Freitag, 26. Juni 2009

Michael Jackson und die öffentliche Trauer



Man mag zu Michael Jackson stehen wie man will und man mag seinen Tod betrauern - das will ich gar nicht werten. Doch ich möchte bei dieser Gelegenheit fragen, wer trauert denn öffentlich um die Menschen, denen "Dank" der Hartz-Gesetze die Butter fürs Brot fehlt und die oft langsam und von der Öffentlichkeit unbeachtet seelisch und körperlich sterben? Sind diese Menschen die akzeptierten Opfer in unserer Leistungsgesellschaft, denen die öffentliche Achtung gnadenlos entzogen werden darf?

Und was ist mit den Millionen hungernden Menschen in dieser Welt, die keinen berühmten Namen haben und von denen Tag für Tag Tausende sterben, ohne dass wir sie überhaupt wahrnehmen? Ist ihr Überlebenskampf nichts wert? Gilt ihr fortwährender Kampf ums Überleben so ganz und gar nichts?

Die Zeilen aus der "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht
Und die einen sind im Dunkeln.
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte.
Die im Dunkeln sieht man nicht.
sind vor 81 Jahren geschrieben worden und haben von ihrer Aktualität nichts eingebüßt.

Darum gedenke ich nicht der prominenten Toten mit ihren großen Trauergemeinden, sondern ich gedenke der vielen Tausend Menschen, die täglich im Verborgenen sterben.

Kommentare:

  1. Gerd, die Menschen die Du da bedenkst, die kannten auch Michael Jackson und haben ihn bewundert, da er ihnen auch Trost in seinen Liedern gab.Micael war ist wird auch immer bei diesen Menschen sein. Denn er war zwar außergewöhnlich, aber er hatte auch Mitgefühl für die Schwachen. Und unsere Gesellschaft ist seid Gerd Schröder sehr zerrissen, was uns allen letztlich schadet. LG Manuela

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  2. Lieber Gerhard,

    jeder kann zu einem Menschen stehen wie er will. Ob prominent oder nicht. Es bleibt ein Mensch. Auch ein prominenter Mensch hat Gefühle, Stärken, Schwächen. Wie jeder andere auch. Trauer um Menschen ist allumfassend. Bloß weil die Menschen um Michael Jackson trauern, heißt das nicht, dass sie die Augen vor anderen Missständen im eigenen Umfeld/in der Welt verschließen. Es wäre leichtfertig, dies anzunehmen.

    Was viele nicht wissen ist, dass Michael Jackson ein prominenter Mensch war, der mit seinen Millionen anderen Menschen geholfen hat. Er ist der Entertainer, der am meisten für caritative Zwecke gespendet hat. Bis heute. Das vergessen viele gerne. Er hat sich gekümmert. Das betrifft nicht nur das große Ganze. Es war auch im Kleinen so. So hat er z.B. Reinigungspersonal oder Hausbeschäftigten, sowie armen Familien ermöglicht, seine Konzerte kostenfrei zu besuchen. Er hat Kinderheime und Krankenhäuser unterstützt. Hier starb also kein "wertloser" Promintenter, sondern ein für mich sehr wertvoller Mensch, der seinen Beitrag für die Gesellschaft geleistet hat, und zwar mehr, als viele von uns. Daher trauere ich um Michael Jackson ebenso sehr, wie um das krebskranke Kind, dem nicht mehr geholfen werden konnte. Ich mache keine Unterschiede, denn im Tod sind alle Menschen gleich.

    Beste Grüße
    Claudia

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  3. Lieber Gerhard

    Auch ich mochte Michael Jackson, da sein Tanz und sein Aufopfern stets Reichtum für mich waren und bleibt.
    Oft spiegelte seine Traurigkeit der Tränen die wahre
    Traurigkeit der Menschen wieder.
    Doch wie du schon angeführt, es leben und sterben
    unzählige Menschen in Armut.
    Auch an diese denke ich.
    Nicht nur Große Künstler gehen.
    Auch in meinem Lebenskreis sind schon einige Menschen
    gegangen.
    Michael Jackson ist nicht allein gegangen.
    Sein Herz war reich gefüllt und so darf ich
    beruhigt sagen, dass es zwar traurig stimmt wenn ein Künstler wie Michael Jackson sich verabschiedet,
    aber auch möchte ich auf die Menschen hinweisen
    die ihren täglichen Überlebenskampf führen.
    Ein Großer geht wie ein Großer.
    Und doch sind wir alle gleich.

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