Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Montag, 26. Juli 2010

Loveparade Duisburg


Allein wenn ich mir dieses Foto nur anschaue, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.

Schon seit meiner Jugend habe ich solche Massenaufläufe - auch im kleineren Maßstab wie bei Konzerten und Demonstrationen - immer gemieden. Ich war mir immer der grundsätzlichen Gefahr bewusst: Wenn eine Panik ausbricht und ich bin mittendrin, dann habe ich keine Chance mehr! Bei der Teilnahme an solchen Veranstaltungen (auf eine derartige Massenveranstaltung wie die Loveparade hätte ich mich ohnehin nicht getraut) halte ich mich grundsätzlich am Rand auf oder behalte mögliche Fluchtmöglichkeiten im Auge.

Ganz ohne jegliche Vorwürfe und wertfrei kann ich mich nicht in Menschen hinein versetzen, die sich in solchen Massen wohl fühlen. Was macht dieses Wohlgefühl (wenn dieser Begriff dafür überhaupt geeignet ist) aus? Ist es tatsächlich der Herdentrieb? Ich weiß es nicht und würde es so gerne wissen.

Die Verantwortlichen werden - da bin ich mir sicher - nicht bestraft werden, weil Stadt, Polizei und Veranstalter bereits jetzt in gegenseitiger Übereinstimmung ihre Verantwortung ablehnen. Möglicherweise wird der Veranstalter als Bauernopfer seinen Kopf hinhalten müssen. Aber die Strafe wird milde ausfallen, weil die Verantwortlichkeiten hin und her geschoben werden und eine Schuld so nicht eindeutig festgestellt werden kann. Und Behörden und Polizei haben in unserem Rechtssystem einen ähnlichen Stellenwert wie Prominente. Bei Geldstrafen werden diese Strafen aus der Staatskasse gezahlt, ins Gefängnis kommen diese Leute ohnehin nicht und um den Verlust ihrer Arbeitsplätze müssen diese Leute sich mit Sicherheit keine Sorgen machen.

Den Toten, den Verletzten, ihren Angehörigen und den seelisch Verletzten dieser Loveparade gilt mein ehrliches und hilfloses Mitgefühl.

Freitag, 23. Juli 2010

Gedichte (Autoren: Bertolt Brecht und Hans Kruppa)


Frei und unfrei

Den wirklich Freien
erkennt man daran,
dass er keine Angst hat,
seine Freiheit zu verlieren.
Und der Unfreie
hat sogar Angst davor,
seine Unfreiheit aufzugeben.

Der Rauch

Das kleine Haus unter den Bäumen am See.
Vom Dach steigt Rauch.
Fehlt er,
Wie trostlos wären
Haus, Bäume und See.

Schwächen

Du hattest keine.
Ich hatte eine:
Ich liebte.

Ich will mit dem gehen, den ich liebe

Ich will mit dem gehen, den ich liebe.
Ich will nicht ausrechnen, was es kostet.
Ich will nicht nachdenken, ob es gut ist.
Ich will nicht wissen, ob er mich liebt.
Ich will mit dem gehen, den ich liebe.

Wunderbares Licht

Jeder Augenblick,
in dem zwei Seelen
sich füreinander öffnen,
ist ein wunderbares Licht
in einer Welt,
die dunkel ist
vor Lieblosigkeit.

Dauerten wir unendlich

So wandelte sich alles.
Da wir aber endlich sind,
bleibt vieles beim alten.

Unsere Träume

Unsere Träume,
unsere Sehnsüchte
und bunten Hoffnungen
wollen ernst und wichtig
genommen werden.
Wer sie verdrängt,
unterdrückt das Beste in sich
und wird ein hohler Mensch.

Ohne Titel

Der abgerissene Strick kann wieder geknotet werden.
Er hält wieder, aber
er ist zerrissen

Vielleicht begegnen wir uns wieder, aber da
wo du mich verlassen hast,
triffst Du mich nicht wieder.


Morgens und abends zu lesen

Der, den ich liebe,
hat mir gesagt,
dass er mich braucht.

Darum
gebe ich auf mich acht,
sehe auf meinen Weg und
fürchte von jedem Regentropfen,
dass er mich erschlagen könnte.

Dienstag, 20. Juli 2010

Benny Rebell - ein leidenschaftlicher Naturschützer


Benny Rebell wurde 1968 im Iran geboren und lebt seit 1987 in Deutschland. Als leidenschaftlicher Naturschützer hat er die Fotografie und die Filmproduktion als Werbemittel für Umweltschutzprojekte entdeckt.

Bis heute hat er zahlreiche Film-, Foto-, Naturschutz- und Abenteuer-Expeditionen in folgende Länder organisiert und erfolgreich durchgeführt:

14x Südafrika, 4x Namibia, Zimbabwe, Sambia, Kenia, Uganda, Swaziland, Ecuador, Galapagos-Archipel, Indien, 3x Iran, Sri Lanka, Mexiko, Dominikanische Republik, USA, Türkei und einige EU Staaten.

