Freitag, 8. Februar 2008

Zunehmende Klagen über zunehmende Ungerechtigkeit

Da lese ich doch heute in den Medien, dass sich die Deutschen immer mehr über die zunehmende Ungerechtigkeit in unserem Land beklagen. Warum auch nicht? Im Klagen waren die Deutschen schon immer gut, im Handeln jedoch besteht großer Nachholbedarf:

Aktuelles Beispiel ist die beschlossene Schließung des Nokia-Werkes in Bochum. Die Nokia-Mächtigen beschließen kaltschnäuzig die Schließung des Werks zur Jahresmitte. Und was macht die Gewerkschaft? Abgesehen davon, dass sie angeblich davon nichts gewusst hat, will sie – gut erzogen in Sachen Sozialpartnerschaft – erst mal verhandeln. Als wenn das die Nokia-Oberen überhaupt interessieren würde. Aber mit "Gesprächsbereitschaft" sind die Gewerkschaften ja schon seit vielen Jahren zu kaufen.

Die Gewerkschafts-Oberen und die große Mehrheit der Mitgliedschaft wollen einfach nicht begreifen, dass Erfolge nur durch Kampf zu erreichen sind. Bei "Gesprächen" kommen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur Brotkrümel heraus und die Gewerkschaften fahren sich langfristig selbst an die Wand.

Auch über das Elend und die Verarmung der von Hartz IV Betroffenen wird immer mal wieder berichtet und geklagt. Aus eigener Erfahrung mit der Gründung von gewerkschaftlichen Erwerbslosen-Initiativen muss ich leider sagen, dass die große Mehrheit der Langzeitarbeitslosen zumindest in ihrer Das-hat-doch-alles-keinen-Sinn-Haltung für ihre Lage mitverantwortlich ist. Menschen, die noch nie arbeitslos waren, kann ich in der Regel meine Lage schneller verdeutlichen (sofern es überhaupt nötig ist) als Menschen ohne Arbeit oder mit geringem Einkommen. Eine Erfahrung, die mir ziemlich unerklärlich ist.

Auch hier muss ich aus eigener und den Erfahrungen anderer arbeitsloser Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sagen, dass von den Gewerkschafts-Offiziellen ziemlich wenig Unterstützung kommt.

Ich denke, dass die Meisten von uns auf ziemlich vielen Baustellen tätig sein müssen, um zu überleben. Auch mich packt manches Mal das kalte Grausen und das Bedürfnis, mich ganz hinten in einer Höhe zu verstecken. Aber ich klage nicht nur, sondern versuche aktiv, Wichtigkeiten für mich zu setzen und Verhältnisse zu ändern, die mich und meine Menschen betreffen. Dieser "kleine Rahmen" mag egoistisch erscheinen. Aber meine Zeiten sind schon lange vorbei, in denen ich "die Welt" verändern wollte.

Bedauerlich finde ich in unserer schnelllebigen und oberflächlichen Zeit, dass die Dinge im Kleinen und die Dinge im Großen nicht mehr miteinander in zumindest gewisse Übereinstimmung gebracht werden können.

Eine Großdemonstration aller Nokianerinnen und Nokianer zusammen mit "nur" 50 % aller Arbeitslosen in NRW, aktiv (d.h. nicht nur in Worten) unterstützt vom DGB und allen Einzelgewerkschaften – ach wovon träume ich eigentlich nachts? Doch wie heißt es so sinnreich:

Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Leben!

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