Dienstag, 2. Dezember 2008

Sich gegenseitig helfen


Für mich gehört es zum Wesen einer Freundschaft, achtsam und aufmerksam miteinander umzugehen, sich gegenseitig wahrzunehmen, sich gegenseitig anzunehmen und sich gegenseitig zu achten. Das gilt nicht erst, wenn die Freundschaft über längere Zeit auch als Freundschaft gefühlt und gelebt wird, das gilt für mich auch schon dann, wenn ich mir mit meinem Gegenüber eine Freundschaft wünsche und bereit bin, daran und dafür zu arbeiten. Auch in dieser Phase versuche ich, mein Gegenüber aufmerksam und einfühlsam wahrzunehmen, seine Freuden und seine Leiden zu teilen. Freude zu teilen fällt den meisten Menschen leichter als Leid zu teilen. Doch Leid miteinander zu teilen heißt für mich nicht, auch zu leiden, sondern zu versuchen, mich mit meinem Gegenüber über sein Leid auszutauschen, ihm vielleicht ein Stück neue Sichtweise zu vermitteln, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen - theoretisch und praktisch. Ich biete ihm meine aktive Hilfe an - aktiv: nicht nur passiv zuhören, sondern aktiv zuhören, teilnehmend nachfragen, hinterfragen, Möglichkeiten aufzeigen, sie wieder verwerfen, sie annehmen oder auf diesem Weg eine Lösung zu finden, an die vorher unter Umständen niemand gedacht hat.

Doch wie kann ich mich verhalten, wenn meine Hilfe abgelehnt wird? In langfristigen und stabilen Freundschaften - das weiß ich aus eigenen Erfahrungen - lohnt es sich immer, um den anderen und die Freundschaft zu kämpfen. Und in jungen Freundschaften bzw. Beziehungen, in denen ich mir eine Freundschaft wünsche? Da zeigen meine Erfahrungen leider immer wieder, dass ich trotz meiner Bemühungen regelmäßig an der Haltestelle Außer Spesen nichts gewesen ankomme.

Dennoch versuche ich, jeden neuen Menschen in meinem Leben als eine eigenständige Persönlichkeit mit seinen eigenen Erfahrungen und seinen eigenen Schlussfolgerungen aus diesen Erfahrungen zu sehen und anzunehmen. So manches Mal habe ich schon gedacht, im Älterwerden wird es auch schwieriger mit neuen Freundschaften und Beziehungen. Ich habe schon Vieles gelebt und erlebt und manches möchte ich nicht wiederholen und manches auch sehr gerne mit einem anderen Menschen wieder leben und erleben.

Ich werde weiter suchen. Und es wäre mit Sicherheit ein schönes Gefühl, auch mal gefunden zu werden. Als gestandener Optimist werde ich mit meiner Suche spätestens auf dem Totenbett aufhören (müssen). Doch bis dahin wird noch viel Wasser die Wupper hinunter fließen.

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