Donnerstag, 24. Januar 2008

Die Wut der Nokia-Beschäftigten

Die maßlose Wut der Nokia-Beschäftigten auf das Management, das nur mit dem Engagement dieser Menschen Milliarden-Gewinne erwirtschaften konnte, kann ich sehr gut nicht nur nach-, sondern sogar mitempfinden.

Zwar stehe ich schon seit achtzehn Jahren mit Unterbrechungen nicht mehr im Berufsprozess, aber auch ich kenne durch tausende von Absagen und vergebliches Bemühen um den Wiedereinstieg ins Berufsleben die Wut und Ohnmacht gegenüber Arbeitgebern, die straffrei menschliche Existenzen vernichten dürfen, ohne dass irgendein Staatsanwalt auch nur ein Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung - so nenne ich das Verhalten solcher Arbeitgeber – einleiten würde.

Da schustern maßgebliche Politiker Unternehmen wie Nokia Millionen-Subventionen aus Steuergeldern zu und streichen zugleich soziale Leistungen, um solche Fördergelder zu finanzieren. Doch beides widerspricht sich nicht, sondern ist Vorder- und Rückseite ein- und derselben Münze: Es geht um Machterhalt und –gewinn und nicht um Geld, das in ausreichendem Maß für jeden Menschen vorhanden ist!

Diese Verhältnisse werden sich solange weiter verfestigen, wie die Gewerkschaften "Sozial"-partnerschaft betreiben statt zu kämpfen und sich nicht an ihre Versprechen gegenüber ihren Mitgliedern halten. Hier denke ich an die große DGB-Demonstration gegen Sozialabbau im vergangenen Jahr in Dortmund, wo uns versprochen wurde Das ist erst der Anfang! – und dabei blieb es dann auch.

Es gibt viele erfolgreich "im Verborgenen" arbeitende Gewerkschafts- und andere demokratische Bewegungen, denen es jedoch an der nötigen Vernetzung fehlt. Hier könnte der DGB und die starke Einzelgewerkschaft IG Metall die geplanten Massenentlassungen bei Nokia zum Anlass nehmen, ein solches Netz aufzubauen. Der Einzelne kann da nur mühsam bis gar nichts machen. Die Gewerkschaften jedoch verfügen über die entsprechende Infrastruktur in ihren Organisationen.

Es reicht nicht, mit Tränen der Wut gegen Nokia und dieses System zu schimpfen, Der alte gewerkschaftliche Leitsatz Einen Finger kann man brechen, fünf Finger sind eine Faust muss wieder eine tragfähige Grundlage gewerkschaftlicher Aktivitäten und Initiativen werden. Vermutlich für die wenigsten muss ich hier anmerken, dass dieser Leitsatz keine Aufforderung zu Gewalt ist.

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