Donnerstag, 3. Mai 2012

Der Blick hinter die Kulissen

Die Künstler auf der Bühne werden gefeiert und bejubelt. Und das in der Regel zu Recht. Doch was wären die Künstler ohne die vielen helfenden Hände hinter der Bühne, die tatkräftig und schöpferisch zu diesen Erfolgen beitragen? Die meisten Konzerte kann ich leider nur im Fernsehen sehen. Doch ich bin immer wieder hoch erfreut, wenn die Künstler abschließend auch um Beifall für "ihre" Helferinnen und Helfer hinter der Bühne bitten und sie auch auf die Bühne bitten.

Ähnlich fühle ich mich in der Regel auch, weil die meisten Menschen – leider auch nahe stehende – mich nur auf der Bühne sehen. Oder anders ausgedrückt: mir nur bis vor die Stirn sehen. Die vielen kleinen und großen Helfer dahinter, die mir beständig helfen, mein Leben zu leben, die vielen Irrwege, Zweifel und die vielfältigen schlechten wie guten Gefühle hinter meiner Bühne bleiben meistens im Dunkeln und werden auch nicht erhellt. Das Volk hinter der Bühne hat zu funktionieren – basta und aus.

Meine Worte sind keine Vorwürfe, sondern meine ehrlichen Gefühle. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es oft ist, seine Mitmenschen zu hinterfragen – zu hinterfragen, um sie auch tatsächlich aus ihrer eigenen Sicht zu verstehen. In der Regel meinen Menschen, sie verstünden ihre Mitmenschen, wenn sie sie nur aus den eigenen Erfahrungen heraus verstehen. Doch wir Menschen sind glücklicherweise äußerst facettenreich. Und darum kann ein äußerlich gleich erscheinendes Erlebnis von (um eine Zahl zu nennen) zehn Menschen auf zehn unterschiedliche Weisen wahrgenommen und erfahren werden.

Darum sollten wir (mich eingeschlossen) uns bemühen, die uns wichtigen Menschen nicht nur "einfach so" zu nehmen, wie sie sind oder besser, wie wir sie wahrnehmen (wollen). Wir sollten vielmehr um mehr Feingefühl füreinander bestrebt sein und unsere Freunde und wertvollen Mitmenschen ruhig häufiger auch mal hinterfragen: Authentische Freundschaften sind nicht nur Wohlfühlgemeinschaften, sondern schließen auch Offenheit und Ehrlichkeit mit ein, die hin und wieder schmerzen können. In diesen Fällen fügen wir jedoch keine Schmerzen zu, um zu quälen, sondern um zu helfen, um dem Freund/der Freundin und sich selbst die Freundschaft haltbarer und dauerhafter zu gestalten. Authentische Freundschaften halten Offenheit und Ehrlichkeit nicht nur aus, sondern wenden sie auch schöpferisch füreinander an.

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