Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Sonntag, 29. November 2009

Geschichte eines Spitznamens


Schon seit meiner Gymnasialzeit habe ich den Spitznamen Adam, der - wie sollte es auf einem Gymnasium anders sein - selbstverständlich englisch ausgesprochen wurde. Noch heute gibt es langjährige Bekannte, die mich immer noch Adam nennen. Doch die Geschichte dieses Namens ist nur ganz wenigen bekannt. Und ich möchte sie hier gerne erzählen:

In meiner Oberstufenzeit hatten wir donnerstags in den ersten zwei Stunden Sport. Nach einer fünfminütigen Pause hatte dann eine Unterstufenklasse Sport. Nach dem Sport habe ich mich geduscht - und zwar nackt, weil ich ja überall verschwitzt war. Das hatten die Kids (ich nenne sie hier mal so) natürlich sofort raus. Und irgendeiner kam irgendwann mal auf die Idee, mich Adam zu nennen. Dieser Spitzname hat dann die Runde gemacht, weil ich ihn toll fand und mich auch selbst so genannt habe. Doch kaum jemand kannte den Ursprung und keiner hat sich dafür interessiert. Ich höre die Kids heute noch: Während ich unter der Dusche stehe, höre ich sie schon im Eingangsbereich brüllen "Mal schauen, ob der Adam wieder unter der Dusche steht". Und schneller als der Wind standen sie mit bis zu acht lachenden Kids in der Dusche, um mir ein Hallo zu sagen. Meine Nacktheit war für diese Kids nie ein Problem, sondern schlichtweg Selbstverständlichkeit.

Das zeigte sich auch etwa ein Jahr später, als an unserer Schule ein Tutorensystem eingerichtet wurde: Schüler aus der Oberstufe betreuten jeweils eine bestimmte Klasse aus der Unterstufe. Und wie es der Zufall so wollte, bekam ich genau die Klasse zur Betreuung, in der diese Schüler lernten. Das Thema "Adam nackt unter der Dusche" stand bei uns nie auf dem Stundenplan. Ich hieß einfach Adam und damit basta.

Ich war gestern mit großen Augen erstaunt, als mir eine Freundin erzählte, sie kenne erwachsene Frauen, die sich nach dem Sport im Badeanzug duschen, obwohl sie unter sich sind. Dinge gibt´s . . . aber ich muss ja auch nicht alles verstehen.

Vor ein paar Jahren wollte ich mich mal von meinem Spitznamen verabschieden, aber zwischenzeitlich gefällt er mir wieder, weil er viele schöne Erinnerungen und Gefühle in mir weckt (Erinnerung 1 | Erinnerung 2).

Freitag, 27. November 2009

Hemmnisse beim schriftlichen Gedankenaustausch


Die schriftliche Kommunikation gehört zwar genauso zum Leben wie die persönliche und direkte Kommunikation, doch birgt sie auch Hindernisse, die Sender und Empfänger grundsätzlich beachten sollten:
  • Der Sender schreibt aus seiner augenblicklichen Gefühlslage heraus und der Empfänger liest die geschriebenen Worte in seiner augenblicklichen Gefühlslage. Das kann zu sehr unterschiedlichen Deutungen führen.
  • Ein sofortiges Nachfragen bei Sachfragen und Gefühlen (z.B. "Ist das jetzt als Vorwurf gedacht?") ist nicht möglich und so können schlechte Gefühle hängen bleiben, die manches Mal nur schwer wieder zu bereinigen sind.
  • Der Empfänger kann die Worte des Senders nicht hören. Das gesprochene Wort beinhaltet mehr Inhalt, mehr Gefühl und mehr "zwischen den Zeilen" als das gesprochene Wort.
  • Sender und Empfänger sehen sich nicht und können daher auch nicht die Gestik, Mimik und Körpersprache des Gegenübers wahrnehmen - der gesamte Bereich der nicht sprachlichen Kommunikation ist außen vor.
  • Die schriftliche Kommunikation erfordert sowohl vom Sender wie vom Empfänger ein hohes Maß an (sprachlichem) Feingefühl und ein nicht minder hohes Maß an Toleranz.
Genau so wie Leben immer "lebensgefährlich" ist (wie der Volksmund so sagt), so liegt in jeder Art von Kommunikation auch immer das Wagnis zu verletzen und verletzt zu werden. Wenn wir uns selbst als eigenständige und selbst verantwortliche Persönlichkeiten wahrnehmen und achten, dann haben wir schon die Grundlage dafür geschaffen, Konflikte als Möglichkeiten zur eigenen Entwicklung und zur Entwicklung und Stabilisierung von zwischenmenschlichen Beziehungen zu sehen und nutzen.

