Samstag, 26. September 2009

Wie viel Schmerz kann Freundschaft ertragen?


Eine authentische Freundschaft ruht nach meinen persönlichen Erfahrungen auf den Säulen Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit, Übereinstimmung von Worten und Taten, gegenseitiger Achtung, Offenheit, Ehrlichkeit, keine Spiele gegeneinander betreiben und Mut und Kraft, von Zerstörung bedrohte Säulen gemeinsam zu reparieren.

Das ist leichter gesagt als getan, aber durchaus möglich. Nun gibt es in der Entwicklung einer Freundschaft Zeiten, in denen die gemeinsamen Grundlagen leicht gepflegt werden können. Es gibt aber auch Zeiten, in denen diese Pflege höchst schwierig werden kann aus den unterschiedlichsten Gründen. Und solche Gründe können Entwicklungen oder Ereignisse sein, die tief unter die Haut gehen und verletzen, weil man den Freund / die Freundin mag und nicht verlieren will. Und auch wenn Verlust gar nicht zur Debatte steht, so können diese Entwicklungen oder Ereignisse dennoch verletzen. Und in meinem Leben habe ich solche Verletzungen schon mehr als einmal über- oder auch durchstanden - so genau kann ich das nicht unterscheiden, wahrscheinlich war es immer eine Mischung.

Wie kann man mit solchen Verletzungen umgehen? Ein Patentrezept oder eine Patentlösung gibt es dafür nicht, weil es so viele Möglichkeiten gibt wie es Menschen gibt. Ein- und dasselbe Gefühl nimmt jeder Mensch aus seinen ureigenen persönlichen Erfahrungen wahr.

Ganz wichtig für mich ist die Fähigkeit, dem Anderen auch dann noch echter Freund zu sein, wenn seine bzw. ihre Entscheidung nicht in das eigene Lebens-, Gefühls- und Wunschbild passt - in meinen Augen eine unabdingbare Voraussetzung für die Pflege und Stabilisierung der Freundschaft. Nicht nur über die Freuden in einer Freundschaft sollte man sich in allen Möglichkeiten der Kommunikation austauschen, sondern gerade auch über die Schmerzen. Auch wenn wir uns sehr intensiv und in vielen Facetten kennen (so zumindest meine Erfahrungen), so kennen wir nicht alle Facetten in unseren Mitmenschen - ganz zu schweigen davon, dass ich mich oftmals in meinen eigenen Facetten nicht auskenne.

Meinem geachteten und geschätzten Mitmenschen meinen Schmerz mitzuteilen, befreit mich nicht von diesem Schmerz, aber es erleichtert ihn. Und es ist eine sehr schöne Erfahrung, auch in meinem Schmerz als liebenswerter Mensch angenommen zu werden. Nur muss ich für mich einen Weg finden, diesen Weg "in meinem stillen Kämmerlein" so zu verarbeiten, dass ich die Kraft des Schmerzes umwandeln kann in noch mehr Kraft für die Freundschaft.

Vor vielen Jahren hat mich mal ein Mensch gefragt: "Sag mal, fällt Dir nach so vielen Trennungen nicht jede Trennung leichter?" Mit einem verdutzten Gesicht habe ich diese Frage verneint. An Schmerzen kann ich mich nicht gewöhnen, zumal wenn es seelische Schmerzen sind. Ich kann und versuche nur jedes Mal aufs Neue, den Schmerz anzunehmen und aus ihm neue Kraft zu schöpfen. Und das ist immer wieder eine neue Herausforderung, die ich bisher - und auf die Zukunft gesehen bin ich da sehr zuversichtlich - immer wieder in der ein oder anderen Form gemeistert habe. Die "Ergebnisse" entsprachen zwar nicht immer meinen Wünschen, haben aber dennoch meinen positiven Energiehaushalt bereichert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen