Samstag, 23. Juni 2012

Zu hohe Erwartungen an Freundschaften?


In letzter Zeit höre und lese ich immer wieder die fragende Aussage, dass wir wahrscheinlich zu hohe Erwartungen an Freundschaften - also an lebende Menschen - stellen. Für mich stellt sich das nicht so dar, weil ich finde, dass echte Freunde zu einer ganz anderen Klasse gehören als oberflächliche Bekanntschaften.

Ist es für Euch tatsächlich zu viel, von Euren wirklichen Freundinnen und Freunden Offenheit, Ehrlichkeit, das Aussprechen auch unbequemer Wahrnehmungen, Loyalität als höchster Form von Treue und Verbindlichkeit zu erwarten und diese Charaktereigenschaften auch ihnen zu schenken.

In einer derzeit schwierigen Situation mit meinen zwei besten und langjährigsten Freunden geht es beispielsweise um die Frage Wie weit dürfen Freunde es zulassen, dass ein fremder Menschen einen sehr guten Freund verletzt, ohne dass dieser fremde Mensch dafür die Konsequenzen zu tragen hat? In diesem Zusammenhang habe ich diesen zwei Freunden unter anderem geschrieben:

"Wenn [Name] oder wer auch immer Euch so beleidigt hätte, würde ich sie aus Loyalität Euch gegenüber sofort aus meinem Leben schmeißen. Warum Ihr sie dennoch mögt, bleibt mir verschlossen." 

Erwarte ich in diesem Beispiel tatsächlich zu viel? Die Konsequenz für mich ist nunmehr, dass ich in "unserer" Wandergruppe nicht mehr mit wandern kann, weil die Anwesenheit dieses fremden Menschen für mich eine nicht mehr zumutbare Belastung ist.

Das als konkretes Beispiel. Ich frage mich oft: Wo fängt Freundschaft an? Wo hört Freundschaft auf? Was tue ich, um Freundschaften zu pflegen und dauerhaft zu erhalten? Kompromisse müssen sein, aber ich will auch nicht mehr - wie oft gemacht - klein beigeben. An meiner Kompromissbereitschaft und meiner Kompromissfähigkeit ändert das jedoch nichts. Doch hin und wieder komme ich wohl um schmerzhafte Einschnitte nicht herum.

Kommentare:

  1. Hallo Gerhard!

    "Echte" Freunde gibt es leider viel zu wenige, das ist meine leidige Erfahrung. Ich kann diese an einer Hand abzählen und brauche dafür garantiert nicht alle Finger von dieser!

    Meine Ex-Frau weiß sehr gut, was ein echter Freund ist. Sie liegt gerade im Krankenhaus und ich kümmere mich um ihre Wohnung und die drei Katzen, dabei habe ich doch wirklich genug anderen Ärger zu bewältigen!

    Nun stellt sich mir die Frage, wo denn meine "Freunde" plötzlich sind? Die wissen wo ich wohne, die haben meine Nummer, aber melden tut sich da kein einziger! Viele kann ich gar nicht erreichen, da sie ihre Handys wechseln wie andere die Socken. Wenn überhaupt, dann treffe ich höchstens durch Zufall jemanden. Zeit hat aber nie jemand von denen, obwohl die meisten von ihnen wie auch ich Arbeitslos sind.

    Echte Freunde sucht man wirklich lange, aber es gibt sie schon noch. Meistens werden aber sie dich finden!


    Sonntägliche Grüße aus TmoWizard's Castle zu Augsburg

    Mike, TmoWizard

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  2. Hallo Mike,

    Du schreibst, dass echte Freunde mich finden werden. Wenn das wahr wäre, wäre ich keiner Freundschaft wert. Freundschaft sollte gegenseitig sein. Und trotz all meiner Bemühungen um Freundschaften stelle ich immer wieder fest "Außer Spesen nichts gewesen".

    Manchmal denke ich, dass alle meine Lebenskämpfe nichts gebracht haben. Aber hätte ich nicht oder weniger gekämpft, was wäre dann gewesen? Ich denke, dann wäre genau so wenig gewesen. Aber ich wäre nicht so ausgelaugt. Aber das ist alles Theorie - wie die Praxis ausgesehen hätte bzw. aussähe, das steht in den Sternen.

    Lieben Gruß aus dem verregneten Solingen
    von Gerhard

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