Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Samstag, 31. Oktober 2009

Wellentäler


Wir alle gehen immer wieder - sofern wir bewusst leben - durch die Wellentäler des Lebens. Und so facettenreich und unterschiedlich wir glücklicherweise sind, so vielseitig gehen wir auch mit unseren persönlichen Wellentälern um: Einige kommen immer wieder "wie von selbst" nach oben. Andere tauchen vorsätzlich in diese Wellentäler ein, um ihre Grenzen zu testen. Wieder andere fallen immer wieder in diese Wellentäler oder werden gar hinein gestoßen. Sofern sie über die nötigen persönlichen Energien verfügen, schaffen sie es immer wieder, nach oben zu kommen. Doch irgendwann einmal schwinden auch ihre Kräfte. Und dann können Schiffe mit vielen Passagieren unmittelbar an ihrem Wellental vorbei fahren und keiner sieht den Schwimmer mit den schwindenden Kräften, weil sich alle nur für das interessieren, was an der Oberfläche ist. Alles was tief ist - seien es Gedanken, Gefühle, die Achtung vor dem Mitmenschen und der Umwelt -, haben sie aus sich verbannt. Auch sind sie taub für die Schreie des kraftlosen Schwimmers im Wellental. Und sollten sie ihn dennoch sehen, so halten sie seine Kraftlosigkeit und Verzweiflung für eine Schau, für die sie ihm wahrscheinlich noch Beifall klatschen. Sie setzen ihre Vergnügungsfahrt fort und haben den Schwimmer im Wellental schnell wieder vergessen.

Auch sehr erfahrene Schwimmer sind aus Wellentälern nicht mehr zurück gekehrt.

Freitag, 30. Oktober 2009

Geschätzte Menschen


Ich schätze und achte Menschen, . . .

. . . die offen sind
. . . die ehrlich sind
. . . die authentisch sind (ihre Worte stehen in Übereinstimmung mit ihren Taten)
. . . die natürlich sind
. . . die mit ihren Mitmenschen und sich achtsam umgehen
. . . die vertrauenswürdig sind
. . . die konfliktbereit und konfliktfähig sind (die Fähigkeit ist natürlich schwieriger als die Bereitschaft)
. . . die loyal sind (Stichwort "unverbrüchliche Freundschaft")

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wirklich nur eine Utopie?


Es gibt Menschen, die sehen nur den heutigen Tag und sich im Mittelpunkt. Und es gibt Menschen, die denken in Zusammenhängen, schauen über den Tellerrand, sind fähig aus der Geschichte zu lernen und die Zukunft bereits heute ziemlich klar teilweise voraus zu sehen. Für diese Menschen ist diese fiktive Geschichte zwar äußerst erschreckend, aber durchaus im Bereich des Möglichen.

Darum gilt auch noch heute: Wehret den Anfängen, sie sind schon sehr weit voran geschritten.

Montag, 26. Oktober 2009

Tabuthema Armut


"Nanu", wird sich jetzt manch Eine(r) wundern, "darüber wird doch viel geschrieben und gesprochen." Auf den ersten Blick stimmt das auch. Doch reicht es meines Erachtens nicht, das Thema nur politisch, wirtschaftlich und finanziell zu betrachten. Mir fehlt die menschliche und gefühlsmäßige Sichtweise: Mit welchen Ängsten müssen arme Menschen tagtäglich leben? Was bedeutet es für ihre Seelen, von ihren Mitmenschen ausgegrenzt zu werden? Wie und womit füllen sie die dadurch verursachte innere Leere?

Jeder arme Mensch, der wie ich seine Armut und seine damit verbundenen Gedanken und Gefühle öffentlich macht, wird als Pessimist in die soziale und menschliche Ecke gestellt. Damit vermitteln mir diese Menschen das Gefühl - ob bewusst oder unbewusst sei an dieser Stelle nicht betrachtet -, ich sei lebensunfähig, weil ich meine Lebenserfahrungen "falsch" sehe und verarbeite. Auch auf diese Weise wird das Thema Armut als Tabuthema unter den Teppich gekehrt!

