Freitag, 24. August 2012

Gescheitert


Schon als Kind war ich eine Kämpfernatur, weil ich immer als "schwieriges Kind" abgestempelt wurde und um Anerkennung kämpfen musste. In meiner biologischen Familie zieht sich diese Einstellung bis heute hin. In meiner Jugend habe ich politisch sehr engagiert und einigermaßen erfolgreich gekämpft - und das unabhängig von der Tatsache, dass unsere heutige soziale Wirklichkeit gegenüber meiner Jugendzeit Mittelalter ist.

Diese vielen Kämpfe - und Kämpfen setzt sehr viel Bewusstsein und klares Denken voraus - hat mir letztlich auch die charakterliche Kraft gegeben, trotz zwanzigjähriger Arbeitslosigkeit bis heute weder ganz untergegangen zu sein noch mich selbst aufgegeben zu haben. Aber diese vielen Kämpfe haben mich auch ermüdet und erschöpft:

Im letzten Jahr sah ich aus Selbstschutz keinen anderen Weg mehr, als meine aktive Arbeitssuche zu beenden, um meine Seele und meinen Geist zu retten. Jeder hat das Recht, selbst zu bestimmen, wann eine Aktivität für ihn sinnlos und selbstzerstörerisch wird und in der Folge diese Aktivität zu beenden. Ich bin diesen Schritt konsequent gegangen und bereue ihn trotz immer noch geäußerter Kritik nicht.

Auch im zwischenmenschlichen Bereich - gerade auf der Suche nach neuer und dauerhafter Zweisamkeit - habe ich immer gekämpft und mich bemüht. Und ich muss auch hier leider feststellen, dass diese Kämpfe vergeblich waren. Hier kommt dann sehr stark meine durch die unverschuldete Arbeitslosigkeit verursachte Geldknappheit zum Tragen.

Über meine Arbeitslosigkeit und die damit zusammenhängenden und verursachten Folgen habe ich in meinem Blog schon äußerst viel geschrieben und möchte deshalb auch nicht näher darauf eingehen. Meine beruflichen wie sozialen und persönlichen Kämpfe gehören mittlerweile in die Ablage "Außer Spesen nichts gewesen". Ich würde gerne aufhören zu kämpfen, auch wenn ich dann die (berechtigte) Angst hätte, dass sich im zwischenmenschlichen Bereich so gut wie gar nichts mehr tun wird. Langfristig bin ich mit und in meinen Kämpfen gescheitert.

Weiter kämpfen? Ich sehe keine Alternative, weil die einzigen Menschen in meinem Leben, die auch von sich aus den Kontakt mit mir gesucht haben, meine jeweiligen Lebenspartnerinnen waren. Ob ich weiter kämpfe oder nicht - ich habe ohnehin das Gefühl gewonnen, dass es gleich ist, weil ich die Hoffnung aufgegeben habe, dass ich für Menschen wichtig sein könnte, ohne um Zuneigung und echte Freundschaft kämpfen und betteln zu müssen.

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