Donnerstag, 20. Dezember 2012

Ein Buch mit vielen Nachfragen


Wenn ich mein Gedankenbuch ausdrucken würde, hätte ich tatsächlich schon ein Buch. Mir wurde auch schon empfohlen, Geld mit meiner Fähigkeit zu machen, mit Sprache zu arbeiten und zu spielen. Aber das ist nicht mein Ding und würde mir zudem meine vollkommene Unabhängigkeit nehmen, die ich mit meinem Gedankenbuch habe.

Im Grunde könnte ich mein Gedankenbuch als eine Art Biografie bezeichnen, weil ich sehr viel aus meinem Leben schildere, von meinen Erfahrungen als Kind, als Jugendlicher und als Erwachsener und den Schlussfolgerungen, die ich daraus gezogen habe. Manches davon ist für den einen Leser oder die andere Leserin viel zu privat und persönlich. Das kann ich gut akzeptieren, weil wir Menschen glücklicherweise äußerst vielseitig und vielfältig sind. Doch ich weiß sehr genau, was ich aus meinem Leben, aus meinen Gedanken und Gefühlen öffentlich mache und was nicht.

Um nur ein Beispiel heraus zu nehmen: Aus meiner mehr als zwanzigjährigen Arbeitslosigkeit mache ich keinen Hehl, auch auf die Gefahr hin, dass es Menschen gibt, die mich für meine weitest gehend unverschuldete Arbeitslosigkeit angreifen und kritisieren. In zahlreichen Artikeln habe ich mich mit den vielen Auswirkungen meiner Arbeitslosigkeit auf mein Leben beschäftigt. Gerade auch in dieser Hinsicht müssten mich beständige und aufmerksame Leser verhältnismäßig gut kennen.

Deshalb und weil meine Arbeitslosigkeit schon so lange andauert, empfinde ich eine Frage wie "Warum bist Du denn schon so lange arbeitslos?" als herab setzend. Auch wenn man mein Gedankenbuch nicht so genau liest, so beinhaltet gerade diese Frage für mich den stillen Vorwurf, ich sei selbst für meine Arbeitslosigkeit verantwortlich. Ein solches Hinterfragen - hier nur stellvertretend für eine Reihe solcher Fragen - ist ein Nachsprechen von unüberlegten Sätzen und Fragen, die auch einfühlsamer formuliert werden können. Die Vielzahl meiner Ausführungen zu meiner Arbeitslosigkeit und ihren sozialen wie menschlichen und zwischenmenschlichen Folgen lässt gezielteres Nachfragen und auch einen Austausch zu. Ich will nicht nur gefragt werden und anderen von mir erzählen, sondern ich möchte auch aus dem Leben meiner Mitmenschen mehr erfahren als nur Beruf und Hobby - hier in meinem Gedankenbuch ist das natürlich nicht so einfach umsetzbar, in meinem realen Leben jedoch sehr wohl.

Mein Gedankenbuch ist gespickt mir sehr vielen Informationen über mich, aber vieles bleibt auch offen und wartet auf den konstruktiven Austausch. Ich bin kein Missionar, der anderen seine Lebensweisheit aufdrängen will. Ich bin ein einfacher Mensch, der konstruktiven Austausch braucht.

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