Dienstag, 3. November 2009

Mein Umgang mit Verlustängsten


Jeder bewusst lebende Mensch kennt nach meiner Überzeugung Verlustängste - die Angst vor dem Verlust geschätzter Menschen, die Angst vor gesellschaftlicher und zwischenmenschlicher Ausgrenzung, die Angst vor der Kündigung des Arbeitsplatzes oder der Wohnung, die Angst vor Krieg, die Angst vor Armut.

Den Umgang mit meinen Verlustängsten möchte ich gerne mal an der Tatsache meiner seit Jahren dauernden Arbeitslosigkeit ein wenig beleuchten:

Trotz einer seit fast 20 Jahren sich verfestigenden Massenarbeitslosigkeit ist es für mich nach wie vor schwierig, von meinen Mitmenschen dennoch als vollwertiger Mensch angenommen zu werden. In den Köpfen sehr vieler Menschen sitzt starrsinnig das Geschwür, dass Menschen nur dann vollwertig und achtenswert sind, wenn sie materiell gut dastehen - was auch immer das heißen mag. Sehr viele (langzeit)arbeitslose Menschen schämen sich ihres Schicksals und versuchen, es mit guter Laune und flotten Sprüchen zu verbergen, weil sie berechtigte Ängste vor Ausgrenzung und Ablehnung haben.

Ich gehe von Beginn meiner Arbeitslosigkeit offen und ehrlich mit meiner Lage um und versuche erst gar nicht, sie zu vertuschen. Das bringt mir manch einen verächtlichen Blick ein, die seltsame Frage nach den Ursachen und Ablehnung, weil ich an meiner Arbeitslosigkeit ja "selbst schuld" sei. So lange könne doch kein Mensch arbeitslos sein. Diese Menschen haben in den letzten Jahren offensichtlich das Training ihrer Gehirnwindungen verschlafen. Viele Menschen meiden offen und versteckt den Kontakt mit mir, weil man mit mir ja nichts unternehmen könne. Mittlerweile meide ich solche Menschen, weil sie mir schaden. Und die wenigen Menschen, die mich trotz Armut - immerhin habe ich ja auch noch menschliche und charakterliche Qualitäten und Kompetenzen - als Menschen ernst nehmen, achten und ehrlich versuchen, mich zu verstehen, weiß ich darum um so intensiver zu achten und zu schätzen.

In allen meinen Lebenserfahrungen hat sich immer wieder bewiesen, dass diese offene und ehrliche Art im Umgang (nicht nur) mit Verlust- und sonstigen Ängsten die gesündeste für mich ist. Entweder kann mein Gegenüber damit umgehen - wunderbar. Oder ich bin meinem Gegenüber gleichgültig - dann sehe ich klar und verabschiede mich von ihm. Oder mein Gegenüber versucht, mir zu schaden - das ist bisher nie geschehen.

Notfalls scheue ich auch nicht vor Konflikten, weil ich danach in der Regel ein Packende habe, an dem ich arbeiten und ansetzen kann. Ohne dieses Packende laufe ich Gefahr, mich im Nebel der Unklarheiten im wahrsten Sinne des Wortes zu verlieren.

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