Und es ist für mich nicht nur verwunderlich, sondern auch verletzend, dass ich trotz meiner langen Arbeitslosigkeit auch von mir nahe stehenden Menschen nicht als "Experte" auf diesem Gebiet anerkannt werde, sondern dass diese Menschen lieber den Unwahrheiten und Manipulationen von Medien, Wirtschafts- und Industriemanagern und ihren Statthaltern in den politischen Parteien glauben. Bloß keine Auseinandersetzung mit einem Betroffenen, es könnte ja das eigene Sicherheitsdenken und das eigene positive Weltbild ins Schwanken bringen!

Kein Mensch, der sich Urlaub, Kultur, Essengehen und anderen "Luxus" leisten kann, muss sich dafür rechtfertigen. Aber die Ängste armer Menschen werden lieber tabuisiert!

Ich leugne ganz und gar nicht, dass es auch noch vieles Schöne, Angenehme und Genießenswerte gibt. Doch mein jahrelanger alltäglicher Überlebenskampf verstellt mir diese Sichtweise mitunter erheblich. Und es kostet mich jede Menge positiver Energien (mit negativen Energien wäre das gar nicht zu schaffen), diese Hindernisse immer wieder aufs Neue zu beseitigen.

Falls es unter meinen Leserinnen und Lesern Menschen geben sollte mit konstruktiven Empfehlungen (auf Ratschläge bitte ich zu verzichten) - bitte lasst mich an Euren Weisheiten und Erfahrungen teilhaben.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Das Bundesverfassungsgericht und die Hartz-IV-Regelsätze


Selbst wenn das Bundesverfassungsgericht (BundesVerfG) im Frühjahr 2010 die Hartz-IV-Regelsätze für Kinder, Jugendliche und Erwachsene für verfassungswidrig erklären sollte, wäre das zwar ein politischer und juristischer Erfolg für die Kläger, aber nicht unbedingt ein finanzieller Erfolg für die Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz-IV-Betroffene). Das Arbeitslosengeld II besteht aus zwei Bestandteilen: dem jeweiligen Regelsatz und den Kosten der Unterkunft (Miete). Falls das BundesVerfG die Hartz-IV-Regelsätze tatsächlich für verfassungswidrig erklären und die Bundesregierung zwingen sollte, sie anzupassen, könnte das für die Hartz-IV-Betroffenen letztendlich zu einem Null-Summen-Spiel werden. Die Bundesregierung würde dann einfach die Kosten der Unterkunft mit miesen Tricks um die Summe kürzen, um die sie die Regelsätze würde erhöhen müssen. Nun wird das BundesVerfG keine konkreten Beträge oder Prozentsätze vorgeben, so dass der Bundesregierung genügend Möglichkeiten blieben, die von Hartz IV Betroffenen um die Erhöhung ihres Arbeitslosengeldes II zu betrügen. Und das würde sie mit Sicherheit tun. Vermutlich liegen die entsprechenden Pläne schon in ihren Schubladen.

Da die Kosten der Unterkunft im laufenden Verfahren nicht Gegenstand sind, wird es dem BundesVerfG wohl auch - nach meinem Wissenstand - formal nicht möglich sein, solchen Tricks einen Hebel vorzuschieben. Von daher ist dieses Verfahren meines Erachtens nur ein "halbherziges" Verfahren, weil es der Bundesregierung genügend Möglichkeiten einräumt, eine Erhöhung des Arbeitslosengelds II zu umgehen.

So wichtig dieses Verfahren auf der sozialen, juristischen und politischen Ebene auch ist, auf den Prüfstand des BundesVerfG (da es politisch nicht umsetzbar ist) gehört das gesamte Machwerk der Hartz-Gesetze. Ich bin gespannt, ob das BundesVerfG auch hier Maßstäbe setzen wird, die die Bundesregierung nicht so einfach umgehen kann.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Meine Kraftquellen


Meine Kindheit bin ich "wohlbehütet" mit vielen Büchern in der elterlichen Wohnung aufgewachsen. Mit anderen Kindern spielen habe ich nicht gekannt. Meine Eltern habe mich dazu auch nicht ermuntert. Und ich fand das ganz normal.

