Dienstag, 8. Oktober 2013

Wo sind die Grenzen und wo die Rücksichtnahme?

Bin ich zu empfindsam geworden oder wissen tatsächlich viele Menschen mit den Begriffen "eigene Grenzen" und "Rücksichtnahme auf andere" immer weniger bis nichts mehr anzufangen? Waren die sechziger Jahre – die Zeiten meiner Jugend – wirklich menschlicher oder habe ich heute mehr Spürsinn für die Schattierungen des zwischenmenschlichen Miteinanders?

So bin ich seit mehreren Monaten in einer Wandergruppe, in die ich durch sehr gute Bekannte aus meiner Jugend hinein gekommen bin. In diese Gruppe kam seinerzeit eine Frau, die mich bereits auf der ersten Wanderung so heftig angegriffen und verleumdet hat, wie ich es in dieser Form in meinem Leben noch nicht erlebt habe. So hat sie mich beispielsweise als Versager abgestempelt, obwohl sie selbst auch arbeitslos ist. Das erinnert mich daran, dass ich immer wieder die Erfahrung gemacht habe, dass ich von Arbeitslosen weniger echtes Verständnis erwarten kann als von Menschen, die noch nie arbeitslos waren. Auch hat sie versucht, körperliche Nähe zu mir herzustellen, die ich in Worten abgelehnt habe, was sie aber nicht gestört hat. Sie ließ erst von diesen Versuchen ab, nachdem ich sie nachdrücklich dazu aufgefordert hatte. Von ihren Verleumdungen und Beleidigungen hat sie auf der restlichen Wanderung auch nicht abgelassen. In mir ist eine (um es mal sanft auszudrücken) sehr starke Abneigung gegen diese Frau erhalten geblieben.

Die anderen vier Gruppenmitglieder wissen davon, reden auch immer wieder kritisch über diese Frau, haben mich aber bisher nicht mit einer Silbe gefragt, wie es mir damit geht, an Wanderungen mit dieser Frau teilzunehmen. Und sie wird sogar noch gegen mich in Schutz genommen, wenn ich mich in Gesprächen über sie äußerst ablehnend äußere. Offensichtlich besteht wenig bis gar kein Interesse der Gruppe daran, hier eine Lösung zu finden, mit der ich leben kann.

Dass ich zwischenzeitlich wieder an Wanderungen teilnehme, bei denen diese Frau auch anwesend ist, ist für mich erst einmal nur ein Versuch, der auch scheitern kann. Und dieses Scheitern würde für mich bedeuten, dass ich mich aus der Gruppe zurück ziehe. Falls ich diesen Schritt gehen müsste, wäre ich nach meinem augenblicklichen Empfinden davon überzeugt, dass das von der Gruppe hingenommen würde. Dieser Schritt würde mir auch deshalb sehr schwer fallen, weil ich die anderen Menschen in dieser Gruppe sehr gerne mag. Und ich möchte Euch gerne fragen:

Habt Ihr in Eurem Leben bereits ähnliche Erfahrungen gemacht und wie seid Ihr damit umgegangen?

1 Kommentar:

  1. Aus Selbstschutz musste ich die Wandergruppe wieder verlassen. Zwei Mitglieder der Gruppe haben sich auf die Seite der besagten Frau gestellt und wollen von meinen Verletzungen nichts mehr hören. Oder in anderen Worten: Sie wandern lieber mit dieser Frau zusammen als mit mir. Eine Lösung gibt es ganz offensichtlich nicht - auch keinen Kompromiss. Wenn in einer freiwilligen Gruppe zwei Menschen so ganz und gar nicht miteinander klar kommen können (und in diesem Fallen hat das nichts mit wollen zu tun), dann muss einer die Gruppe verlassen.

    Mit den anderen zwei - alten Freunden - wird der Kontakt auch weiterhin bestehen. Doch sie werden mal mit der Gruppe wandern und mal mit mir ohne die Gruppe. Die Freundschaft ist auf jeden Fall angeknackst: Wie kann sich jemand Freund nennen, wenn Außenstehende diesen Freund ohne nachhaltige Konsequenz beleidigen dürfen? Zu einer echten Freundschaft gehört für mich auch Loyalität.

    Mit dieser Thematik werde ich mich wohl noch länger auseinander setzen müssen.

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