Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Montag, 28. Februar 2011

Ein schwieriger Weg


Meine jüngste berufliche Erfahrung ist nur sehr schwer zu verarbeiten. Ich habe mich ja nicht gestoßen oder mir beim Stolpern den Fuß etwas umgeknickt. Vielmehr ist meine Seele verletzt worden, weil mein Vertrauen missbraucht worden ist. Und leider ist das nicht zum ersten Mal geschehen. Und es ist auch nicht nur eine einzelne Erfahrung. Nach mehreren tausend Absagen schmerzt mich eine Absage immer wieder, weil es hier für mich keine Gewöhnung gibt. Und in diesem Fall glaubte ich einem Menschen vertrauen zu können, den ich für authentisch hielt. Während der gesamten Zeit meiner Arbeitslosigkeit habe ich mich nie allein auf andere verlassen, sondern war immer selbst aktiv und initiativ. Doch das ist noch keine Garantie für Erfolg. Ich habe sogar schon die Erfahrung machen müssen, dass ich ohne meine Initiativen schon seit Jahren wieder Arbeit hätte.

Seit Beginn meiner Arbeitslosigkeit kämpfe ich um einen erfolgreichen Wiedereinstieg ins Berufsleben und muss heute erkennen, dass ich verloren habe. Ich habe weder die Lust und noch weniger die Kraft, diese Sisyphos-Arbeit fortzusetzen. Das muss ich akzeptieren, um seelisch nicht noch weiter vor die Hunde zu gehen.

Das ändert jedoch nichts daran, dass ich sozial weiterhin weitestgehend ausgegrenzt sein werde. Mit der versprochenen Stelle war für mich auch die große Hoffnung verbunden, wieder am sozialen Leben teilnehmen zu können.

Freitag, 18. Februar 2011

Ein gebrochenes Versprechen


Nach dreizehn Monaten Kräfte zehrenden und bis an den Rand der Erschöpfung gehenden Wartens ist es nun amtlich: Mir wurde eine Stelle versprochen und das Versprechen wurde gebrochen.

Auf meine entsprechende Nachfrage bei meinem Jobcenter erhielt ich die folgende Antwort:
"Eine Förderanfrage von der Lebenshilfe ist im Oktober gestellt worden, meinerseits hat eine Rückmeldung stattgefunden, anschließend erfolgte keinerlei Reaktion.
Auf meine heutige Nachfrage bei der Lebenshilfe teilte man mir mit, dass die Stelle zu 99 % besetzt ist."

Für mein Verständnis habe ich dann nochmals nachgefragt:
"Verstehe ich Sie richtig: Die Förderanfrage für mich wurde sozusagen "zurück genommen" und ich bin bei der Lebenshilfe "aus dem Rennen"?"

und erhielt die klarstellende Antwort:
"Sehr geehrter Herr Hallstein,
leider sieht es wohl so aus."

Ich kenne Josef Neumann schon seit vielen Jahren. Kennen gelernt habe ich ihn in seiner Zeit als Geschäftsführer der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr Solingen. Und ich habe ihn immer für einen authentischen Menschen gehalten. Im April 2001 wurde er Geschäftsführer bei der Lebenshilfe Solingen. Im letzten Quartal des Jahres 2009 habe ich ihn erstmals wegen eine Stelle bei der Lebenshilfe Solingen angesprochen. Im Januar 2010 sprach er mich an, ob ich an der Stelle im Empfang des neuen Lebenshilfegebäudes im Südpark Solingen interessiert sei. Nachdem ich dies begeistert bejaht hatte, versprach er mir diese Stelle. In der Zwischenzeit habe ich nach Rücksprache mit ihm immer wieder nach dem aktuellen Stand gefragt. Er vertröstete mich immer wieder mit den Worten, er würde mich informieren, wenn er "etwas Neues" wüsste. Meine Bitte um einen Vorvertrag hat er abgelehnt. Da mich das Warten ohne konkrete Informationen sehr stark angespannt hat, sah ich keine andere Möglichkeit mehr als mich an das Jobcenter zu wenden - mit dem geschilderten Ergebnis.

Ich werde jetzt noch einige Zeit damit beschäftigt sein, diese herbe Enttäuschung zu verdauen. Und ich versuche immer wieder, bittere Erfahrungen bei den Menschen zu belassen, die sie mir zugefügt haben. Das ist gerade bei solchen Menschen mitunter sehr schwierig, weil diese Menschen in der Regel weder bereit noch fähig sind, Verantwortung für ihre schändlichen Taten zu übernehmen.

