Freitag, 28. Juni 2013

Anspruch und Wirklichkeit


In meinen geschriebenen und gesprochenen Worten fordere ich immer wieder Offenheit, Ehrlichkeit, Respekt voreinander, Achtsamkeit, Authentizität, Loyalität, Vertrauen. Doch lebe ich selbst alle diese Charaktereigenschaften, die ich immer wieder fordere? Ganz klar: Nein. Es sind für mich Ansprüche, die ich an ein achtsames, ehrliches und offenes Miteinander zwischen Menschen stelle, die sich noch ihre Menschlichkeit als Lebensgrundlage bewahrt haben und bewahren. Ich fordere diese Charaktereigenschaften nicht nur von meinen Mitmenschen, sondern vor allem und in erster Linie von mir selbst.

Und mit diesem Anspruch überfordere ich mich oft, weil ich ganz und gar nicht vollkommen bin, aber an mich immer noch einen Vollkommenheitsanspruch stelle und nach Möglichkeit auch noch fehlerfrei sein will. (Und ich dachte schon so oft, ich hätte das überwunden.) Das alles ist so unmöglich zu 100 % zu leben wie die Besteigung des Mount Everest ohne Hilfsmittel. Und wenn ich dann mal wieder feststellen muss, dass ich an meinen eigenen Anforderungen gescheitert bin, mache ich mir Vorwürfe und denke tagelang darüber nach und belaste meine Stimmung.

Ein früherer, mir sehr nahe stehender Mensch hat in solchen Situationen zu mir dann gesagt: "Gerhard, nun sei doch nicht so hart gegenüber Dir selbst." Er hatte ja so recht. Doch ich kenne mich schon lange genug, um zu wissen, dass ich in diesem Spannungsfeld immer leben werde. Und ich muss und werde beständig daran arbeiten, diesen "Widerspruch" zwischen Anspruch und Wirklichkeit anzunehmen und zu leben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen