Samstag, 10. Januar 2015

Erlebnisse meiner Kindheit [4]


Mit vierzehn Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten. Meine Mutter war lediglich entsetzt. Ein Austausch darüber fand nie statt. Nach dem Abitur wollte ich studieren. Meine Mutter hätte es besser gefunden, wenn ich ein solide Ausbildung in der Wirtschaft gemacht hätte. Ich habe mich durchgesetzt. Ein Austausch darüber fand nie statt. Ich habe das meiner Mutter sehr viele Jahre übel genommen. Doch ich bin schon seit langem davon überzeugt, dass meine Mutter viel zu sehr davon ausgelaugt war, ihre fünfköpfige Familie über die Runden zu bringen. Mein Vater war bedauerlicherweise das, was man früher den "abwesenden Vater" genannt hat.

Manch eine(r) von Euch wird jetzt wieder der Meinung sein, gerade mit dieser Reihe Erlebnisse meiner Kindheit würde ich über sehr private und persönliche Erfahrungen berichten, die nicht in die Öffentlichkeit gehören. Doch ich bin davon überzeugt, dass viele von Euch die gleichen und/oder ähnliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben. Und insofern erzähle ich hier gar nichts so Vertrautes und Persönliches.

Meinen Austritt aus der Kirche habe ich nie bereut, die Entscheidung für ein Studium habe ich bereut. Es waren drei verschwendete Jahre, in denen ich mit einer soliden praktischen Ausbildung mehr hätte lernen können. Vielleicht könnte ich mir heute mehr leisten als nur den kleinen Luxus der täglichen Tasse Kaffee und alle paar Tage ein Stück Kuchen.

Kommentare:

  1. Empfinde die Zeilen nicht als zu persönlich (Bilder der Wohnung + Schlafzimmer by G+ evtl. schon) Gerhard, es ist Dein Blog und Wohnzimmer und so auch Deine Gedanken.

    Hatte überlegt wie man mit vierzehn selbst aus der Kirche austreten konnte und dachte mit der Zahlung von Kirchensteuer wird die Mitgliedschaft erst bestätigt. Also unabhängig von Konfirmation oder Kommunion, kenne die Gesetzgebung aber auch nicht wirklich, weil ich beides nicht erlebt habe und in dem Alter im Ausland / Internat (England) lebte.

    Das mit dem Vater ist mehr als bedauerlich, denn Väter sind / sollen Vorbilder sein und die Entwicklung mit beeinflussen. Zudem auch Ansprechpartner für Situationen im Leben, die kein anderer ersetzten kann!
    Kann die Situation in der Kindheit etwas nachvollziehen, da meine Eltern beide früh verstorben sind, da war ich 12 (auch kein iNet Geheimnis).

    Das mit dem Studium war dennoch ein guter Grundgedanke, wenn man die damalige Zeit betrachtet war es sicherlich nicht abzusehen, wie es verlaufen könnte.

    AntwortenLöschen
  2. Zu jener Zeit konnte man mit 14 schon selbständig aus der Kirche austreten.

    Das Verhältnis mit meinen Eltern - vor allem zu meiner Mutter - war schon immer angespannt. Eine Aussprache war nie möglich und ich dachte immer, ich würde mich mit Groll an sie erinnern. Glücklicherweise konnte ich mich am offenen Grab (vor der Beerdigung) von ihr verabschieden. Sie sah entspannt und zufrieden aus. In diesem Augenblick ist jeder Groll gegen sie von mir abgefallen. Es macht mich immer wieder traurig, dass wir nie zueinander finden konnten.

    Hätte ich mein Studium nicht kurz vor Schluss abgebrochen, wäre mein beruflicher Werdegang anders verlaufen. Der Abbruch meines Studiums hat mich während meines Berufslebens immer wieder nachteilig begleitet.

    Ich danke Dir für Deine einfühlsamen Worte, Jasmin.

    AntwortenLöschen