Spuren im Sand verwehen,
Spuren in der Seele bleiben.




Montag, 27. April 2009

Irrgärten


Zur Zeit lese ich mal wieder einen packenden historischen Roman, in dem inmitten eines Irrgartens ein grausiger Mord geschieht, auf den ich lieber nicht näher eingehen möchte. Das hat mich veranlasst, mal über Irrgärten zu lesen und ich bin erstaunt, wie viel es darüber zu lesen gibt.

Besonders fasziniert mich der Irrgarten in Kleinwelka mit 5.000m² Grundfläche. Der kürzeste Zielweg misst 356 m und der längste 1.053 m. Und es gibt 30.720 Möglichkeiten, das Ziel des Irrgartens zu erreichen, ohne ein Wegstück zweimal zu passieren. Bei dieser Zahl von Möglichkeiten komme ich aus dem Stauen kaum heraus und habe Hochachtung vor den Schöpferinnen und Schöpfern dieses Gartens.

Wenn er nicht so weit entfernt wäre, würde ich ihn mit Sicherheit mal besuchen und auskundschaften. Vielleicht findet sich ja unter meinen Leserinnen und Lesern der eine oder die andere, die ich zu einem Besuch anregen kann - bitte als "Belohnung" dann mit ausführlichem Bericht und vielen Fotos. Ich würde mich riesig freuen.

Sonntag, 26. April 2009

CDU-Wahlversprechen: Hartz IV-Regelleistung wird gekürzt


Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Senat hat den Millionen von Hartz IV-Betroffenen und ihren Angehörigen bereits versprochen, dass ihre Leistungen nach den Bundestagswahlen drastisch gekürzt werden. Es ist davon auszugehen, dass dieses Wahlversprechen nach Rücksprache mit der CDU-Spitze gegeben worden ist und entgegen anderen Wahlversprechen mit Sicherheit keine Wahllüge ist.

Verwunderlich ist nur, dass einige Zeilen weiter davon gesprochen wird, dass es höchste Zeit sei, dass sich die Betroffenen zusammenschließen. Das klingt für mich eher nach einem verzweifelten Hilfeschrei, weil es schon seit dem Inkrafttreten von Hartz IV - dem Armutsgesetz gegen die Arbeitslosen - am 1. Januar 2005 höchste Zeit ist. Auf die unrühmliche Rolle, die der Deutsche Gewerkschaftsbund bei der Ein- und Durchführung dieses Gesetzes spielt, habe ich in meinem "Gedankenbuch" schon mehrfach hingewiesen.

Freitag, 24. April 2009

Soziale Aufstände in Deutschland


Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als dass die Deutschen imstande wären, für ihre sozialen Rechte massiv, energisch und fantasiereich auf die Straßen zu gehen. Trotz der zwei von Deutschland angezettelten Weltkriege ist das Unrechtsbewusstsein der Deutschen derart unter entwickelt, dass man einem sehr großen Teil von ihnen die Existenzgrundlage bis fast auf Null senken und allen ihre sozialen Rechte und Leistungen fast vollständig bis auf ein paar Reste von sozialem Netz mit großen Löchern streichen kann, ohne dass sie sich ebenso massiv dagegen wehren.

In einer Tageszeitung heißt es dazu heute, das Protestpotenzial in Deutschland sei deshalb so gering, weil die soziale Absicherung so hoch sei. Da muss ich doch um eine mehrstündige Verhandlungspause bitten, um mir diese Behauptung nicht nur auf der Zunge zergehen zu lassen, sondern auch um sie überhaupt zu verstehen. Aber da mir das ohnehin nicht gelingen wird, kann ich ebenso gut auch weiter machen.

Der so dringende soziale Aufstand ist in Deutschland auch deshalb unmöglich, weil sich die zahlenmäßig größte Arbeitnehmerorganisation - der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) - und seine Einzelgewerkschaften schon längst zu zahnlosen Tigern entwickelt haben, die es als ihre Hauptaufgabe sehen, die von mächtigen Wirtschafts- und Politikführern vorgegebenen Entscheidungen ihren Mitgliedern schmackhaft zu machen und sie zugleich zu Mäßigung und Stillhalten auffordern.

Dennoch hat DGB-Boss Michael Sommer auf die Gefahr hingewiesen, dass mit fortschreitendem Sozialabbau das Wieder-Erstarken des Nationalsozialismus möglich sei. Und welche Schlussfolgerungen zieht er daraus: Er belässt es beim theoretischen Hinweis - und hinterher hat wieder keiner etwas gewusst oder mitbekommen!

