Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Mittwoch, 23. Dezember 2009

Vergangen und doch im Jetzt


Die Jahre vergehen
mit zunehmendem Alter wie im Flug.
Die Langsamkeit der Kindheit und Jugend,
die Zeit wahrnehmen mit allen Sinnen,
sie weicht der Schnelligkeit
von vielen Veränderungen -
Veränderungen, die mich oft weder zum Denken
noch zum In-mich-Hineinhören und -fühlen kommen lassen.

Die Jahre meiner Kindheit,
sie begleiten mich noch heute.
Die Jahre meiner Jugend,
sie sind noch in mir.
Die Jahre meiner Schulzeit,
ich denke sehr gerne an sie.
Die Jahre meiner Berufstätigkeiten,
sie waren angenehm -
im Heute kann ich mir so etwas nicht mehr vorstellen.

Die Jahre des Älterwerdens,
warum vergehen sie immer schneller?
Nicht nur meine Jahre, auch die Jahre
anderer Menschen in meinem Alter.
Jeder Wechsel meiner Lebensjahre
kommt schneller als der vorherige -
oft mit beängstigender Geschwindigkeit.
Bin ich in den letzten zwölf Lebensmonaten
gewachsen, geschrumpft, stehen geblieben?
Was sagt mir mein Gefühl?
Kann ich mich überhaupt noch darauf verlassen?

Ohne meine Geburt
würde ich nicht leben.
Ohne meine Kindheit
hätte ich das Kind in mir vergessen.
Ohne meine Jugend
wäre ich im Heute nicht lebens- und überlebensfähig.
Ohne die Jahre in Arbeit
wüsste ich im Heute nicht um meine Verluste.
Ohne die Jahre meiner Schulzeit
würde ich nicht den Wert von Freundschaft kennen.
Ohne die zahlreichen Höhen und Tiefen meines Lebens
würde ich heute Lebensfreude weder kennen noch spüren.

Und ohne alle diese Lebensjahre
wäre ich kein notorisches Steh-auf-Männchen,
würde mir jede Zuversicht fehlen,
wäre ich schon längst untergegangen,
wäre ich keine Kämpfernatur mit dem absoluten Willen,
intensiv zu leben, zu fühlen, wahrzunehmen, zu genießen
und der Fähigkeit, diesen Willen auch umzusetzen -
unabhängig und trotz vieler Vorwürfe, ich sei Pessimist.

Auf jedes Tief
folgt ein Hoch.
Auf jede pessimistische Phase
folgt die optimistische.
Auf jedes Lebensjahr
folgt ein weiteres -
und das hoffentlich noch ganz ganz oft.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Eine neue Zeitrechnung


Für viele Menschen bedeutet der 11. September 2001 den Beginn einer neuen Zeitrechnung: Der physische Terror, den es auch schon vor dem 11. September 2001 gab, ist mit Hilfe der Medien in unsere Wohnzimmer eingezogen, in vielen Ländern explodieren Bomben (taten sie auch vorher schon) und außerdem hat unser Großer Bruder Amerika in der Gestalt von George W. Bush es so bestimmt. Es sei an dieser Stelle mal darauf hingewiesen, dass es mehr Verkehrstote und Drogentote gibt als Terrortote. Aber lassen wir das - es geht hier um Terror und nicht um Menschen.

Welche Medien berichten eigentlich über die Terrorregierungen - auch Diktaturen genannt - in Burma, Indonesien und Iran - um nur einige zu nennen? Alle diese Diktaturen sind ja auch Bündnispartner, die man mit Samthandschuhen anfassen muss und mit denen man gewinnbringende Geschäfte macht. Und mit dem 11. September 2001 werden ja auch unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung Geschäfte gemacht - sei es wirtschaftlich oder machtpolitisch beim beständigen Abbau demokratischer und sozialer Rechte.

Ich persönlich rechne zwar nicht in "neuen Zeitrechnungen"; doch wenn es eine solche für mich gibt, dann ist es der 1. Februar 2006, weil an diesem Tag mein Leben als Hartz-IV-Betroffener begann. Es ist seitdem ein Leben unter dem seelischen und existentiellen Terror der Hartz-Gesetze, von denen Hartz IV meines Erachtens nur der vorläufige Höhepunkt ist.

Vor dem Terror seit dem 11. September 2001 fürchte ich mich ganz und gar nicht, weil er mein Leben nicht bedroht (eher werde ich von einem Auto überfahren). Der Terror seit dem 1. Februar 2006 ist für mich Alltag, der mich - sofern ich nicht sehr gut auf mich acht gebe - langsam und beständig töten kann.

Terror ist allumfassend und facettenreich, er wird körperlich wie seelisch und geistig ausgeübt. Ihn nur auf Bomben zu beschränken, wäre ein verhängnisvoller und letztendlich auch tödlicher Irrtum, weil wir Menschen nicht nur körperlich sterben können, sondern auch seelisch und geistig.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Mein Leben im Griff haben


Ich habe mein Leben nicht im Griff. Und ich will es auch gar nicht im Griff haben. Was man im Griff hat, kann sich nicht von der Stelle bewegen. Und es kann sich auch im Griff nicht bewegen. Es ist gefangen und ohne Möglichkeit auf Wachstum und freie Entwicklung. Es bleibt, wie es ist, entwickelt sich langsam zurück und vermodert irgendwann einmal. Und dann ist das, was ich im Griff habe - und ich spreche hier von meinem Leben - nicht mehr vorhanden.

Darum gestehe ich mir auch Fehlgriffe zu, Fehlentscheidungen, falsche Einschätzungen von Situationen und Menschen. Und das nicht nur meinen Mitmenschen gegenüber, sondern vor Allem auch mir selbst. Ich betrachte das als ganz und gar nichts Schlechtes, sondern als beständige Möglichkeit, meine bisherigen Lebenserfahrungen zu stabilisieren und auch zu hinterfragen. Das gibt mir immer wieder Anstoß und Kraft, mich allen inneren und äußeren Wirren zum Trotz nach Vorne zu entwickeln, Bewährtes zu erhalten, Neues zu probieren, mich zu irren und daraus zu lernen.

Montag, 14. Dezember 2009

Gedanken und Wünsche zum Jahreswechsel


Kaum hat das Jahr begonnen, ist es auch schon wieder vorbei. Etwa seit meinem 40. Lebensjahr habe ich das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht. Und das habe ich auch schon von anderen Menschen in meinem Alter gehört. Daher kann es nicht nur an unserer immer schneller werdenden Zeit liegen, sondern auch aus meiner Sicht an einem immer bewusster gelebten Leben - ein Leben, das sehr viel wahrnimmt und erfährt und daher viel zum Denken und Fühlen anregt. Aber ob es das wirklich ist oder ob das alles ist? Ich weiß es nicht.

Das ablaufende Jahr hat (wahrscheinlich nicht nur) mir sehr viele Erfahrungen gebracht, die mich aufgewühlt und auch sehr nachdenklich gemacht haben - sowohl in meinem ganz persönlichen Denken und Fühlen wie auch von den Einflüssen und Zwängen unserer immer schnelllebiger werdenden Gesellschaft, von Arbeitslosigkeit und dem weiteren Abbau sozialer und persönlicher Rechte. Das Schaffen von innerem Frieden, Ruhe und Zufriedenheit fällt mir da mitunter schwer, aber ich bin davon überzeugt, dass mir das auf Grund meines Lebenswillens und meiner Kämpfernatur auch in Zukunft gelingen wird.

Allen meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich geruhsame Weihnachtstage mit Stress in Grenzen und viel Zeit für Euch, Eure Freunde und Eure Familien. Und für 2010 wünsche ich Euch Frieden, Gesundheit, Ausgeglichenheit, den Beschäftigten sichere Arbeitsplätze und den von Arbeitslosigkeit Betroffenen immer noch einen Euro für den kleinen Luxus und ganz viele starke Energien für Euch selbst, Eure Kinder, Eure Familien und Eure Freunde.

Samstag, 12. Dezember 2009

Meine Scheidung


Schon seit unserer Vermählung im Februar 2006 stand unsere Ehe unter keinem guten Stern. Es war wohl doch keine so gute Idee, trotz unserer Unterschiedlichkeiten die Ehe zu wagen. Gegensätze können sich offensichtlich nicht nur anziehen, sondern genau so gut und "erfolgreich" abstoßen. Zwar habe ich versucht, viel Engagement in die Ehe einzubringen, aber es war für meine Frau entweder zu wenig oder einfach falsch. So Manches habe ich mir einfallen lassen, habe eine gewisse Hilfe bekommen und landete letztlich immer wieder in der Abteilung Außer Spesen nichts gewesen. Und eigene Ideen scheiterten immer wieder an der Beschränktheit und Prinzipienreiterei meiner Ehegattin. Ich bin einfach auf keinen grünen Zweig gekommen. Und das hat mich zermürbt und ein ganzes Stück Hoffnungslosigkeit wachsen lassen. Und um nicht unter zu gehen, bin ich im Laufe der Zeit zu dem Entschluss gekommen, dass ich loslassen muss.

