Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Mittwoch, 28. April 2010

Meine liebsten Irrtümer


Ich mache mir von anderen Menschen immer ein Bild, unabhängig davon, ob ich sie nähe kenne oder nicht. Dabei stimmen diese Bilder bei näherem Kennenlernen nicht immer mit dem ersten Bild überein. So manches Mal liege ich mit meiner ersten Einschätzung auch voll daneben - sowohl im Positiven wie im Negativen.

Schon so manches Mal stimmte mein erstes schlechtes Bild von einem anderen Menschen nicht mit dem Bild überein, das sich beim näheren Kennenlernen entwickelt hat. Darüber freue ich mich dann immer sehr. Und mit solchen Fehleinschätzungen kann ich auch äußerst gut umgehen. Ich pflege solche Irrtümer für mich als meine liebsten Irrtümer zu bezeichnen, weil sie mir beweisen, dass ich in meinem Denken und Fühlen immer noch beweglich bin und bereit und fähig, aus meinen Irrtümern und Fehlern zu lernen.

Innere Ruhe


In meiner Jugend dachte ich noch häufig, dass ich mit zunehmendem Alter ruhiger und gelassener werden würde. Doch weit gefehlt! Gab es damals noch Zeiten von entspannender Gelassenheit und natürlichen Ruhephasen, in denen ich zu mir selbst kommen konnte, so ist das Heute so schnelllebig, dass ich so manches Mal bewusst innehalten muss, um wieder zu mir selbst zu kommen. Selbst im Augenblick, da ich diese Zeilen schreibe, gehen mir derart viele Dinge durch den Kopf und die Seele, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen, wo ich aufhören soll und wo der rote Faden ist.

Sehr viel Zeit zu haben, heißt auch sehr viel über sich nachzudenken und sich dabei immer wieder im Kreis zu drehen. Und es ist - zumindest für mich - auch nicht damit getan, mich in oberflächliche Bekanntschaften zu stürzen nach dem Motto Hauptsache unter Menschen. Wichtigster Gesichtspunkt für Kontakte sind heute für mich Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen, das Gefühl des Angekommen-Seins. Doch mit zunehmendem Alter wird das immer schwieriger. Zudem habe ich das Gefühl, dass die Offenheit für neue Menschen und neue Gedanken immer weiter abnimmt.

Ich könnte mich nun "einfach" damit abfinden. Doch mich abzufinden war noch nie meine Sache, obwohl diese Fähigkeit in manchen Situationen für mich gesünder wäre. Und ich kann und will mich auch nicht aufgeben. So werde ich trotz vieler Enttäuschungen und Ablehnungen weiter meinen Weg gehen und hoffen und darauf hinarbeiten, dass mein Weg nicht mehr allzu weit ist, bis daraus unser Weg wird.

Freitag, 23. April 2010

Wir Afrikaner


So unterschiedlich wir Menschen in unseren äußeren und inneren Erscheinungsbildern auch sind, genetisch betrachtet sind wir Brüder und Schwestern. Wir heute lebenden Menschen und alle anderen Lebewesen sind das Ergebnis von vielen Millionen Jahren Entwicklung - einer Entwicklung, die nicht abgeschlossen ist und auch nie abgeschlossen sein wird. Diese genetische Vielfalt ist ein großes, weltweites Mosaik und regional nicht begrenzt. Wir alle stammen ab von Vorfahren, die vor rund 50.000 Jahren von Afrika aus die ganze Welt besiedelt haben.

Diese Erkenntnisse eröffnen ganz neue Sichtweisen auf die Verwandtschaft aller heute lebenden Menschen. Somit gewinnen sie in der Auseinandersetzung mit rassistischem Gedankengut ein kulturelles, politisches, soziales und aktuelles gesellschaftspolitisches Ausmaß. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen (UNESCO) hat schon mehrfach erfolglos vorgeschlagen, auf den Begriff Rasse zu verzichten und lieber von ethnischen Gruppen zu sprechen. Doch wäre Rassismus damit auch nicht beseitigt.