Äußerlich betrachtet hat sich an meinem Leben ja nichts verändert. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und so hatte ich bis zuletzt auch auf diese Stelle bei der Lebenshilfe gehofft. Innerlich jedoch bin ich enttäuscht, ausgebrannt und ausgelaugt.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Fotos in meinem Gedankenbuch


Im letzten Jahr hat mir ein lieber Mensch eine Digitalkamera geschenkt. Nach einiger Zeit gab das Ladegerät seinen Geist auf. Kurze Zeit später - aller guten Dinge sind zwei (oder waren es drei?) - folgte die Kamera selbst. So war es nichts mehr mit Fotografieren. Und Geld für eine neue Kamera fehlte in meinem Geldbeutel.

Nun komme ich über das Bonusprogramm meiner Krankenkasse doch noch zu einer neuen Kamera. Nachdem ich die entsprechende Punktezahl erreicht habe, habe ich mir heute eine Digitalkamera Canon PowerShot A 495 bestellt. Ich bin gespannt, was da hoffentlich kurzfristig auf mich zukommt.

Somit ist in nicht allzu ferner Zukunft damit zu rechnen, dass ich mein Gedankenbuch mit Fotos ergänzen und bereichern werde. Da (m)ein Bildbetrachtungsprogramm sich nicht so recht für eine Fotobearbeitung eignet, werde ich mich mal mit diesem Programm beschäftigen.

Wahrscheinlich bin selbst am meisten gespannt.

Samstag, 12. Februar 2011

Eine Bitte an meine Leserinnen und Leser


Hin und wieder erhalte ich Kommentare zu einzelnen Einträgen per Email. Darüber freue ich mich. Das ist aber nicht so ganz in meinem Sinn, weil ich für alle meine Einträge die Kommentarfunktion frei geschaltet habe. Kommentare sehe ich nicht nur als Meinungsäußerung zu dem, was ich schreibe. Sie können unter Umständen auch dazu dienen, sich über ein Thema hier in meinem Gedankenbuch auszutauschen.

Darum möchte ich diese Gelegenheit nutzen, alle meine Leserinnen und Leser zu bitten, ihre Kommentare direkt unter dem entsprechenden Eintrag zu schreiben. Eine Anleitung zum Verfassen von Kommentaren habe ich über dem Textfeld verlinkt. Falls diese Anleitung nicht ganz verständlich sein sollte, bitte ich um entsprechende Hinweise, damit ich diese Anleitung überarbeiten kann.

Herzlichen Dank
von Gerhard

Ägypten: Ein Vorbild für Deutschland


In einer achtzehntägigen machtvollen und friedlichen Revolution haben die Ägypter den Rückzug von Mubarak erreicht und damit die Grundlage gelegt für den Aufbau eines demokratischen und freiheitlichen Ägypten.

Stellen wir uns nun mal vor, die Deutschen würden in achtzehn Tagen machtvoller und friedvoller Demonstrationen (ich weiß, ich träume von einer Utopie) die Abschaffung der Menschen verachtenden und zynischen Hartz-Gesetze erreichen und damit zugleich den Einstieg in die Rechtmäßigkeit von Generalstreiks erkämpfen . . . - es ist machbar und würde sehr viel soziales und menschliches Elend beenden.

Doch haben daran weder die Parteien, die Gewerkschaften noch die Industrie- und Wirtschaftsverbände ein Interesse. Und die Erwerbslosen- und Sozialverbände sind viel zu zersplittert.

Wer keinen Mut zu Utopien und auch keine Fantasien hat, hat auch keine Kraft für Veränderungen . . .

Freitag, 11. Februar 2011

Ohnmächtiges Bundesverfassungsgericht


Das höchste deutsche Gericht - das Bundesverfassungsgericht - hat mit Urteil vom 09.02.2010 die Bundesregierung verpflichtet, bis spätestens zum 31.12.2010 dafür Sorge zu tragen, die Hartz IV-Regelsätze so zu berechnen, dass den Betroffenen ein menschenwürdiges Existenzminimum gewährleistet wird.

Doch die Bundesregierung missachtet - in meinen Augen vorsätzlich - dieses höchstrichterliche Urteil und trägt mit den Oppositionsparteien stattdessen politische Schaukämpfe aus.

Und wie versucht das Bundesverfassungsgericht, seinem Urteil und damit seiner Würde und seinem Ansehen Geltung zu verschaffen? Gar nicht! Welchen Sinn macht dann noch ein Bundesverfassungsgericht, wenn es seine Urteile nicht durchsetzen kann?!?

