nehmen. Es geht um den ersten Roman des in Afghanistan geborenen Khaled Hosseini und heißt "Drachenläufer". Ich möchte gerne aus dem Verlagstext auf dem Buchrücken zitieren:
"Afghanistan 1975: ein Land im Schatten der Geschichte. In Kabul wächst der zwölfjährige Amir auf, der unbedingt einen Wettbewerb im Drachenfliegen gewinnen will, um seinem Vater seine Stärke zu beweisen. Dazu braucht er die Hilfe seines Freundes Hassan. Hassans Vater ist der Diener von Amirs Vater. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft verbindet die beiden Jungen eine innige Freundschaft, die allen Herausforderungen aus der Nachbarschaft standhält. Bis am Ende des erfolgreichen Wettkampfs diese Freundschaft von Amir auf schreckliche Weise verraten wird. Diese Tat verändert das Leben beider Jungen dramatisch, ihre Wege trennen sich, während das Land gleichzeitig seiner Zerstörung entgegengeht. Viele Jahre später kehrt der erwachsene Amir aus dem Ausland in seine Heimatstadt Kabul zurück, um seine Schuld zu tilgen . . ."

Aus dem Buch selbst habe das folgende Zitat heraus gesucht:
"Ich habe dir ja erzählt, wie wir alle 1996 gefeiert haben, als die Taliban hereinrollten und den täglichen Kämpfen ein Ende bereiteten. Ich weiß noch, wie ich an jenem Abend nach Hause kam und Hassan in der Küche antraf, wo er Radio hörte. Sein Gesicht war ernst. Ich frage ihn, was los sei, aber er schüttelte nur den Kopf. ´Gott stehe jetzt den Hazara bei, Rahim Khan Sahib´, sagte er.

´Der Krieg ist vorbei´, erwiderte ich. ´Es wird endlich Frieden geben, inshallah, und Glück und Ruhe. Keine Raketen mehr, kein Töten, keine Beerdigungen!´ Aber er schaltete nur das Radio aus und fragte, ob er noch etwas für mich tun könne, bevor zu Bett ging.

Einige Wochen später verboten die Taliban die Drachenkämpfe. Und zwei Jahre später, 1998, verübten sie ein Massaker an den Hazara in Mazar-e-Sharif."

Auch im Mittelalter und in allen Zeiten davor verübten und verüben selbst ernannte Herrscher Massaker an den Menschen, die zu schützen sie vorgeben. In den letzten Wochen sehe ich mir oft im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Geschichtsdokumentation an. Und es erschreckt mich immer wieder, dass uns auch heute noch erzählt wird, längere Friedenszeiten seien ohne Krieg nicht möglich. Wann führen wir den nächsten Krieg!?!

Freitag, 1. Juli 2011

Jahresmitte

An diesem 1. Juli des Jahres 2011 nach Christi Geburt neige ich in Anlehnung an den Kabarettisten Volker Pispers zu der verwunderten Festellung: "Nun sagen Sie nicht, es ist schon wieder Jahresmitte." War nicht erst gestern Weihnachten? Und sind wir nicht vorgestern erst ins neue Jahre gewechselt? Und am Tag vor Vorgestern hatte ich doch erst Geburtstag. Und ist nicht die Finanzkrise – was immer das gewesen sein mag – schon seit Anfang der Woche Schnee von gestern?

Und habe ich nicht erst vor wenigen Wochen erfolgreich meine Umschulung zum Kaufmann im Gesundheitswesen abgeschlossen? Ich werde nicht vergessen, dass diese Umschulung (von April 2004 bis Januar 2006) oft furchtbar schleppend und gähnend voran ging. Und heute ist sie schon seit fünfeinhalb Jahren Geschichte.

Die Zeit rennt, als müsse sie noch ihren Zug mitkriegen. Und dabei könnte sie sich viel mehr Zeit lassen – welcher Zug ist heute schon noch pünktlich? Die Zeit sollte sich besser mehr Zeit nehmen – schließlich brauche ich von ihr noch eine Menge.