Donnerstag, 26. November 2009

Neue Kommentare per Email abonnieren


Blogger bietet die Möglichkeit, über neue Kommentare per Email zu informieren.

Wer davon Gebrauch machen möchte, möge mir seine Email-Adresse über einen Kommentar, "Nachricht an Gerhard" in der Seitenleiste oder (sofern bekannt) meine Email-Adresse zukommen lassen.

Selbstverständlich besteht auch nach wie vor die Möglichkeit, die Kommentare über einen RSS-Feed zu abonnieren. Das kannst Du in der Seitenleiste unter "Gerhards Gedankenbuch abonnieren" ==> "Alle Kommentare".

Dienstag, 24. November 2009

Freunde finden als Erwachsener


Obwohl ich Umfragen grundsätzlich misstrauisch gegenüber stehe, kann ich diese Umfrage aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Meines Erachtens spielen dafür mehrere Umstände eine Rolle:

Als Erwachsener geht man mit dem Leben nicht mehr so leicht und locker um wie in der Jugend. Man hat "seine" Erfahrungen gemacht und ist distanzierter und misstrauischer geworden. Das Alter hat Wunden gerissen, die wir nach Möglichkeit nicht wiederholen wollen. Und die Narben sind stete Erinnerungen. Und wir sind oft unsicher, wie wir uns vor Verletzungen schützen können - die meisten von uns sind immerhin schon "mehr als genug'" verletzt worden -, weil wir zugleich wissen und spüren, dass das Leben ohne Wagnisse auf der Stelle stehen bleibt oder sich gar rückwärts entwickelt. Und oft sind wir auch einfach nur müde und es Leid, noch ernsthaft nach Freundschaften zu suchen, weil es ja "sowieso nichts bringt" und das andere Geschlecht uns ja "ohnehin nicht verdient" hat.

Nicht zu unterschätzen ist auch unsere heutige Zeit, in der nur noch Leistung bis zum Burn-Out zählt, in der zwischenmenschliche Werte zu kaufmännischen Werten mutieren, in der wir immer mehr zum Individual-Prinzip (Jeder solle selbst für sich sorgen) übergehen, obwohl der Einzelne kaum noch zählt - es sei denn, er ist ein gut geöltes und funktionierendes Element in dieser Gesellschaft (was auch immer - je nach Zweck - mit dem Begriff Gesellschaft gemeint sein mag). Die Arbeitenden werden bis auf ganz wenige Ausnahmen bis über die Grenzen ihrer Belastbarkeit überfordert. Und die Arbeitslosen werden zwar gefordert, aber nicht gefördert. Wie denn auch, wenn "Wirtschaft" und "Politik" die Arbeit nicht auf viele Schultern verteilen?!? Es gäbe kein Geld dafür - die Gebrüder Grimm haben bessere Märchen geschrieben. Und sie haben nicht gelogen!

Es bleibt uns Erwachsenen wenig Zeit und Kraft für echte Freundschaften (im Gegensatz zu Bekanntschaften). Doch aus meiner persönlichen Erfahrung und meinem persönlichen Fühlen gehören Freunde für mich zum Leben wie der Tag zur Nacht. Erst beide zusammen machen ein erfülltes und zufriedenes Leben aus und möglich.

