Montag, 14. Januar 2008

Kopfnoten für Arbeitgeber

Die Wiederentdeckung der Kopfnoten in Zeugnissen in der hintersten Schublade der politischen Mottenkiste soll offensichtlich für Schüler, Eltern, Ausbildungswillige und Arbeitgeber von Nutzen sein. So zumindest NRW-Schulministerin Sommer, die erst mal abwarten will, wie diese Gruppen die Kopfnoten aufnehmen. Das allein schon ist überhebliche und zynische Menschenverachtung unter dem Deckmantel der Demokratie, wenn man berücksichtigt, dass nicht nur ein Teil dieser Gruppen die Kopfnoten ohnehin ablehnt.

Doch möchte ich mich hier fragen, welchen Nutzen die genannten Gruppen denn von Kopfnoten haben könnten.

Die Schüler: Kopfnoten dienten schon zu meiner Schulzeit als Mittel zur Disziplinierung von Schülern, die nicht in das von oben (Schul- oder Klassenleitung) vorgegebene Anpassungsmuster passten. Das hat nichts mit Lernen fürs Leben zu tun, sondern mit Lernen für den unterwürfigen Staatsbürger – auch ohne Uniform.

Die Eltern: Wenn Eltern erst aus den halbjährlichen Pauschalnoten für "soziales" Verhalten erfahren, wie es um ihre Kinder "steht", haben sich diese Eltern aus meiner Sicht ein halbes Jahr nicht um ihre Kinder und ihre fachlichen wie sozialen Lernfortschritte gesorgt.

Die Ausbildungswilligen: Hier werden schon sprachlich die Guten von den Schlechten getrennt. Da wird den lern- und ausbildungsunwilligen Schülern unterstellt, dass sie aus eigenem Willen gar keine Ausbildung machen wollen. So lenken die Politiker von ihrem eigenen Versagen ab, indem sie die Verantwortung dafür "demokratisch" auf die Schüler abwälzen, die in dieser Leistungsgesellschaft nicht mithalten können.

Die Arbeitgeber: Was diese außen stehende Gruppe hier überhaupt mitzureden hat, ist auf den ersten Blick schleierhaft. Sinn macht es jedoch, wenn man sich vor Augen hält, dass die Kopfnoten einzig und allein den Arbeitgeber dienen. Sie können hier schon ablesen, wer in ihr Leistungs- und Anpassungssystem passt und wer nicht. Für die meisten Arbeitgeber zählen ohnehin nicht fachliche und soziale Gesichtspunkte – die Ausnahmen liegen wohl eher im einstelligen Prozentbereich -, sondern die Fähigkeit der Ausbildungsplatzbewerber, sich anzupassen, sich unterzuordnen und Anordnungen blind zu befolgen.

Kopfnoten für Arbeitgeber – würden wir das wörtlich und auch für diese Gruppe ernst nehmen, dann würden die meisten Arbeitgeber weder auf dem Lehrstellen- noch auf dem Stellenmarkt eine Anstellung finden.

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