Montag, 2. März 2009

Vorsorgeuntersuchung gegen Darmkrebs


Vor einigen Wochen wollte ich eine Vorsorgeuntersuchung gegen Darmkrebs durchführen lassen. Dazu wurde mir ein Informationsblatt zur Kenntnisnahme und Unterschrift ausgehändigt. Mit meiner Unterschrift sollte ich dem Eingriff zustimmen. Doch nicht nur dem Eingriff, sondern auch den zahlreichen Risiken, die mit dieser Untersuchung verbunden sind. Leider liegt mir dieses Informationsblatt nicht vor, und ich habe auch vergessen, es mir aushändigen zu lassen (sofern es mir überhaupt ausgehändigt worden wäre). Denn ich würde die Risiken, die das Informationsblatt zur Hälfte füllten, gerne im Detail näher beleuchten.

Nachdem ich die mit dieser Vorsorgeuntersuchung verbundenen Risiken zur Kenntnis genommen hatte, wurde mir angst und bange um meine Gesundheit und mir blieb keine andere Möglichkeit als die Untersuchung abzulehnen.

Nun muss es nicht unbedingt zu den genannten Nebenwirkungen kommen; doch ist meines Erachtens zu bedenken:

Mit meiner Unterschrift hätte ich mich gewissermaßen damit einverstanden erklärt, dass es zu den genannten Nebenwirkungen kommen kann. Wäre nun eine der genannten Nebenwirkungen eingetreten, müsste ich nicht nur darunter leiden und Folgebehandlungen über mich ergehen lassen, sondern der behandelnde Arzt wäre auch seiner Verantwortung entbunden, weil ich ja über die möglichen Nebenwirkungen informiert gewesen wäre und dem Eingriff zugestimmt hätte. Dadurch wäre es ihm zusätzlich möglich, es an der unbedingt notwendigen Sorgfalt fehlen zu lassen.

Diese meine Überzeugung wird zusätzlich untermauert durch den Tatbestand, dass der Arzt sich weigern würde, den Eingriff ohne meine Zustimmung durchzuführen (grundsätzlich auch bei anderen Eingriffen). Der Arzt will sich mir gegenüber absichern. Doch wo bleibt meine Absicherung. Welcher Arzt unterschreibt mir eine Erklärung, dass er für Negativfolgen seiner Behandlung mir gegenüber in vollem Umfang haftet? Dieser Mut fehlt den Ärzten, weil sie ihre Verantwortung lieber an den Patienten abgeben - ist ja auch einfacher und im Klageverfahren hätte der Arzt durch die Unterschrift des Patienten leichteres Spiel - unabhängig davon, dass er vor Gericht fachlich wie menschlich wesentlich mehr Ansehen hat als ein (Kassen-)Patient.

Ich hätte ja noch meine schriftliche Zustimmung zu dieser Vorsorgeuntersuchung gegeben, wenn der Text lauten würde Ich bin mit den notwendigen Maßnahmen zur Durchführung der Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung einverstanden, ohne dass diese Zustimmung mit der Kenntnisnahme zu den Risiken verknüpft würde.

Oft beinhaltet eine solche Unterschrift auch noch die Bestätigung, man sei ausführlich über die Behandlung und deren möglichen Risiken informiert worden und hätte genügend Zeit für Fragen gehabt und alle Fragen seien ausreichend geklärt worden:
a) Wenn ich den Begriff "ausführlich" auch medizinisch begreife, so kann ich eine solche Bestätigung doch gar nicht geben, weil ich als Laie gar nicht einzuschätzen vermag, ob ich auch tatsächlich fachlich fundiert beraten worden bin. Wenn ich das könnte, bräuchte ich die Beratung durch den Arzt nicht mehr.
b) Im Zweifelsfall würde der Arzt wahrscheinlich leugnen, etwas Bestimmtes gesagt zu haben und seine Verantwortung mit den Worten Das haben Sie falsch verstanden auf den Patienten abwälzen.
c) Ob sich der Arzt tatsächlich die für mich als Patient notwenige Beratungszeit nimmt, wage ich aus meiner eigenen Erfahrung stark zu bezweifeln. "Meine" Ärzte lassen auf die ein oder andere Art und Weise sehr klar erkennen, dass sie das Gespräch möglichst schnell beenden wollen.

Nun mag der berechtigte Einwand kommen, ein gewisses Vertrauen müsste ich den Ärzten schon entgegen bringen. Dem stimme ich voll und ganz zu - nicht nur gegenüber Ärzten ist ein gewisser Vertrauensvorschuss nötig, sondern grundsätzlich gegenüber (fast) allen Menschen, mit denen ich Umgang habe. Ich habe schon seit meiner Jugend, in der ich jahrelang auf Rheuma behandelt worden bin, ein sehr gutes Verhältnis zu mir und meinem Körper entwickelt. Und leider muss ich bei Ärzten immer wieder erleben, dass sie mich in meinen eigenen Wahrnehmungen nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit behandeln und sich auch nicht die Zeit für mich nehmen, die ich brauche.

Wenn ich mal alle ärztlichen Behandlungen meines Lebens an mir vorüber ziehen lasse, so kann ich nur sagen, dass die Krankenkassen sehr viel Geld für mich "zum Fenster hinaus werfen" mussten und Ärzte zum Teil gut an mir verdient haben.

Ich bin auch schon so manches Mal mit dem Arzt-Argument abgeschmettert worden: "Das verstehe ich nicht, Sie sind der erste, der so Etwas äußert." Es mag anmaßend klingen, aber ich halte mich für einen der wenigen mündigen Patienten, der das seinen Ärzten gegenüber immer wieder einfordert.

Zwar ist nicht jeder Arztbesuch mit Angst verbunden, aber ich bin immer nervös, weil ich nicht weiß, ob der behandelnde Arzt mir mit der nötigen Achtung und Zeit begegnet.

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