Freitag, 22. Februar 2008

Unverständnis

Angesichts der immer noch gegenwärtigen Schließung von Nokia in Bochum gehen die Gewerkschaften und ihre Beschäftigten doch wieder mal hin und wollen ausschließlich ein paar Prozente mehr Geld. Als ginge es nur ums Geld – eine äußerst kurzfristige und kurzatmige Denkweise.

Wie kann man in einer Tarifauseinandersetzung nur aus den Augen verlieren, dass es den Managern, von denen man mehr Geld verlangt, gar nicht um die paar Prozente mehr Gehalt geht, sondern um Macht, die sie im Verbund mit den Politikern immer mehr offen und versteckt durchsetzen.

Und in einer solchen Lage (die im Übrigen schon viele Jahre voranschreitet) fordern die Gewerkschaften und ihre Beschäftigten nur ein paar Euro mehr. Schon morgen kann es ihnen genau so gehen wie den 2.300 Bochumer Nokia-Beschäftigten. Wo bleibt der Kampf gegen den Sozialabbau?!?

Wo bleibt die Forderung nach Neueinstellungen?
Wo bleibt die Forderung nach Abschaffung der menschenverachtenden Hartz-Gesetzgebung?
Wo bleibt die Forderung nach einem Gesundheitswesen, das Arm und Reich gleiche Möglichkeiten bietet, gesund zu werden und gesund zu bleiben?

Wo bleibt die Erkenntnis der noch Beschäftigten, dass sie sehr schnell ihre Arbeit und damit auch die Gehaltserhöhung aus dem letzten Tarifkampf verlieren können und ein Jahr später von 347 Euro monatlich (zuzüglich Miete) leben müssen?

Wo bleibt die Erkenntnis der Gewerkschaften, ihrer Mitglieder und der nicht in der Gewerkschaft organisierten Beschäftigten, dass in den nach wie vor unterschätzten sozialen und politischen Auseinandersetzungen Geld nicht alles ist! Geld beruhigt, aber mit Geld kann man sich auch nicht alles kaufen. Wenn eines Tages das "soziale Netz" so durchlöchert ist, dass man nur noch Löcher sieht, kann man sich seine Lebensqualität nicht mehr kaufen.

Warum – und ich kann es nach wie vor nicht verstehen – denken die Gewerkschaften und die Beschäftigten nicht in großen Zusammenhängen? Die Manager denken schon seit Jahren weltweit – sprich globalisiert; doch die Gewerkschaften denken und handeln regional oder national. Und oft nicht einmal das!

Von den Gewerkschaften wünsche ich mir, dass sie nicht nur von Solidarität reden, sondern sie auch "global" und kämpferisch in Taten umsetzen. Und von den Beschäftigten wünsche ich mir, dass sie immer daran denken, dass jede Gehaltserhöhung sehr schnell in Arbeitslosengeld II (Hartz IV) enden kann.

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