Sonntag, 22. November 2009

Gerhards Gedankenbuch


Von Anfang an schreibe ich mein Blog mit dem Ziel, mein Eingebundensein in dieser Gesellschaft kritisch aus meiner ureigenen persönlichen Sicht zu schildern und zu hinterfragen. Und ich bin mir auch darüber im Klaren, dass das nicht immer einfach ist. So merke ich beim Schreiben immer wieder, wie schwer es mir oft fällt, meine Gedanken und Gefühle in möglichst verständlicher Weise aufs Papier zu bringen. Es ist nun mal einfacher, über Sachen und andere Menschen zu schreiben als über sich selbst. Viele Menschen haben aus meiner Sicht schon Probleme (oder wollen es nicht), über sich selbst nachzudenken oder gar zu sprechen. Um wie viel schwieriger ist es da, sich mit den Gefühlen eines fremden Menschen auseinander zu setzen. Das meine ich vollkommen wertfrei!

Ich will (nicht nur) hier auch nicht überreden, ein wenig überzeugen allerdings schon. In allererster Linie will ich zum Nachdenken und Kommentieren anregen. Wobei das mit dem Kommentieren wieder eine Sache für sich ist (siehe oben).

Konstruktiv-kritische persönliche und Kommentare im Blog lassen mich zu der folgenden Überlegung kommen: Muss ich in meinem Blog eigentlich noch so viel (ein wenig wird bleiben) über meine Gedanken und Gefühle im Umgang mit meiner Hartz-IV-Problematik schreiben? Ich habe nämlich immer mehr das Gefühl, dass die meisten meiner Leserinnen und Leser ohnehin wissen, wie schwierig diese Situation für mich ist.

Zudem gibt es Seiten (siehe Banner über meinen Einträgen und in der Seitenleiste unter Empfehlenswerte Webseiten "Hartz IV - Nachrichten und Urteile"), die regelmäßig in sachlicher und informativer Art und Weise über dieses Thema berichten.

Dazu ergänzend die folgende Anmerkung zum Vorschlag, meine Lage einfach zu "akzeptieren": Leben ohne Geld ist nunmal nicht möglich - zumindest kein lebenswertes Leben. Und ich kenne einige Langzeitarbeitslose (Hartz-IV-Betroffene), die genügend Geld haben zurück legen können, von dem der Staat nichts weiß und nichts erfahren wird. Und dann gibt es auch noch Langzeitarbeitslose, die so geschickt schwarz zu arbeiten wissen, ohne dass der Staat davon weiß oder erfahren wird. Beides trifft auf mich nicht zu (unabhängig davon, dass mir zum schwarz arbeiten die nötigen Nerven fehlen). Und mit dem nötigen "Kleingeld" lässt es sich auch ohne sozialversicherungspflichtige Arbeit ganz gut leben.

Auch wenn aus meinen Einträgen häufig Resignation und Pessimismus durchscheint, so ist das nicht der rote Faden in meinem Leben bzw. meinem Blog. Mein roter Faden ist vielmehr Optimismus, Zuversicht und immer noch genügend aufbauende Energien.

Ein abschließendes Wort zum Thema "Selbstmord" - nein, ich bin nicht Selbstmord gefährdet. Wenn ich das wäre, gäbe es dieses Blog mit Sicherheit nicht.

Samstag, 21. November 2009

"Wo bleibt denn das Positive in Deinem Blog?"


Tja - das wüsste ich auch ganz gerne. Zur Zeit fühle ich mich privat wie beruflich einfach überfordert und ausgelaugt. Aber dennoch gebe ich meinen Kampf um ein menschenwürdiges Leben nicht auf und möchte mir die Antwort stillschweigend von Erich Kästner "ausleihen":

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
"Herr Kästner, wo bleibt denn bei Ihnen das Positive?"
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt. (. . .)

