Montag, 26. Oktober 2009

Tabuthema Armut


"Nanu", wird sich jetzt manch Eine(r) wundern, "darüber wird doch viel geschrieben und gesprochen." Auf den ersten Blick stimmt das auch. Doch reicht es meines Erachtens nicht, das Thema nur politisch, wirtschaftlich und finanziell zu betrachten. Mir fehlt die menschliche und gefühlsmäßige Sichtweise: Mit welchen Ängsten müssen arme Menschen tagtäglich leben? Was bedeutet es für ihre Seelen, von ihren Mitmenschen ausgegrenzt zu werden? Wie und womit füllen sie die dadurch verursachte innere Leere?

Jeder arme Mensch, der wie ich seine Armut und seine damit verbundenen Gedanken und Gefühle öffentlich macht, wird als Pessimist in die soziale und menschliche Ecke gestellt. Damit vermitteln mir diese Menschen das Gefühl - ob bewusst oder unbewusst sei an dieser Stelle nicht betrachtet -, ich sei lebensunfähig, weil ich meine Lebenserfahrungen "falsch" sehe und verarbeite. Auch auf diese Weise wird das Thema Armut als Tabuthema unter den Teppich gekehrt!

Und es ist für mich nicht nur verwunderlich, sondern auch verletzend, dass ich trotz meiner langen Arbeitslosigkeit auch von mir nahe stehenden Menschen nicht als "Experte" auf diesem Gebiet anerkannt werde, sondern dass diese Menschen lieber den Unwahrheiten und Manipulationen von Medien, Wirtschafts- und Industriemanagern und ihren Statthaltern in den politischen Parteien glauben. Bloß keine Auseinandersetzung mit einem Betroffenen, es könnte ja das eigene Sicherheitsdenken und das eigene positive Weltbild ins Schwanken bringen!

Kein Mensch, der sich Urlaub, Kultur, Essengehen und anderen "Luxus" leisten kann, muss sich dafür rechtfertigen. Aber die Ängste armer Menschen werden lieber tabuisiert!

Ich leugne ganz und gar nicht, dass es auch noch vieles Schöne, Angenehme und Genießenswerte gibt. Doch mein jahrelanger alltäglicher Überlebenskampf verstellt mir diese Sichtweise mitunter erheblich. Und es kostet mich jede Menge positiver Energien (mit negativen Energien wäre das gar nicht zu schaffen), diese Hindernisse immer wieder aufs Neue zu beseitigen.

Falls es unter meinen Leserinnen und Lesern Menschen geben sollte mit konstruktiven Empfehlungen (auf Ratschläge bitte ich zu verzichten) - bitte lasst mich an Euren Weisheiten und Erfahrungen teilhaben.

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