Sonntag, 19. Januar 2014

Tschüss Solingen

Der Rucksack ist mit dem Nötigsten gepackt und auch sonst ist alles für meine längere Abwesenheit geregelt. Wenn Ihr diesen Artikel lest, werde ich schon im Flieger sitzen und die Kanaren ansteuern oder dort schon gelandet sein. Das wird mein erster Urlaubsort sein nach Jahrzehnten ohne wirklichen Erholungsurlaub. Meine Ziele habe ich nicht geplant und auch nicht die Dauer meiner Aufenthalte. Ebenso wenig weiß ich, wie lange ich unterwegs sein werde. Ich will mir eine Zeit nehmen ohne jeden Druck und dort immer am längsten bleiben, wo ich aufmerksamen, liebevollen und zugewandten Menschen begegne, die die Gemeinschaft mit mir schätzen. Meinem Notebook werde ich ebenfalls Erholung gönnen, werde aber unterwegs immer mal wieder ein Internetcafé aufsuchen und schauen, wer mir eine Email geschrieben hat. Über meine Reise werde ich bestimmt auch hin und wieder berichten. Über meine Reiseerlebnisse und –erfahrungen möchte ich Euch ja auch auf dem Laufenden halten. Falls ich irgendwo landen und dort angekommen sein sollte, werde ich unter Umständen dort bis zu meinem Tod bleiben. Aber das steht noch weit oben in den Sternen. Vielleicht werde ich auch dauerhaft unterwegs sein und mich an sehr vielen Menschen und der unterschiedlichen Natur erfreuen, die mir meine Mutter Erde bietet.

Doch leider werden diese Worte das bleiben, was sie sind – unerfüllbare Träume. Erleben (soweit ich überhaupt von er"leben" sprechen kann) werde ich diese unerfüllbaren Wünsche nur vor dem Fernsehen. Und solche Dokumentationen kann ich selten ohne Unterbrechungen sehen, weil ich zwischendurch immer wieder mein Fernweh und meine Sehnsucht unterdrücken muss. Manches Mal helfen mir dabei auch Tränen.

Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich nie und nimmer daran gedacht hätte, dass ich einmal so verarmt sein werde, dass ich mir so grundlegende Lebensinhalte wie Reisen und Kultur nicht mehr leisten kann. Und es gibt auch bedauerlicherweise keine Alternative dazu. Auch das gehört zu meinem alltäglichen (Überlebens)-Kampf, mich tagtäglich damit abfinden zu müssen, dass ich ein höchst eingeschränktes Leben führen muss. Schon seit einigen Jahren habe ich deshalb immer wieder das Gefühl, dass ich zu diesem Leben nicht mehr gehöre – zu einem Leben, das arme Menschen vom gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Leben oft sehr weitgehend ausschließt.

Kommentare:

  1. Hallo Gerhard,
    Deine Zeilen berühren mich zutiefst und fühle mit Dir. Das Leben selbst ist eine Reise zu sich selbst mit immer wiederkehrenden neuen Erkenntnissen.
    Das Leben ist lebenswert, wenngleich auch nicht unter den Vorstellungen welche der Mensch für sich selber erhofft hat. Deshalb, lass Deinen Tränen freien Lauf! Es zeigt, dass Du Mensch geblieben bist...

    Vielseitige weltlich interessierte intelligente und zugleich sensible Persönlichkeiten wie Du, haben oftmals ein entbehrliches Leben und fühlen sich allein. Verborgene Talente, welche jahrelang in uns schlummern - bei Dir ist es das Schreiben - möchten aktiviert werden. Schon einmal daran gedacht, nicht mehr zu kämpfen, sondern sich dem Schicksal und den weltlichen Begebenheiten dessen anzunehmen? Druck erzeugt Gegendruck. Kampf erzeugt Krieg. Oftmals mit sich selber. Ist das eine gute dauerhafte Lösung?

    Warum schreibst Du nicht für andere, machst aus Deinem Talent Dich selbständig? Ich wünsche Dir vom Herzen Mut und Kraft für weitere Wege, und dass Du Deinen Weg als nicht Kampf empfindest...

    Gruss,
    Diana

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  2. Hallo Diana,

    mittlerweile kann ich auch zu meinen Tränen stehen, wenn derzeit auch in erster Linie für mich allein zu Hause.

    Schon lange will ich vom vielen Kämpfen los lassen, doch das ist einfacher gesagt als getan. Jahrzehntelang erlernte Verhaltensmuster (die Gründe dafür möchte ich an dieser Stelle außen vor lassen) lassen sich nur schwer verlernen. Und manche dieser Verhaltensweisen auch gar nicht. Und dazu gehört bei mir das Kämpfen. Ich möchte nicht vom Kämpfen an sich los lassen, weil das Leben kämpfen erfordert. Vielmehr möchte ich im Ganzen entspannter werden. Dann würde mich das Kämpfen nicht mehr so auslaugen.

    Ich schreibe doch für andere, Diana. Mein Gedankenbuch schreibe ich ja nicht für mich, sondern ich möchte meine Leserinnen und Leser an meinem Leben teilhaben lassen. Schreiben als Beruf jedoch kann ich mir ganz und gar nicht vorstellen.

    Bis denne
    Gerhard

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  3. was sich so ein arbeitsloser alles leisten kann.
    ich gehe täglich arbeiten und kann urlaub leisten

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  4. Hallo "Anonym",

    entweder meinst Du Deinen Kommentar humorvoll (was ich nicht klar erkennen kann), dann ist er okay. Oder Du meinst ihn ernst (was ich ebenfalls nicht klar erkennen kann), dann würde ich Dir gerne empfehlen, meinen Eintrag vollständig zu lesen.

    Aber was auch immer - ich danke Dir für Deinen Kommentar. Jeder Kommentar ist mir willkommen, sofern er nicht "unter die Gürtellinie" geht.

    Bis denne
    Gerhard

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