Samstag, 13. November 2010

Journalistische Meinungsmanipulation


Im heutigen Lokalteil des Solinger Tageblatts wird ausführlich über einen Menschen berichtet, der zwei Jahre lang in Solingen hervorragende Arbeit an der Basis geleistet hat. Sein befristeter Arbeitsvertrag kam nur mit Hilfe staatlicher finanzieller Hilfe zustande und lief vor Kurzem aus. Dennoch wurde sein Arbeitsvertrag nicht verlängert und es konnte nur mit Mühe und Not eine neue Stelle für ihn gefunden werden. Und auch diese Arbeit wird mit staatlichen Geldern gefördert und ist befristet. Offensichtlich werden in unserem Land hoch motivierte und engagierte Menschen nicht gebraucht.

In einem Kommentar zu diesem Bericht schreibt Redakteur Thomas Kraft unter anderem (und dieses Zitat ist keineswegs aus dem Zusammenhang gegriffen)
"Was lehrt das? Einsatz und Geduld lohnen sich."

Aus eigener langjähriger Betroffenheit muss ich diese Aussage in dieser uneingeschränkten Form aufs Schärfste als journalistische Meinungsmanipulation zurück weisen. Wäre diese Aussage richtig, wären hunderttausende von Arbeitnehmern in den letzten Jahren mit Stellen(angeboten) überschüttet worden. Doch dem ist nicht so. Bei mir haben meine geduldigen und engagierten Versuche um Wiedereinstieg ins Berufsleben sogar dazu geführt, dass ich immer noch arbeitslos bin. Ohne mein Engagement hätte ich bereits seit etwa sechs Jahren eine Vollzeitstelle.

Sicherlich finden einzelne Menschen von den Millionen Arbeitslosen auf Grund ihrer eigenen engagierten und hoch motivierten Suche einen Arbeitsplatz. Doch die Medien und interessierte Kreise aus Politik, Wirtschaft und Industrie sollen doch endlich aufhören mit der Lüge, dass es jeder Arbeitslose mit Einsatz, Geduld und Engagement schafft, wieder eine Stelle zu finden. Das ist - klar ausgesprochen - eine dreiste und Menschen verachtende Lüge. Und das Gefährliche an dieser Lüge ist, dass die meisten Menschen daran glauben. Ich rede hier nicht wie ein Blinder von der Sonne, sondern wie ein Sehender, dem diese Sonne viel zu oft in den Augen brennt und der meistens nicht einmal eine Möglichkeit hat, sich davor zu schützen.

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