Als ich das erste Mal ins Leben außerhalb der elterlichen Wohnung getreten bin, war ich schon vierzehn. Das war die Zeit, in der ich lernte, den Wert von sozialen Kontakten zu erkennen und zu schätzen. Erst in meiner Gymnasialzeit begann ich mit meinen sozialen Aktivitäten - vielfältiges soziales und politisches Arbeiten und Kämpfen im Friedens-, Kultur-, Gewerkschafts- und Studentenbereich. Dieses erfolgreiche Wirken und die sozialen Kontakte bilden bis heute die Kraft und Stärke für meinen Optimismus und meine seelische und charakterliche Beständigkeit durch alle Krisen hindurch. Schon mehr als einmal bin ich ganz unten gewesen und habe die Sonne nur noch ahnen können; doch diese Kraft von "damals" hat mir immer wieder geholfen, mich alleine und teilweise mit zwischenmenschlicher Hilfe wieder auf die Sonne zu zu bewegen und sie wieder in vollen Zügen genießen zu können.

Der nachhaltigste Einbruch in meiner Lebensgeschichte war meine Arbeitslosigkeit, die Ende 1990 begann und von der ich nicht im Traum ahnte oder mir gar vorstellen konnte, dass sie bis heute andauert. Ich habe mich intensiv um einen Wiedereinstieg ins Berufsleben bemüht. Jede befristete Tätigkeit - auch die bei den modernen Sklavenhaltern (genannt Zeitarbeit) - hat in mir neue Hoffnung keimen lassen und wurde immer wieder grausam zerstört. Dennoch bin und werde ich an dieser Lage weder verzweifeln noch zu Grunde gehen. Die Erfahrungen meiner Jugend, mein schon immer bewusstes Leben, meine "professionelle" Zuversicht, die Erfahrungen von wenigen, aber umso zuverlässigeren Freundschaften tragen auch noch heute wesentlich zu meinem Lebensmut bei. Und auch wenn dieser Mut manchmal gegen Null tendiert, er kommt mit meiner tatkräftigen Unterstützung und meinen nie versiegenden positiven Energien immer wieder zurück.

Meine sozialen Kontakte sind heute nur noch sehr gering - vor allem bedingt durch meine lange Arbeitslosigkeit. Mein bewusstes Leben und meine positiven Energien nähre ich heute auf verschiedenen Wegen: Aus der mir innewohnenden Kraft. Aus der Kraft der Sonne. Aus den Energiefeldern der Natur. Aus der Achtung, Zuneigung und Loyalität mir wertvoller Menschen. Aus Büchern. Aus meinen Blogeinträgen. Aus der täglichen Tasse Kaffee in meinem Lieblingscafé und dem Lesen der Tagespresse. Aus dem bewussten Wahrnehmen meiner Umwelt.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Persönliche Arbeitslosigkeit


Die ganze Thematik Arbeitslosigkeit hat nicht nur soziale und politische Gesichtspunkte, sondern ist für jeden Betroffenen auch ein ganz persönliches Schicksal mit ganz persönlichen Umgangsmöglichkeiten auf seinem ganz persönlichen Hintergrund. So habe ich trotz meiner durch Beschäftigungen unterbrochenen langen Arbeitslosigkeit keine Angst unterzugehen, weil ich eine Jugend hatte, in der ich mir die Charakterstärke und den Lebenswillen aufbauen konnte, die es mir heute noch ermöglichen, weder an meinen finanziellen noch sozialen wie persönlichen Ausgrenzungen zugrunde zu gehen.

Diese Möglichkeiten haben die jungen Menschen nicht, die ihr Berufsleben mit Arbeitslosigkeit beginnen. Sie können sich - sofern sie es überhaupt haben - über ein solidarisches familiäres und soziales Umfeld freuen. Sie haben nicht die geringste Möglichkeit, sich eine Charakterstärke und einen Lebenswillen aufzubauen, wie ich sie heute habe. Wenn diese Menschen nicht auch politisch aufgefangen werden, werden wir "Alten" niemanden haben, der den Kampf um Demokratie, Solidarität und Menschlichkeit fortsetzt. Und diese jungen Menschen werden wohl in vielen Fällen nie erfahren, was Solidarität, Menschlichkeit, Vertrauen und Loyalität bedeuten.

