Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Dienstag, 31. August 2010

Gespräche mit meinem Vater


Fast elf Jahre ist mein Vater schon tot und mir kommt es immer noch vor, als sei er erst vor wenigen Wochen gestorben. Sein Tod fiel in einen Monat, in dem ich nicht nur meinen Vater verloren habe, sondern auch eine aussichtsreiche Stelle und eine langjährige Freundin durch Trennung.

Von den mir nahe stehenden Menschen sind bisher nur mein Onkel (zu der Zeit war ich noch Kind) und mein Vater gestorben. Seltsamerweise spüre ich bis heute keine Trauer. Vielleicht habe oder spüre ich ja doch Trauer, weil ich glaube, dass Trauer sehr viele Gesichter hat.

Den Kontakt zu meinem Vater habe ich aber nie verloren. Wenn ich ihn an seinem Grab besuche, erzähle ich ihm immer das Neuste aus der Welt und aus meinem Leben. An anderen Orten rede ich auch mit ihm. Sehr oft bitte ich ihn: "Also Vati, ich habe ja ganz und gar nichts dagegen, wenn Du mit den Engelchen flirtest. Aber an und an kannst Du von da oben auch mal nach mir schauen und mich auf Dinge aufmerksam machen, die ich nicht sehe. Immerhin hast Du vom Himmel aus einen besseren Überblick." Na ja - seine Schwerpunkte haben sich wohl ein Wenig verschoben. Ist so auch in Ordnung für mich.

Donnerstag, 26. August 2010

Zwischenstand


Im Januar wurde mir die neue Stelle versprochen. Mittlerweile sind acht Monate vergangen und ich hänge immer noch in der Luft - nichts Schriftliches (auf meine entsprechende Bitte nur Ausweichen und keine klare Antwort), immer wieder nur telefonisch nachfragen und telefonisch vertröstet werden. Zwar ist der Neubau immer noch nicht bezugsfertig, aber das beruhigt mich auch nicht. Schon mit zu vielen Enttäuschungen und leeren Versprechen muss ich leben.

Am Anfang des Monats hat es ein telefonisches Missverständnis gegeben, das ich nicht einmal klären durfte. Darauf hin wurde ich gebeten, nicht mehr anzurufen. Er (ein langjähriger Bekannter und [hoffentlich] neuer Chef) würde mich anrufen, wenn sich "was Neues" ergibt. Das verunsichert mich, weil mir schon mehr als einmal ein Rückruf versprochen worden ist und ich nie angerufen worden bin. Darum habe ich telefonisch auch nur angerufen, wenn ich das vorher abgestimmt hatte.

Einerseits freue ich mich immer noch auf diese neue Herausforderung. Andererseits habe ich manches Mal keine Lust mehr auf diese Stelle, Es ist leicht gesagt, ich solle es locker sehen - eine derart existentielle Frage kann ich nicht locker sehen geschweige denn fühlen.

Mehr aus Zwang und Überdruss habe ich mich nunmehr entschlossen, nicht mehr nachzufragen: Entweder ist die Stelle nach Bezug des Neubaus mit einem anderen Menschen besetzt oder Josef (Bekannter/künftiger Chef) hält sein Wort und gibt mir eine neue berufliche Chance.

Sonntag, 22. August 2010

Das Jahr 1950


Seit meinem Geburtsjahr 1950 hat sich die Welt in großen Teilen drastisch verändert. Doch welche Ereignisse haben mich in meinem Geburtsjahr begleitet? Hier eine kleine Auswahl:

4. Januar: Israel erklärt Jerusalem zur Hauptstadt von Israel.
31. Januar: US-Präsident Harry S. Truman ordnet den Bau der Wasserstoffbombe an.
8. Februar: Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR
14. März: In den Vereinigten Staaten veröffentlicht das FBI die erste Liste der zehn meist gesuchten Flüchtlinge.
6. April: Der Weltfriedensrat fordert in Stockholm die Ächtung der Atombombe.
30. April: Die letzten Lebensmittelmarken verlieren in Westdeutschland ihre Gültigkeit. In der DDR gibt es Lebensmittelmarken noch bis 1958.
7. Juli: In Südafrika wird mit der Umsetzung des Population Registration Act begonnen. Das Gesetz definiert Gruppen von Rassen und ist eine Stütze der Apartheidpolitik.
19. Juli: Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird gegründet.
21. Juli: Der Elefant Tuffi springt aus der fahrenden Wuppertaler Schwebebahn.
5. August: Gründung der ARD. Gründungsmitglieder sind BR, HR, RB, SDR, SWF und NWDR sowie mit beratender Stimme RIAS Berlin.
22. August: Gründung des Technischen Hilfswerks
7. September: Mit Schwarzwaldmädel hat der erste deutsche Farbfilm nach Kriegsende in Stuttgart Premiere. Er leitet eine Ära des Heimatfilms in Westdeutschland ein.
13. September: Erste Volkszählung in der Bundesrepublik Deutschland
1. Oktober: Ab diesem Tag erhalten Eltern in der DDR für die Geburt eines Kindes ein Begrüßungsgeld.
4. Oktober: Frankreich verliert im Indochinakrieg die Festung Cao Bäng an die Aufständischen.
8. Oktober: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe nimmt seine Tätigkeit auf.
4. November: Die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten wird unterzeichnet.

