Sonntag, 15. Februar 2015

Darf ich mich selbstbestimmt töten?


Diese Frage kann ich nur mit einem glasklaren Ja beantworten. Und sollte diese Situation mal eintreffen, so haben weder Ethiker, noch Politiker, noch Pfarrer, noch "nahe stehende" Menschen noch die beruflichen Retter von Seelen auch nur das mindeste Recht, mir diese Entscheidung ausreden zu wollen. Im Gegenteil: Sie müssten mir - falls sie es ehrlich meinen mit Ihrer Anteilnahme - helfen, mich selbst zu töten. Doch das wäre dann auch schon meine Tragik: Ich hätte voraussichtlich nicht den Mut, mich alleine zu töten, sondern bräuchte dazu Hilfe. Und ich wage anzuzweifeln, dass ich diese Hilfe auch bekäme.

Vorstellen könnte ich mir schon Lebensumstände, die mich an den Punkt brächten, mich selbst zu töten: Zum Beispiel könnte mein über zwanzigjähriges Leben unterhalb der Armutsgrenze mit den dazu gehörigen menschlichen und sozialen Benachteiligungen dazu führen, dass mir jegliche Kraft und jeglicher Ansporn zum weiteren Leben verloren geht. Zum Beispiel könnte ich so schlimm krank werden, dass ich von meinem ohnehin nicht gerade erfreulichen Leben die Schnauze vollends voll hätte. Zum Beispiel könnte ich Augenzeuge und Betroffener eines Terroranschlags werden und mit den Folgen ganz und gar nicht klar kommen (zumal ich ohnehin unter Wasser gebaut bin). Zum Beispiel, zum Beispiel, zum Beispiel . . . Es gibt vielfältige Erlebnisse, die das eigene Leben an den äußersten Rand der Sinnhaftigkeit drängen könne.

1 Kommentar:

  1. Gerade gefunden: In diesem Artikel geht es zwar "nur" um Zahlen und nicht um die dahinter steckenden menschlichen Schicksale. Doch die Zahlen zeigen, dass (Langzeit-)Arbeitslosigkeit vermehrt in Selbsttötungen endet.

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