Montag, 30. Juli 2012

Folgen einer christlichen Erziehung


Mal abgesehen davon, dass ich den Begriff Erziehung schrecklich finde, so passt er doch in diesen Eintrag. Als Kind und Jugendlicher wurde ich christlich erzogen. Ich kann mich zwar nicht an konkrete Erziehungsmaßnahmen erinnern, aber allein der Anspruch ist wohl in mir hängen geblieben. So habe ich noch einige "christliche Erinnerungen" bewahrt, die meines Erachtens für sich sprechen:

Schon in früher Jugend wollte ich Priester werden. Nach einiger Zeit reichte mir das nicht mehr und darum wollte ich Bischof werden. Mein Vater hat mir vergeblich versucht zu erklären, dass ich erst Priester werden müsse, bevor ich Bischof werde. Das wollte oder konnte mein kindlicher Kopf nicht begreifen und so wollte ich direkt Priester-Bischof werden. Das kann ich noch als humoristische Erinnerung sehen so wie viele Jungen Lokführer werden wollen.

Die nächste Erinnerung ist schon alles Andere als humoristisch: Als Katholik musste ich beichten, damit Gott mir meine "Sünden" vergeben kann. Als einzige Sünde ist mir die Unschamhaftigkeit (im Klartext: das Wahrnehmen und Ausprobieren meiner eigenen Sexualität) in Erinnerung geblieben. Und so zählte ich jede "Unschamhaftigkeit" und beichtete: "Ich war x-mal unschamhaft im Reden, x-mal unschamhaft im Denken und x-mal unschamhaft im Tun." Damals habe ich diese "Sünden" ehrlich bereut. Es hat schon seine Gründe, warum ich erst neunzehnjährig meine erste sexuelle Erfahrung gemacht habe.

Im Nachhinein betrachte ich dieses Verhalten der Priester und die Untätigkeit meiner Eltern als eine Form sexuellen und gefühlsmäßigen Missbrauchs. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne darauf aufmerksam machen, dass ich es vollkommen richtig finde, sexuellen Missbrauch zu verfolgen und strengstens zu ahnden. Aber es gibt selbst in der heutigen Zeit noch eine Form von Missbrauch, vor der Kinder nicht geschützt werden: der Missbrauch ihrer Gefühle!

Glücklicherweise war ich imstande, mich schon mit vierzehn Jahren aus den Klauen der Kirche zu lösen und aus der Kirche auszutreten. Meine Mutter brachte nur den hilflosen Satz zustande "Wo ich dich doch so christlich erzogen habe", aber kein Gespräch.

Kommentare:

  1. Dieser blog spricht mir aus der Seele; genau so habe ich meine "christliche Erziehung" auch erlebt. Hauptsache, die Fassade stimmte. Kommunion, Firmung und das unvermeidliche Beichten habe ich anfangs in kindlicher Naivität angenommen, war ja auch ein stilles, folgsames Kind. So mit 14 erwachte der kritische Geist, ich bekam aber keine Antworten und bin dann auch mit 16 aus der Kirche ausgetreten. Teile der Verwandtschaft durften es nicht erfahren, das habe ich meinen Eltern zuliebe mitgespielt, bestärkte mich aber in der Richtigkeit meiner Entscheidung.
    Die "Sünden" wider das sechste Gebot: Auch das sehe ich wie Du und noch weiter gedacht kann ich mir vorstellen, dass sich die Priester an den Schilderungen der Kinder/Jugendlichen ergötzt haben mögen, nicht zu reden von den Schäden, die den jungen Seelen durch eine falsche Moral zugefügt wurde.

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  2. Kirche ist das eine, doch letzendlich wird irgendwann jeder selbst vor Gott stehen....das der und jener dies und dass getan, gesagt hat ...wird so sehr dann nicht bestehen, wie das,was ich getan habe, ob ich mich mit allem an Gott/Jesus gewandt habe im Gebet. Oft kann man es sich nicht vorstellen , das er antwortet, oder das es einen Weg gibt,oder das es Heil werden könnte. Er hat seine Hilfe verheissen.
    Doch Gebot ist Gebot und es gibt eine Konsequenz darausfolgend, die unbedingten Gehorsam fordert. Das ist heutzutage schwierig anzunehmen bei der Behauptung von Freiheit und Unabhängigkeit, freier Meinung und alles muss em Einzelnen als freies Individuum möglich sein, nicht Wahr?

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