Auf seiner neu gestalteten Hompage hat er unter anderem eine erweiterte Bildergalerie mit zahlreichen seiner Fotos eingebunden. Und er lädt alle Natur- und Tierfreunde ein, seine neue Homepage zu besuchen.

Und auch ich lade Euch dazu ein - es lohnt sich!

Sonntag, 18. Juli 2010

Sinkende Regelaltersrente


Laut meiner aktuellen Renteninformation ist meine Regelaltersrente in den letzten vier Jahren um 20 Prozent auf monatlich 634 Euro gesunken. Wenn ich das mal auf den 01.05.2016 - dem Beginn meiner Regelaltersrente - hoch rechne, blieben mir wohl noch etwa 500 Euro Regelaltersrente zum Leben übrig. Daran ändert aus meiner Sicht auch nichts der Hinweis in der Renteninformation "Deshalb haben wir - ohne Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes - eine mögliche Variante für Sie gerechnet. Beträgt der jährliche Anpassungssatz 1 Prozent, so ergäbe sich eine monatliche Rente von etwa 660 Euro." Im letzten Jahr 2009 betrug diese Variante noch etwa 880 Euro - eine Verschlechterung von drei Prozent in einem Jahr. Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass für die Bezieher von Hartz IV ab 01.01.2011 keine Rentenversicherungsbeiträge mehr gezahlt werden sollen, so sind die oben angenommenen etwa 500 Euro monatliche Regelaltersrente schon sehr nah an der Wirklichkeit.

Im Vergleich dazu: Zur Zeit erhalte ich monatlich 682,00 Euro Arbeitslosengeld II (Miete + Regelsatz).

Montag, 12. Juli 2010

Eine Liebeserklärung


"Weil Du nicht so bist wie alle anderen,
weil Du Dich niemals kaufen lässt,
weil tausend Sterne mit Dir wandern,
weil Deine Nähe wärmt wie ein Nest
. . . will ich Dich, damit der Weg durch
die Stadien des Seins nicht ganz so trist ist.

Aber die persönliche Freiheit in Verbindung
mit Zweisamkeit ist die schönste
Kombination, die ich kenne."

Samstag, 3. Juli 2010

Spurlos verschwunden


Derzeit lese ich einen Krimi, in dem sich das spurlose Verschwinden von Menschen wie ein roter Faden durchzieht. Diese Menschen sind oft schon seit Jahrzehnten wie vom Erdboden verschluckt. Ich stelle mir das für die Angehörigen grausam vor. Und ich kann zwar gefühlsmäßig nicht in voller Tiefe nachvollziehen, was in diesen Angehörigen vorgeht, aber vom Kopf her - und teilweise schon auch vom Gefühl - kann ich mich in diese Menschen hinein versetzen.

In diesen Fällen kann ich sehr gut nachvollziehen, dass ein Loslassen vollkommen unmöglich ist, weil die verschwundenen Mitmenschen in den Köpfen und Seelen der ihnen nahe stehenden Menschen weiter leben. Und dieses Leben liegt im Nebel, ist nicht fassbar und auch nicht lebbar - und dennoch will es gelebt werden.

Wenn Menschen spurlos verschwinden, weil ein Verbrechen an ihnen begangen wurde, so ist es mir schon rätselhaft, warum sie nicht gefunden werden. Heißt es doch immer, das perfekte Verbrechen gäbe es nicht. Und doch scheint es das perfekte Verbrechen dennoch zu geben. Oder sind Staatsanwaltschaft und Polizei - aus welchen Gründen auch immer - in diesen Fällen hilflos?

Dann gibt es auch noch die Menschen, die aus eigenem Willen ihr jetziges Leben verlassen und nicht wieder gefunden werden wollen. Was musste alles geschehen, damit diese Menschen einen derart einschneidenden Entschluss fassen und ihn dauerhaft umsetzen? Was haben die ihnen nahe stehenden Menschen nicht gesehen und nicht gefühlt - oder nicht sehen und fühlen wollen? Trennen sich diese Menschen aus tiefer Trauer, tiefer Verzweiflung, absoluter Hoffnungslosigkeit aus ihrem bisherigen Leben? Oder welche Gründe, die sicherlich nicht so einfache sind, sondern sehr facettenreiche, sind so massiv ausschlaggebend?

Dieses spurlose Verschwinden ist ja weitaus mehr und tief greifender als ein vorüber gehender Rückzug, um mal wieder zu sich selbst zu kommen und seinen eigenen Standpunkt zu sich selber und zu seinen Mitmenschen kritisch zu überdenken. Mit einem vorüber gehenden Rückzug verabschiede ich mich nicht von meinem jetzigen Leben, sondern bleibe in ihm. Für mich kann ich mir einen derart dauerhaften Rückzug - der im Grunde ein Abschied ist - gar nicht vorstellen. Und das unabhängig davon, dass ich gar nicht wüsste, wie ich einen derartigen Abschied (mein spurloses Verschwinden) überhaupt umsetzen könnte.

Ich bin davon überzeugt, dass jeder von uns fast täglich Menschen begegnet, die sich hin und wieder für sich selbst mit dem Gedanken des spurlosen Verschwindens befasst haben oder befassen.