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt,
Ihr wünscht, dass ich es hübsch zusammenreime
und denkt, dass es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz. Ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln,
und manche liefern zum Selbstkostenpreis . . ."

Es gibt sicherlich Schlimmeres als Hartz IV (Armut in der Dritten Welt, Wohnungslosigkeit, unheilbaren Krebs u.a.). Aber Angenehmere gibt es mit Sicherheit auch (ein "klein wenig" Kultur, ein "klein wenig" Erholungsurlaub).

Mittwoch, 18. November 2009

Sparvorschläge

  • nur einmal täglich trockenes Brot essen und Leitungswasser trinken
  • Wäsche nur alle vierzehn Tage waschen
  • keine Heizung anstellen und zu Hause Winterkleidung tragen
  • betteln
  • den Urlaub - sofern nicht zwangsverordnet - zu Hause verbringen
  • Kita-Gebühren sparen und die Kinder auf der Straße spielen lassen
  • baden immer freitags für die ganze Familie im selben Wasser
  • grundsätzlich nur die gesunde Fertigkost essen (sofern das trockene Brot nicht reicht)
  • jeden Cent dreimal umdrehen, bevor er einem aus der Tasche gezogen wird
  • sich nur einmal am Tag waschen und auf Seife verzichten
  • die Wohnung kündigen und ins Zelt oder unter die Brücke ziehen
  • sich am Reichtum der Vermögenden erfreuen
  • Fernsehen statt Kino
  • wenn alles nichts hilft, hilft nur noch eins: Selbstmord
  • denn alles andere ist Selbstmord auf Raten
Habe ich etwas vergessen?

Dienstag, 17. November 2009

Hartz IV: Arbeitsbelastung in ARGEn macht krank


Wie gegen-hartz.de heute berichtet, fand im Gewerkschaftshaus Braunschweig eine Podiumsdiskussion mit den fünf Braunschweiger Bundestagskandidaten zur Arbeitssituation in den ARGEn statt. Mit bemerkenswerter und anerkennenswerter Offenheit berichteten Mitarbeiter aus verschiedenen ARGEn über ihre belastenden Tätigkeiten bei dem Versuch, langzeitarbeitslosen Menschen wieder in Brot und Arbeit zu helfen. Bei aller berechtigten Kritik an der Arbeit der ARGEn muss doch hervorgehoben werden, dass die meisten Mitarbeiter(innen) dort sich ernsthaft um aktive Hilfe für arbeitslose Menschen bemühen. Und ich kann mir nicht vorstellen dass die ARGE meiner Heimatstadt mit ihrer aktiven und kooperativen Hilfe bundesweit einmalig sein soll.

Bei früherer Gelegenheit habe ich der örtlichen Gewerkschaft ver.di und dem Personalrat der hiesigen ARGE eine entsprechende Aktion vorgeschlagen. Doch zu meiner Überraschung wurde mein Vorschlag nicht umgesetzt, weil unter den Beschäftigten offensichtlich die Angst größer ist als der Mut zur offenen und ehrlichen Aussprache und Auseinandersetzung.

Ich würde mir wünschen, dass das Beispiel aus Braunschweig Schule macht und die ARGE-Beschäftigten bundesweit sich ihren Ängsten stellen und ihre Arbeitsüberforderungen und die damit verbundenen Nachteile für die Hilfe suchenden Arbeitslosen öffentlich wirksam anklagen und konkrete Änderungen von den Politikern fordern.

Sonntag, 15. November 2009

Depression und Langzeitarbeitslosigkeit


Ich bin seit achtzehn Jahren mit Unterbrechungen arbeitslos, erlebe die tagtägliche soziale und zwischenmenschliche Ausgrenzung eben auf Grund dieser Arbeitslosigkeit, weil ich kein Geld verdiene und somit nichts "unternehmen" kann und weil immer noch mehrheitlich die Meinung vorherrscht, für eine "solch lange" Arbeitslosigkeit sei ich ja selbst verantwortlich.