Erwerbslosen- und Sozialverbände rufen die von Hartz IV Betroffenen schon dazu auf, einen menschenwürdigen Regelsatz einzuklagen. Die Jobcenter und Gerichte werden in zusätzlicher und im Grunde überflüssiger Arbeit ersticken und die Betroffenen werden weiterhin allein gelassen. Auch die größte deutsche Arbeitnehmerorganisation - der Deutsche Gewerkschaftsbund - hat sich bis heute nicht seiner Verantwortung für die Einführung und Durchsetzung der Menschen verachtenden und zynischen Hartz-Gesetze gestellt.

Dienstag, 8. Februar 2011

Mubarak bald "Gast" in Deutschland?


Da lese ich immer wieder, dass viele Politiker dafür sind, dem ägyptischen Diktator Mubarak einen "würdevollen" Rückzug zu ermöglichen. Ja was ist denn das für eine zynische Einstellung - einem Diktator zu helfen, sich aus der Verantwortung zu stehlen? In jedem einigermaßen demokratischen Land werden Kriminelle von Gerichten verurteilt. Im Mittelalter steckte man Kriminelle ins tiefste und hinterste Verlies und ließ sie dort verhungern. Bedauerlich, dass in diesem Punkt das Mittelalter vorbei ist.

Und dann will in unserem Land ein schwarz-gelbes Bündnis aus CDU/CSU und FDP diesem Diktator auch noch aus "humanitären" Gründen Gastfreundschaft in einem deutschen Krankenhaus gewähren? Wie wäre es denn, wenn wir all den von den Mubarak-Schlägern verletzten Ägyptern diese Gastfreundschaft schenken würden! Diese Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens für ein demokratisches und freies Ägypten kämpfen, haben unsere Solidarität verdient; nicht jedoch der Mann, der diese Verletzungen und Morde letztendlich zu verantworten hat! Falls Mubarak in unserem Land tatsächlich als "Gast" empfangen werden sollte, würde ich mir eine massenhafte Solidarität aller in unserem Land lebenden Demokraten wünschen. Und diese Solidarität dürfte keine Solidarität der hohlen Worte sein, sondern eine auf der Straße öffentlichkeitswirksam gelebte Solidarität.

Bei diesem Ansinnen pflegt die CDU - das sollte hier nicht verschwiegen werden - eine Menschen verachtende Tradition: Nach dem Militärputsch in Chile am 11. September 1973 wurde das dortige Fußballstadion von den durch die amerikanische CIA unterstützten Militärs in ein provisorisches Konzentrationslager umgewandelt. Der damalige CDU-Generalsekretär Bruno Heck kommentierte seinen Besuch in diesem Stadion mit den Worten: "Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm." Mir ist nicht bekannt, dass sich die CDU von dieser Äußerung distanziert hat noch dass ein Staatsanwaltschaft, eine Partei oder gar der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt hat.

Wer in unserem Land Diktatoren "Gastfreundschaft" gewährt, ist zumindest von seinem Denken her selbst ein Diktator (oder eine Diktatorin). Und vergessen wir nicht, dass es in unserem Land auch schon Zeiten gegeben hat, in denen wir keine Demokratie hatten. Die Mahnung ist Jahrzehnte alt, aber entspricht immer noch den politischen und sozialen Gegebenheiten: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."

Es heißt, dass Mubarak und seine Clique ca. 40 Mrd. Dollar angehäuft haben sollen. Und ich bin dagegen, diese Gelder zu sperren. Diese Gelder sind meiner hundertprozentigen Überzeugung nach wesentlich besser investiert, wenn sie in voller Höhe einschließlich Zinsen in den demokratischen Aufbau Ägyptens investiert würden. Erst wenn diese Gelder für den demokratischen Aufbau Ägyptens aufgebraucht sein sollten, könnte die "Weltgemeinschaft" über Subventionen nachdenken, die ihre Bürger dann über höhere Steuern und Sozialabbau finanzieren müssten. Mubarak und seiner Sippschaft könnten diese 40 Mrd. Dollar vollständig entzogen werden, er würde nicht verarmen, weil ihn mit Sicherheit das weltweite "diktatorisches Netzwerk" des staatspolitischen Terrors nicht fallen ließe. Und dieses Netzwerk wird ihm und seiner Clique auch ein Leben in Freiheit ermöglichen.

