Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Dienstag, 26. Oktober 2010

Erhöhung der Tabaksteuer


Aus politischen und sozialen Gründen lehne ich die Erhöhung der Tabaksteuer ab. Aber aus persönlichen Gründen bleibt mir nichts Anderes übrig, als sie zu befürworten. Leider erlebe ich immer wieder, dass Raucher(innen) in ihrem Verhalten als Raucher(innen) sehr rücksichtslose Menschen sind. Ich gehöre nun mal zu den Nichtrauchern, die sich durch Zigaretten- und Tabakrauch sehr stark eingeschränkt und belästigt fühlen. Und Zigaretten, Zigarren und Zigarillos zünden sich nicht von selbst an. Doch leider kennen die allermeisten Raucher von sich aus keine Rücksichtnahme. Vielmehr erwarten Sie von mir (falls sie überhaupt so weit denken und sich in andere Menschen hinein versetzen können), dass ich sie um Rücksichtnahme bitte. Und dann werde ich oft noch von ihnen beleidigt.

Von der Erhöhung der Tabaksteuer erhoffe ich mir weniger Raucher, für die ich als Nichtraucher ein Mensch von geringerem Wert bin. Allerdings glaube ich so ganz auch nicht daran - es bleibt wohl eher Wunschdenken -, weil es auf diesem Weg vielleicht weniger Raucher geben wird. Aber davon werde ich wohl spürbar nichts mit bekommen.

Ich will in diesem Zusammenhang jedoch auch die sehr, sehr wenigen rücksichtsvollen Raucher(innen) lobend erwähnen - Menschen, die mich als Nichtraucher wahrnehmen und mich in ihrem Beisein fragen, ob es mich stören würden, wenn sie rauchen. Diesen Menschen habe ich noch nie "Nein" gesagt, weil mit solchen Menschen Kompromisse möglich sind. Und dann gibt es auch noch die rücksichtsvollen und einfühlsamen Menschen, die in meiner Gegenwart auf ihre Zigarette, ihren Zigarillo oder ihre Zigarre verzichten.

Ich habe keine Probleme mit rauchenden Menschen, sofern sie Rücksicht auf mich nehmen. Ich gönne jedem seine genüssliche Zigarette, sofern ich dadurch nicht belästigt werde.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Die guten alten Zeiten


Versuche nicht, die Vergangenheit rückgängig zu machen,
denn verschüttetes Wasser ist schwer zu sammeln.

Die Vergangenheit - so wie ich sie damals in meinen guten alten Zeiten empfunden habe - lässt sich sicherlich nicht 1 : 1 zurück holen, weil meine persönlichen Umstände und die heutige soziale Wirklichkeit sich teils sehr krass unterscheiden. Mit meinen guten alten Zeiten umschreibe ich meine Schulzeit auf dem Gymnasium mit meinem sozialen Eingebundensein bis etwa zum Alter von 35 Jahren. Es war die Zeit (ich meine mein Alter von etwa 35), in der sich die Wirtschaft schon längst globalisiert hatte und die Politik sich eifrig bemühte, diesen Prozess nachzuahmen.

In meinen guten alten Zeiten gab es noch Gegebenheit, die ich heute kaum bis gar nicht mehr oder nur noch in winzigen Resten finde:
  • Da gab es in allererster Linie das Freisein von sozialen Ängsten vor dem Heute und vor dem Morgen. Wir lebten noch in verhältnismäßig abgesicherten Verhältnissen. Diese Verhältnisse finde (mit Sicherheit nicht nur) ich gar nicht mehr.
  • Ich musste nicht darum kämpfen, Zeit zum Innehalten, zum Nachdenken über mich, meine mir wichtigen Menschen und meine Gegenwart und Zukunft zu haben.
  • Es gab noch eine verhältnismäßig gute Sicherheit in feste und langfristige Arbeitsplätze.
  • Arbeitslose wurden nicht schikaniert und mussten nicht - wie ich - mehrere tausend Bewerbungen schreiben, um vielleicht mal den ein oder anderen befristeten Job zu bekommen.
  • Auch die Teilhabe am sozialen Leben war für Arbeitslose in den guten alten Zeiten noch ziemlich gut möglich, weil der Staat sich noch nicht aus seiner sozialen und menschlichen Verantwortung gestohlen hatte.
  • Es gab noch gelebte menschliche und soziale Solidarität. Heute ist sich doch nur noch Jeder selbst der Nächste - und vielleicht kommen dann irgendwo und irgendwann auch noch die Mitmenschen.
Das sind alles Gegebenheiten, die ich heute sehr vermisse. Das ein oder andere werde ich heute möglicherweise noch - zumindest in Ansätzen - verwirklichen können. Doch mit zunehmendem Alter läuft mir die Zeit immer schneller davon. Und die Zeiten des Innehaltens und Entspannes sind selten geworden.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Ein denkwürdiger Tag


Heute vor elf Jahren ist mein Vater gestorben. Ich kann es kaum fassen, dass seitdem schon elf Jahre ins Land gegangen sind. Elf ereignisreiche und doch auch zugleich ereignisarme Jahre. Mit zunehmendem Alter fällt mir immer wieder auf, dass die Zeit viel schneller vergeht als in meiner Jugend. Das hat nicht nur etwas mit dem Alter zu tun, sondern auch mit der immer schneller werdenden sozialen, politischen, wirtschaftlichen Entwicklung - ich erwähne stellvertretend mal das Internet. Innehalten, In-sich-hineinhören, seinen aktuellen Standpunkt hinterfragen kann man heute doch fast nur noch, wenn man es sich in den Terminkalender schreibt, weil man sonst Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren - sofern man überhaupt noch so viel Bezug zur eigenen Persönlichkeit hat.

