Mittwoch, 19. Dezember 2007

Tarifkämpfe 2008 - Arbeitslose wieder ausgeschlossen

Für das Jahr 2008 haben die Gewerkschaften Lohnforderungen zwischen sieben und neun Prozent angekündigt. Begründet wird das u.a. mit steigenden Diäten und den Managergehältern. Verdi-Chef Frank Bsirske sieht die Diätenerhöhung um 4,7 Prozent als Signal und Orientierungsgröße für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Haben die Gewerkschaften – wieder einmal – vergessen, dass es Millionen Arbeitslose gibt, die abzüglich Mietkosten von 347 Euro im Monat leben müssen? Ob es die Gewerkschaftsfunktionäre und leider auch viele Mitglieder wahrhaben wollen oder nicht – mit dieser Denk- und Handlungsweise schaufeln sich die Gewerkschaften ihr eigenes Grab:

  • Jeder heute noch Beschäftigte kann schon morgen arbeitslos sein.
  • Mit einer wachsenden Zahl von arbeitslosen Mitgliedern sinken die Beitragseinnahmen.
  • Mit weiterem Lohndumping und prekären Arbeitsverhältnissen sinken die Beitragseinnahmen ebenfalls, weil die Beiträge prozentual vom Bruttoeinkommen berechnet werden.
  • Sinkende Beitragseinnahmen bedeuten weiterer Abbau von Rechtsschutzsekretariaten, Entlassungen und kaum noch Geld in den Kampfkassen.
  • Das führt in der Folge zu weniger Motivation bei den Mitgliedern und zunehmenden Gewerkschaftsaustritten.
  • Gerade in der heutigen Zeit müssen Gewerkschaften nicht nur finanziell für ihre Mitglieder da sein, sondern auch sozial. Wenn aber die Millionen arbeitsloser Mitglieder weder als vollwertige Mitglieder noch als vollwertige Menschen gesehen werden, degradieren die Gewerkschaften immer mehr zu reinen Arbeitgeberorganisationen, weil das einzelne Mitglied nicht mehr als Mensch zählt, sondern nur noch als Zahl.

Solange sich in den Gewerkschaften nicht wieder der Grundsatz der Solidarität durchsetzt – Alle für Einen, Einer für Alle – werden die Gewerkschaften und ihre "vollwertigen" Mitglieder mit Sicherheit bescheidene Lohnzuwächse erreichen. Aber dann wird auch die Zeit kommen, in der die Gewerkschaften ihre eigene Auflösung beschließen müssen.

Die Arbeitgeber wird´s freuen. Und so manch ein Gewerkschaftsführer wird dann als Lob und Anerkennung sein Brot im Arbeitgeberlager verdienen dürfen – eine Gepflogenheit nicht nur in Politikerkreisen.

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