Montag, 30. März 2009

Ein Abschied (noch Dichtung)


Der Sarg mit meiner Mutter wird in die Erde hinab gelassen, und die Trauernden stehen mit der passenden Mimik dabei, nehmen der Reihe nach etwas Erde auf die Schaufel und lassen sie auf den Sarg hinunter fallen.

Ich hocke mich vor das Grab und verabschiede mich von meiner Mutter: "Tja Mutti, nun hast Du so viele Jahrzehnte gelebt. Und unsere Gespräche sind immer an der Oberfläche gewesen. Ernsthaft hast Du Dich für mein Leben nie interessiert und so musste unsere Beziehung immer an der Oberfläche bleiben. Aber damit wir nicht ganz so dumm auseinander gehen, habe ich Dir einen Teil von Dem nieder geschrieben, über das ich mich gerne mit Dir in Ruhe, Sachlichkeit und gegenseitiger Achtung ausgetauscht hätte." Und ich ziehe einen verschlossenen Umschlag aus meiner Jacke mit einigen beschriebenen Seiten darin und lasse ihn auf das Grab meiner Mutter flattern: "Vielleicht hast Du ja Lust und Zeit, Dich mit meinen Worten zu beschäftigen. Und wenn Du antworten magst, vielleicht gibt es ja dort, wohin Du jetzt umziehst, auch einen Internet-Anschluss. Okay Mutti, ich will nicht allzu viele Worte machen. Mach´s gut und pass auf Dich auf."

Dann nehme ich Erde in meine Hände und lasse sie mit den Worten "Leben zu Leben" auf meinen Brief und meine Mutter herab fallen.

Meine Mutter ist 85 und wird voraussichtlich noch meinen Übergang in die Rente mit erleben. Der erdichtete Abschied ist Zukunft, kommt der Wirklichkeit jedoch äußerst nahe.

Kommentare:

  1. Nice Blog
    I enjoy this blog

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    Best Regard,
    OrLaNd
    @@@ INDONESIA @@@

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  2. Hello OrLaNd,

    I am happy that my blog is read and accepted in Indonesia as well.

    Best Greetings
    from Solingen (Germany)
    Gerhard

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  3. Lieber Gerhard. Ist mit sehr viel Einfühlungsvermögen geschrieben und sprichst von der Seele. Wären alle Menschen so zueinander, hätten wir keine Kriege, keine Hungernden und keine Leidenden.

    Gruss jonas Birma News

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