Sonntag, 23. Februar 2014

Mein Reichtum


Mit materiellem Reichtum kann ich nicht aufwarten: Ich habe kein Auto, kein Eigenheim, bin in keinem "sicheren" Job, kann mir keinen Urlaub gönnen, Kultur nur bis zu einer Grenze von etwa 15 Euro (welches Konzert gibt´s schon für so wenig Geld?), kann nicht "fein" essen gehen (Currywurst-Pommes-Majo müssen dann reichen). Das hat demnach auch zur Folge, dass ich von gemeinsamen Unternehmungen wie selbstverständlich ausgeschlossen werde.

Punkten kann ich nur mit charakterlichem Reichtum: Ich weiß, wie sich Loyalität lebt. Ich versuche grundsätzlich Offenheit und Ehrlichkeit zu leben. Ich bemühe mich um Authentizität, d.h. dem Übereinstimmen von Worten und Taten. Ich bemühe mich um einen achtsamen und achtungsvollen Umgang mit meinen Mitmenschen und unserer Mutter Erde. Auf meine Mitmenschen einzugehen heißt für mich, mich auf deren Gedanken und Gefühle einzulassen und ihnen nicht meine Vorstellungen aufzuzwingen. Ehrlichkeit und Offenheit lebe ich auch dann, wenn es schwierig ist und mir unter Umständen Nachteile einbringt, weil viele Menschen damit nicht umgehen können oder wollen. Für echte Freundschaften sind für mich Vertrauenswürdigkeit und Vertrauen von höchster Wichtigkeit.

In diesen Umständen habe ich mich mehr schlecht als recht eingerichtet. Meine Lebensfreude habe ich zwar nicht verloren, aber an ihrer Qualität viel eingebüßt. In einigen Monaten werde ich Rentner sein. Das ändert lediglich meine Einkommensformel: Rente + Grundsicherung = Hartz IV. Und mein Geld bekomme ich dann nicht mehr vom Jobcenter, sondern vom Sozialamt und der Deutschen Rentenversicherung.

Es gibt in Deutschland eine seltsame und für mich nicht nachvollziehbare Denkweise: Wer Arbeitslosengeld 2 bekommt, ist schlecht angesehen. Ist aber jemand Angestellter, Arbeiter oder Rentner, so ist sein Ansehen schon höher angesiedelt, auch wenn deren Einkommen nicht höher sind als Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV).

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