Sonntag, 1. Juni 2008

Ausgewogenheit

Im Umgang mit mir wichtigen Menschen stehe ich immer wieder vor der Frage der Ausgewogenheit - Ausgewogenheit als grundlegendes Gefühl, dass weder ich mit meinen Anliegen und Wichtigkeiten zu kurz komme noch mein Gegenüber. Leider habe ich häufig das Gefühl, dass ich meinem Gegenüber aufmerksam zuhöre und mich mit seinen Wichtigkeiten auseinander setze, ich selbst dabei jedoch zu kurz komme. Andererseits will ich auch nicht meine Wichtigkeiten in den Mittelpunkt stellen, so dass mein Gegenüber das Gefühl hat, bei mir zu kurz zu kommen.

In der Regel bemühe ich mich um einen Austausch, in dem jeder seine Erfahrungen zu einer bestimmten Frage beisteuert. Das ist unbestritten nicht immer möglich, weil es Umstände gibt, in denen nur ein Mensch im Mittelpunkt steht und stehen muss. Sofern ein Austausch möglich ist, ist aus meinen Erfahrungen heraus diese Form der Kommunikation die fruchtbarste für alle Beteiligten.

In konzentrierten Gesprächen mit der Problematik meines Gegenübers fehlt mir manches Mal auch der Mut, das Gespräch vorsichtig zu beenden, wenn ich merke, dass meine Konzentration für den Augenblick erschöpft ist. Dieser fehlende Mut kann dann dazu führen, dass ich erst eine Zeit der Ruhe und Besinnung für mich brauche, um mich wieder einlassen zu können.

Ich kann meine Anliegen und Wichtigkeiten anmelden und einfach zum Gesprächsthema machen - doch das ist nicht mein Ding. Erst Nachfragen, Hinterfragen und auch Zuhören zeigt mir das ehrliche Interesse meiner Menschen an mir, das ich ebenfalls versuche zu geben. Und auf diesem Weg von Gegenseitigkeit kann dann auch beständiger und fruchtbarer Austausch entstehen und ein stabiles Gefühl von Ausgewogenheit.

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