Freitag, 29. Februar 2008

ARGE lehnt Hilfe ab

Nach 22 Jahren notwendiger Beratungstätigkeit wurde dem unabhängigen Solinger Arbeitslosenzentrum (SALZ) der finanzielle Hahn zugedreht. Vielen Arbeitslosen, die dort Hilfe gefunden haben, wird mit dieser Schließung eine wertvolle Hilfemöglichkeit genommen.

Der Geschäftsführer der ARGE (das ist die für die von Hartz IV betroffenen Menschen zuständige Behörde) lehnt es in einem Gespräch mit einer Solinger Zeitung ab, den Fortbestand des SALZ aus Mitteln der ARGE sicher zu stellen. Unter anderem äußert er:

"Wir können eine solche Einrichtung nicht fördern, weil unser Anspruch ist ´Wir machen das selbst´."
Da frage ich: Warum wird ergänzende fachliche wie menschliche Hilfe abgelehnt, wo es der ARGE doch an Geld für genügend Personal fehlt?

"Das Arbeitslosenzentrum fechtet zudem unsere Bescheide in großer Zahl an. Eine Finanzierung des SALZ würde also unserem Auftrag widersprechen."
Da frage ich: Wo ist denn schriftlich festgehalten, dass es "Auftrag" der ARGE ist, fehlerfreie und unanfechtbare Bescheide zu erstellen? Selbst die besten MitarbeiterInnen machen Fehler - vor allem unter Personalnotstand und Zeitdruck.
Was ist so schlimm an der Anfechtung von Bescheiden? Anstatt die Kunden (wie Arbeitslose heutzutage genannt werden), die Bescheide anfechten, zu verunglimpfen, gibt es ja auch noch die Möglichkeit, diese Widersprüche für das Qualitätsmanagement zu nutzen.

Im weiteren Gespräch räumt der ARGE-Geschäftsführer zwar ein, dass die Bescheide seiner Behörde nicht immer einfach sind. Und er gibt zu, dass das Zeitfenster für Beratungen beim SALZ großzügiger ist. Gleich im Anschluss folgt dann auch schon sein Aber: "Doch auch wir haben einen Kundenservice, der bei Problemen hilft."
Da frage ich: Hilft er auch immer dem Kunden und nicht häufig auch einzig und allein sich selbst? In den meisten Fällen erhalte ich dort fachkundige Hilfe. Dennoch habe ich auch schon das Gegenteil erlebt und keine Hilfe gefunden.
Und ich frage weiter: Wo gibt es denn die menschliche Hilfe, auf die viele Kunden nicht minder angewiesen sind wie auf die fachliche Hilfe? Ich spreche den Beschäftigten der ARGE diese Bereitschaft keineswegs ab. Doch wo soll die nötige Zeit denn herkommen?

Die Gesetze, Erlasse, Verordnungen und dergleichen im für die Empfänger von Arbeitslosengeld 2 Ausschlag gebenden Sozialgesetzbuch II (SGB II) kommen oft im Überholtempo und die Beschäftigten müssen darin geschult werden. Wie sollen sie in der verbleibenden Zeit dann noch ihre Kunden kompetent beraten? Und wann sollen sie dann auch noch ihren Verwaltungstätigkeiten nachkommen?

Hier sollte der ARGE-Geschäftsführer doch mal bitte schön innehalten und sich klar machen, dass sein Freund-Feind-Denken vollkommen fehl am Platze ist. Das SALZ - wie Arbeitslosenzentren und -initiativen überhaupt - sind auch für die ARGE(n) unabdingbare Voraussetzung, dass sie ihren Aufgaben überhaupt weitgehend nachkommen können.

Dieser Appell ist nicht geprägt vom Freund-Feind-Denken (hier armer Kunde und dort böse ARGE), sondern einzig und allein vom Gedanken der Kooperation zwischen ARGE, Erwerbsloseninitiativen wie SALZ und den arbeitslosen Kunden.

Kommentare:

  1. Da sieht man es wieder: notwendigen und nützlichen Einrichtungen wird der Hahn zugedreht, aber andererseits werden Millionen an Subventionen an so notleidende Unternehmen wie Nokia gezahlt.

    Das verstehe, wer will.

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  2. Wenn ich zynisch wäre - glücklicherweise bin ich es nicht - würde ich jetzt antworten:

    Wo ist das Problem? Hat man je davon gehört, dass Arbeitsloseninitiativen Leistungsträger unserer Gesellschaft sind?

    Aber ich will ja nicht bösartig werden.

    In diesem Sinne
    Gerhard

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