Samstag, 1. Dezember 2007

Verschiedenartige Gerechtigkeiten

In allen Gruppen – von der Zweierbeziehung bis hin zu Staatengemeinschaften – liegt es in der Natur der Sache, dass die in ihnen lebenden Menschen unterschiedlich denken und fühlen. Das beinhaltet eine tägliche Herausforderung an alle Beteiligten, sorgsam, mitdenkend und mitfühlend miteinander umzugehen.

So wie es im Kleinen oft schon schwierig und mühsam ist, sich immer wieder aufeinander einzustellen, so ist es im Großen noch weitaus schwieriger, weil hier die Interessen von mächtigen Menschen zum Tragen kommen (Manager aus allen Zweigen, Politiker aus allen Parteien, Machtmenschen aus den verschiedensten Organisationen und Verbänden), die in der Regel keinen Bezug mehr zu den einfachen Menschen haben außer dem, sie für ihre Macht- und Geldinteressen zu missbrauchen.

Demzufolge ist es auch ein mühsames Unterfangen, hier mit Gesprächen zu Übereinkünften zu gelangen. Wenn ein Arbeitgeber meint, Massenentlassungen seien für ihn von Vorteil – so entlässt er die Massen, ob mit oder ohne Gegenwehr. Wenn ein Politiker meint, er müsse sich zusätzlich von der Wirtschaft bezahlen lassen und nach seiner Abgeordnetentätigkeit dorthin wechseln – so lässt er sich bezahlen und wechselt. Vom Volk "demokratisch" gewählt, um sich dann von der Wirtschaft kaufen zu lassen und seinen Wähler zu hintergehen.

Da ist es schon leichter, in kleineren Gruppen zu Kompromissen zu kommen. Dort gibt es oft zwar auch Machtkämpfe, aber hier ist die persönliche Betroffenheit noch tiefer und das Wissen und Fühlen um Kompromisse noch deutlicher ausgeprägt.

Die Grenzen zwischen "im Kleinen" und "im Großen" sind oft verschwommen und fließend. Dasselbe gilt für die Fragen: Kann ich in Verhandlungen/Gesprächen einen Kompromiss erreichen? oder Müssen Worte durch deutlich sichtbare und spürbare Kampfmaßnahmen unterstützt werden?

Was ist Gerechtigkeit? Gibt es DIE Gerechtigkeit? Nein, es gibt sie nicht. So wie sich jeder Mensch von seinem Mitmenschen in seiner Persönlichkeit unterscheidet, so unterscheiden sich Gruppen und Staatsformen auch voneinander. Das Leben ist ein beständiges Bemühen und Kämpfen um die vielen Gerechtigkeiten unter uns Menschen.

Es wäre für mich ein großer Schritt zu mehr Menschlichkeit, wenn diese täglichen Auseinandersetzungen nicht in militärischen und strukturellen Kriegen ausgetragen würden.

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