Meine höchste Wertschätzung und Würdigung gilt den sehr mutigen Menschen in Ägypten, die zu einem bedeutenden Teil sogar bereit sind, ihr Leben für ein freies und demokratisches Ägypten in die Waagschale zu werfen.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Freispruch für Tötung eines Säuglings


Vor einem Jahr ist in Castrop-Rauxel ein Säugling gewaltsam ums Leben gekommen, weil die Eltern ihren Säugling zu Tode geschüttelt haben. Obwohl nach Ansicht des Dortmunder Landgerichts feststeht, dass Vater oder Mutter das zur Tatzeit vier Wochen alte Baby totgeschüttelt haben, wurden die Eltern am 02.02.2011 freigesprochen, weil nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, wer von Beiden die Tat begangen hat.

In einer in meinen Augen und für mein Gefühl zynischen und kinderfeindlichen Erklärung äußerte der Richter dazu: "Die Öffentlichkeit muss ertragen, dass - wenn man nicht weiß, wer der Täter ist - beide Angeklagte zwingend freizusprechen sind." (Quelle)

Wäre hier nicht "nur" ein Kind getötet worden, sondern eine Person des öffentlichen Lebens, so hätte es mit Sicherheit keinen Freispruch gegeben; vielmehr wäre ein Täter wegen Mordes und der andere wegen Beihilfe zum Mord verurteilt worden.

Ich kann nur hoffen, dass die Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil in Berufung geht. Die Erklärung mag formaljuristisch möglicherweise korrekt sein. Doch bei Mord (nicht nur an einem Säugling) müssen moralische und menschliche Gründe wesentlich stärkeren Einfluss bei der Urteilsfindung haben als reine Formaljuristerei. Und ich bin mir gar nicht mal so sicher, dass bei Hinzuziehung aller formaljuristischen Gründe letztendlich nicht doch eine hieb- und stichfeste Verurteilung hätte verwirklicht werden können.

Hat das Gericht eigentlich darüber nachgedacht, auf welche Weise sicher gestellt werden kann, dass diese Eltern ihre Tat nicht wiederholen können?

Dienstag, 1. Februar 2011

Rosige Aussichten


Einmal im Jahr erhalte ich von der Deutschen Rentenversicherung eine "Rentenauskunft - kein Rentenbescheid" über die Höhe meiner Regelaltersrente. Meine Regelaltersrente erreiche ich am 22.04.2016.

Meine aktuelle Regelaltersrente beträgt monatlich 615 Euro. Das sind im Vergleich zu meinem derzeitigen Arbeitslosengeld II ein Minus von 100 Euro oder 14 Prozent. Da unser "Sozial"-Staat seit dem 01.01.2011 für Arbeitslose keine Beiträge mehr in die Rentenversicherung zahlt, entspricht dieser Betrag auch meiner Regelaltersrente ab dem 22.04.2016. Bei einer angenommenen jährlichen Inflationsrate von vier Prozent bliebe mir dann monatlich noch eine tatsächliche Rente von 501 Euro. Lege ich einzig und allein nur meine heutige Miete zugrunde, so blieben mir gerade noch 145 Euro zum Leben. Davon ist nicht einmal ein Überleben möglich.

In diesen Tagen ist viel von dem "Aufschwung" zu lesen, der in Deutschland angeblich eingekehrt ist. Doch betrifft dieser Aufschwung nur Wirtschaft, Industrie, Versicherungen, Energiewirtschaft und all die Unternehmen, die vor einigen Monaten noch salbungsvoll gejammert haben und sich jetzt über satte Gewinne freuen ("The same procedure as every year"). Gerade für meine Altersgruppe (letzte Überschrift) sind die Aussichten auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben sehr gering.

Regelmäßige Leserinnen und Leser werden mich jetzt fragen Was ist denn nun mit der Stelle, die Dir versprochen worden ist? Ich kann nur sagen, dass ich es nicht weiß und heute noch genau so klug bin wie vor einem Jahr. Zur Zeit versuche ich mir über das Jobcenter (früher ARGE) mehr Klarheit zu verschaffen. In einer ersten Antwort habe ich erfahren, dass mein "neuer" Arbeitgeber wegen eines Lohnkostenzuschusses für mich letztmalig am 20.05.2010 dort vorstellig geworden ist. Ich versuche, mich mehr und mehr damit abzufinden (und das wäre ein äußerst bitteres und schmerzhaftes Abfinden), dass ich ganz schlimm hinters Licht geführt worden bin.