Freitag, 16. Oktober 2009

Befremdende Erfahrungen


Für mich immer wieder verwunderlich ist die Erfahrung, dass Menschen, die noch nie arbeitslos waren, in der Regel wesentlich mehr (aktives) Verständnis für meine Situation als Hartz IV-Betroffener haben als Menschen, die genau wie ich mit wenig Geld auskommen müssen. Warum spreche ich nur von meiner Hartz IV-Zeit und nicht von meiner Zeit als Empfänger von Arbeitslosenhilfe? Mit Einführung der menschenverachtenden und zynischen Hartz-Gesetze ist es der Koalition aus Wirtschaft und Politik (mit Unterstützung der Gewerkschaften) gelungen, der Masse einzutrichtern, dass Menschen in der Abhängigkeit von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) ihre Arbeitslosigkeit selbst verschuldet haben. Das ist keine leere Behauptung von mir, sondern tagtägliche Erfahrung, an die ich mich nie werde gewöhnen können.

Die Masse ist dumm genug, die tägliche Manipulation durch die Medien für bare Münze zu nehmen und sich nicht die Mühe zu machen, deren "Berichterstattung" zu hinterfragen. Und dann glaubt sie auch noch allen Ernstes, die Mehrheitsmeinung zu vertreten und will nicht merken, dass sie sich diese sogenannte Mehrheitsmeinung von einer Minderheit lieb und brav eintrichtern lässt.

Soziale Kontakte, die auf Dauer angelegt sind, sind auch kaum noch möglich: bei verdienenden Menschen, weil ich finanziell nicht mithalten kann (Unternehmungen, Kultur, Urlaub,...) und bei armen Menschen wie mir, weil sie sich wie ich nicht einmal die einfachsten Lebensgrundlagen leisten können. Es ist ein Teufelskreis, aus dem es in der Regel für mich kein Entrinnen gibt.

Auf die vielen Medienlügen über Hartz IV-"Verbesserungen" will ich hier gar nicht im Einzelnen eingehen, weil das schon von kritischen Medien und Erwerbslosenorganisationen geleistet wird( z.B. Nachdenkseiten, Erwerbslosen Forum oder Hartz IV Nachrichten). Diese Nachrichtenseiten bieten Hintergrundinformationen, die von den großen und bekannten Medien verschwiegen oder verdreht werden. Für die Unwahrheiten dieser Medien muss der Leser/die Leserin sogar noch bezahlen, die von mir beispielhaft genannten Seiten gibt es kostenlos im Internet. Und man kann sich auch noch automatisch auf dem Laufenden halten, weil diese Seiten einen RSS-Feed anbieten.

1 Kommentar:

  1. Lieber Gerhard,
    zu Deinem neuen Eintrag bzgl. Hartz4 hast Du vielen Betroffenen aus der Seele gesprochen...aber bezeichne Dich selbst nicht als "armen Menschen". Klar ist es schwierig soziale Kontakte zu pflegen ,Besuche zu machen, ob es dabei um Freunde, Kultur oder ähnliches geht.Glaub an Dich selbst, Du bist wichtig, nicht was Du hast oder bist.
    Die Würde des Menschen....daran heißt es zu arbeiten..für Dich , für mich und die Vielzahl der Menschen denen es ähnlich geht.
    Die Klischees brechen, alle über einen Kamm scheren, ich denke wir sollten uns wehren mit den Sozialschmarotzern, die es tatsächlich ja leider gibt, auf das gleiche Niveau reduziert zu werden.
    Sorry, habe einfach spontan reagiert mit meinem Kommentar, hoffe niemanden zu verärgern, das liegt mir fern.

    Heike

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