Auch wenn ich wenig Geld habe, so weigere ich mich, sparsam zu leben und gönne mir dennoch meine tägliche Tasse Kaffee im Café und der Lektüre der Tagespresse, mein Mittagessen in der Kantine der Arbeitsagentur und ein wenig Kultur. Nur Urlaub ist überhaupt nicht möglich. Mir kommt zudem zugute, dass ich von Natur aus ein Steh-auf-Männchen und eine Kämpfernatur bin. Ich verstecke mich nicht zu Hause, sondern gehe nach draußen und stehe auch trotz mancher Anfeindung offen zu meiner langen Arbeitslosigkeit. Ich kenne zwar eine Reihe von Menschen, aber von echten Freunden kann ich glaube ich nur von einem Menschen reden. Viele meiner Gedanken und Gefühle, die über Arbeitslosigkeit hinaus gehen, bearbeite und beschreibe ich in diesem Blog. Nach so manchem Eintrag fühle ich Erleichterung und ein Gefühl von Produktivität.

In meiner Jugend war ich in vielen Bereichen aktiv und initiativ. Aber ich bin schon seit Jahren müde geworden. Vor vielen Jahren ist meine seinerzeitige Freundin mit dem Argument aus der Frauen(haus)arbeit ausgestiegen, dass die Situation der Frauen nach dreizehn Jahren aktiver und engagierter Arbeit schlimmer sei als zu Beginn. Und ich habe nur ergänzt, dass die Situation von uns Menschen sich ebenfalls sehr verschlechtert habe. Die heutige politische Arbeit derer, die für Menschlichkeit und soziale Wärme kämpfen, krankt an der Zerrissenheit und Uneinigkeit der vielen, vielen Gruppen und Initiativen. Wie dieses Problem zu lösen ist, ich weiß es nicht. Es ist auch in diesen Gruppen immer noch nicht gelungen, global zu denken und lokal zu handeln.

Eine abschließende Anmerkung Ich habe nicht resigniert und bin auch nicht pessimistisch, ich kämpfe nur auf einer anderen - einer persönlichen Ebene. Inwiefern ich wieder in die aktive politische Auseinandersetzung einsteige, weiß ich nicht zu beantworten. Aber das ist meine Entscheidung und ich bitte, in diesem Punkt von "Missionsversuchen" Abstand zu halten.

Freitag, 16. Oktober 2009

Befremdende Erfahrungen


Für mich immer wieder verwunderlich ist die Erfahrung, dass Menschen, die noch nie arbeitslos waren, in der Regel wesentlich mehr (aktives) Verständnis für meine Situation als Hartz IV-Betroffener haben als Menschen, die genau wie ich mit wenig Geld auskommen müssen. Warum spreche ich nur von meiner Hartz IV-Zeit und nicht von meiner Zeit als Empfänger von Arbeitslosenhilfe? Mit Einführung der menschenverachtenden und zynischen Hartz-Gesetze ist es der Koalition aus Wirtschaft und Politik (mit Unterstützung der Gewerkschaften) gelungen, der Masse einzutrichtern, dass Menschen in der Abhängigkeit von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) ihre Arbeitslosigkeit selbst verschuldet haben. Das ist keine leere Behauptung von mir, sondern tagtägliche Erfahrung, an die ich mich nie werde gewöhnen können.

Die Masse ist dumm genug, die tägliche Manipulation durch die Medien für bare Münze zu nehmen und sich nicht die Mühe zu machen, deren "Berichterstattung" zu hinterfragen. Und dann glaubt sie auch noch allen Ernstes, die Mehrheitsmeinung zu vertreten und will nicht merken, dass sie sich diese sogenannte Mehrheitsmeinung von einer Minderheit lieb und brav eintrichtern lässt.

Soziale Kontakte, die auf Dauer angelegt sind, sind auch kaum noch möglich: bei verdienenden Menschen, weil ich finanziell nicht mithalten kann (Unternehmungen, Kultur, Urlaub,...) und bei armen Menschen wie mir, weil sie sich wie ich nicht einmal die einfachsten Lebensgrundlagen leisten können. Es ist ein Teufelskreis, aus dem es in der Regel für mich kein Entrinnen gibt.

Auf die vielen Medienlügen über Hartz IV-"Verbesserungen" will ich hier gar nicht im Einzelnen eingehen, weil das schon von kritischen Medien und Erwerbslosenorganisationen geleistet wird( z.B. Nachdenkseiten, Erwerbslosen Forum oder Hartz IV Nachrichten). Diese Nachrichtenseiten bieten Hintergrundinformationen, die von den großen und bekannten Medien verschwiegen oder verdreht werden. Für die Unwahrheiten dieser Medien muss der Leser/die Leserin sogar noch bezahlen, die von mir beispielhaft genannten Seiten gibt es kostenlos im Internet. Und man kann sich auch noch automatisch auf dem Laufenden halten, weil diese Seiten einen RSS-Feed anbieten.