Das für mich persönlich allerwichtigste Ereignis jedoch fand in der zweiten Dezemberhälfte statt - der Tag meiner Geburt.

Dienstag, 17. August 2010

Ein zunehmendes Unwohlsein . . .


. . . empfindet der seit 1974 als freiberuflicher Schriftsteller und Publizist arbeitende Wolfgang Bittner bei der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in diesem Land. Mit diesen gesellschaftlichen Verhältnissen hat er sich kenntnisreich und wohl überlegt anlässlich der Zubilligung des Kölner Karls-Preises für engagierte Literatur und Publizistik am 6. August beschäftigt.


Sonntag, 15. August 2010

Die Verlogenheit der Milliardäre


Da kündigen in einer groß angelegten Werbeschau 40 US-Milliardäre an, die Hälfte ihres Vermögens spenden zu wollen. Und zeitgleich leidet die pakistanische Bevölkerung unter der größten Flut- und Hungerkatastrophe ihrer Geschichte.

Wo sind denn jetzt die Milliardäre? In dieser Situation könnten sie beweisen, dass sie es ernst meinen mit ihrer groß angelegten Ankündigung, für "wohltätige" Zwecke zu spenden. Doch sie tun es nicht, weil es ihnen nicht um Menschen geht, sondern einzig und allein darum, Steuern zu sparen und sich mit einem sozialen Mäntelchen zu umhüllen, um so von ihrer Geld- und Machtgier abzulenken. Und die so gesparten Steuern fehlen den Menschen in "ihren" Ländern.

Dasselbe gilt für die Milliardäre in Deutschland, die vom Staat großzügigst entlastet werden. Und der kleine Mann muss zeitgleich mit Sozialabbau und Armut leben. Die enge Verquickung zwischen Staat und Wirtschaft lassen grüßen!

Wenn ich könnte, würde ich in Pakistan vor Ort helfen. Das würde den Menschen letztlich mehr helfen als jede Spende, die ohnehin - wenn überhaupt - nur zu einem Teil bei den hilfsbedürftigen Pakistani ankommen würde.

Dienstag, 10. August 2010

Als wär´s erst gestern


Ich liebe spannende Begegnungen. Eine spannende Begegnung ist für mich beispielsweise, wenn ich einem Menschen begegne und das Gefühl habe, wir wären uns bereits in einem früheren Leben begegnet. Mit diesen Menschen bestehen dann auch ähnliche Erfahrungen, ein dauernder Gesprächsfluss, eine fesselnde atmosphärische Spannung und ein nicht endender Quell von geistigem und gefühlsmäßigem Austausch.

Ebenso spannend und faszinierend sind für mich Begegnungen mit Menschen, die ich sehr viele Jahre nicht mehr gesehen habe. Und sie erzeugen manches Mal des Gefühl des "Gestern haben wir uns ja noch gesehen", weil wir uns geistig und gefühlsmäßig über all die Jahre auf nicht zu beschreibende Weise vertraut geblieben sind.

Eine solche schöne Begegnung hatte ich heute: Ich habe einen Menschen wieder gesehen, den ich etwa fünfzehn bis zwanzig Jahre nicht gesehen hatte. Wir waren uns immer noch so vertraut und nah wie bei unserer letzten Begegnung. Ich glaube fast, wir haben unser letztes Gespräch fort gesetzt.

Diese Art von Begegnungen begeistern und beeindrucken mich immer wieder und ich möchte sie nicht missen - so selten sie auch sind. Und sie beweisen mir immer wieder, dass wir in allen Menschen, denen wir in unserem Leben begegnen, mehr oder minder tiefe Spuren hinterlassen.

Samstag, 7. August 2010

Das historische Museum der Stadt Luxemburg


Wer mal in die schöne Stadt Luxemburg kommt, der sollte Zeit haben, diese Stadt näher kennen zu lernen. Und ist er (sie) geschichtlich interessiert, dem möchte ich das Historische Museum der Stadt Luxemburg wärmstens empfehlen. Es ist architektonisch gelungen ins Stadtbild eingefügt. Und der Eintrittspreis in Höhe von fünf Euro für dieses sechsgeschossige Gebäude voller geschichtlicher Informationen ist in diesem Fall so gut wie geschenkt.

