Mittwoch, 28. Mai 2008

Heuschrecken im öffentlichen Raum - eine Buchempfehlung

Das Prinzip des in Großbritannien entwickelten Finanzprodukts Public Private Partnership (PPP) gilt inzwischen weltweit, in der EU und auch in Deutschland als neues Heilmittel gegen Staatsverschuldung und Investitionsstau. Dabei übernimmt der Investor nicht nur den Bau etwa einer Schule, eines Rathauses, einer Straße oder eines Gefängnisses, sondern auch Planung, Finanzierung und langfristigen Betrieb, während die öffentliche Hand im Gegenzug 20 bis 30 Jahre eine Miete zahlt.

In seinem aktuellen Buch Heuschrecken im öffentlichen Raum, Public Private Partnership - Anatomie eine globalen Finanzinstruments (transcript-Verlag, Bielefeld 2008, 168 S., kart., 16,80 Euro, ISBN 978-3-89942-851-3) beleuchtet der Auto Dr. Werner Rügemer - Philosoph, Publizist, Lehrbeauftragter an der Universität Köln und Vorsitzender von Business Crime Control - die kennzeichnenden Merkmale und Hintergründe dieses Finanzprodukts.

Neben den Merkmalen und bisherigen Ergebnissen in Großbritannien bietet das Buch Falldarstellungen über Akteure, Lobbyisten-Netzwerke und Gesetze in Deutschland: u.a. Schulen, Mautstraßen, Messehallen, Tunnels, e-government. Charakteristika von PPP, die den Medien, Abgeordneten und Stadträten üblicherweise vorenthalten werden, werden offen gelegt: Geheimhaltungspflichten, getrickste Wirtschaftlichkeitsvergleiche, Struktur der komplizierten Vertragswerke, Transaktionskosten, Anpassungsklauseln, Verpfändung der Verträge (Forderungsverkauf), statistische Kosmetik.

Auch die betriebs- und volkswirtschaftlichen Folgen und Kollateralschäden auf nationaler sowie auf EU-Ebene – z.B. niedrige Bauqualität, Steuerverluste des Staates, schleichende Staatsverschuldung, Mieterhöhungen, Ausschaltung des Mittelstands, Einsatz von Niedriglöhnern – werden erstmals zusammenfassend dargelegt.

Die Lektüre dieses enthüllenden Buches ist ein Muss für jeden, der mehr über die Hintergründe und Hintermänner von Public Private Partnership (PPP) erfahren will.


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