Meine abschließende Feststellung ist zwar sehr herausfordernd und in dieser Form nicht ganz zutreffend, zeigt in ihrer Schärfe jedoch die Richtung des deutschen Unrechtsbewusstseins und seiner Unfähigkeit zur nachhaltigen Gegenwehr auf: Die Deutschen gehen eher in den Dritten Weltkrieg als für ihre sozialen Rechte auf die Straße.

Montag, 20. April 2009

Freiheit für Nazi-Kriegsverbrecher?


Mr. President Barack Obama, habe ich Sie da richtig verstanden? Sie verurteilen die Folterungen der CIA in den geheimen Gefangenenlagern, gewähren diesen Kriegsverbrechern jedoch Straffreiheit, weil sie ihre Verbrechen unter der legalen Regierung Bush begangen haben. Das kann ja wohl ganz und gar nicht wahr sein!

Ich höre schon jetzt rechte und rechtskonservative Kreise fordern, dass man alle Nazi-Kriegsverbrecher frei lassen müsse und von der Verfolgung der noch frei herumlaufenden Nazi-Kriegsverbrecher ablassen müsse, weil diese Verbrecher heute nicht mehr für Taten verantwortlich gemacht werden können, die sie unter einer legalen Regierung begangen hätten. Und sie werden sich dabei auf Sie beziehen, Mr. President.

Haben Sie diesen Gesichtspunkt Ihrer Entscheidung übersehen, haben sie möglicherweise schlechte Berater oder fehlt Ihnen die Zivilcourage für die konsequente Verfolgung von Kriegsverbrechern. Auch Kriegsverbrechen unter einer legalen Regierung sind Kriegsverbrechen und müssen geahndet werden. Hier fallen Sie in die Zeit vor den Nürnberger Prozessen zurück.

Ich hoffe, Sie überdenken diese Entscheidung nochmals und haben den Mut, Ihre Fehlentscheidung anzuerkennen und zu berichtigen.

Freitag, 17. April 2009

Vertrauen


Für mich ist es ein wunderbares, beruhigendes und stärkendes Gefühl, charakterstarken und achtungswürdigen Menschen zu vertrauen und von diesen Menschen als vertrauenswürdig angesehen und geachtet zu werden.

Wenn ich mein Leben rückwirkend betrachte, so bin ich in einer Zeit aufgewachsen, in der Werte wie Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit, Loyalität, Natürlichkeit für mich noch gelebte und gefühlte Werte waren. In dem Verlauf bis heute kenne ich sie mehr aus der Theorie als aus dem täglichen realen Leben.

Auch habe ich viele Jahre Berufstätigkeit hinter mir, in denen noch für Persönliches und Zwischenmenschlichkeit Platz war und gepflegt wurden. In den kurzfristigen Jobs meiner letzten Jahre habe ich davon nichts mehr gespürt.

Die Verrohung der Achtung voreinander geht einher mit der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Brutalisierung unserer Gesellschaft. Berufliche Solidarität gibt es schon lange nicht mehr: Jeder ist sich mehr als je zuvor selbst der Nächste und die Missachtung und Benachteiligung der langzeitarbeitslosen Menschen ist trotz zwanzigjähriger Massenarbeitslosigkeit noch lange nicht in den Reißwolf gewandert.

Glücklicherweise gibt es immer noch sehr viele arbeitende, arbeitslose und nicht mehr arbeitende Menschen, die sich der großen Politik zwar entzogen haben - dazu gehöre auch ich -, aber sich dennoch tagtäglich um Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit und ein von Mitmenschlichkeit getragenes Miteinander bemühen.

Mittwoch, 15. April 2009

Sichere Arbeitsplätze


Die sicheren Arbeitsplätze sterben immer mehr aus - als da wären das Beamtentum, das Managertum ("entlassene" Manager sind durch ihr Unternehmernetzwerk grundsätzlich abgesichert) oder Politiker (die - wie zur Zeit in der SPD üblich - in russische Unternehmen wechseln).

Es gibt eine Gattung von Arbeitsplätzen, die zunehmend langfristige Arbeitsplatzsicherheit bieten, nämlich die Arbeitslosen. Kaum ein Job außer den oben genannten ist derzeit und auch künftig so sicher wie der eines Arbeitslosen.

Ob Arbeitslosengeld II oder "ergänzendes Arbeitslosengeld II" - wo ist da der Unterschied? Im ersten Fall erhält der Arbeitslose das Arbeitslosengeld II (also aus Steuermitteln). Im zweiten Fall wird der Lohn eines Arbeitnehmers durch Steuergelder auf ein Existenzminimum aufgestockt oder anders ausgedrückt: damit der Unternehmer mit Hilfe seiner Arbeitnehmer die Gewinne privat einstecken kann, wird die Existenzgrundlage seiner Arbeitnehmer mit Steuermitteln sicher gestellt.

