Sonntag, 11. Dezember 2011

Die Endlichkeit meines Lebens

In diesen Wochen denke ich verstärkt über die Begrenztheit meines Lebens nach. Mit knapp 61 dürfte ich wohl die Hälfte meines Lebens überschritten haben. Und ich blicke zurück. Blicke ich zurück auf ein bisher glückliches Leben, ein zufriedenes Leben, ein erfülltes Leben? Lebe ich gerne? Ich denke, das sind berechtigte Fragen. Aber sie lassen mich auch ein ganzes Stück an meinem Leben zweifeln. Die schönste und schöpferischste Zeit meines Lebens war meine Jugend, als ich noch in Gemeinschaften zwischenmenschlich und sozial eingebunden war. Seit Beginn meiner Arbeitslosigkeit in 1990 ist das alles langsam und sicher den Bach hinunter gegangen. Dafür bin ich mit verantwortlich, aber nicht allein verantwortlich. Die Unbeschwertheit und das Lachen meiner Jugend haben stark abgenommen; und dennoch sind mir meine Lebensfreude und mein Lebensmut geblieben. Ein Widerspruch? Vielleicht – aber Widersprüche sind auch eine Bereicherung des Lebens.

Nach zwanzig Jahren intensiver Bemühungen und Kämpfe um meinen Wiedereinstieg ins Berufsleben stehe ich in diesem Bereich zu meiner völligen Niederlage mit allen Schlussfolgerungen. Was hätte ich in diesen zwei Jahrzehnten mit all meinen verschwendeten Energien alles auf die Beine stellen können? Aber hinterher ist mensch ja immer klüger und weiser. Auf die Auswirkungen dieser Niederlage auf meinen menschlichen und zwischenmenschlichen Bereich möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen.

Ich will mehr loslassen – vor allem von meinem Kämpfen. Wird mir das überhaupt möglich sein? Wohl kaum. Ich war und bin nun mal eine Kämpfernatur und werde auch in meinem weiteren Leben kämpfen (müssen). Aber ich möchte weitaus eher loslassen können. Die politischen und sozialen Kämpfe meiner Jugend bereue ich ganz und gar nicht, weil sie mir menschlich sehr viel gebracht haben. Und ich bin dankbar dafür, weil ich auch Solidarität leben und erleben durfte.

Gefühlt habe ich in meinem Leben jetzt Halbzeitpause. Und ich hoffe für meine zweite Halbzeit auf mehr Lebendigkeit und weniger Spannung – körperlich, geistig und seelisch.

1 Kommentar:

  1. Lieber Gerhard. Mit Interesse habe ich Deinen Beitrag gelesen. Es verwundert mich überhaupt nicht, dass Du so viele Bewerbungen für nichts geschrieben und verschickt hast. Und eines kann ich Dir mit Bestimmtheit sagen: Dies liegt nicht bei Dir! Es ist das Deutsche Sozialsystem; Hartz IV! Eine Lockfalle von den Bonzen an die Armen. Würde die Deutsche Regierung anstelle die Kohle in der EU zu verlochen mal ein besseres Bildungssystem auf die Beine stellen und zu seinen Einwohneren besser schauen, so gäbe es nicht diese riesige Deutsche Wohlstandsmisere. Politiker sind in meinen Augen nichts anderes als Parasiten, die sich an uns bereichern. Machtgierig und machtbesessen räumen sie den Stuhl nie freiwillig. Nein, sie kleben förmlich daran und lassen sich ihre Pfründe schmecken!
    Lieber Gruss & Gesundheit

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