Und dennoch habe ich nicht mein Leben aufgegeben und nehme nach wie vor am Leben teil, wenn es auch oft mit persönlichen Nachteilen verbunden ist. Und trotz der langen Zeit ohne Arbeit habe ich nicht aufgegeben und bin auch nicht zum Pessimisten geworden. Dazu zwei aktuelle Beispiele:

Vor etwa vier Wochen habe ich mich bei einer kleinen Firma beworben, dessen Geschäftsführer ich schon längere Zeit kenne. Er hatte auch die Zusage der ARGE, dass mein Brutto-Arbeitgebergehalt zu 50 % von der ARGE übernommen würde. Vierzehn Tage später bekam ich die Absage mit der fadenscheinigen Begründung, sein kleines Team sei "übereingespielt" und bräuchte daher keinen neuen Mitarbeiter. Der zuständige ARGE-Mitarbeiter meinte dazu nur lakonisch: "Das ist das übliche Spiel. Er hat das vorher gewusst."

Ganz aktuell bin ich mit zwei Arbeitgebern, meiner ARGE-Betreuerin und einigen Menschen im "Hintergrund" in Verhandlungen für eine neue Stelle. Obwohl ich fit bin, sofort in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen, müsste ich eine sechsmonatige "Betreuungsmaßnahme" (damit ist ein Ein-Euro-Job gemeint) durchmachen, um anschließend eine zweijährige Festeinstellung zu bekommen, für die der vorgesehene Arbeitgeber dann von der ARGE einen 75 %igen Zuschuss erhalten würde. Scheitern wird das voraussichtlich an der Tatsache, dass die Zuschüsse für diese "Betreuungsmaßnahmen" am 31.12.2009 auslaufen und alle begonnenen Maßnahmen vor diesem Zeitpunkt auch beendet sein müssen. Da es sich hier um rechtliche Fragen handelt, bin ich zur Zeit außen vor und hoffe inständig, dass die in meinem Interesse handelnden Menschen eine Lösung für mich finden werden.

Ich hätte also all diese Jahre mehr als einen Grund gehabt, mich vor den Zug zu werfen. Doch gehöre ich glücklicherweise zu den Menschen, die gelernt haben, sich an den eigenen Haaren immer wieder aus Krisen und Katastrophen zu retten. Damit verurteile ich nicht im Mindestens die Menschen, die für sich keinen anderen Weg als Selbstmord sehen. Ich möchte mit diesem Eintrag "nur" aus einer anderen Sichtweise darauf aufmerksam machen, dass meine Arbeitslosigkeit nicht selbst verschuldet ist und ich nicht immer wieder aus diesen Gründen ausgegrenzt werden will.

Nachbemerkung: Ich habe einige Tage überlegt, ob ich diesen Eintrag überhaupt schreiben soll, weil er sich wie eine Rechtfertigung liest, die ich nicht nötig habe. Doch habe ich mich dazu entschlossen, weil ich nicht zulassen will, dass sich diese Gedanken und Gefühle in meine Seele brennen und sie meine Seele möglicherweise letztendlich verbrennen.

Donnerstag, 12. November 2009

Denn die einen sind im Dunkel und die anderen sind im Licht . . .


. . . und man siehet die Lichte, die im Dunkel sieht man nicht.

Wäre nicht ein so bekannter Mensch wie der Nationaltorwart Robert Enke freiwillig in den Tod gegangen, sondern einer der Millionen arbeitslosen und verarmten Menschen in diesem Land, keine Presse hätte sich darum gekümmert, keiner der oberen Zehntausend hätte Krokodilsstränen um diesen Menschen vergossen, auf keiner Homepage würde um einen solchen Menschen getrauert und erst recht gäbe es keine weltweite Trauer.

