Mittwoch, 18. Februar 2009

Eigene Wege gehen


Schon in meiner Kindheit habe ich versucht, nicht immer die Wege zu gehen, die meine Eltern aus ihrer Sicht für mich als die besten empfanden. Schon damals war ich das schwierige Kind, weil ich einen eigenen Kopf hatte. Daher kam dann auch die negativ gemeinte Kritik, ich sei dickköpfig. Dabei wollte ich gar nicht so unbedingt meine Meinung durchsetzen, sondern mich mit meiner Familie über meinen "dicken Kopf" auseinander setzen. Das ist mir in meiner Familie bis heute nicht gelungen.

Auch in der Schule habe ich immer versucht, meine eigenen Wege zu gehen. Dort war es dann glücklicherweise so, dass ich mit Menschen zu tun hatte, die sich mit mir auseinander gesetzt haben und mit denen ich mich fruchtbar und gewinnbringend austauschen konnte. In dieser Zeit habe ich sehr aktiv friedens-, kultur-, studenten-, partei- und gewerkschaftspolitisch gearbeitet und auch gekämpft. Es war die fruchtbarste Zeit meines Lebens.

Auch in meinen beruflichen Tätigkeiten habe ich immer wieder versucht, eigene Wege zu gehen - aber immer auch im Sinne des Unternehmens; zu meinem Nachteil musste ich leider immer wieder an Arbeitgeber geraten, die mit selbständig denkenden und handelnden Mitarbeitern nicht umgehen können und wollen.

Auch heute versuche ich immer noch eigene Wege zu gehen und mir wertvolle Menschen einzubeziehen. Das ist manches Mal sehr schwierig, aber keineswegs aussichtslos. So manch ein Mensch wendet sich wieder von mir ab - heute bin ich der schwierige und renitente Erwachsene - und andere sehen meine Art des Denkens und Handelns als Bereicherung für sich selbst an. Darüber freue ich mich immer wieder und gebe diesen Menschen auch sehr gerne sehr viel von mir.

Nicht alle Ziele habe ich in meinem Leben erreicht und so manch ein Ziel werde ich wohl nie erreichen. Für mein Leben gibt es nicht den Weg, sondern es gibt für mich viele Wege. Und so wie ich mich im Wald verlaufen kann und dennoch immer wieder heraus finde, so kann ich mich auch im Leben verlaufen, mich nicht aufgeben, immer wieder nach dem richtigen Weg suchen und auch Wege ausprobieren, die mich anfangs ängstigen und wo ich mich dann schnell freue, meine Ängste überwunden zu haben und den Weg sehr gerne gegangen zu sein oder noch zu gehen. Manch einen Weg entdecke ich erst so wirklich und intensiv, wenn ich bereit bin, ihn zu gehen.

Ich möchte meine Gedanken gerne mit einem Spruch abschließen, den ich kürzlich in einem historischen Roman gelesen habe: Der Weg des Lebens verläuft nur selten gerade. Unvermittelt weist er Kurven und Abweichungen auf.

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