Donnerstag, 17. September 2009

Entscheidungen fürs Leben


Es gibt menschliche Schicksale, die so unglaublich anmuten und doch auf Grund der Stärke der Betroffenen so wunderbar sind, dass diese Menschen mich begeistern und mir auf meinem nicht immer leichten Weg sehr viel Mut machen:
  • Da ist der an Leukämie erkrankte Mann, für den sich ein Knochenmarkspender fand. Und als er das Schlimmste überstanden hatte, wurde er plötzlich blind. Über 160.000 blinde und mehr als eine halbe Million hochgradig sehbehindete Menschen in Deutschland meistern ihren Alltag. Und dieser Mensch geht gelassen an sein Schicksal: "Und jetzt ist es einer mehr" und sein Leitspruch wird "Nutze die Nacht".
  • Da gibt es die Mutter, die lange auf ihren Sohn gewartet hat, der als Obdachloser durch die Welt geirrt ist. Bis dass ein Brief aus Stuttgart kam, dass ihr Sohn dort in einer kalten Nacht erfroren sei. Sie trauert ihm nach, aber die Angst ist jetzt weg.
  • Und da ist auch der zähe Kämpfer, den die Ärzte schon dreimal aufgegeben hatten und den drei Lebertransplantationen vor dem Tod bewahrt haben. Die letzte Operation dauerte mit Unterbrechungen drei Tage. Es gab innere Blutungen und er bekam mehr als 130 Blutkonserven. Es stand lange nicht gut um diesen Mann - und nichtsdestotrotz entschied er sich auch dieses Mal wieder fürs Leben.
  • Auf dem Weg von einer Baustelle zur nächsten kollidiert er unverschuldet mit einem Audi, der ihm mit 100 Stundenkilometer frontal ins Auto fährt. Er weigert sich, sich ein Bein amputieren zu lassen. 26 Operationen und von den Behörden als Sozialschmarotzer abgestempelt - ohne seine Freundin, die ihn auch mit den kaputten Beinen mag, hätte er es nicht geschafft.
  • Er war mehr als zehn Jahre schwer Heroin abhängig. Und als er ganz unten war, hat er sich zurück gekämpft in ein Leben ohne Drogen. Heute kämpft er als Suchthelfer gegen diesen Wahnsinn.
  • Der schwerstbehinderte Mann und die schwerstbehinderte Frau, die sich in einem Heim kennen und lieben gelernt haben, das für sie Endstation sein sollte. Sie wollten ihren Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen; doch die Heimleitung stellte sich quer. Doch sie haben nicht aufgegeben und Erfolg gehabt. Heute leben sie mit Unterstützung des Projekts "Insel" ein weitgehend eigenständiges Leben in einer behindertengerecht ausgebauten Wohnung. Als nächstes wollen sie gemeinsam einen längeren Urlaub machen.
  • Krebs im Endstadium, die Ärzte schicken ihn wieder nach Hause. Doch der Unbeugsame macht sich auf seine letzte Reise zu sich selbst. Auf einer mehr als zehnmonatigen Reise in seine Vergangenheit durchwandert er 3.350Kilometer. Er hat darüber ein Buch geschrieben. Es erscheint am selben Tag, als er dem Krebs erliegt.
Das Lesen des Buches, aus dem ich diese kurzen Ausschnitte übernommen habe, ist mir sehr unter die Haut gegangen. Ich musste manch eine Pause einlegen und so manch ein Taschentuch wanderte in den Papierkorb. Dieses Buch hat mich beeindruckt, erschüttert und auch sehr viel Mut gemacht.

Wer noch über seinen egoistischen Tellerrand schauen kann und die Zeit und Lust zum Lesen hat, dem möchte ich dieses Buch sehr gerne empfehlen. Es hat den Titel "Und plötzlich ist alles ganz anders. Ungerade Lebensläufe" und ist erschienen 2009 im Verlag Klöpfer und Meyer, Tübingen.

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