Es stimmt mich immer wieder traurig, wenn der Wert eines Menschen oft erst erkannt wird, wenn er gestorben ist. Warum wurde ein solcher Mensch nicht schon zu Lebzeiten wahr genommen - und zwar bewusst und aktiv. Sicherlich steht fast jeder Mensch mit seinen ureigenen Ängsten letztendlich auch mit den besten Freunden und der besten Familie alleine mit der Lösung seiner Probleme da. Doch in den meisten Fällen ist es doch so, dass ein solcher Mensch auch schon vor seinem Tod alleine dastand. Echte und authentische Freunde sind etwas sehr Seltenes und damit um so Wertvolleres.

Auch die Themen Depressionen und Selbstmord sind in unserer ach so aufgeklärten und freiheitlichen Zeit nach wie vor Tabuthemen. Es wird gelebt nach dem Motto Vogel friss oder stirb. Sowohl Profifußballer wie Langzeitarbeitslose habe eins gemeinsam: Beide müssen Hochleistungen erbringen. Was sie unterscheidet: Profifußballer bekommen Gehälter, von denen Arbeitslose nur träumen können.

Ich habe Robert Enke nicht gekannt. Doch von dem, was in der Presse über ihn vermittelt wird, war er ein bescheidener, natürlicher, ehrlicher und authentischer Mensch. Und ich könnte mir vorstellen, dass ihm der Wirbel um seine Person so ganz und gar nicht recht ist.

Hinter jedem Selbstmord steckt eine lange Geschichte. Kein Mensch entscheidet sich spontan zum Selbstmord. Wir können nicht jeden Selbstmord verhindern, weil wir oft blind sind und nicht angemessen helfen können und weil manch ein Selbstmörder nicht imstande war - aus welchen Gründen auch immer - die Hilfe seiner Mitmenschen anzunehmen und für sich umzusetzen. Doch wir können uns darin schulen, mit uns selbst und damit auch mit unseren Mitmenschen achtsamer, aufmerksamer und einfühlsamer umzugehen.

Dienstag, 10. November 2009

Stadt Solingen plant Ausbildung für ein Leben in Armut


Wenn es um steigende Kosten und fehlendes Geld geht, macht es sich die öffentliche Hand immer ganz bequem, indem sie Leistungen streicht, Gebühren erhöht oder - wie ich einer aktuellen Pressemeldung entnehme - nunmehr eine Ausbildung für ein Leben in Armut anbieten will. Dafür sollen sogar "neue Mitarbeiter" eingestellt werden. Die Stadt Solingen lässt es sich offensichtlich einige Gehälter kosten, um den Hartz-IV-Betroffenen zu vermitteln, der Regelsatz für den Haushaltsvorstand in Höhe von 359 Euro monatlich und für Kinder sogar noch weniger würde vollkommen ausreichen für ein Leben in Würde und Achtung.

Die betroffenen Solinger Menschen sollen also bluten für eine verfehlte Finanzpolitik der Stadt. Und komme mir keiner mit dem Argument, die Stadt sei ja von den Vorgaben der Bezirks- und Landesregierung abhängig. Ich kann weder den Stadtwerken, meinem Bäcker noch sonst wem sagen, ich würde jetzt nicht mehr für ihre Leistungen zahlen, weil meine Kosten gestiegen sind und mein Arbeitslosengeld nicht. Mir würde der Strom abgedreht und ich bekäme keine Brötchen mehr. Meine Existenz ist diesen Unternehmen und Unternehmern doch vollends gleichgültig.