Immer wieder ziehen soziale Gruppen selbst gezogene Grenzen zwischen sich und den "Anderen" und heben deren scheinbar seltsame oder negative Eigenschaften hervor, um das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der eigenen Gruppe zu stärken und Hass auf die "Anders"-artigen zu schüren. So werden Vorurteile geboren, kultiviert und gelebt.

Interessierten Leserinnen und Lesern aus dem Bergischen Land und Umgebung möchte ich daher gerne die Wanderausstellung Wir Afrikaner - Die genetische Verwandtschaft der Menschen empfehlen. Diese Ausstellung ist noch bis zum 10. Mai 2010 im Rathaus Solingen (Eingang Merianstraße, 1. Etage) zu besuchen. Geöffnet ist die Ausstellung montags bis donnerstags von 9 bis 18 und freitags von 9 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei.

Montag, 19. April 2010

"Schurkenstaaten"


Warum fehlt eigentlich Deutschland in der Liste der "Schurkenstaaten"?

Deutschland ist in der Welt der drittgrößte Waffenlieferant und damit verantwortlich für den Mord an vielen Tausenden von Menschen - in der Mehrheit Zivilisten. Das ist eine Tatsache, die sehr gerne und immer wieder unter den Teppich gekehrt wird. Die Mächtigen des militärisch-industriellen Komplexes nehmen die Tausenden von Ermordeten billigend und kaltblütig-zynisch lächelnd in Kauf - ihre Profite sind ihre oberste Gottheit und sie selber sind ihre eigenen Götter.

Diese riesigen Gewinne fehlen dann hier in Deutschland wieder für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen, für lebenswerte Renten und für einen Sozialstaat, der sich zu Recht Sozialstaat nennen könnte, wenn er denn sozial und menschlich verantwortlich handeln würde.

Darum fehlt Deutschland in der Liste der "Schurkenstaaten" - weil die Menschen nichts wert sind. Mord ist nun mal kaufmännisch betrachtet gewinnbringender als soziale Investitionen.

Mittwoch, 14. April 2010

Der Wahrheit die Ehre


Eine Trauerrede der ehrlichen, offenen und authentischen Art für die Soldaten, die im Kampf fürs Vaterland und für Demokratie den Tod fanden und finden, hält in der 34. Folge der ZDF-Serie "Neues aus der Anstalt" der Kabarettist und kompromisslose Satiriker Georg Schramm (Minute 36:15 bis Minute 38:30).

Sonntag, 11. April 2010

Sage Nein!


Ob es um die Hasspredigten und Diskriminierungen gegen Arbeitslose geht; ob es um Sozialabbau in unserem Land, das als weltweit drittgrößter Waffenlieferant am Tod Milliarden verdient, geht; ob es um Unrecht im Großen wie im Kleinen geht; ob es um das Wiedererstarken rechtsextremer Gruppierungen und geht; ob es um unsere Kinder geht, denen eine ausgezeichnete Bildung und Ausbildung immer mehr zerstört wird; ob es um sexuellen Missbrauch an Kindern geht - ausgeübt von Tätern quer durch alle Bevölkerungsschichten bis in mächtige Kreise; ob es um Steuerbetrug geht, den letztlich wir einfachen Bürger zu bezahlen haben; ob es um (staatliche) Gehaltsmonopol-Träger und große Firmen geht, die das Internet ausspionieren und die gewonnenen Daten gegen uns missbrauchen; ob es um Arbeits- und Arbeitslosenunrecht geht - es gilt heute mehr denn je:


Samstag, 10. April 2010

Scheitern als Chance


Grundsätzlich stimme ich der Aussage, dass in jedem Scheitern eine Chance steckt genau so zu wie der Behauptung, jeder sei seines Glückes Schmied. Diesen Aussagen ist mit Vorsicht und gesundem Misstrauen zu begegnen, weil sie in dieser Form schlichtweg nicht stimmen:

Meine lange Arbeitslosigkeit ist zwar ein Scheitern, aber ohne Arbeitgeber, die mir eine ehrliche Chance geben, eine zum Scheitern verurteilte Chance. Ohne die aktive Chance eines Arbeitgebers kann ich mich drehen und wenden wie ich will - die Arbeitgeber haben nun mal die absolute Verfügungsgewalt über Arbeitsplätze. Die Verantwortung für meinen Anteil übernehme ich. Die Verantwortung der Arbeitgeber kann ich nicht einmal rechtlich einfordern, obwohl mir der Artikel 2 des Grundgesetzes freie Entfaltung meiner Persönlichkeit und das Recht auf (ein menschenwürdiges) Leben garantiert. In Artikel 12 werden mir Berufsfreiheit und der Schutz vor Zwangsarbeit garantiert. Zwangsarbeit sind meines Erachtens Tätigkeiten bei Zeitarbeitsfirmen und für Hartz IV-Betroffene der Zwang, jede "zumutbare" Arbeit annehmen zu müssen. Und über die Zumutbarkeit entscheidet nicht der Betroffene, sondern die vorgesetzte Behörde. In diesem Punkt habe ich sehr viele Chancen aktiv und initiativ genutzt; doch (bisher?) leider erfolglos.

Meine Arbeitslosigkeit ist sicherlich mein größtes, nachhaltigstes und schmerzhaftestes Scheitern. Und es gibt glücklicherweise auch eine Reihe gescheiterter Gelegenheiten, die ich als fruchtbare Chancen habe nutzen können.

In Zeiten des Scheiterns, der Hoffnungslosigkeit und Krisen überhaupt sind Freunde und gute Bekannte eine wichtige Hilfe. Doch sind diese Menschen nur dann hilfreich, wenn sie zuhören und einfühlsam nachfragen können, wenn sie verfügbar sind und sich mit "guten" Ratschlägen zurückhalten können. Oftmals hilft ein gemeinsamer Spaziergang, eine tröstende Tasse Kaffee oder eine liebevolle Umarmung mehr als Worte.

Donnerstag, 8. April 2010

Solingen stellt sich Pro NRW entgegen


Die rechtsextreme Bürgerbewegung Pro NRW will am 01. Mai 2010 nicht nur die Menschen in der Stadt der "Mordanschläge von Solingen" provozieren, sondern auch alle gewerkschaftlich organisierten und friedliebenden Bürger meiner Heimatstadt. An diesem Tag wollen diese Rechtsextremen in Solingen - in der Nähe der 1.Mai-Kundgebung des DGB - ihre landesweite Abschlusskundgebung zum NRW-Landtagswahlkampf durchführen.

Am 29. Mai 1993 wurden durch einen rassistischen Brandanschlag in Solingen fünf junge Mädchen und Frauen grausam und brutal ermordet. Und in dieser meiner Heimatstadt will das rechtsextreme Pro NRW am 01. Mai seine menschenverachtendes und rechtsextremen Hasspredigten über die Solingerinnen und Solinger ausschütten.

Dafür ist jedoch in Solingen kein Platz! Das breit gefächerte Solinger Bündnis "Bunt statt braun" zentralisiert all die Kräfte, die sich das friedliche Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen nicht zerstören lassen wollen. In seinem Aufruf zum friedlichen Protest gegen Pro NRW heißt es unter anderem:

Nach den Morden von 1993 hat es in Solingen beispielhafte Engagements und erzielte Erfolge gegeben, das respektvolle Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen grundlegend zu verbessern. Wir wollen es nicht zulassen, dass jetzt ideologische Brandstifter diesen begonnenen Prozess sabotieren.

Am 1. Mai werden wir in Solingen durch vielfältige Aktionen deutlich machen, dass "Pro NRW" auch in unserer Stadt unerwünscht ist. Die Aktionsformen reichen von Demonstrationen über künstlerische und musikalische Aktionen sowie Diskussionen bis zu gewaltfreien Blockaden. Unsere Ziele einen uns über alle politischen, religiösen oder kulturellen Unterschiede hinweg. Wir sind bunt und gewaltfrei und stellen uns dem braunen Mob in den Weg. Dabei sind wir solidarisch mit allen, die mit uns dieses Ziel teilen und "Pro NRW" entschlossen, aber friedlich entgegen treten werden.