Aus diesem Grunde habe ich mittlerweile die Scheidung meiner Ehe mit Hartz IV eingereicht. Seitdem ist Hartz IV noch verstockter, so dass beim Klagetermin wohl "schmutzige Wäsche" gewaschen werden wird.
Drückt mir bitte die Daumen, dass der Scheidungstermin für mich erfolgreich verläuft. Und wenn Ihr ein paar Eurer positiven Energien für mich übrig haben solltet - schickt sie mir, ich kann sie dringend brauchen.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Dezember


Während ich diese Zeilen schreibe, prasselt der Regen auf mein Fensterdach. Und ich habe das Gefühl, es würde schon den ganzen Dezember regnen. Den Regen auf meine Fensterscheiben prasseln zu hören, ist für mich ein schönes und beruhigendes Gefühl. Und ich gehe auch gerne im Regen spazieren, wenn da nicht die Sache mit der Regenkleidung wäre . . .

Aus meiner Berufstätigkeit kenne ich es noch, im Dunkeln zur Arbeit zu fahren und im Dunkeln wieder nach Hause zu kommen. Auch wenn ich jetzt morgens länger schlafen kann, beschleicht mich beim Blick durch mein Fenster auch kein wesentlich anderes Gefühl. Und um 18 Uhr denke ich manchmal, es sei bald Zeit, mich schlafen zu legen.

Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir diesen Monat einen einzigen trockenen und sonnigen Tag, den ich dann auch sogleich genutzt habe. Und ich will in meinem "jugendlichen Leichtsinn" mal davon ausgehen, dass uns dieser Winter 2009/2010 noch so einige trockene, sonnige und vielleicht auch warme Tage bringen wird (auch wenn das für unsere Klimaverschlechterung spricht).

Meinem Gemüt ist dieses Wetter auch nicht sonderlich zuträglich. Ich bin einfach ein verwöhntes Zivilisationskind, für das die Natur einen äußerst hohen Stellenwert hat. Das aber noch nicht so richtig gelernt hat anzuerkennen, dass jedes Wetter und alle Jahreszeiten eben auch Natur sind.

Dennoch ist auch der Winter eine für mich schöne Jahreszeit - wenn wir mal wieder echten Winter hätten. Und zum Winter gehören Sonne, Schnee, Kälte, Frost, Eis, aber auch ein gemütliches Café und nicht zuletzt ein Wohlfühl-Zuhause.

Montag, 7. Dezember 2009

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Welche Angabe ist denn nun richtig?


Am 1. Oktober 1990 begann meine langjährige Arbeitslosigkeit. Allerdings bin ich seitdem nicht durchgehend arbeitslos, sondern hatte immer wieder geringfügige und zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnisse zwischen sieben und vierundzwanzig Monaten.

Zuletzt war es meine Umschulung zum Kaufmann im Gesundheitswesen, die ich im Januar 2006 nach 21 Monaten Ausbildung erfolgreich abgeschlossen habe. Zum seinerzeitigen Zeitpunkt hat von den 13, die bestanden haben, nur eine eine Stelle bekommen. Selbst habe ich mich bei verschiedenen Arbeitgebern erfolglos beworben. Während ich mich früher auf "Teufel komm raus" beworben habe, habe ich während der Umschulung gelernt, dass es keinen Sinn macht, sich auf ein Stellenprofil zu bewerben, wenn ein bis zwei Anforderungen schon nicht erfüllt werden - gewusst habe ich es im Grunde genommen auch schon davor. Es ist einfach sehr schwierig, mit 58 Jahren noch eine Stelle zu finden, wie auch meine aktuellen Bemühungen beweisen.

Von meinem Gefühl her fühle ich mich seit dem 01.10.1990 arbeitslos, weil alle zwischenzeitlichen Bemühungen und Anstrengungen im Sande verlaufen sind. Darum spreche ich auch grundsätzlich von meiner achtzehnjährigen Arbeitslosigkeit.

Aus formaler und vielleicht auch tatsächlicher Dauer bin ich seit dem erfolgreichen Abschluss meiner Umschulung im Januar 2006 "erst" knapp vier Jahre arbeitslos. Es fällt mir schwer, hier zwischen formalen/tatsächlichen Gesichtspunkten und meinen Gefühlen klar zu trennen.