Hier gilt ein Jahrhunderte altes Gesetz, das auch die Gewerkschaften weder brechen wollen noch können: Gewinne werden privatisiert. Verluste werden sozialisiert.

Montag, 13. April 2009

Wuppertaler Schwebebahn schwebt nicht mehr


Sie hat nämlich nie geschwebt. Denn wenn sie schweben würde, bräuchte sie kein Gerüst, sondern sie würde durch die Luft schweben. Hier hat es offensichtlich eine sprachliche Ungenauigkeit der Erfinder gegeben.

Für diesen Hinweis danke ich all den aufmerksamen Kindern in der Schwebebahn, die immer wieder fragen, warum die Schwebebahn denn "Schwebe"bahn heißt, wo sie doch an Schienen hängt und "Hänge"bahn heißen müsste.

Und hier zu Abrundung eine weitere Frage aus Kindermund zur Schwebebahn.

Dienstag, 7. April 2009

Meine persönliche Wahlentscheidung


In den nächsten Monaten stehen eine Reihe von Wahlen an. Und so langsam kommen Politiker - unterstützt von den Geldern und Aufträgen ihrer Herren aus Industrie und Wirtschaft - aus ihren Löchern, um uns Wählerinnen und Wählern weis zu machen, dass nur ihre Partei die Interessen des einfachen Mannes und der einfachen Frau vertritt. In einem bekannten Theaterstück heißt es The same procedure as every year. Dasselbe gilt schon seit Jahrzehnten für alle Wahlen: Da wird Wein versprochen und zu trinken gibt es letztendlich nur Wasser - da wird "Mehr Demokratie wagen" versprochen und nach den Wahlen wird dieses Gebäude Stein für Stein abgetragen; da wird das angeblich so vorbildliche deutsche soziale Netz beschworen, von dem schon vor den Wahlen die Löcher größer sind als das Netz, damit möglichst viele Menschen von diesem Netz erst gar nicht aufgefangen werden. Da werden (nicht nur) im Wahlkampf nach meiner festen Überzeugung die Wähler vorsätzlich belogen und nach den Wahlen tut man ganz entgeistert, wenn die Wähler die Einhaltung der Versprechen fordern (so beispielsweise der SPD-Politiker Franz Müntefering am 29. August 2006).

Parteien gleich welcher Art haben meine Interessen noch nie vertreten. Darum habe ich mich schon vor Jahren entschieden, Wahlen zu boykottieren, weil sie kein Ausdruck von Demokratie sind, sondern lediglich ein "demokratisches" Aushängeschild von macht- und geldhungrigen Politikern, denen nicht im mindesten daran liegt, Interessen von Menschen wie mir zu vertreten und für sie zu kämpfen.

Letztendlich bin ich doch für mein Wohlergehen allein zuständig, aber nicht in vollem Umfang verantwortlich, weil ich in Zwänge eingebunden bin (beispielsweise Hartz IV mit allen finanziellen und menschlichen Folgen), für die ich nicht verantwortlich bin. Darum steht auf meinem persönlichen Wahlzettel auch einzig und allein mein Name, weil nur ich die Gewähr dafür biete, dass meine Interessen und mein Wohlergehen einen sehr hohen Wert haben, für den zu kämpfen es sich lohnt!

Samstag, 4. April 2009

Sackgassen vermeiden


In Gesprächen ist es mir schon oft passiert, dass ich mein Gegenüber nicht verstanden und ihn bzw. sie gebeten habe, das Gesagte nochmals zum besseren Verständnis für mich zu wiederholen. Das führte dann so manches Mal dazu, dass es viele Wiederholungen gab, wir uns am Ende nicht verständlich machen konnten und das Gespräch ohne Verständnis abbrechen mussten.

Dann habe ich mir - es liegt schon einige Jahre zurück - überlegt, dass es einen besseren Weg zum gegenseitigen Verständnis geben muss und ihn gefunden: In solchen Fällen sage ich mittlerweile meinem Gegenüber (das gilt natürlich auch in der anderen Richtung) nicht mehr, dass ich ihn bzw. sie nicht verstanden habe, sondern ich sage, was ich verstanden habe. Damit besteht für den "Unverstandenen" die Möglichkeit, seinem Gegenüber nur noch das erklären zu müssen, was er nicht verstanden hat.

Auch wenn das nicht immer eine Garantie fürs gegenseitige Verstehen ist, so ist es doch aus meinen Erfahrungen heraus ein konstruktiver Weg für mehr gegenseitiges Verständnis.