Ereignisreich sind die letzten elf Jahre für mich vor allem durch das zentrale und Kräfte zehrende Thema Arbeitslosigkeit, meine vielen Gedanken dazu, mein ständiges Bemühen um den Wiedereinstieg ins Berufsleben, die Einführung der zynischen und Menschen verachtenden Hartz-Gesetze, der sich ständig verschärfende soziale und wirtschaftliche Druck auf Langzeitarbeitslose und die dadurch beabsichtigte Entfernung aus dem sozialen Leben. Ereignisarm durch die immer wiederkehrenden Misserfolge.

Elf Jahre, die für mich gefühlte Monate sind, die nicht einmal ein Jahr erreichen. Nicht nur erdgeschichtlich ein sehr kleiner Zeitraum. Und mal weitere elf "kurze" Jahre weiter gedacht: Wie sieht die Welt und unser Leben dann aus? Passe ich mit 70 überhaupt noch hier hin? Oder passe ich dann besser in diese Welt als heute? Fragen, die ich heute nicht beantworten kann. Die Antworten gibt es in elf Jahren.

Leider war und ist es in meiner biologischen Familie bis heute nicht möglich, sich über solche und andere für den Einzelnen wichtige Fragen auszutauschen. So weiß ich im Grunde nur, dass heute vor elf Jahren mein Vater gestorben ist. Ich weiß aber nicht, was für ein Mensch mein Vater denn nun war. Vor denselben Fragen werde ich beim Tod meiner Mutter und meiner Geschwister stehen.

Durch Oberflächlichkeiten und Nebensächlichkeiten (die es zweifelsohne auch gibt und geben muss [aber nicht ausschließlich]) kann ich keinen Menschen in seinen Gefühlen und Gedanken kennen lernen. Das geht nur durch tief greifenden Austausch in allen Bereichen des Menschseins. Insofern erinnert mich der elfte Todestag meines Vaters daran, nicht nur den ständigen Austausch mit mir wichtigen Menschen zu suchen und zu pflegen, sondern auch den ständigen Kontakt mit mir selbst. Dazu gehört der Wille und die Fähigkeit, auch in hektischen und schnelllebigen Zeiten immer wieder inne zu halten.

Freitag, 8. Oktober 2010

Ein außergewöhnliches Erlebnis


Getreu dem Motto Auch ein blindes Huhn findet mal ein Ei lag vor einigen Tagen in meinem Briefkasten die Gewinnbenachrichtigung einer regionalen Kulturzeitung. Es waren zwei Freikarten für das Konzert Academy of St Martin in the Fields in der Historischen Stadthalle Wuppertal.

Ich habe dieses Konzert sehr genossen und würde mir wünschen, öfter eine Freikarte für ein klassisches Konzert zu gewinnen. Besser wäre jedoch, finanziell wieder in der Lage zu sein, mir solche Konzerte hin und wieder auch leisten zu können - die Eintrittspreise sind ja auch nicht von schlechten Eltern. Aber in diesem Fall gibt es bestimmt andere Möglichkeiten wie beispielsweise ein Abonnement.

Es ist einfach ein Erlebnis, ein (klassisches) Konzert unmittelbar zu hören, die Musiker zu sehen und die Atmosphäre mit allen Sinnen wahrnehmen zu können.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Deutsche Bahn im Erkenntnisrausch


Rechtzeitig zum ablaufenden Jahr muss die Deutsche Bahn AG wohl ihren Vorstand ausgetauscht haben. Denn wie den Medien zu entnehmen ist, muss dort irgendeiner kluger Kopf heraus gefunden haben, dass in diesem Jahr ein Wetterphänomen auftritt, dass es in Deutschland nur etwa alle 16 bis 18 Jahre gibt. Das Gespräch ist vom Herbst. Und dieser kluge Kopf muss einen weiteren klugen Kopf an seiner Seite gehabt haben, der aus dieser Erkenntnis messerscharf schlussgefolgert hat, dass im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen. Und weil sehr viele Bahnstrecken durch ehemalige Waldgebiete führen sei daher nicht auszuschließen, dass das Laub auch auf die Schienen fällt und den Bahnverkehr behindern kann.

Diese weisen Einsichten haben dann die zwei Vorstandstheoretiker an die Abteilung Vorstandspraktiker weiter geleitet mit der Bitte, ihre umwerfenden theoretischen Erkenntnisse in ebenso umwerfende und scharfsinnige praktischen Maßnahmen umzusetzen. Und heraus kam dann als Ergebnis die nächste Überraschung:

Das Problem wird schlicht und ergreifend damit gelöst, dass die Deutsche Bahn AG ihre Züge - natürlich wieder mal in erste Linie die Züge im Nahverkehr - langsamer fahren lässt und Tausenden von Pendlern Verspätungen und verpasste Zuganschlüsse zumutet. Leider konnte ich keine Angaben zu den Honoraren dieser honorigen Herren finden, doch ich denke, dass sie für ihre außergewöhnlichen Leistungen auch außergewöhnlich bezahlt werden - Leistung muss nun mal auch finanziell anerkannt werden.

Ach - und bevor ich es vergesse: Wann war eigentlich der letzte Winter mit starkem Schneefall?