Freitag, 9. Oktober 2009

Keine Armut! - Kein Hunger! - . . .


. . . Kein Verlust von Menschenwürde - Diesen alltäglichen Verlust von Menschenwürde muss ich leider selbst immer wieder erfahren. Nach über 20 Jahren Massenarbeitslosigkeit ohne Ende und mit zunehmender Tendenz sollte es wirklich Jedem klar sein, dass die Hartz-Gesetze zynisch, menschenverachtend und menschenvernichtend sind.

Zum Verständnis der Hartz-Problematik kann ich allen meinen Leserinnen und Lesern nachhaltig empfehlen, das in diesem Bericht verlinkte ausführliche Interview mit dem Kläger zu lesen und sich mit dem Gesagten auseinander zu setzen.

In einem früheren Blogeintrag habe ich davon geschrieben, mich von dieser Thematik zurückziehen zu wollen. Mit der Übernahme der Macht durch die wirtschafts-, banken- und industriefreundliche Koalition aus FDP und CDU wird mir das nicht mehr möglich sein.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Rettende Trennungen


Schwierigkeiten in Beziehungen kennt wohl jeder. Und es kommt immer darauf an, wie man mit diesen Schwierigkeiten umgeht. Das nach meinen Erfahrungen wichtigste Mittel ist die Sprache - und ich rede hier in aller erster Linie von der gesprochenen Sprache. Diese Schwierigkeiten müssen an- und ausgesprochen werden, damit beide Partner wissen, was der/die Andere denkt und fühlt. Und es ist allemal sinnvoller, auch Schwieriges und mitunter Verletzendes auszusprechen als es unter den Teppich zu kehren. Schwierigkeiten lassen sich nicht durch Schweigen lösen - Schweigen zementiert Schwierigkeiten solange, bis dass es nicht mehr möglich ist, den Betonsockel noch aus seiner Verankerung zu lösen.

Das gesprochene Wort führt nicht immer zum gewünschten Erfolg. Und wenn es zum Erfolg führt, beruht es in der Regel auf einem Kompromiss - einer Lösung, mit der Beide zufrieden sind oder die es Beiden ermöglicht, die Schwierigkeiten in die gelebte Beziehung einzubeziehen, ohne dass Einer darunter leidet.

Nun gibt es auch Entwicklungen (wie ich sie erlebt habe), in denen auch viel sprachlicher Austausch zu keiner Lösung bzw. zu keinem Weg führt, den Beide gemeinsam gehen können. In einer solchen Lage ist der beidseitige Mut angesagt, die gemeinsame Beziehung aufzulösen zugunsten einer Beziehungsstruktur, die eine vertrauensvolle Freundschaft dennoch ermöglicht. Ein solcher Schritt ist nicht von Heute auf Morgen umzusetzen, ist jedoch auf jeden Fall besser, als sich für immer zu verlieren.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

FDP-CDU: Weitere Brutalisierung des Sozialabbaus


Mit der Forderung der FDP (sicherlich mit Zustimmung der CDU), das menschenverachtende und zynische Hartz-IV-System durch ein noch weitaus zynischeres System zu ersetzen, das den Betroffenen noch weniger Sozialleistungen zugesteht, die sie nur noch bekommen sollen, wenn sie sich als billige Arbeitskräfte für die Wirtschaft zur Verfügung stellen lassen, steuern wir zielstrebig auf den sozialen Abgrund und die Zerstörung sämtlicher Sozialsysteme zu.

Diese Programme sind mir nicht neu und mir war klar, dass sie nach der Wahl kommen würden. Aber sie erzeugen dennoch Wut in mir: Nicht nur ich als Betroffener werde noch weiter als bisher ausgegrenzt und benachteiligt. Jeder noch Berufstätige sollte sich im Klaren darüber sein, dass er schon morgen auf der Straße und ein Jahr später nur noch auf "meiner Stufe" stehen kann.

Diese brutale und hemmungslose Missachtung und Misshandlung von Menschen haben Gewerkschafter, Kulturschaffende, Wissenschaftler und aktive aus sozialen Bewegungen zum Anlass genommen, zu gemeinsamen Handeln aufzurufen:

Jetzt ist die Zeit reif dafür, dass außerparlamentarische Bewegungen ihre Arbeit verstärken und Zeichen setzen!