Doch zurück zu der von der Stadt geplanten Ausbildung für ein Leben in Armut. Was soll denn dort vermittelt werden?
  • Wo stehen Papierkörbe, in denen ich leere Flaschen sammeln kann?
  • Wo ist die nächste Müllhalde mit Wohlstandesmüll?
  • Wie kann ich schwarz fahren, weil ich mir kein Ticket leisten kann?
  • Wie kann ich erfolgreich hungern, ohne zu verhungern?
Oder ist diese Ausbildung ernst gemeint und es werden Fragen und Handlungsanleitungen besprochen wie:
  • Wie wehre ich mich gegen Willkür jeglicher Art?
  • Wo finde ich fachlich geschulte und erfahrene Helfer?
  • Wie stärke ich meine Seele für den Hartz-IV-Überlebenskampf?
  • Wie und wo kann ich mich organisieren, um seelisch und finanziell nicht unter zu gehen?
  • Wie schaffe ich es, auch noch ein wenig in "Luxus zu schwelgen", z.B. Urlaub, Kultur usw.?
  • Wie überlebe ich Sanktionen der Arge?
Ich bin davon überzeugt, dass die neuen Mitarbeiter die betroffenen Hartz-IV-Empfänger eher mit dem oben genannten Müll überschütten werden als mit konkreter Hilfe. Falls ich mich täuschen sollte, bin ich gerne bereit, mich an dieser Stelle offen und ehrlich bei der Stadt zu entschuldigen.

Sonntag, 8. November 2009

Opfer als Täter


Sehr viele vor allem Langzeitarbeitslose scheuen sich, ihr Schicksal offen zuzugeben, weil sie sich ihrer Arbeitslosigkeit schämen und in berechtigter Angst vor Verleumdung und Ausgrenzung leben. Diese Menschen haben die Umkehr des Täter-Opfer-Schemas tief verinnerlicht und fühlen sich daher selbst schuld an ihrer Arbeitslosigkeit. Dieses Denken und Fühlen ist vollkommen falsch, weil die Verantwortlichen für ihr Schicksal nicht sie selbst sind, sondern gewisse Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Industrie. Dieses Denken und Fühlen zu durchbrechen und offen dazu zu stehen, dass man Opfer eines rücksichtslosen und brutalen Sozialabbaus ist, ist sehr wichtig, aber um vieles schwerer getan als gesagt.

Und es betrifft ja nicht nur die Langzeitarbeitslosen, sondern alle armen und verarmten Menschen im so reichen Deutschland. Erzähle mir bloß niemand, Deutschland sei ein armes Land - ein Land, das 500 Milliarden Euro den Bank- und Industriemanagern in ihre gierigen Rachen steckt und zugleich "seine" Bürgerinnen und Bürger austrocknen, verhungern und verarmen lässt!

Aus meinen eigenen tagtäglichen Erfahrungen weiß ich, wie schwierig es ist, offen und ehrlich zu seiner Langzeitarbeitslosigkeit zu stehen. Und ich will hier auch nicht klagen (anklagen aber sehr wohl), sondern zu mehr Offenheit und Ehrlichkeit mit dieser Thematik aufrufen und zu mehr Achtung, Mitmenschlichkeit und Solidarität den Betroffenen gegenüber.

Kleine Abschiede


Es sind die kleinen Abschiede in meinem Leben

von viel versprechenden Aussichten
von Hoffnung auf Rückkehr ins soziale Leben
vom letzten Ersparten
vom Hoffen auf Zwischenmenschlichkeit
von Zuversicht und Optimismus

die mein Leben so lebendig, lebensfroh und lebenswert machen.

Und es sind die Worte, die trösten und helfen sollen und an meinen wirklichen Gefühlen vorbei gehen.

Und es sind meine starken und lebensbejahenden Energien, die mich trotz dieser oft sehr schmerzenden Enttäuschungen zu lebenswerten und nach vorne schauenden Taten befähigen.

Samstag, 7. November 2009

Ein einfühlsames Kinder- und Friedenslied


Immer wachsam zu sein und sich nicht aufs soziale und menschliche Glatteis führen zu lassen ist eine Botschaft des Liedermachers Reinhard Mey, die er in seinem Lied Sei wachsam auf eindrucksvolle Weise rüber bringt und daran erinnert, dass wir eins nicht vergessen dürfen: Unsere Kinder sind die Erben der Welt, die wir ihnen hinterlassen. Wollen wir unsere Kinder tatsächlich zu Konkursverwaltern machen?