Die sechs Geschosse sind über hölzerne Treppen zu erreichen. Und auch die Wände sind in denselben warmen Holzfarben gehalten. Alle Stockwerke sind auch über einen 18 m² großen, hydraulischen Aufzug zu erreichen. Der Aufzug ist rundum verglast, sodass die Besucher in den unter Tage liegenden Stockwerke die ursprünglichen Felswände betrachten können.

Sowohl die Dauerausstellung wie die Sonderausstellung sind mit sehr viel Liebe und Herzblut gestaltet. So werden die einzelnen Epochen in Modellen, Filmen, Fotos und originalen Ausstellungsstücken inhaltsreich und umfassend vermittelt. Sehr beeindruckt haben mich die in Handarbeit hergestellten Holz-Modelle der Stadt Luxemburg in den jeweiligen Epochen, die im Durchmesser etwa 2,50 m bis 3 Meter messen.

Sehr angesprochen hat mich als Kind der 68er und Jahrgang 1950 die Sonderausstellung "Born to be wild?" Jugend zwischen Anpassung und Revolte, 1950 bis 2010. Diese Ausstellung hat sehr viele Erinnerungen in mir wach gerufen. Es gab Mode aus dieser Zeit zum Anfassen, einen Plattenspieler und Platten aus jener Zeit, die man als Besucher auch auflegen und natürlich hören konnte. Ein Waschbottich aus jener Zeit erinnerte mich an meine Kindertage, in der ich - früher gab es noch feste Waschtage - meiner Mutter an genau solch einem Waschbottich "geholfen" habe. Auch die Wringmaschine war mir in sehr guter Erinnerung: Die nasse Wäsche wurde zwischen zwei Rollen gelegt und durch Drehen dieser Rollen mittels einer Kurbel die nasse Wäsche zwischen den Rollen gedreht und so ausgewrungen (heute heißt das Schleudern).

Auch die politische Situation jener Zeit nahm einen großen Raum ein. Und die Filme und Fotos erinnerten mich daran, dass es in jenen Jahren noch eine politische Kultur, offenen Widerstand, Demonstrationen, Solidarität und andere politische Aktionen und Aktionsformen gab, die es heute nur noch in abgeschwächter Form gibt - wenn überhaupt noch.

Die Mode jener Zeit hatte auch ihren eigenen Schick. So trugen die Kinder oft - so auch ich und meine Geschwister - Kniesocken, die so gerade bis fast zum Knie gezogen waren, dass auch bloß keine Falte reinkam. Dazu trugen die Jungen kurze Hosen mit Hosenträgern, die von kurz über dem Knie bis fast an die Brust reichten. Und bei Geschwistern war dann oftmals der Partnerlook angesagt.

Als letzten Saal dieser Ausstellung gab es eine Disco mit Ausschnitten von Live-Auftritten der Gruppen dieser Zeit. Lautstärke natürlich eingeschlossen.

Aussagen des Denkens und Fühlens jener Zeit begleiten die einzelnen Abschnitte. Sehr ausdrucksstark finde ich die eingefügten Zeilen über das Wesen von Jugend in ihrer geschichtlichen und persönlichen Entwicklung (zum Lesen auf das Bild klicken).


Wenn es sich bei meinem nächsten Besuch von Luxemburg einrichten lässt, werde ich diese Ausstellung bestimmt wieder besuchen. Bei einem Besuch lässt sich nur ein Bruchteil dieser vielen Informationen aufnehmen, weil nach drei Stunden die Konzentration auf Aufnahmefähigkeit nachlassen.

Donnerstag, 5. August 2010

Bundesweite Demo für einen höheren Hartz IV - Regelsatz


Unabhängig von der Aussicht auf eine neue Stelle bin ich immer noch von Hartz IV betroffen und kann zu jeder Zeit wieder in diese von Resignation und Verzweiflung geprägte Lebensweise zurück geworfen werden. Dennoch bleibe ich zur Zeit "einfach mal" kritisch-zuversichtlich gestimmt.

Interessierten Leserinnen und Lesern möchte ich daher diesen Aufruf zu einer bundesweiten Demonstration für einen höheren Hartz IV-Regelsatz zur Kenntnis geben.

Im Augenblick kann ich für mich noch nicht entscheiden, ob ich an dieser Demonstration teilnehmen werde. Denn wenn ich die in Aussicht gestellte Stelle erhalte, will ich von dieser Thematik soweit wie eben möglich Abstand nehmen.

Montag, 2. August 2010

Erholungsurlaub


Es waren nur drei Tage Erholungsurlaub.
Doch ich konnte sie nutzen
für eine seelische Grundauffrischung.
Letztendlich sind drei Tage zu wenig.
Doch ich habe die begründete Hoffnung,
dass es mehr werden können.

Auch mal an dieser Stelle ein aufrichtiges Dankeschön an meine nette Gastgeber-Familie in Luxemburg für ihre aufrichtige Gastfreundschaft.