Samstag, 11. Juli 2009

Kassenpatienten und IGeLeistungen



Die Presseerklärung des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) vom 11. Juli 2009 zu Individuellen Gesundheitsleistungen kann ich als mündiger und selbstverantwortlicher Patient in einigen Punkten nicht unkommentiert lassen.

Zitat 1: Eine bis drei Milliarden Euro für Leistungen, die niemand kontrolliert, deren Indikation nicht überprüft wird, deren Nutzen oder Schaden für den Patienten nicht bekannt ist.

Gilt das nur für die individuellen Gesundheitsleistungen? Wer kontrolliert denn wirksam und im Sinne der Patienten die Indikationen und deren Nutzen und Schaden der "Kassenleistungen"? Hier kann sich doch die Pharmaindustrie noch immer zum Schaden der Patienten erlauben, unnütze und vermutlich auch schädliche Medikamente auf den Markt zu werfen. Und es gibt immer noch viel zu viele Ärzte, die sich von der Pharmaindustrie kaufen lassen. Als Kassenpatient wage ich sogar zu behaupten, dass die ein oder andere individuelle Gesundheitsleistung vermutlich wirksamer ist als die entsprechenden Kassenleistungen. Doch zählt leider hier in erster Linie das Geschäft und dann erst das Wohl und die Gesundheit des Kassenpatienten.

Zitat 2: Direkte Bezahlung von Leistungen verführt die Ärzte zur Erbringung von unnötigen Leistungen. Sie untergräbt das Vertrauensverhältnis von Arzt und Patient

Bis vor einigen Monaten habe auch ich noch geglaubt, dieses Vertrauensverhältnis sei zweiseitig. Doch ich hatte mich getäuscht, weil dieses Vertrauensverhältnis ausschließlich einseitig ist. Ich als Patient brauche Vertrauen zu den mich behandelnden Ärzten, was mir nach meinen jahrzehntelangen Erfahrungen äußerst schwer fällt. Der Arzt braucht zu mir als Mensch und Patient gar kein Vertrauen zu haben, weil ich sein Kunde bin, mit dessen Behandlung er sein Geld verdient. Er hält sich in der Regel für den "Experten" und mich als Patient für den Unwissenden - und die Ärzte, die Vertrauen in meine Selbstwahrnehmung und Selbstverantwortung haben, kann ich an einer Hand abzählen.

Zitat 3: Der Arzt ist kein Kaufmann.

Vom juristischen Begriff des Kaufmann mag das stimmen. Aber das ist meines Erachtens nur Augenwischerei, weil Kaufmann wie Arzt Gewinn machen wollen. Auch mit und an Menschen kann man Gewinn machen. Das zitierte Argument steht daher auf sehr wackeligen Beinen.

Zitat 4: Die Patienten wurden inzwischen daran gewöhnt, neben Chipkarte auch das Portemonnaie zum Arztbesuch mitzubringen. Sie werden dadurch schon heute darauf vorbereitet, zukünftig weitere Zuzahlungen zu akzeptieren.

Und wie gehe ich als Kassenpatient damit um?




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