Dienstag, 30. Juli 2013

Im Kopf geführte Gespräche


Manches Mal führe ich im Kopf Gespräche mit meinen Eltern, die schon seit vielen Jahren tot sind. Ich bitte sie dann meistens, sich im Himmel - wo sollten sie auch sonst sein [humorvoll-freundliches-Schmunzeln] - möglichst gar nicht zu streiten und friedvoll miteinander umzugehen, weil sie das Gegenteil in ihrem Erdenleben mehr als genug erlebt haben. Und dann kündige ich mich für nachmittags zu einem gemütlichen Beisammensein mit Kaffee und Kuchen an.

Ich habe immer noch die Vorstellung und den Wunsch, meine Eltern nach meinem Tod im Himmel wieder zu sehen und dort alle die Fehler zu vermeiden, die wir hier auf Erden gemacht haben. Die Vorstellung fällt mir schwer, dass das nur Wünsche sind und ich nach meinem Tod in jeglicher Hinsicht tot bin: weder ein Wiedersehen mit meinen Eltern noch ein Blick auf die Erde, um zu sehen, was aus den Menschen geworden ist und wie sich die Menschen entwickeln, die mir über den Tod hinaus wichtig sein werden.

Ich bin jetzt 62 Jahre jung (zumindest von meinem Denken und Fühlen) und habe meine biologische Mitte überschritten. Mit meinem Tod habe ich mich noch nie auseinander gesetzt und weiß auch gar nicht, wie ich das konstruktiv umsetzen könnte. Ein Gefühl ist jedoch hin und wieder stark vorhanden: die Angst vor meinem Tod. Wenn ich dieser Tage sterben würde, ich würde sehr unglücklich und voller seelischer und geistiger Schmerzen sterben.

Wie geht Ihr, liebe Leserinnen und Leser, mit diesem Thema für Euch um?

Kommentare:

  1. Salue Gerhard. Vor dem Tod musst Du keine Angst haben. Auch wenns noch so schmerzvoll sein sollte, Du merkst dies in einem solchen Moment nicht.
    Natürlich möchte auch ich so lange leben wie möglich; denn man lebt nur ein Mal!
    Auch bin alles andere als gläubig und ich denke mal, mit dem Tod ist es aus. Aber ich denke, es kann auch befreiend sein.
    Ein Freund (32-jährig) von mir wurde in den letzten drei Jahren sieben Mal reanmiert. Er will einfach nicht mehr ins Spital und hat mit dem Tode auch kein Problem. Ins Spital geht niemand gerne. Wenn es halt hart auf hart kommt, gehst Du durch. Ich habe genug Kohle, eine eigene Wohnung und bin selbständig. Ich reise viel und habe nun einen neuen Hybrid gekauft. Mir gefällt das Leben. Aber Angst vor dem Tode habe ich keine, denn ich kenne das Gefühl im Koma zu liegen. Da merkst Du überhaupt nichts - nicht mal die Schmerzen. Also keine Panik: Jedermann/frau wird sterben. Nebenbei habe ich nun jahrelang Sterbebegleitung bei Jugendlichen gemacht. Dort schmerzt es schon, wenn Kinder fröhlich sein könnten. Im ersten Stadium spielen sie noch und können raus. Im zweiten Stadium sind die Kleinen meist müde und im letzten Stadium ist es eine Erlösung für sie. Mir schmerz der Gedanke nur, weil dies noch sehr junge Menschen sind. Dennoch haben Kinder bez. Jugendliche viel mehr Lebenswille als Erwachsene. Dies habe ich in all den Jahren gerne feststellen dürfen. Also nimms gelassen.

    Gruss aus der Schweiz Jonas M Lanter

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  2. Lieber Jonas,

    herzlichen Dank für Deine einfühlsamen und ehrlichen Worte. Aus unserem Kontakt weiß ich ja, dass Du schon sehr häufig direkt und indirekt mit dem Tod konfrontiert worden bist. Diese unmittelbare Auseinandersetzung geht tiefer und lässt einen authentischeren Umgang mit dem eigenen Tod zu als wenn man - wie ich - "nur" darüber nachdenkt.

    Darum wird bei mir die Angst vor dem Tod bleiben und ich werde diese Gefühle nicht gelassen nehmen können. Möglicherweise werde ich meine Einstellungen erst ändern können, wenn ich ihm mindestens einmal von der Schaufel gesprungen bin. Lieber wäre er mir kurz und ohne dass ich etwas von ihm merke (z.B. abends einschlafen und nicht mehr aufwachen):

    Ich weiß nicht, inwiefern ich mich jetzt täusche: Vielleicht können Menschen ja leichter sterben, wenn sie ein zufriedenes und erfülltes Leben haben. Dann bleibt im Sterben nicht das traurige Gefühl, so viel verpasst zu haben.

    Nichtsdestotrotz schicke ich Dir nicht nur einen lieben,
    sondern auch einen lebendigen Gruß in die Schweiz
    Gerhard

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