Diesen Beitrag habe ich bereits im Dezember des vergangenen Jahres veröffentlicht und halte und empfinde ihn auch noch heute aktueller denn je.


Schweinegrippe im Vergleich


Schon länger denke ich darüber nach, die Schweinegrippe mal kritisch zu hinterfragen; doch mir fehlen einfach die treffenden Worte. Darum freue ich mich, dass Business Crime Control in seinem aktuellen Blogeintrag Mexikanische Gedanken zur Schweinegrippe veröffentlicht hat.

Mein Lob und mein Dankeschön fürs Finden und Verbreiten dieser treffenden Hintergrundinformationen zur ach so gefährlichen Schweinegrippe.

Dienstag, 3. November 2009

Mein Umgang mit Verlustängsten


Jeder bewusst lebende Mensch kennt nach meiner Überzeugung Verlustängste - die Angst vor dem Verlust geschätzter Menschen, die Angst vor gesellschaftlicher und zwischenmenschlicher Ausgrenzung, die Angst vor der Kündigung des Arbeitsplatzes oder der Wohnung, die Angst vor Krieg, die Angst vor Armut.

Den Umgang mit meinen Verlustängsten möchte ich gerne mal an der Tatsache meiner seit Jahren dauernden Arbeitslosigkeit ein wenig beleuchten:

Trotz einer seit fast 20 Jahren sich verfestigenden Massenarbeitslosigkeit ist es für mich nach wie vor schwierig, von meinen Mitmenschen dennoch als vollwertiger Mensch angenommen zu werden. In den Köpfen sehr vieler Menschen sitzt starrsinnig das Geschwür, dass Menschen nur dann vollwertig und achtenswert sind, wenn sie materiell gut dastehen - was auch immer das heißen mag. Sehr viele (langzeit)arbeitslose Menschen schämen sich ihres Schicksals und versuchen, es mit guter Laune und flotten Sprüchen zu verbergen, weil sie berechtigte Ängste vor Ausgrenzung und Ablehnung haben.

Ich gehe von Beginn meiner Arbeitslosigkeit offen und ehrlich mit meiner Lage um und versuche erst gar nicht, sie zu vertuschen. Das bringt mir manch einen verächtlichen Blick ein, die seltsame Frage nach den Ursachen und Ablehnung, weil ich an meiner Arbeitslosigkeit ja "selbst schuld" sei. So lange könne doch kein Mensch arbeitslos sein. Diese Menschen haben in den letzten Jahren offensichtlich das Training ihrer Gehirnwindungen verschlafen. Viele Menschen meiden offen und versteckt den Kontakt mit mir, weil man mit mir ja nichts unternehmen könne. Mittlerweile meide ich solche Menschen, weil sie mir schaden. Und die wenigen Menschen, die mich trotz Armut - immerhin habe ich ja auch noch menschliche und charakterliche Qualitäten und Kompetenzen - als Menschen ernst nehmen, achten und ehrlich versuchen, mich zu verstehen, weiß ich darum um so intensiver zu achten und zu schätzen.

In allen meinen Lebenserfahrungen hat sich immer wieder bewiesen, dass diese offene und ehrliche Art im Umgang (nicht nur) mit Verlust- und sonstigen Ängsten die gesündeste für mich ist. Entweder kann mein Gegenüber damit umgehen - wunderbar. Oder ich bin meinem Gegenüber gleichgültig - dann sehe ich klar und verabschiede mich von ihm. Oder mein Gegenüber versucht, mir zu schaden - das ist bisher nie geschehen.

Notfalls scheue ich auch nicht vor Konflikten, weil ich danach in der Regel ein Packende habe, an dem ich arbeiten und ansetzen kann. Ohne dieses Packende laufe ich Gefahr, mich im Nebel der Unklarheiten im wahrsten Sinne des Wortes zu verlieren.

Sonntag, 1. November 2009

Impressum


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Gerhard Hallstein
Seydlitzstraße 7
42653 Solingen

Email: g-hallstein[at]versanet.de
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