Sonntag, 8. November 2009

Opfer als Täter


Sehr viele vor allem Langzeitarbeitslose scheuen sich, ihr Schicksal offen zuzugeben, weil sie sich ihrer Arbeitslosigkeit schämen und in berechtigter Angst vor Verleumdung und Ausgrenzung leben. Diese Menschen haben die Umkehr des Täter-Opfer-Schemas tief verinnerlicht und fühlen sich daher selbst schuld an ihrer Arbeitslosigkeit. Dieses Denken und Fühlen ist vollkommen falsch, weil die Verantwortlichen für ihr Schicksal nicht sie selbst sind, sondern gewisse Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Industrie. Dieses Denken und Fühlen zu durchbrechen und offen dazu zu stehen, dass man Opfer eines rücksichtslosen und brutalen Sozialabbaus ist, ist sehr wichtig, aber um vieles schwerer getan als gesagt.

Und es betrifft ja nicht nur die Langzeitarbeitslosen, sondern alle armen und verarmten Menschen im so reichen Deutschland. Erzähle mir bloß niemand, Deutschland sei ein armes Land - ein Land, das 500 Milliarden Euro den Bank- und Industriemanagern in ihre gierigen Rachen steckt und zugleich "seine" Bürgerinnen und Bürger austrocknen, verhungern und verarmen lässt!

Aus meinen eigenen tagtäglichen Erfahrungen weiß ich, wie schwierig es ist, offen und ehrlich zu seiner Langzeitarbeitslosigkeit zu stehen. Und ich will hier auch nicht klagen (anklagen aber sehr wohl), sondern zu mehr Offenheit und Ehrlichkeit mit dieser Thematik aufrufen und zu mehr Achtung, Mitmenschlichkeit und Solidarität den Betroffenen gegenüber.

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