Ich appelliere an alle meine Leserinnen und Leser, sich dem aktiven Widerstand gegen die hemmungslose und brutale Ausbeutung von uns einfachen und oft armen Menschen durch FDP und CDU im Rahmen ihrer Möglichkeiten anzuschließen. Nach diesem Regierungswechsel kann es noch schneller geschehen als bisher schon, dass auch Ihr morgen schon auf der Straße steht und ein Jahr später nicht mehr wisst, wie und wovon Ihr leben sollt.

Die Machtübernahme der Wirtschafts- und Industrieparteien CDU und FDP kann uns in weiteres Elend führen, bietet aber zugleich die Möglichkeit, den Widerstand gegen deren geplante Politik zu verstärken und auf eine breite und machtvolle politische, soziale und außerparlamentarische Grundlage zu stellen. Und wenn uns das gelingt und wir am Ball bleiben, dann haben wir die Chance, bald wieder menschenwürdig zu leben!

Dienstag, 6. Oktober 2009

"Powerfrauen"


Mir fällt auf, dass sich in letzter Zeit die Medien häufig mit den sogenannten "Powerfrauen" beschäftigen - Stars und Sternchen, Prominente und erfolgreiche Unternehmerinnen. Hier soll das verzerrte Frauenbild vermittelt werden, dass Frauen nur dann "Power" haben, wenn sie wirtschaftlichen Erfolg vorweisen können. Das soll ablenken von all den Frauen, die wirtschaftlich zwar keinen oder nur existenzsichernden Erfolg haben, die aber die Powerfrauen sind, wenn es um zwischenmenschliche Erfolge geht:
  • Ich denke in erster Linie an die allein erziehenden Mütter, die von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) leben müssen. Und die es dennoch schaffen, das Leben für sich und ihre Kinder zu meistern und ihren Kindern noch vorleben können, dass das Leben trotz Armut lebenswert ist.
  • Ich denke an die Frauen, die ihre letzte Lebensmöglichkeit im Alkohol sehen und es mit sehr viel Kraft und Lebensenergie schaffen, sich aus diesem Sumpf zu befreien und ein wertvolles Leben ohne Alkohol zu leben.
  • Dasselbe gilt für die Frauen, die Drogen als Endstation sehen und die sich erfolgreich zurück kämpfen ins Leben.
  • Ich denke an die Frauen, die von Vergewaltigern als Sache missbraucht und entehrt werden und die dennoch die Kraft haben, sich nicht ihrer Würde und Ehre berauben zu lassen und wieder ein Leben zu leben, das weitgehend frei ist von Hass und Rachegedanken.
  • Ich denke an all die missbrauchten Mädchen - oft missbraucht von "nahe stehenden" Menschen -, die es äußerst schwer haben, wieder ins Leben zurück zu kehren.
Der Begriff Powerfrauen ist ein häufig in einseitigem Sinne missbrauchter Begriff. Ich würde den Begriff lebensfähige Frauen vorziehen, weil sich Lebensfähigkeit nicht mit allem Reichtum der Welt kaufen lässt, sondern eine Charaktereigenschaft von Frauen (und Menschen überhaupt) ist, die die Höhen und die Tiefen des Lebens bewusst und annehmend erlebt haben und immer wieder erleben.

Freitag, 2. Oktober 2009

Verletzte Seele


Das Traurige im Leben:
Niemand kennt den richtigen Weg.
Das Tolle im Leben:
Es gibt keinen falschen.
Das Tragische im Leben:
Man kann nicht alle begehen.
Das Triumphale im Leben:
Es sind immer welche offen.

Eine von mir sehr geschätzte Freundin schrieb mir dazu:
Verliebt zu sein, ist das schönste Gefühl, was ich kenne.
Aber ich weiß auch, dass es letztlich nicht ohne Schmerz zu haben ist.

Warum ist das Schöne im Leben so oft mit so viel Schmerz verbunden?!? Ich habe oft das Gefühl, dass bei der Suche nach dem passenden Partner bzw. der passenden Partnerin Charaktereigenschaften nur eine untergeordnete Rolle spielen. Im Vordergrund steht meistens die Antwort auf die Frage: "Prickelt es in meinem Bauch oder prickelt es nicht in meinem Bauch?"