Freitag, 15. Januar 2010

Der gläserne Internet-Nutzer


Vor einigen Tagen schrieb mir eine Leserin meines Blogs, sie würde mich für sehr mutig halten, weil ich sehr viele persönliche Daten ins Netz stellen würde. Das Lob freut mich; doch als mutig sehe ich mich keineswegs, sondern eher als normal, weil ich ausschließlich Meinungen äußere, zu denen ich auch stehe. Ich sehe auch kaum die Gefahr - obwohl nicht ganz auszuschließen -, dass meine Daten gegen mich missbraucht werden könnten. Ich mache grundsätzlich offen, dass es sich bei meinen Einträgen nur um meine persönlichen Einstellungen handelt, die keine Allgemeingültigkeit beanspruchen, sondern zum Nachdenken und Kommentieren anregen sollen. Zudem frage ich mich, wie meine Ansichten zu Arbeitsmarktpolitik, zu Gewerkschaften, Politik- und Wirtschaftsbossen und die Erfahrungen aus meiner ganz persönlichen Erfahrungs-, Gedanken- und Gefühlswelt gegen mich verwendet werden sollten? Nun mag man mir entgegen halten, mit meinem Blog würde ich mir für meine Bewerbungen das eigene Wasser abgraben. Dazu habe ich mich bereits in einem Eintrag im Oktober 2007 geäußert, zu dem ich auch heute noch uneingeschränkt stehe.

Auch ist das Argument für mich nicht nachvollziehbar, dass meine Daten bei einer sich verändernden Regierungs- und Staatspolitik hin zu noch mehr Abbau sozialer Rechte und noch mehr Überwachungsstaat gegen mich verwendet werden könnten, weil in einer solchen politischen und sozialen Lage nur noch das zählt, was gegen den Einzelnen verwendet werden kann - und sei es die verleumderischste Lüge. Eine solche Situation hatten wir in den siebziger Jahren mit dem Radikalenerlass, als demokratisch gesinnten und sich äußernden Menschen durch Berufsverbote ihre Existenzen vernichtet wurden. Obwohl dieser Radikalenerlass fast 40 Jahre "alt" ist, bin ich davon überzeugt, dass er immer noch in den Schubladen liegt und bei passender Gelegenheit wieder in Kraft und rücksichtslos umgesetzt werden wird.

Das Thema des durchsichtigen Verbrauchers ist viel facettenreicher: Einzelhandelskonzerne haben über Kundenkarten umfangreiche Kundenprofile, denen mit Sicherheit auch Namen, Anschriften und Telefonnummern zugeordnet werden können. Geheimdienste speichern schon eh und je so viele Daten, das einem wirklich Angst und Bange werden kann. Doch diese Tatsache wird nicht gerne öffentlich gemacht. Bankgeheimnis hin oder her - aufgrund der finanziellen und persönlich miteinander vernetzten Kundendaten bestünde für Banken und interessierte Kreise ein sehr großzügig angelegtes "Wirkungsfeld". Nicht zu unterschätzen ist die technische Möglichkeit, die Daten von Geheimdiensten, Industrie, Wirtschaft, Behörden, Banken miteinander zu vernetzen und aufeinander abzustimmen.

Wir Internetnutzer surfen täglich auf vielen Seiten, die versteckt oder offen einen Besucherzähler verwenden. Und über diese Besucherzähler können die Betreiber sehr viele persönliche Daten wie Häufigkeit der Besuche, Orte, IP-Adressen, Häufigkeit der Besuche, Dauer der Besuche und vieles mehr auslesen und auswerten.

Ich überlege schon sehr genau, was ich über mich ins Netz stelle und inwiefern es mir schaden könnte; doch stelle ich mich selbst auch nicht unter Zensur. Ich lebe in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit auch des Einzelnen glücklicherweise noch einen hohen Wert hat und weitgehend geschützt ist - und diese Meinungsfreiheit nutze ich sehr gerne, weil ich mich ohnehin für einen offenen, ehrlichen und authentischen Menschen halte. Hinzu kommt, dass ich sowohl schriftlich wie mündlich sehr gerne mit Sprache arbeite und auch spiele.

Wer sich gerne vertieft mit dem Thema Datensicherheit beschäftigen möchte, dem würde ich sehr gerne diesen lesenswerten Beitrag von Frank Rieger empfehlen. Frank Rieger ist Sprecher des Chaos Computer Clubs.

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