Mittwoch, 16. Januar 2008

Die Ohnmacht der Gewerkschaften

Der finnische Mobilfunkhersteller Nokia wird in diesem Jahr die Handyproduktion in Deutschland einstellen und damit seinen 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Familien die existentielle Grundlage entziehen.

Die Gewerkschaft ver-di wird sicherlich dagegen mobilisieren. Doch es wird wieder ein Kampf David gegen Goliath werden, in dem die Kapitaleigner von Nokia ungestraft ihren Weg gehen können. Und die Gewerkschaften werden wieder einmal viel Reden und ein wenig Aktionismus zeigen. Selbst wenn die gesamte Belegschaft ihre Wut auf die Straße bringt, letztendlich haben sie schon jetzt verloren. Auch wenn in der Folge eine Restbelegschaft in Bochum bleiben wird – dem großen Rest ist damit in keiner Weise geholfen. Und die kleine Restbelegschaft wird auch sehr bald auf der Straße stehen.

Für mich ist es wenig überzeugend, dass diese Ankündigung überraschend kam. Wie müssen Betriebsrat und ver.di im Vorfeld im "Arbeitnehmerinteresse" gearbeitet haben, wenn ihnen diese Betriebsschließung angeblich verborgen geblieben ist?

Die Politiker, die jetzt auf Nokia schimpfen, sollten wegen ihrer gespaltenen Zungen lieber schweigen: Denn wer – wenn nicht sie – hat Nokia zu 88 Millionen Euro aus Steuermitteln verholfen?

Auch die starke Gewerkschaft GDL sehe ich jetzt nicht mehr so positiv wie in einem früheren Beitrag. Genau wie die DGB-Gewerkschaften hat sie ausschließlich im egoistischen Eigeninteresse der noch beschäftigten Mitglieder gekämpft. Arbeitslosigkeit gibt es in Tarifkämpfen offensichtlich nicht.

Wird die GDL – möglicherweise gemeinschaftlich mit den anderen Bahngewerkschaften – mit der gleichen Durchhaltekraft und Zähigkeit auch gegen die geplanten Fahrpreiserhöhungen und Entlassungen kämpfen? Gegen die Entlassungen bestimmt, gegen die Fahpreiserhöhungen wohl kaum. Fahrgäste passen in diese Denke ebenso wenig wie Arbeitslose. Bedauerlich und erschreckend finde ich, dass die ganz große Mehrheit der "einfachen" Mitglieder genau so denkt.

Ob Bahn, Nokia oder andere Großkonzerne – in den Medien habe ich bisher kein Wort darüber gelesen, dass dieselben Manager, die Massenentlassungen und Kostenerhöhungen (Fahrpreise sind auch Kosten, nämlich für den Endverbraucher) zu verantworten haben, dafür auch noch Millionengehälter kassieren, die aus Steuermitteln subventioniert werden.

Solange die Gewerkschaftsführungen (gleich um welche Gewerkschaften es sich handelt) und ihre noch sozialversicherungspflichtigen Mitglieder nicht einsehen können oder wollen, dass Erfolge langfristig ausschließlich im gemeinsamen Kampf zu erringen sind, solange werden sie Schritt für Schritt ihre Interessenvertretungen an die Wand fahren und schlussendlich alleine dastehen und keine Möglichkeiten der kraftvollen Abwehr von Unternehmerinteressen mehr haben.

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